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Weinbauinfo-Nr. 17-2020

Datum: 02.07.2020

Datum: 


Agenda:     Termin Abschlussspritzung
                  Wartezeiten
 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau

Im Verlauf der vergangenen Woche brachten Schauer und Gewitter sehr unterschiedliche Niederschlagsmengen in die einzelnen Gemarkungen am Kaiserstuhl. Der Oberboden ist überwiegend gut durchfeuchtet. In Verbindung mit der feucht-warmen Witterung kann man ein stetiges Trauben- und Rebenwachstum beobachten. Mittlerweile ist das Entwicklungsstadium Traubenschluss BBCH 79 überall erreicht. Der Gesundheitszustand ist hervorragend und die Abschlussspritzung sollte aufgrund der ca. 3 Wochen verfrühten Vegetation zwischen dem 20.-25. Juli 2020 eingeplant werden. In den meisten Betrieben stehen damit noch zwei Pflanzenschutzbehandlungen an. Für diese Behandlungen sollte die einzuhaltende Wartezeit der Pflanzenschutzmittel besonders beachtet werden. Bitte beachten Sie hierzu auch die als Anhang mit geschickte Tabelle des Staatlichen Weinbauinstituts mit den zugelassenen PSM und den entsprechenden Wartezeiten.
Die Wettervorhersage meldet zunehmend Bewölkungsauflösung und für die kommende Woche trockenes, schönes Sommerwetter.
 
Rebschutz
Traubenwickler

Aktuell ist im Nicht-Pheromongebiet (nur noch wenige Flächen in Ihringen) ein kräftiger Zuflug des Einbindigen Traubenwickler in den Kontrollfallen zu beobachten. Hier ist in den nächsten Tagen mit einem Flughöhepunkt zu rechnen. Entsprechend ist eine Insektizidspritzung, Flughöhepunkt + 6 Tage, im Verlauf der nächsten Woche einzuplanen. Zum Einsatz kommt z.B. Coragen oder Steward.
Ein Überblick zu den Fangzahlen finden sie unter: http://monitoring.vitimeteo.de/
Innerhalb der gemeinschaftlichen Pheromongebieten gibt es keine Auffälligkeiten. Die Verwirrung ist stabil. Hier ist keine weitere Bekämpfungsmaßnahme notwendig!
 
Grüne Rebenzikade

In vergangenen Vegetationsperioden führte der Befall durch die grüne Rebenzikade insbesondere in einzelnen Waldrandlagen zur Schädigung der Laubwand und reduzierter Assimilation. Die 2. Generation/Population (Sommergeneration) baut sich aktuell auf.  Besonders bewährt hat sich das alternierende Mulchen, abwechselnd jeder zweiten Gasse, um mit der vorhandenen höheren Begrünung Rückzugsmöglichkeiten für die Zikade und damit den Flug und die Saugtätigkeit an den Reben zu verhindern. Daher sollte ab jetzt in den bekannten gefährdeten Lagen auf das alternierende Mulchen gesetzt werden!
Für einen eventuellen Notwendigen Insektizideinsatz in Befallsflächen (evtl. Waldrandflächen) ist es jetzt noch zu früh. Bei Vorhandensein von mehr als 3 Zikaden an der Blattunterseite wird die Schadschwelle erreicht. Erst dann macht eine Insektizidbehandlung, z.B. mit Steward, aber nur in den Befallsflächen, Sinn.
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Mit der erfolgten, letzten Pflanzenschutzmaßnahme sind mögliche Infektionen der Peronospora gut abgefangen worden, so dass nur ganz vereinzelt von Ölflecken z.B. bei Spritzschatten oder an Bodentrieben berichtet werden kann. Die aktuelle Wettervorhersage, trockenes, warmes Sommerwetter minimiert das zukünftige Infektionsrisiko der Pero. Damit ist der Ertrag für 2020 zum Entwicklungsstadium Traubenschluss gesichert. Jetzt gilt es noch schwerpunktmäßig die Laubwand zu schützen.
Betreffend Oidium ist noch kein Befall gemeldet worden. Mit dem jetzigen Entwicklungsstand Traubenschluss nimmt die Oidiumanfälligkeit der Trauben stark ab.
Die Planung der nächsten Behandlung ab Ende nächster Woche kann mit einem Spritzabstand von 12-14 Tagen erfolgen. Zum Einsatz kommen:
Gegen Oidium ein Azolfungizid wie z.B. Systahne 20 EW 0,24 L/ha (WZ 28 T) oder Topas 0,32 L/ha (WZ 35T) oder Misha 0,24 L/ha (WZ 14 T). Alternativ kann Kumar 5 Kg/ha oder Vitisan 6-8 Kg/ha + Wetcit 0,2 L/ha eingesetzt werden. Bitte beachten sie beim Einsatz von Präparaten aus der Wirkstoffgruppe der Kaliumhydrogencarbonate (Kumar oder Vitisan), dass bei Tagestemperaturen über 25°C Verbrennungen an den Blättern und Berostungen an den Trauben entstehen können. Netzschwefel WZ 56 Tage kann ab jetzt nicht mehr eingesetzt werden.
Gegen Peronospora empfehlen wir Folpan 80 WDG 1,6 Kg/ha (WZ 35 T) Mittel mit 56 Tage Wartezeit wie z.B. Polyram WG können ab jetzt nicht mehr eingesetzt werden!
Alternativ kann man bei den letzten zwei Behandlung ein Kupfersplitting z.B. Funguran progress 1,0 Kg/ha oder Coprantol Duo 1,3 Kg/ha oder Cuprozin progress 0,8 L/ha durchführen.  
Der Zusatz von Phosphonat wird nicht mehr empfohlen.
Bei letztjährigen Befallsanlagen, besonders gefährdeten Rebsorten und Lagen, sowie bei ungenügender Applikationstechnik empfehlen wir die Behandlung jeder Zeile (jede Gasse fahren) um eine gute Applikationsqualität zu erreichen.

