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Weinbauinfo-Nr. 19-2020

Datum: 16.07.2020

Datum: 


Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau
Erste färbende Grau- und Spätburgunder und erste glasige Beeren beim Müller-Thurgau verdeutlichen die frühe Vegetation 2020. Bei bestem Gesundheitszustand können wir nächste Woche (20.-25. Juli) den diesjährigen Pflanzenschutz mit der Abschlussspritzung erfolgreich beenden.
Ein überwiegend positives Bild gewinnt man auch von den gut gewachsenen und sehr gepflegten Junganlagen. Die Jungreben haben nach der Trockenphase im April und Mai von der guten Niederschlagsverteilung im Juni profitiert. Einige Hochstammanlagen sind schon über den obersten Draht hinausgewachsen!
Die Wettervorhersage meldet nach den aktuell erfrischenden Niederschlägen und dem Temperaturrückgang ab Samstag und im Verlauf der nächsten Woche sonnig, warmes Sommerwetter mit Tageshöchsttemperaturen um die 30°C.
 
Rebschutz
Traubenwickler

Am Montag den 13.07. wurde anhand von Traubenproben aus verschiedenen Gewannen in Eichstetten der Befall durch Traubenwickler (Eier, Bohrlöcher, Wurmbefall) bonitiert. Außer einem Bohrloch ohne Wurm wurden keinerlei Auffälligkeiten beobachtet. Die Pheromonverfahren am Kaiserstuhl zeigen sich stabil.
Der Flug der beiden Traubenwicklerarten ist momentan sehr stark zurückgegangen. Es könnte sein, dass der Flugverlauf der zweiten Generation beendet ist. Sie können Fangzahlen unter http://monitoring.vitimeteo.de/  abrufen.
Wechseln Sie jetzt die Leimböden ihrer Kontrollfallen um einen erneuten Flug (z.B. 3. Generation) ermitteln zu können.
Grüne Rebenzikade
Aktuell kann man besonders beim Durchlaufen, Durchfahren hoher Rebbegrünungen ein starkes Auffliegen der Grünen Rebenzikade beobachten!
Besonders bewährt hat sich das alternierende Mulchen
, abwechselnd in jeder zweiten Gasse, um mit der vorhandenen höheren Begrünung Rückzugsmöglichkeiten für die Zikade und damit den Flug und die Saugtätigkeit an den Reben zu verhindern. Befall (rote bzw. gelbe Marmorierungen an den Blatträndern und zwischen den Blattadern wurde bisher kaum beobachtet. Daher ist eine Insektizidbehandlung bisher nicht angezeigt!
Winden-Glasflügelzikade-Schwarzholzkrankheit
Vereinzelt können erste Befallssymptome beobachtet werden. Die Übertragung der auslösenden Phytoplasmen erfolgt durch die Winden-Glasflügelzikade von der Brennnessel oder Ackerwinde auf die Reben. Brennnesselhorste sollten momentan nicht abgemäht werden. Befallene Triebe (Blätter wölben sich nach unten, verfärben sich rot oder gelb) sollten bei Befall umgehend abgeschnitten werden um eine Rückverlagerung ins Altholz zu vermeiden.
Kirschessigfliege (KEF)
Die wesentlichen präventiven, weinbaulichen Maßnahmen sind das Teilentblättern der Traubenzone und ab August das Kurzhalten der Begrünungen um den Populationsaufbau der KEF in den Reben zu verhindern.
Für die Vegetation 2020 wurde neben SpinTor und Mospilan, aktuell über Notfallzulassung, Minecto One und Surround zur Bekämpfung der Kirschessigfliege zugelassen. Mittels Weinbauinfo werden wir ab ca. August über eventuell notwendige Bekämpfungsstrategien informieren.
Das Staatliche Weinbauinstitut wird das KEF-Monitoring ab Ende Juli/Anfang August beginnen. Entsprechende Eifunde können Sie unter: http://monitoring.vitimeteo.de/ nachschauen.
Die Weinbauberatung wird vom WBI bei entsprechenden Auffälligkeiten direkt informiert. Wir werden den bei Handlungsbedarf mit betroffenen Gemarkungen direkt Kontakt aufnehmen.
 
