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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 22

Datum: 30.07.2020

Allgemeine Situation:

Die Juliniederschläge waren extrem niedrig und die potentielle Verdunstung durch den trockenen Wind sehr hoch. Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen, Wiesen, Sträuchern und Bäumen sehen die Laubwände unserer Rebanlagen aber trotzdem noch hervorragend aus. Kritisch ist es bereits für die jungen, zwei bis fünfjährigen Rebanlagen. Diese zeigen nun beginnende Wasserstresssymptome, besonders auf den flachgründigenen Böden. Die „Hundstage“ geben zum Wochenende hin richtig Gas, bevor die Temperaturen zu Beginn der kommenden Woche zumindest einmal deutlich zurückgehen. Da für die kommenden zwei Wochen kein/kaum Niederschläge erwartet werden, wird sich der Trockenstress sicherlich verschlimmern. Das große Problem ist, dass unsere eigentlich tiefwurzelnden Reben im Unterboden auch kaum noch Wasser finden.

Während die Reifeentwicklung beim Müller-Thurgau und Gutedel einigermaßen normal weiterläuft, ist diese bei den Burgundersorten derzeit deutlich gebremst. Hier fehlt scheinbar doch das nötige Wasser für den Assimilattransport. Im Vergleich zu 2018 verlieren wir bezüglich Entwicklungsstand bei den Burgundersorten dadurch fast eine Woche. Das ist grundsätzlich nicht so schlimm, da sich damit der angepeilte Lesebeginn für die Burgundersorten etwas nach“ hinten“ verschiebt.

Rebschutz:

Die Rebanlagen im Markgräflerland zeigen einen so hervorragenden Gesundheitsstand wie schon viele Jahre nicht mehr. Vereinzelter, leichter Oidiumbefall an den Trauben, besonders beim Müller-Thurgau, konnte durch Stoppbehandlungen mit Mitteln auf Hydrogencarbonatbasis (Kumar, oder Vitisan) erfolgreich gestoppt werden. Diese Mittel sind echt Klasse. Wer jetzt erst Oidiumbefall feststellt kann auch, da diese Mittel nur einen Tag (Kumar), oder keine (Vitisan) Wartezeit haben, jetzt noch Stoppbehandlungen durchführen. Bitte dies aber unbedingt mit dem Vermarkter absprechen.

Kirschessigfliege: Die derzeit trocken-heiße Witterung fördert die Abhärtung der Beerenhaut und erschwert damit die Eiablage deutlich. Ich darf in Erinnerung rufen, der Juli im schlimmen KEF-Jahr 2014 war mit 150 bis über 200mm extrem nass und sonnenarm, die Beerenhaut dementsprechend dünn und weich. Zwar sind die wilden Brombeeren und Holunder stark mit KEF-Eiern belegt, wie es im Weinbau kommt kann man derzeit aber noch nicht sagen. Die entscheidenden Hinweise über die Gefährdung der Trauben geben die eigenen Beobachtungen hinsichtlich Auftreten von KEF in der Traubenzone und die Eibonituren. Im Markgräflerland wollen wir mit der flächendeckenden Probenahme am 10. August starten. Herzlichen Dank an dieser Stelle den fleißigen Probenehmern quer durch das Markgräflerland, dem Kurierdienst (Markgräfler Winzer eG) und natürlich den Boniturhelfern im Weinbauinstitut. Die Zahlen der Fallenfänge und die Ergebnisse der Eibonituren können Sie dann im Internet unter http://monitoring.vitimeteo.de/ abrufen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Befallsdruck und die Befallsentwicklung sehr stark von der Lage, dem Umfeld (Brombeer-, bzw. Holundersträucher), der Sorte dem Klon und auch von der Bewirtschaftung abhängt. Deshalb muss jeder Winzer seine gefährdeten Parzellen selbst intensiv beobachten. Wichtig ist dabei die Kontrolle auf KEF-Männchen in der Traubenzone. Dies sollte bei Windstille, früh morgens (vor 8:00 Uhr), oder am Abend durchgeführt werden. Die vorbeugenden weinbaulichen Maßnahmen sind inzwischen gut bekannt. Wer sie nicht beachtet ist selbst schuld. Luft und Licht in der Traubenzone sind zwar wichtig, ein vollständiges und radikales Entblättern der Traubenzone ist, in so einem frühen Jahr, fachlich falsch, da durch die starke Einstrahlung und hohen Traubentemperaturen Frucht reduziert, Säure abgebaut und Phenole erhöht werden. Alle drei Faktoren sind, besonders bei Weißweinsorten, Qualitätskiller.

Weinbauliche Hinweise:

Für die Traubenproduktion benötigt die Rebe sehr viel Wasser, viel mehr als für das Blatt-, bzw. Triebwachstum. Deshalb ist das sofortige Reduzieren, oder gar vollständige Entfernen von Trauben bei erkennbar trockengestressten zwei bis fünfjährigen Anlagen eine sehr gute und effektive wasserschonende Maßnahme. Effektiver als Wasser fahren.

Für die kommenden Tage sind sehr heiße Temperaturen angesagt, deshalb sollten Gipfel- Entblätterungs- und auch Ausdünnarbeiten bis zum Wochenende unterbleiben. Nächste Woche soll es ja angenehmer werden. Auch wenn die Blühqualität nicht überall optimal war, die Traubenzonen füllen sich quer durch das gesamte Markgräflerland. Die von den Vermarktern vorgegebenen Zielerträge werden in vielen Fällen überschritten. Wo dies der Fall ist, ist für die kommenden zwei Wochen Kümmertriebentfernung (meist mit zwei Trauben) und Traubenreduktion angesagt.

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 13. August.

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