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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 26

Datum: 11.09.2020

Allgemeiner Entwicklungsstand

Anhaltend stabiles und trockenes Herbstwetter bestimmt das Bild. Für den Leseverlauf sehr gut, denn es kann unter besten Bedingungen zügig gelesen werden. Dabei zeigt sich nur ein Unterschied zur Vorhersage: es ist konstant deutlich wärmer. Über das Wochenende und zu Wochenbeginn soll es bis kommende Wochenmitte nochmals sommerlich heiss werden. Damit wird die Reifeentwicklung zusätzlich angeschoben. Womöglich grösseren Einfluss hat jedoch der häufige trockene Wind, der die Verdunstung fördert und zu ersten schrumpelnden Beeren führt. Die gewonnene Frische geht. Ebenso sollen die kühlen Nächte über die heissen Tage warmen Nachtemperaturen weichen. Damit entsteht eine Situation, dass die Entwicklung in kurzer Zeit nochmals gedreht wird. Abgesehen vom Bodenseeraum, der in der Reife deutlich zurücksteht, haben die Bestände eine sehr gute Reife erreicht. Bis Ende des Monates wird in den meisten Weinbergen gelesen sein und es zeichnet sich ein ruhiger nationaler Feiertag ab. Sofern alles gut läuft, haben wir einen sehr schönen Jahrgang. In der Menge wird dieser sich durchschnittlich bis leicht unterdurchschnittlich einordnen, der Bodenseeraum wird das Niveau der westlichen Gebiete nicht erreichen.

Zu den tierischen Schädlingen

Die durch Wespen – und Ameisenfrass vorhandenen Schadstellen sind dieses Jahr ein geringes Risiko, da die heimische Essigfliege nach wie vor kaum zu sehen ist und den Essigdruck verstärkt. Die Bonituren erbrachten sich langsam ausweitenden Befall in den Randlagen bei Spät – und Grauburgunder. Das notwendige Reifeniveau für eine aktive Belegung von Burgunder durch die KEF ist überschritten. Nicht behandelte empfindliche Sorten zeigen höheren Befall und teilweise Maden. In allen guten und mittleren Lagen wird dies keine Rolle mehr spielen, da durch das allgemeine Reifeniveau auch kritische Randlagen zügig geerntet werden können. Bei der zunehmend laufenden Gutedelernte wird empfohlen, den Roten Gutedel vorzuziehen. Lediglich im in der Reife zurückstehenden Bodenseeraum stellt sich noch die Frage nach Behandlungen. Burgunder in reich strukturierter Umgebung sollte beobachtet und bei Bedarf behandelt werden. Achten Sie auf die Wartezeit von 14 Tagen, bei Minecto One von 10 Tagen und planen Sie dies für den Leseverlauf ein. Im Vordergrund steht das bewährte Kombinationsverfahren, da hier keine Rückstände entstehen. Die Mittelliste wurde vorausgehend im Info schon bekannt gegeben. Beachten Sie unbedingt die Hinweise zum Bienenschutz. Durch die schnelle Reife und zügige Lese wird die Bilanz vergleichbar den vergangenen Jahren ausfallen.

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben.

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.

Zum Reifeverlauf

Der Reifeverlauf nimmt durch die sommerlichen Temperaturverläufe nun doch eher den Weg in Richtung 2018 ein. Im Markgräflerland hat der Gutedel dabei die angenehme Eigenschaft, dass dieser nicht zu überschnellen Öchslezuwächsen neigt, was die Steuerung der Lese erleichtert. Zu Wochenbeginn zeigte sich ein schönes Sortenbild und eine reife Burgundergruppe, die Mostfarben sind gelblich reif in der gesamten Burgundergruppe, bei Spätburgunder eine gute Rotfärbung. Nach Reife gestaffelt ergibt sich folgendes Bild: Grauburgunder – Spätburgunder - Weissburgunder, letzterer durch seine Eigenschaft nach höherer Menge. Zu Wochenbeginn lagen die pH – Werte der Proben durchweg noch bei 3,2 bis 3,3, was noch im guten Bereich liegt. Sehr hochreife Anlagen haben die kritische Marke von pH 3,4 erreicht. Die angegebenen Mostgewichte und weitere Werte basieren auf Messungen vom 07.09.2020 aus überwiegend mittleren und guten Lagen des Tuniberges und Glottertales. Das entspricht den vorderen Lagen und südexponierten Steillagen am Vorgebirge im Markgräflerland. Die analytischen Werte ermittelte das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg durch Grape Scan. Vom Bodenseeraum wurden erste Messungen nur auf Öchslebasis erhoben. Insgesamt liegt der Bodenseeraum über alle Sorten stärker zurück als in anderen vergleichbaren Jahren. Die Streuung in der Menge und im Reifezustand ist viel breiter als weiter westlich. Mit gezielter Lese zeichnet sich aber auch hier ein guter Jahrgang ab.

