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Weinbauinfo-Nr. 18-2020

Datum: 09.07.2020

Datum: 


Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau
Sonnig warmes Sommerwetter mit deutlichem nächtlichem Temperaturabfall begleitet das rasante Beerenwachstum. Überwiegend sind die Trauben von lockerer Struktur. Aber auch kompakte Burgundertrauben sind zu beobachten. Nach wie vor sind die Entwicklungsunterschiede auffällig. Gerade in den höheren Lagen im inneren Kaiserstuhl (Schelingen, Alt-Vogtsburg) ist eine spätere Entwicklung zu sehen. Hier ist der Traubenschluss noch nicht überall erfolgt.
Viele Winzer beschäftigen sich momentan mit dem Thema: Ertragsschätzung. Dies ist sicherlich auch im Hinblick des Weinmarktes sehr wichtig. Einige Erzeugerbetriebe haben bereits ihre Winzer informiert und die anzuliefernden Traubenmengen mitgeteilt.
Bei den Burgundersorten tut sich eine große Spannbreite auf. Hier müssen die Reb-Klone differenziert betrachtet werden. Gute Ertragsanlagen zeigen die Standardklone. Beim Grauburgunder der Hauserklon und teilweise auch die Geisenheimer 1-31, 1-32, 1-33. Beim Spätburgunder FR-5286 oder auch F 105. Geringere Erträge zeigen wiederum Grauburgunder SMA oder Spätburgunder FR-1801. Eher im oberen Ertragsbereich bewegen sich die Weißburgunderanlagen. Besonders erstaunt ist man beim Müller-Thurgau, der sich auch 2020 überwiegend positiv entwickelt hat. Zurückerinnernd an den zögerlichen und uneinheitlichen Austrieb hätte man das nicht erwartet.
Damit sind differenziert Ausdünnungsmaßnahmen notwendig. Eine schnelle Korrektur der Traubenzahlen kann durch das Entfernen der Trauben an den Kurztrieben oder auf das Einstellen der Traubenzahl (1 Traube pro Trieb) erfolgen. Besonders positiv ist das Trauben Teilen gerade bei kompakten Klonen und Sorten und besonders auch beim Muskateller. Einerseits werden dadurch die Erträge reduziert. Andererseits ist es erfahrungsgemäß eine gute Methode um das Fäulnisrisiko zu reduzieren. Das Trauben Teilen kann noch bis zum Weichwerden der Trauben durchgeführt werden. Sollte aber baldmöglichst erfolgen.
Die Wettervorhersage meldet weiterhin sonnig warmes Sommerwetter. Am Freitagabend ist eine kleine Störung, mögliche Wärmegewitter vorhergesagt. Über das Wochenende und Anfang nächste Woche wird es sommerlich warm mit langer Sonnenscheindauer.
Vorsicht bei den Laub- und Entblätterungsarbeiten. Die Sonnenbrandgefahr der Trauben nimmt jetzt stark zu!
 
Rebschutz
Traubenwickler

Ein Flughöhepunkt der zweiten Generation des Einbindigen Traubenwickler wurde um den 26.06. verzeichnet. Aktuell wurden höhere Fangzahlen des Bekreuzten Traubenwickler um den 08.07. ermittelt. Somit ist in Nicht-Pheromongebieten eine Bekämpfung, Flughöhepunkt + 6 Tage zu terminieren.
In der gemeinschaftlichen Pheromonverfahren gibt es keine Fangzahlen in den Kontrollfallen. Die Pheromonverwirrung ist stabil. Hier sind keine weiteren Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich!!!
Grüne Rebenzikade

