Weinbauinfo-Nr. 02-2021


Agenda:     - Maikäfer-Hauptflugjahr
                  - Knospenschädlinge
                   - Kräuselmilbe
                   - Düngung
                   - Vorgezogene Antragstellung U+U
 
Vegetationsstand und Witterung

Sonnig warmes Wetter sorgt für raschen Vegetationsstart der Natur. Ein deutliches Knospenschwellen in den Reben ist zu beobachten. Erste Wollestadien und in besonders warmen Lagen und bei frühen Sorten wie z.B. Chardonnay und Muskateller stehen wir kurz vor dem ersten Grün. Das sind aber Einzelerscheinungen! Insgesamt liegt die Entwicklung im langjährigen Mittel.
Die Wettervorhersage meldet über Ostern kühlere Tages- und Nachttemperaturen. Für nächste Woche ist eine Wetteränderung mit Niederschlägen und insgesamt kühlerem Aprilwetter vorhergesagt.
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler

Mit dem Flug der ersten Traubenwickler ist voraussichtlich frühestens nach dem 08.04. zu rechnen. Die Temperatursummen bewegen sich aktuell um die 780 Kd Das Aufhängen der Pheromondispenser ist in den verschiedenen Gemarkungen am Kaiserstuhl voll im Gange und sollte zum 08.04. abgeschlossen werden. Bis dahin sollten auch die Kontrollfallen (BASF-Kontrollfallen) in den Rebanlagen aufgehängt werden. Wir werden dann über den Flugbeginn des Traubenwicklers zeitnah informieren.
Maikäfer und Engerlinge
2021 ist ein Hauptflugjahr der Maikäfer am Kaiserstuhl. Gefrässige L2 und L3 Engerlinge sind jetzt im Boden zu finden. Vorbeugend sollten die Jungreben in den entsprechenden Befallslagen praliniert werden. Sprechen Sie hierzu ihren Rebveredler an oder nehmen Sie die Dienstleistung des Rebenlagers in der ZG Raiffeisen in Merdingen in Anspruch.
Bitte beachten Sie, dass mittlerweile auch in manchen Gewannen in Ihringen und Achkarren bei den „offiziellen Grabungen“ Engerlinge gefunden wurden. Kontrollieren Sie Ihre Pflanzböden durch Umgraben mit dem Spaten und entscheiden Sie, ob Sie ihre Jungreben ebenfalls protektiv pralinieren lassen.
Des Weiteren empfehlen wir sofort nach dem Pflanzen der Reben jede zweite Gasse mit Wolff-Mischung oder Semopur-Saatmischung einzusäen um eine Ablenkungsfütterung (CO² Ausstoß der Wurzeln führt die Engerlinge zu ihren Fraßstellen) schnellstmöglich zu etablieren. Bitte halten Sie beim Einsäen mit dem Saatbeet ca. 30 cm Abstand zu den Jungreben um Wasserkonkurrenz zu reduzieren.
Knospenschädlinge
In den bekannten Befallslagen sollte jetzt eine Kontrolle betreffend Knospenschädlinge (Rhombenspanner und Erdraupen) durchgeführt werden. Die Erdraupen sind nachtaktiv und können bei kleineren Befallsherden bei Einbruch der Dunkelheit abgesammelt werden. Hingegen sind Rhompenspanner sehr mobil. Bei Überschreiten der Schadschwelle (5-20% ausgefressen Rebknospen) kann z.B. mit Mimic 0,2 L/ha oder Steward 0,05 Kg/ha oder SpinTor 0,04 L/ha behandelt werden. Bitte beachten Sie, dass Steward und SpinTor als B1 und damit bienengefährlich eingestuft sind. Diese Mittel dürfen nicht bei blühendem Unterbewuchs eingesetzt werden. Mimic ist B4 und damit als bienenungefährlich deklariert!
Kräuselmilbe
Ab Mitte bis Ende nächster Woche ist die Temperatursumme für die Auswanderungsbereitschaft der Kräuselmilbe erreicht (Quelle: Vitimeteo). Insbesondere Junganlagen 2.-5. Standjahr können einen geringeren Raubmilbenbesatz und damit weniger natürliche Räuber haben. Hier kann eine Behandlung mit einem Ölpräparat in Kombination mit Netzschwefel (Zulassung bitte beachten) ca. Ende nächster Woche überlegt werden. Zum Einsatz kommt z.B. Micula 8 L/ha oder Parasommer 4 L/ha in Verbindung mit Netzschwefel entweder Thivot Jet oder Microthiol S, 3,6 Kg/ha. Auf eine gute Benetzung der Fruchtruten und des Rebkopfes ist zu achten (Tropfnass) spritzen. Wegen erhöhter Abtrift sollte nur gespritzt und nicht gesprüht werden. Der Wasseraufwand beträgt 400 L/ha.
Pilzkrankheiten
Schwarzfleckenkrankheit