Müller – Thurgau:

Ende 70° Oe bis Mitte 80° Oe bei sehr gutem Gesundheitszustand und guten Erträgen, aus den eigenen Messungen und den Meldungen der Betriebe, dabei Säurewerte, die die 6ºº Säure unterschreiten. Am Tuniberg wurde die Lese stark auf Ende dieser Woche geschoben, was der Sorte auch nach Aussagen von Verantwortlichen gutgetan hat. Bis Mitte kommender Woche ist die Lese abgeschlossen. Im Bodenseeraum liegt der Müller – Thurgau bei Mitte 60° Oe bis Anfang 70° Oe. In vielen Anlagen sind in den Trauben einzelne, meist kleine Beeren von Botrytis zu finden, eine abgeschwächte Folge der hohen Regenmengen, abgesehen davon ist der Gesundheitszustand schön.

Burgundergruppe:

Die Mostgewichte haben 90° Oe überschritten, aus der laufenden Lese wird die Spanne von Mitte 80° Oe bis Mitte 90° Oe angegeben, noch nicht gelesene Selektionsanlagen oder Anlagen mit geringen Erträgen überschritten die 100° Oe Marke und zeigen Hoch - bis Überreife. Die Säurewerte liegen durchweg unter 10ºº Säure, sehr reife Bestände schon bei unter 7ºº. Im Bodenseeraum sind Anfang 70° Oe erreicht, in einzelnen bevorzugten Lagen werden Anfang 80° Oe gemessen. Der Gesundheitszustand ist durchweg als gut zu bezeichnen.

Sonstige Sorten:

Die weiteren Sorten wie Muskateller, Gewürztraminer oder Sauvignon blanc zeigen nach wie vor einen sehr guten gesundheitlichen Zustand. Hervorragend ist die Aromenausbildung. Kommt dies gut durch den Keller, was für schöne Weine! Die Mostgewichte liegen bei Mitte 80º Oe bei Muskateller mit bis zu Mitte 90º Oe bei Sauvignon blanc und Gewürztraminer. Beginnende Reifebotrytis in den wenigen Rieslinganlagen. Die Mostgewichte liegen von Anfang 80º bis Anfang 90º Oe. Die Säurewerte liegen bei unter 10ºº Säure, in späterer Lage leicht darüber. Die Voraussetzungen für eine weitere sehr gute Entwicklung liegen auch hier vor.

Weinbauliche Hinweise

Durch die frühen Lesen kommt eine klassische Einsaat zu neuen Ehren. Bei guten Wetterbedingungen kann nach der Lese im Oktober eine Roggen – Wickeneinsaat durchgeführt werden. Lange Zeit war dies vor der Lese nicht mehr möglich, da das Risiko von Fäulnisbildung viel zu hoch war. Der Erfolg von Oktobereinsaaten wurde schon zu Zeiten des Umweltschonenden Weinbaus am Tuniberg abgeprüft. Ebenso kann nach der Lese bei mechanischer Unterstockpflege mit Scheibe / Rollhacke der Unterstockbereich bearbeitet werden, damit ein angepasst sauberer Streifen über den Winter vorliegt und im Frühjahr gute Startbedingungen herrschen.

Sonstige Hinweise

Früher als in anderen Jahren liegen die Antragsunterlagen für die Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen vor. Einzige wesentliche Änderung ist der Wegfall der Notwendigkeit zur Erstellung von Drahtrahmen. Derzeit noch gültige Wiederbepflanzungsrechte von Flächen, die vor dem 31. Dezember 2015 gerodet worden sind, laufen nun zum 01.01.2021 endgültig aus, sofern bis zum 31.12.2020 kein „Antrag auf Umwandlung von nicht genutzten Pflanzrechten“ beim zuständigen Regierungspräsidium gestellt wird. Bei Rückfragen stehen die Sachgebiete Weinbau der Regierungspräsidien gerne zur Verfügung. Angefügt ist der aktuelle Bericht des LBV zur Corona VO bei Saisonkräften.

Dies war das letzte Weinbauinfo, ausser es gibt wirklich besondere Umstände. Nach der Lese erfolgt ein Info zu Fragen der Winterarbeit. Allen eine schöne Lese und eine glückliche Hand für die notwendigen Entscheidungen. Bleiben Sie gesund. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

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