In vergangenen Vegetationsperioden führte der Befall durch die grüne Rebenzikade insbesondere in einzelnen Waldrandlagen zur Schädigung der Laubwand und reduzierter Assimilation. Die 2. Generation/Population (Sommergeneration) baut sich aktuell auf.  Besonders bewährt hat sich das alternierende Mulchen, abwechselnd jeder zweiten Gasse, um mit der vorhandenen höheren Begrünung Rückzugsmöglichkeiten für die Zikade und damit den Flug und die Saugtätigkeit an den Reben zu verhindern. Daher sollte ab jetzt in den bekannten gefährdeten Lagen auf das alternierende Mulchen gesetzt werden!
Für einen eventuellen Notwendigen Insektizideinsatz in Befallsflächen (evtl. Waldrandflächen) ist es jetzt noch zu früh. Bei Vorhandensein von mehr als 3 Zikaden an der Blattunterseite wird die Schadschwelle erreicht. Erst dann macht eine Insektizidbehandlung, z.B. mit Steward, aber nur in den Befallsflächen, Sinn. Achtung Steward wurde ab 2020 als bienengefährlich B 1 eingestuft.
Kirschessigfliege (KEF)
Die wesentlichen präventiven, weinbaulichen Maßnahmen sind das Teilentblättern der Traubenzone und ab August das Kurzhalten der Begrünungen um den Populationsaufbau der KEF in den Reben zu verhindern.
Für die Vegetation 2020 wurde aktuell über Notfallzulassung Minecto One und Surround zur Bekämpfung der Kirschessigfliege zugelassen. Mittels Weinbauinfo werden wir ab ca. August über eventuell notwendige Bekämpfungsstrategien informieren.
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium
Der Pflanzenschutz 2020 befindet sich auf der Zielgeraden.
Die Bestände sind sehr gesund. In den meisten Betrieben stehen noch ein bis zwei Spritzungen an. Bitte halten Sie aufgrund der frühen Vegetation 2020 den Abschlusstermin 20-25. Juli ein!
Besonders wichtig ist jetzt die Kontrolle der letztjährigen mit Oidium befallenen Rebanlagen oder auch befallsgefährdete Sorten (Müller-Thurgau, Chardonnay, Cabernet Dorsa, Muskateller etc.). Bitte führen sie eine Betriebskontrolle durch und kontrollieren sie ihre Trauben!!! Bitte melden Sie Befall direkt beim Weinbauberater unter 0162-2550680.
Es bleibt bei der Empfehlung der letzten Woche mit Ausnahme der späten, hohen Lagen. Hier kann der Einsatz eines potenten organischen Mahltaufungizid in Anlagen in denen der Traubenschluss noch nicht erfolgt ist überlegt werden. Zum Einsatz kommt dann z.B. Vivando (K) 0,32 L/ha oder Kusabi (K) 0,3 L/ha Vegas (R) 0,48 L/ha oder Talendo(J) 0,375L/ha. In den sonstigen Anlagen in denen der Traubenschluss erreicht ist empfehlen wir:
Gegen Oidium ein Azolfungizid wie z.B. Systahne 20 EW 0,24 L/ha (WZ 28 T) oder Topas 0,32 L/ha (WZ 35T) oder Misha 0,24 L/ha (WZ 14 T). Alternativ kann Kumar 5 Kg/ha oder Vitisan 6-8 Kg/ha + Wetcit 0,2 L/ha eingesetzt werden. Bitte beachten sie beim Einsatz von Präparaten aus der Wirkstoffgruppe der Kaliumhydrogencarbonate (Kumar oder Vitisan), dass bei Tagestemperaturen über 25°C Verbrennungen an den Blättern und Berostungen an den Trauben entstehen können. Netzschwefel WZ 56 Tage kann ab jetzt nicht mehr eingesetzt werden.
Gegen Peronospora empfehlen wir Folpan 80 WDG 1,6 Kg/ha (WZ 35 T) Mittel mit 56 Tage Wartezeit wie z.B. Polyram WG können ab jetzt nicht mehr eingesetzt werden!
Alternativ kann man bei den letzten zwei Behandlung ein Kupfersplitting z.B. Funguran progress 1,0 Kg/ha oder Coprantol Duo 1,3 Kg/ha oder Cuprozin progress 0,8 L/ha durchführen. 
Bei letztjährigen Befallsanlagen, besonders gefährdeten Rebsorten und Lagen, sowie bei ungenügender Applikationstechnik empfehlen wir die Behandlung jeder Zeile (jede Gasse fahren) um eine gute Applikationsqualität zu erreichen.
Bitte beachten Sie die Angaben und Vorschriften auf dem Beipackzettel der angewendeten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und zur Persönlichen Schutzausrüstung des Anwenders und betreffend die weinbaulichen Nacharbeiten!!! Der Wasseraufwand beträgt 1000-1200 L/ha im Spritz- bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe je ha (= Basisaufwand x 4) und orientiert sich am aktuellen Entwicklungsstand der Reben.
 