Weder die aktuelle Witterung noch der Vegetationsstand der Reben führen zu einem Infektionsrisiko der Schwarzfleckenkrankheit. Erst ab Knospenaufbruch und dem Entwicklungsstand „Grüne Knospe“ steigt bei entsprechender feuchter Witterung das Infektionsrisiko.
Herbizideinsatz
Früher Herbizideinsatz vor Austrieb der Reben eröffnet die Möglichkeit den Unterstockbereich, ohne Gefährdung der Reben, mit einem zugelassenen Herbizid zu behandeln. Der Einsatz von z.B. Glyphosat ist auf 2 Behandlungen je Vegetation mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 40 Tagen im Weinbau rechtlich begrenzt. Ein späterer Einsatz birgt die Gefahr, dass grüne Rebenteile getroffen werden und bei systemisch wirkenden Herbiziden kann es zu Stockschäden kommen. Entsprechend sind Stockausschläge vor einem Herbizideinsatz vollständig zu entfernen und erst nach einem natürlichen Wundverschluss der Rebe, also ca. 2-3 Tage später, kann die Herbizidspritzung erfolgen. Der räumliche Anwendungsbereich des Herbizideinsatzes sollte auf das notwendige Maß begrenzt werden. Folgende Eckpunkte sind zu beachten:
Das Behandlungsband im Untersockbereich sollte so schmal wie möglich gehalten werden.
Am Zeilenende muss die Behandlung beendet sein. Am Anker Spritze abschalten!
Eine Behandlung auf öffentlichen Wegen und Nichtkulturland (Böschungen, Wegränder) ist verboten und schadet der Außendarstellung des Weinbaus
 
Spritzgerätekontrolle
Pflanzenschutzgeräte müssen alle 3 Jahre zur Gerätekontrolle. Ob die Geräteprüfung fällig ist, können Sie an der Prüfplakette auf ihrem PS-Gerät nachsehen. Die örtlichen Landmaschinenfachwerkstätten bieten Termine zur Spritzgerätprüfung an.
 
Düngung und Düngeverordnung
Die Bemessung der Düngung sollte auf der Basis der Bodenprobenanalyse erfolgen. Sind die Nährstoffwerte bei den Grundnährstoffen Phosphat (P2O5) und Kalium (K2O) in der Klasse „E“ eingestuft, so sind diese Nährstoffe im 5-Jahreszeitraum bis zur nächsten Bodenprobe nicht zu düngen!
Bei Klasse „C“ ist eine Erhaltungsdüngung und bei Klasse „A“ eine Aufdüngung dieser Nährstoffe erforderlich.
Die Düngung der Grundnährstoffe (Phosphat, Kalium und Magnesium) kann jetzt erfolgen. Für die Stickstoffdüngung ist es noch zu früh. Diese sollte zwischen Austrieb und 3-Blattstadium eingeplant werden.
Die erneute Reform der Düngeverordnung führt zu Unsicherheiten in der Praxis. Dies ist verständlich, da die Zusammenhänge durch weitere Vorschriften komplizierter werden. Eine Erleichterung ist: „Der bisherige Nährstoffvergleich entfällt und ist auch für 2020 nicht mehr zu erbringen“!
Ob für Ihren Betrieb eine Aufzeichnungspflicht bzw. Dokumentation notwendig ist kann anhand der verlinkten Entscheidungsbäume entschieden werden. Für die Prüfung welche Flächen im Roten Gebiet (Nitratgebiet) bzw. Eutrophoierten Gebiet (Phosphat) liegt, kann über die jeweilige Karte der LUBW (siehe Link) oder über FIONA eingesehen werden. Nitratgebiete/Eutrophierten Gebiete
Kurzzusammenfassung:
Wer auf einem Schlag wesentliche Nährstoffmengen (>50 Kg/ha N und/oder 30 Kg/ha P2O5 ausbringt und die in den Entscheidungsbäumen aufgeführte Betriebsgröße überschreitet, ist zur Einhaltung der nachfolgenden Punkte verpflichtet:

Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat vor der Düngung durchführen und dokumentieren. Die geht in einem ausfüllbaren Formular oder per Düngung-BW.
Spätestens zwei Tage nach der Düngung ist eine Aufzeichnung der Düngung vorzunehmen. Gleich gedüngte Schläge können zusammengefasst werden. Eine Form der Aufzeichnung ist nicht vorgeschrieben. Eine Formularvorlage vom WBI wird als Anlage beigefügt.
Eine Nitratuntersuchung in Roten Gebieten (Nitratgebieten) ist mit der Nmin oder EUF-Methode vor der Düngung durchzuführen. Schläge < 30 ar sind von der Verpflichtung ausgenommen. Alle Rebflächen innerhalb der Roten Gebiete können als eine Bewirtschaftungseinheit betrachtet werden, wenn sie gleich gedüngt werden. Dann genügt eine Nitratanalyse.
Untersuchung auf Phosphat (Grundnährstoffuntersuchung): Für alle Schläge > 1 ha muss eine Grundbodenuntersuchung für P2O5 vorliegen, wenn dort wesentliche Nährstoffmengen (<30 Kg/ha) aufgebracht werden. Dies ist unabhängig davon, ob man im eutrophierten Gebiet liegt oder nicht. Die Untersuchung darf nicht älter als 6 Jahre sein.
Bis zum 31. März des auf die Düngung folgenden Jahres (gilt schon für 2021 bezüglich des Düngejahres 2020) ist eine Zusammenfassung des gesamtbetrieblichen Düngebedarfs an Stickstoff und Phosphat und die Summe des betrieblichen Nährstoffeinsatzes (organische Dünger, mineralische Dünger, Komposte etc.) erforderlich. Dies kann formlos oder über das Formular des LTZ gemacht werden.
 
Bodenpflege
Aktuell bestehen seitens der Bodenfeuchte sehr gute Bedingungen für die Bodenbearbeitung. Im Unterstockbereich ist der 1. Arbeitsgang mit der Scheibe sehr sinnvoll. Hier sollte in Kombination mit dem Häckseln des Rebholzes eine flache Bearbeitung im Unterstockbereich erfolgen. Dabei sollte der Boden leicht angehoben werden und eine leichte Verschiebung des Bodengefüges um den Rebstock herum erfolgen um ein Aufbrechen vorhandener Unkrautinseln um die Reben zu erreichen.
Zur Vorbereitung der Einsaat einer Frühjahrs-/Sommerbegrünung in jeder 2. Gasse, sollte der Boden flach z.B. mit einer Scheibenegge, unterfahren der Begrünung mit dem Vorgrubber, Kreiselegge, bearbeitet werden.
Für das Einsäen der Frühjahrs-bzw. Sommerbegrünung können Wolf-Mischung oder Semopur-Mischung oder auch Buchweizen in Kombination mit Phacelia empfohlen werden. Vorteilhaft sind Einsaaten, die sich bei Sommertrockenheit gut Walzen lassen. Hierdurch ist eine Beschattung des Bodens und damit die Reduzierung der Wasserverdunstung zu erreichen. Des Weiteren fördern blühende Begrünungseinsaaten die Artenvielfalt und fördern die Insekten.
 
Umstrukturierungsförderung
Aufgrund von EU-rechtlichen Vorgaben wird der jährliche Antragszeitpunkt auf 31. August 2021 (Ausschlussfrist) vorverlegt. Anträge werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt.
 
 
Tobias Burtsche
 
Weinbauberatung Kaiserstuhl
                  

 

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