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Aktuell sind sporulierende Ölflecken von Müller-Thurgau Rebanlagen, im Neuzuwachs der oberen Laubwand, gemeldet worden. Das sind aber die Ausnahmen. Ansonsten sind Ölflecken 2020 nur selten zu finden. Die Rebengesundheit ist tadellos. Mit der aktuellen Wetterlage bzw. auch mit der vorhergesagten Witterung ist nicht davon auszugehen, dass hier noch größere Peronosporainfektionen ausgelöst werden. Somit steht dem jetzig geplanten Abschlusstermin nichts entgegen.
Betreffend Oidium kommen die ersten Befallsmeldungen bzw. wurden persönlich beobachtet. Betroffene Rebsorten: Müller-Thurgau, Riesling und Cabernet Dorsa.
Besonders wichtig ist jetzt die Kontrolle der letztjährigen mit Oidium befallenen Rebanlagen oder auch befallsgefährdete Sorten (Müller-Thurgau, Chardonnay, Cabernet Dorsa, Muskateller etc.). Bitte führen sie eine Betriebskontrolle durch und kontrollieren sie ihre Trauben!!!
Bei Befall sollte umgehend die Traubenzone von der Schattenseite etwas deutlicher (ca. 3 Blätter pro Trieb) entblättert werden und mit einem Bikarbonat wie z.B. Vitisan 4-5 Kg/ha + Wetcit 0,2 L/ha oder Kumar 3 Kg/ha in ca. 400-500L Wasser/ha behandelt werden. Diese Traubenwäsche sollte mittels Behandlung jeder Gasse gefahren werden. Eine Wiederholung nach 5-7 Tagen sollte die Oidium stoppen. Bitte nicht bei hohen Tagestemperaturen über 25-30°C anwenden!
Befallene Trauben bzw. Traubenteile sollte herausgeschnitten werden.
Da in 2019 im August und September besonders der späte Blattbefall und im Winter der Befall an den Fruchtreuten durch Oidium sehr auffällig war, sollte bei der Abschlussbehandlung besonders in diesen letztjährigen Befallsanlagen auf eine gute Benetzung geachtet werden. Das Befahren jeder Gasse erhöht die Applikationsqualiät deutlich. Der Brüheaufwand sollte 400-500 L/ha nicht unterschreiten!
Empfehlungen zur Abschlussspritzung:
Gegen Peronospora
ein Kupferpräparat wie z.B. Coprantol Duo 2,5 KG/ha oder Airone SC 2,6 L/ha oder Funguran Progress 2,0 Kg/ha oder Cuprozin Progress 1,6 L/ha. Alle Wartezeit 21 Tage. Aufgrund der sehr gesunden Bestände kann im Sinne der Mitteleinsparung und bei Anwendung im Splittingverfahren (letzten 2 Behandlungen) die Aufwandmenge halbiert werden (Basis x 2)!
Für Bukettsorten (Sauvignon Blanc, Muskateller, Gewürztraminer, Scheurebe) kann alternativ betreffend Erhaltung der Primäraromen und der aromagebenden Terpene z.B. Mildicut 4 L/ha zum Einsatz kommen. Dies sollte evtl. mit dem Erzeugerbetreib abgestimmt werden.
Gegen Oidium ein Azolfungizid wie z.B. Systhane 20 EW 0,24 L/ha (WZ 28 T) oder Topas 0,32 L/ha (WZ 35T) oder Misha 0,24 L/ha (WZ 14 T). Alternativ kann Kumar 5 Kg/ha oder Vitisan 8 Kg/ha + Wetcit 0,2 L/ha eingesetzt werden. Bitte beachten sie beim Einsatz von Präparaten aus der Wirkstoffgruppe der Kaliumhydrogencarbonate (Kumar oder Vitisan), dass bei Tagestemperaturen über 25°C Verbrennungen an den Blättern und Berostungen an den Trauben entstehen können. Also am besten früh morgens oder abends behandeln.
Kumar hat außerdem eine Zulassung zur Botrytisbekämpfung. Die Botrytiswirkung der Bikarbonate beruht auf der „Austrocknung“ des Pilzes! Sporen und Myzelium trockenen aus und sterben ab.
Alternativ bei gesunden Beständen, kann die Mehltaubekämpfung mit Taegro NEU 0,185 Kg/ha (WZ 1T) erfolgen. TAEGRO ist ein biologisches Mittel, basierend auf dem natürlich vorkommenden Bodenbakterium Bacillus amyloliquefaciens FZB24.
Taegro hat auch eine Zulassung zur vorbeugenden Botrytisbekämpfung mit einer empfohlenen Konzentration von 0,370 Kg/ha.
Gegen Botrytis kann bei kompakten Klonen und anfälligen Sorten der Einsatz eines Botrytismittel wie z.B. Teldor oder Prolectus oder Kenja überlegt werden. Bei ausschließlicher Behandlung der Traubenzone reicht die halbe Aufwandmengen, Basis x 2!
Überwiegend sind die Trauben 2020 eher von lockerer Struktur und besonders die mittels „Ausblasen“ bearbeiteten Rebanlagen weniger fäulnisgefährdet.
Bitte beachten Sie die Angaben und Vorschriften auf dem Beipackzettel der angewendeten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und zur Persönlichen Schutzausrüstung des Anwenders und betreffend die weinbaulichen Nacharbeiten!!! Der Wasseraufwand beträgt 1000-1200 L/ha im Spritz- bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe je ha (= Basisaufwand x 4) und orientiert sich am aktuellen Entwicklungsstand der Reben.
 