Alternative Empfehlungen zur Einsparung von Pflanzenschutzmittel (Biodiversitätsstärkungsgesetz)

Um den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel zu reduzieren kann unter Einbeziehung des Krankheitsrisikos zum jetzigen Entwicklungsstand der Reben eine veränderte Spritzstrategie zur Anwendung kommen. Dabei muss verstärkt der Zuwachs der Reben und die Witterung berücksichtigt werden, da nur eine protektive Bekämpfung möglich ist. Eventuell sind kürzere Behandlungsintervalle 7-10 Tage notwendig, da erforderliche Belagsspritzung unbedingt vor möglichen Infektionen erfolgen müssen und keine witterungs- bzw. wachstumsbedingt die Beläge sich schneller verdünnen. Kurative Spritzungen (nach Infektion) sind nicht möglich. Dadurch können sich evtl. die Anzahl der Spritzungen erhöhen. Zum Einsatz kommen gegen Peronospora zugelassene Kupferpräparate wie z.B. Funguran progress oder Cuprozin progress, Coprantol Duo oder Cuproxat. Gegen Oidium Kaliumhydrogencarbonat. Gegen Botrytis sind in erster Linie angepasste Bodenpflege und Stickstoffdüngung, exakte Kulturarbeiten (luftige Traubenzone, Teilentblätterung, Ausblasen) essentiell und können durch die Abhärtung der Beerenhaut z.B. mit Wasserglas ergänzt werden. Zu beachten sind auch die Kupferhöchstmengen von maximal 3 Kg/ha und Jahr Reinkupfer, die zur Anwendung kommen dürfen.
 
Wer mit der jetzt anstehenden Behandlung in die PSM-Reduktion einsteigen möchte sollte die vorhergesagte Witterung besonders beachten. Bei hohen Tagestemperaturen über 30°C kann es bei Anwendung von Kaliumhydrogenkarbonaten (Vitisan oder Kumar) zu Blattverätzungen kommen. Bei einer Behandlung früh morgens oder am Abend kann die nachfolgende Kombination empfohlen werden:
Gegen Oidium Vitisan 6-8 Kg/ha + Wetcit 0,2 %ig (nur bei guter Wasserversorgung und Temperaturen von maximal 25°C).
Oder Kumar 5,0 Kg/ha. Keine Behandlung mit Kumar bei trockengestressten Anlagen, nassen Beständen, Starker Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 30°C! Kumar hat außer der Zulassung zur Mehltaubekämpfung eine Zulassung zur Botrytisbekämpfung.
Alternativ kann die Mehltaubekämpfung mit Taegro NEU 0,185 Kg/ha (WZ 1T) erfolgen. Taegro hat auch eine Zulassung zur Botrytisbekämpfung mit einer empfohlenen Konzentration von 0,370 Kg/ha.
Gegen Peronospora ein Kupferpräparat mit 350 g/ha Reinkupfer. Das entspricht z.B. 1,0 Kg/ha Funguran progress oder 1,8 Kg/ha Cuproxat oder 1,25 Kg/ha Coprantol Duo.
Der Brüheaufwand sollte 500-600 L/ha nicht unterschreiten. Um eine gute Benetzung/Applikationsqualität zu erreichen wird das Fahren jeder Gasse empfohlen. Das Sprühen sollte so eingestellt werden, dass kein Zusammenlaufen der Spritzbrühe auf den Blättern stattfindet. Vorsicht Verbrennung!
Spritzabstand maximal 8-10 Tage!

Bitte lesen Sie vorher z.B. im Internet die besonderen Anwendungshinweise zur Ausbringung und Mischbarkeit der angegebenen Pflanzenschutzmittel. Eine Mischung mit Blattdünger wie z.B. Bittersalz wird nicht empfohlen.
 
 
 
Bodenpflege

Mit den aktuell hohen Tagestemperaturen nimmt die Wasserverdunstung und Trockenheit im Oberboden zu. Ein etwas höheres Mulchen oder Walzen im Wechsel jeder zweiten Gasse wird empfohlen. Dadurch wird die Beschattung des Bodens erhalten und der Boden wird nicht so heiß, trocknet weniger aus. Bodenbearbeitungen werden in Ertragsanlagen aus Gründen möglicher Stickstoffmineralisierung nicht mehr empfohlen.
Geplante Einsaaten sollten im Oktober (Winterbegrünungen) durchgeführt werden.
 
 
Der nächste Aufruf erfolgt vegetationsbezogen innerhalb einer Woche.
 
Gez. Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

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