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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 27

Datum: 29.09.2020

Herbstbericht 2020:

Der „Corona-Jahrgang“ 2020 gehört, zusammen mit den beiden Jahren 2017 und 2018, zu den Jahrgängen mit dem frühesten Lesebeginn. Der Jahrgang ist aber nicht nur geprägt durch seinen sehr frühen Start, sondern auch durch seine extrem kurze Lesedauer. Erstaunlich in diesem Jahr war – in Normalanlagen, also nicht Selektionsanalagen - der schnelle Übergang von „noch nicht ganz reif“ (Ende August) Richtung „überreif“ mit einschrumpelnden „Rosinenbeeren“ ab Mitte September. Als Ursache sehe ich den Regen am letzten Augustwochenende (35mm in Zunzingen und bis zu 53mm in Blansingen), welcher den stockenden Reifeprozess kräftig angestoßen hat, und die anschließenden sehr heißen Temperaturen (> 30°C) mit dem austrocknenden Wind in der zweiten Septemberwoche, welcher die Mostgewichte steil nach oben katapultiert hat. Wir können froh sein, dass wir im Markgräflerland moderne Lesemaschinen in ausreichender Zahl zur Verfügung haben um diese Anforderung der schnellen und kühlen Lese zu stemmen. Es wäre undenkbar, einen solchen Jahrgang mit Handlese einzubringen.

Vom Ertrag her ist der Jahrgang geprägt vom alten „Lehrsatz“. Wenn es viel gibt, gibt es noch mehr und wenn es wenig gibt, gibt es noch weniger. Insbesondere die Burgundersorten brachten deutlich geringere Erträge als erwartet. Die Gründe dieser geringeren Erträge begannen bereits im Frühjahr. Die tiefen Temperaturen Ende März/Anfang April führten, besonders im mittleren Markgräflerland, zu Augenausfällen im Bereich von bis zu 30%. Die Sommertrockenheit bremste das Beerenwachstum deutlich und die sehr heißen Tage (durchschnittliches Tagesmaximum von 30,4°C) mit stark austrocknendem Wind (Verdunstungswerte von durchschnittlich 3,7mm pro Tag) vom 12 bis zum 16. September ließen die Beeren stark einschrumpfen. Dennoch können wir mit dem Jahrgang 2020 sehr zufrieden sein. Weitgehend gesunde Trauben, hohe Reife bei marktgerechten Mengen.

Esca:

Erneut verzeichnen wir ein Jahr mit deutlichem Escabefall. Jetzt nach der Lese sollten die Befallsstöcke markiert werden. Bei schwächer befallenen Stöcken ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass durch das Zurückschneiden (20cm über der Veredlungsstelle) die befallenen Reben wieder gesund werden. Bei stärker befallenen Stöcken ist eine Gesundung sehr unwahrscheinlich. Sie sollten ersetzt werden.

Schwarzholzkrankheit:

Die Schwarzholzkrankheit, fast ausschließlich an Chardonnay, gibt es schon seit 2003 im Markgräflerland. In den zurückliegenden Jahren war es etwas ruhiger geworden. Seit dem vergangenen Jahr ist die Krankheit wieder kräftig aufgeflammt. Und dies nicht nur an Chardonnay, sondern auch an mehreren anderen Sorten, speziell die Burgundergruppe. Neu ist auch, dass seit 2019 sehr junge Anlagen befallen sind. Von meiner Webseite kann eine Infobroschüre zum Thema heruntergeladen werden. Auch in diesem Jahr hat sich die Schwarzholzkrankheit, insbesondere im mittleren Markgräflerland, noch mal ausgeweitet. Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass durch das konsequente Entfernen der Brennnesseln Ende Herbst, oder im zeitigen Frühjahr und durch das Wegschneiden der befallenen Triebe eine Sanierung einer befallenen Anlage möglich ist. Ganz wichtig ist dabei ein sofortiges Reagieren. Das bedeutet, dass in diesem, oder auch im vergangenen Jahr befallene Stöcke jetzt umgehend zurückgeschnitten werden sollten (siehe auch Infobroschüre unter: https://breisgau-hochschwarzwald.landwirtschaft-bw.de/pb/MLR.ULBFR,Lde/Startseite/Fachinformationen/Weinbau+Markgraeflerland ).

Umstrukturierung:

Früher als in den Jahren zuvor liegen die Anträge zur Umstrukturierung vor. Bitte beachten Sie für Antragsteller im Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald folgendes: Aufgrund der derzeitigen Situation ist das Landratsamt in Breisach für Besucher grundsätzlich nicht geöffnet. Es wird darum gebeten, die sorgfältig und vollständig ausgefüllten Anträge auf dem Postweg an das Landwirtschaftsamt zu senden. Fragen zur Antragstellung können telefonisch mit dem U+U-Team geklärt werden (telefonische Plausibilisierung des Antrages). Rufen Sie hierzu die Hotline: 0761 2187 5895 an. Die persönliche Abgabe des Antrages sollte vermieden werden und kann nur nach vorheriger Absprache mit der Sachbearbeiterin erfolgen.

Die Antragstellung beim Landratsamtes Lörrach läuft ähnlich. Hier sollten sich die Antragsteller bei Herrn Sänger 07621 410 4423, oder Frau Hoch 07621 410 4410 melden.

Antragsfrist ist der 31.12.2020 (Ausschlussfrist!!)

Die sofortige Rodung ist auch vor der Antragstellung möglich.

Neue Anpflanzregelung:

Derzeit noch gültige Wiederbepflanzungsrechte von Flächen, die vor dem 31. Dezember 2015 gerodet worden sind, laufen nun zum 01.01.2021 endgültig aus, sofern bis zum 31.12.2020 kein „Antrag auf Umwandlung von nicht genutzten Pflanzrechten“ beim zuständigen Regierungspräsidium gestellt wird. Bei Rückfragen steht das Sachgebiete Weinbau beim Regierungspräsidium Freiburg (Herr Zipf 0761 208 1292) gerne zur Verfügung.

Sachkundegrundlehrgang:

Die Weinbauberatung beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald plant in diesem Winter, vorbehaltlich der Einschränkung durch die gültige Corona-Verordnung, für das Markgräflerland, den Kaiserstuhl und den Tuniberg einen zentralen Sachkunde Grundlehrgang Pflanzenschutz. Es ist geplant Mitte Januar 2021 mit dem Lehrgang zu beginnen.

Um abschätzen zu können, wie der Bedarf ist, möchten wir an dem genannten Sachkundelehrgang interessierte Winzerinnen und Winzer bitten, sich umgehend schriftlich unter Angabe von Namen, Adresse, Geburtsdatum und Geburtsort beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, per Fax. 0761/2187 775827, oder per e-mail: hansjoerg.stuecklin@lkbh.de zu melden.

Sachkundefortbildungsveranstaltungen/Winterversammlungen:

Wenn es die Vorgaben der Corona-Verordnung erlauben, werden wir ausgangs Winter entsprechende Veranstaltungen mit den entsprechenden Hygieneregeln anbieten. Sie werden dann entsprechend informiert.

Dies war für dieses Jahr voraussichtlich das letzte Weinbauinfo.

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