Weinbauinfo-Nr. 04-2021


Agenda:     - Maikäferflug
                  - Maßnahmen nach Frost
                  
 
Vegetationsstand und Witterung

Mit den sonnigen Tagen und höheren Tagestemperaturen über das vergangene Wochenende ist der Austrieb der Reben am Kaiserstuhl sichtbar vorangekommen. Ein sehr uneinheitlicher Austrieb kann beobachtet werden. In vielen Lagen werden die Frostschäden augenscheinliche Realität. Teilweise spürt man aber Erleichterung bei den Winzern, da die Frostschäden geringer ausgefallen sind als erwartet. Hier liegt nun die Hoffnung auf den Bei- bzw. Nebenaugen. Dies kann aber noch einige Tage dauern.
Insgesamt ist die Entwicklung nach wie vor durch kalte Winde und beginnende Trockenheit gebremst. Momentan bewegen wir uns in den mittleren Lagen im Bereich 1-Blatt entfaltet. In frühen Lagen können wir auch schon 3 Blätter finden.
Die Wettervorhersage meldet zunehmende Bewölkung mit möglichen höheren Niederschlägen zwischen Freitag und Sonntag. Es kühlt insgesamt ab. Damit ist weiterhin mit zögerlicher Rebenentwicklung zu rechnen.
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler

Der Flug des Traubenwicklers hat vereinzelt begonnen. Bitte kontrollieren Sie ab jetzt einmal wöchentlich ihre Pheromonkontrollfallen.
Maikäfer
Der Flug des Maikäfers hat ebenfalls über das letzte Wochenende mit den warmen, sonnigen Tagen begonnen. Erste Käfer waren auch an den jungen Fruchtruten zu finden. Besonders die bekannten Befallslagen bzw. Waldrandlagen sollten in den nächsten Wochen entsprechend beobachtet werden. Aktuell ist der Flug sehr gering und die wenigen Käfer können an den Reben manuell abgesammelt werden. Bei höherem Besatz kontaktieren Sie bitte die Weinbauberatung hinsichtlich notwendiger Pflanzenschutzempfehlung.
Schwarzholzkrankheit
Die Schwarzholzkrankheit (Vergilbungskrankheit) als Resultat der Übertragung von Phytoplasmen (zellwandlose Bakterien) von z.B. Brennnessel bzw. Ackerwinde durch die Winden-Glasflügelzikade konnte in den letzten Vegetationsjahren verstärkt beobachtet werden. Besonders Brennnesselhorste in den Rebzeilen können momentan durch Horstbehandlung punktuell z.B. mit Glyphosat mittels Rückenspritze bekämpft, und damit die Habitate der Winden-Glasflügelzikade reduziert werden. Alternativ sind das grobe Umbrechen jeder zweiten Gasse und die baldige Einsaat einer konkurrierenden Begrünung zu empfehlen. Kontrollieren sie ihre bekannten Befallsanlagen.
Wildverbiss
Aktuell besteht Gefahr durch Wildverbiss. Besonders Haarwild frisst gerne die frisch austreibenden Triebe. Entsprechende Vorkehrungen mit Vergrämungsmittel (Amminosol, Haarmehlpellets) sind eine Möglichkeit. Das Aufhängen von CD´s eine Andere. Bei Schäden kontaktieren Sie bitte frühzeitig den Jagdpächter bzw. die Jagdgenossenschaft damit diese entsprechen Gegenmaßnahmen einleiten können.
 
Pilzkrankheiten
Schwarzfleckenkrankheit

Bisher war aufgrund der trockenen Witterung keine Infektionsgefahr gegeben. Erst bei längerer Benetzung mit Wasser können reifende Sporen die ersten grünen Teile des Austriebs befallen. Besonders empfindliche Sorten und bei entsprechenden anfälligen Erziehungen z.B. „Müller-Thurgau im Minimalschnitt“ und in Befallsanlagen mit der bekannten „Weißrutigkeit“ sollten vor sich ankündigten längeren Niederschlagsphasen ab dem „Grünpunktstadium“ mit einem Kontaktfungizid behandelt werden.  
Oidium
Für eine notwendige frühe Behandlung von letztjährigen Befallsanlagen mit Netzschwefel ist es jetzt noch zu früh. Die erste Behandlung sollte zwischen 3-6 Blattstadium erfolgen.
Peronospora
Der aktuelle Vegetationsstand der Reben in Verbindung mit der nun schon länger anhaltenden trockenen Witterung ergeben kein mögliches Infektionsrisiko der Peronospora bei den angekündigten Niederschlägen. Zuerst müssen die Oosporen in ihrer Keimbereitschaft aktiviert werden. Erst bei weiteren Niederschlägen „kräftiger Regen“ (Splash) und dem erfüllen der Zehnerregel (10 mm Niederschlag, 10 cm Trieblänge, 10°C Temperatur) kann es zur Primärinfektion kommen. Wir werden berichten.
Pflanzenschutzmittelkunde
Bitte beachten Sie abgelaufene Aufbrauchfristen und Anwendungsverbote:
Anwendungsverbot haben Kerb 50 W, Dithane NeoTec, Vento Power und Masai
Aufbrauchfristen laufen ab bei: Katana Duo zum 15.06.2021, Vincare 30.06.2021, Cueva Wein pilzfrei und das alte Funguran zum 31.07.2021. Diese Vegetation sollten aufgebraucht werden: Envidor 31.01.2022 und Electis 04.01.2022.
Bitte beachten sie auch die Aufbrauchfrist für Melody Combi, Zulassungsnummer 005215-00 bis 30.09.2021. Hingegen Melody Combi mit Zulassungsnummer 025215-00 bis 31.07.2021.
 
Maßnahmen nach Frost
Momentan ist zu empfehlen in geschädigten Rebanlagen alles wachsen zu lassen bis man mit Gewissheit sagen kann, ob die Nebenaugen treiben. Auch das Ausbrechen bzw. abstreifen der geschädigten, ausgetrockneten Augen sollte unterlassen werden, da es sonst evtl. zur Beschädigung der Nebenaugen kommen kann.
Die Frostruten sollten nach Möglichkeit noch bis zum Ende möglicher Maifröste (Eisheiligen) stehen gelassen und erst danach geneigt werden.
Hinsichtlich der Stickstoffdüngung sollte man in stärker frostgeschädigten Rebanlagen die Düngung stark reduzieren oder sogar aussetzen. Auch auf feinkrümelige Bodenbearbeitung sollte verzichtet werden, da dies zur stärkeren Stickstofffreisetzung führt. Hierdurch wird „mastiges Wachstum“ und die höhere Fäulnisgefahr gefördert.
 
Bodenpflege
Bei aktuell hohen Begrünungen besteht bei möglichen Maifrösten (Eisheilige) höhere Gefahr von Frostschäden. Bitte beachten Sie die Wettervorhersage und Walzen oder Mulchen Sie frühzeitig hohe Begrünungen.
 
 
Fortbildung Sachkunde Pflanzenschutz

Das Landwirtschaftsamt Breisach hatte von Februar bis April, 7 Termine online-Fortbildungen im Weinbau ausgeschrieben. Hierbei konnten annähernd 1000 Teilnehmer eine Fortbildungsbescheinigung erhalten. Die nächsten Fortbildungen sind im Winter 2021/2022 geplant.
 
 
Tobias Burtsche
 
Weinbauberatung Kaiserstuhl

 

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