Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 6

Allgemeine Situation:

Die nahezu ununterbrochene Nordströmung, fast im gesamten April, brachte meist sehr kalte Nächte (5 bis 11 Frostnächte), mäßig warme Tagestemperaturen und zumeist einen sehr trockenen, kalten Wind. Die Durchschnittstemperatur liegt 2,9°C hinter dem langjährigen Ø zurück. Dementsprechend liegt auch der Entwicklungsstand („Knospenaufbruch“) 5 Tage hinter dem langjährigen Schnitt. Das wäre ja grundsätzlich kein „Beinbruch“ wären da nicht die Spätfrostschäden. Seit 1-2 Tagen kann man das ungefähre Ausmaß der Frostschäden langsam erkennen. Wenn halt jetzt pro Fruchtrute nur 1, 2, oder drei Knospen „Knospenaufbruch, oder 1-Blattstadium zeigen, dann weiß man, dass der Schaden immens ist. Insbesondere auf den gut 700 ha rund um den Batzenberg (Freiburg bis Ehrenkirchen) sind zwei Drittel der Rebknospen erfroren. Aber auch viele andere frühe Lagen sind schwer betroffen. Etwas besser sieht es in den späteren Lagen am Schwarzwaldrand und grundsätzlich im südlichen Markgräflerland aus.

Nach sehr ergiebigem Regen im Januar, lagen Februar/März/April im Minus. Diese Tatsache bereitet mir etwas Sorge. Hoffen wir, dass die Meteorologen recht haben mit der Vorhersage, dass der derzeitige Wechsel der Großwetterlage uns für die kommenden 10 Tage Tiefs mit häufigeren Niederschlägen bringen soll. Da die Temperaturen dabei aber eher mäßig warm, man kann aber auch sagen „der Jahreszeit entsprechend“, bleiben, wird die Rebenentwicklung eher gemächlich vorankommen und der Austrieb der Beiaugen, falls sie überhaupt noch intakt sind, noch gut zwei Wochen auf sich warten lassen.

Rebschutz: Grundsätzlich stehen derzeit keine Rebschutzmaßnahmen (Kräuselmilben, Schwarzfleckenkrankheit) an. Auch für Peronospora und Oidium ist es noch zu früh.

Zulassungssituation:

Anwendungsverbot besteht für: Kerb 50 W (gilt nicht für Kerb FLO); Dithane NeoTec (gilt nicht für Dithane Vino WG); Vento Power und Masai.

Aufbrauchfrist läuft aus für: das „alte“ Enervin (30.03.2021, gilt nicht für Enervin F); Katana Duo und Chikara Duo (15.06.21, gilt nicht für Katana und Chikara); Vincare (30.06.21); Cueva Wein-Pilzfrei (31.07.21); Funguran (31.07.21, gilt nicht für Funguran progress); Envidor (31.01.22); Electis (04.01.22).

Für Melody Combi besteht folgende Besonderheit. Für das „alte“ Melody Combi mit der Zulassungsnummer 005215-00 gilt eine Aufbrauchfrist bis zum 30.09.21. Das „neue“ Melody Combi, welches ausschließlich im Handel verkauft wird (Zulassungsnummer: 025215-00), hat eine Zulassung bis zum 31.07.21 und eine neue Basisaufwandmenge von 0,55kg/ha, statt bisher 0,6kg/ha.

Wildschäden: Mit dem Rebenaustrieb steigt auch wieder die Gefahr von Wildschäden. Kontrollieren Sie ab dem 2-3 Blattstadium Ihre gefährdeten Lagen. Bei wirtschaftlich relevanten Schäden ist schnellstmöglich der Jagdpächter zu informieren. Eine gütliche Einigung ist immer anzustreben. Um allerdings gegebenenfalls Ansprüche durchsetzen zu können, muss unmittelbar nach Bekanntwerden eines Schadens, dieser an die Gemeindeverwaltung gemeldet werden. Im Vordergrund sollten vorbeugende Maßnahmen zur Vergrämung (Haarmehlpellets, Aminosol, usw.) oder Verhinderung des Zugangs stehen.

Sachkundefortbildung: Die Weinbauberater im LRA Breisgau-Hochschwarzwald haben in den zurückliegenden Wochen in 7 Online-Sachkundefortbildungsveranstaltungen fast 1000 Winzerinnen und Winzer bezüglich Sachkunde im Pflanzenschutz geschult und dafür die entsprechende Fortbildungsbescheinigung ausgestellt. Die Resonanz für diese Art der Fortbildung war äußerst positiv. Wir werden natürlich im kommenden Winter (ab November) wieder Termine anbieten und diese dann rechtzeitig bekannt geben.