ESCA

Erschreckend sind aktuell die absterbenden Rebstöcke durch den Komplex der Holzpilze – ESCA. Um die Nachpflanzkosten zu reduzieren, empfehlen wir jetzt 1-2 austreibende Bodentriebe pro Rebstock hochzubinden. Im Winter kann dann der befallenen Rebstamm abgesägt werden (Stammamputation). Bei Reben im Alter zwischen 20-30 Jahre besteht eine Erfolgsquote bis zu 70%!
 
Bodenpflege

Mit den aktuell hohen Tagestemperaturen nimmt die Wasserverdunstung und Trockenheit im Oberboden zu. Ein etwas höheres Mulchen oder Walzen im Wechsel jeder zweiten Gasse wird in Ertragsanlagen empfohlen. Dadurch wird die Beschattung des Bodens erhalten und der Boden wird nicht so heiß, trocknet weniger aus. Bodenbearbeitungen werden in Ertragsanlagen aus Gründen möglicher Stickstoffmineralisierung nicht mehr empfohlen.
Geplante Einsaaten sollten im Oktober (Winterbegrünungen) durchgeführt werden.
Bei Junganlagen sollte aufgrund der Trockenheit und der Wasserkonkurrenz der Unterstockbereich unkrautfrei gehalten werden. Jede zweite Zeile kann bei der aktuellen Feuchtigkeit im Oberboden jetzt mit einer Winterbegrünung z.B. Winterwicke und Roggen (Saatbreite 1m) eingesät werden.
 
Ertragsregulierung
Wie schon beschrieben sind die Ertragserwartungen sehr unterschiedlich. Wer aktuell einen marktgerechten Ertrag erzeugen will, sollte seine durchschnittliche Traubenanzahl ermitteln und die Trauben wiegen. Es ist damit zu rechnen, dass sich die Traubengewichte noch um ca. 1,5-2,0fache bis zur Lese erhöhen. Entsprechend sollte der Traubenertrag durch Reduktion der Traubenzahl z.B. Kurztriebe auf 1 Traube pro Trieb, Kümmertreibe entfernen, kompakte Trauben teilen, auf den Zielertrag eingestellt werden.
 
Mit dem Abschluss der Pflanzenschutzempfehlungen endet auch das wöchentliche Weinbauinfo. Die Informationen erfolgen ab sofort nach Notwendigkeit und aktueller Themen.
 
Gez. Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

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