Bodenpflege und Düngung:

Bei Herbizidanwendungen sollte generell der Minimierungsgedanke im Vordergrund stehen und es ist dabei auf ein möglichst schmales Behandlungsband zu achten. Herbizide dürfen nur auf landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen angewendet werden. Unsachgemäße Anwendungen von z.B. Wegen, Wegrändern oder Böschungen sind gesetzwidrig und schädigen zudem die Außendarstellung des Weinbaus.

Im vergangenen Jahr gab es erneut Herbizidschäden an Reben durch unsachgemäße Anwendung und Abdrift. Passen Sie auf!

In trockenen Frühjahren kann die Stickstoffdüngung etwas früher erfolgen als normal. Ab dem 3-5 Blattstadium ist dieses Jahr der richtige Termin. Beachten Sie auch die Anforderungen der neuen Düngeverordnung. Im Maiheft „Der Badische Winzer“ gibt Frau Dr. Riedel vom WBI ausfühliche Hinweise zumr Stickstoffdüngung. Auch auf meiner Webseite finden Sie Informationen und Vorlagen zu ihrer Verwendung. Jedes Jahr treten Fälle von absterbenden Jungreben auf Grund von verätzten Wurzeln durch Düngegaben direkt zur Jungrebe auf. Im Pflanzjahr ist eine Düngung mit Stickstoff nicht notwendig. Viel hilfreicher ist eine kontinuierliche Bearbeitung, oder die Abdeckung des Pflanzstreifens mit Kompost.

Bitte beachten Sie, dass in den stärker frostgeschädigten Anlagen eine geringere Triebzahl und insbesondere auch ein zu erwartender geringerer Ertrag auch deutlich weniger Wuchskraft erfordert. Eine Bodenbearbeitung sollte in stärker geschädigten Anlagen daher eher unterbleiben und die Stickstoffdüngung reduziert werden, oder ganz unterbleiben.

Stockarbeiten: Da insbesondere zweijährige Anlagen vom Frost besonders stark betroffen sind und wir, aus der Erfahrung von 2011 wissen, dass am zweijährigen Holz (geplantes Stämmchen) auch Holzschäden sehr wahrscheinlich sind, sollte bei zweijährigen Anlagen, wo der Rebschnitt noch nicht erfolgt ist, mit dem endgültigen Rebschnitt bis zum 3-4 Blattstadium gewartet werden. Eventuell müssen Reben mit Holzschaden vom Pfropfkopf neu aufgebaut werden.

Umstrukturierung:

Viele Junganlagen sind bereits gepflanzt. Bitte beachten sie unbedingt, dass eine Überbeantragung (im Vorantrag mehr beantragt, als dann tatsächlich gepflanzt) der in der Umstrukturierung zur Pflanzung beantragten Rebflächen, zu Sanktionen und damit zum Verlust von Fördergelder führen kann. Seit zwei Jahren gilt die Sanktionsregelungen, dass ab einer Überbeantragung von mehr als 20% Sanktionen greifen. Geringe Unterschreitungen werden jedoch nicht sanktioniert! Änderungen zur beantragten Flächengröße können jederzeit bis zum Einreichen der Rechnung durchgeführt werden. Am besten über FIONA bis zum 15. Mai 2021, oder nach dem 15.05.2021 durch schriftliche Mitteilung beim zuständigen Sachbearbeiter. Eine Änderung ist allerdings nicht mehr möglich, wenn die Vor-Ort-Kontrolle bereits durchgeführt wurde. Das Einreichen der Rechnung löst die Vor-Ort-Kontrolle aus. Eine praxistaugliche Methode um die angepflanzte Rebfläche zu überprüfen ist die Berechnung an Hand der gepflanzten Pfropfreben und deren Standraum.

Berechnung: Standraum = Gassenbreite x Stockabstand; Pflanzfläche = Standraum x gepflanzte Rebenanzahl.

Da die Förderung flurstückbezogen erfolgt, müssen, bei Beantragung mehrerer Flächen, die einzelnen Flächen separat berechnet und korrigier werden!

Termine: Im Rahmen des Projektes „Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel in Bildung und Beratung – digital – (DiKliWa)“ veranstaltet die Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum (LEL) am Dienstag, 04.05.2021 ein Farminar zum Thema „Anpassungsmaßnahmen gegen Spätfröste im Weinbau“. Die Live-Übertragung beginnt um 18.00 Uhr und dauert etwa 90 Minuten.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, jedoch nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Infos und Anmeldung unter https://lel.landwirtschaft-bw.de/farminar-klimawandel . Anmeldeschluss ist Montag, 03.05.2021.

 

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