Bitte beachten Sie die Angaben und Vorschriften auf dem Beipackzettel der angewendeten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und zur Persönlichen Schutzausrüstung des Anwenders und betreffend die weinbaulichen Nacharbeiten!!! Der Wasseraufwand beträgt 1000-1200 L/ha im Spritz- bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe je ha (= Basisaufwand x 4) und orientiert sich am aktuellen Entwicklungsstand der Reben.
 
Alternative Empfehlungen zur Einsparung von Pflanzenschutzmittel (Biodiversitätsstärkungsgesetz)

Um den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel zu reduzieren kann unter Einbeziehung des Krankheitsrisikos zum jetzigen Entwicklungsstand der Reben eine veränderte Spritzstrategie zur Anwendung kommen. Dabei muss verstärkt der Zuwachs der Reben und die Witterung berücksichtigt werden, da nur eine protektive Bekämpfung möglich ist. Eventuell sind kürzere Behandlungsintervalle 7-10 Tage notwendig, da erforderliche Belagsspritzung unbedingt vor möglichen Infektionen erfolgen müssen und keine witterungs- bzw. wachstumsbedingt die Beläge sich schneller verdünnen. Kurative Spritzungen (nach Infektion) sind nicht möglich. Dadurch können sich evtl. die Anzahl der Spritzungen erhöhen. Zum Einsatz kommen gegen Peronospora zugelassene Kupferpräparate wie z.B. Funguran progress oder Cuprozin progress, Coprantol Duo oder Cuproxat. Gegen Oidium Kaliumhydrogencarbonat. Gegen Botrytis sind in erster Linie angepasste Bodenpflege und Stickstoffdüngung, exakte Kulturarbeiten (luftige Traubenzone, Teilentblätterung, Ausblasen) essentiell und können durch die Abhärtung der Beerenhaut z.B. mit Wasserglas ergänzt werden. Zu beachten sind auch die Kupferhöchstmengen von maximal 3 Kg/ha und Jahr Reinkupfer, die zur Anwendung kommen dürfen.
 
Wer mit der jetzt anstehenden Behandlung in die PSM-Reduktion einsteigen möchte sollte die vorhergesagte Witterung besonders beachten. Bei hohen Tagestemperaturen über 30°C kann es bei Anwendung von Kaliumhydrogenkarbonaten (Vitisan oder Kumar) zu Blattverätzungen kommen. Bei einer Behandlung früh morgens oder am Abend kann die nachfolgende Kombination empfohlen werden:
Gegen Oidium Vitisan 6-8 Kg/ha + Wetcit 0,2 %ig (nur bei guter Wasserversorgung und Temperaturen von maximal 25°C).
Oder Kumar 5,0 Kg/ha. Keine Behandlung mit Kumar bei trockengestressten Anlagen, nassen Beständen, Starker Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 30°C! Kumar hat außer der Zulassung zur Mehltaubekämpfung eine Zulassung zur Botrytisbekämpfung.
Alternativ kann die Mehltaubekämpfung mit Taegro NEU 0,185 Kg/ha (WZ 1T) erfolgen. Taegro hat auch eine Zulassung zur Botrytisbekämpfung mit einer empfohlenen Konzentration von 0,370 Kg/ha.
Gegen Peronospora ein Kupferpräparat mit 350 g/ha Reinkupfer. Das entspricht z.B. 1,0 Kg/ha Funguran progress oder 1,8 Kg/ha Cuproxat oder 1,25 Kg/ha Coprantol Duo.
Der Brüheaufwand sollte 500-600 L/ha nicht unterschreiten. Um eine gute Benetzung/Applikationsqualität zu erreichen wird das Fahren jeder Gasse empfohlen. Das Sprühen sollte so eingestellt werden, dass kein Zusammenlaufen der Spritzbrühe auf den Blättern stattfindet. Vorsicht Verbrennung!
Spritzabstand maximal 8-10 Tage!

Bitte lesen Sie vorher z.B. im Internet die besonderen Anwendungshinweise zur Ausbringung und Mischbarkeit der angegebenen Pflanzenschutzmittel. Eine Mischung mit Blattdünger wie z.B. Bittersalz wird nicht empfohlen.
 
Blattdüngung

Zur vorbeugenden Behandlung gegen Stiellähme empfehlen wir besonders in Rebanlagen mit Verrieselungen eine weitere Behandlung mit Bittersalz 10-12 Kg/ha. Alternativ einen flüssig formulierten Magnesiumdünger wie z.B. Provita Magnesium 3 L/ha oder Lebosol Magnesium 400 SC 3 L/ha. Stickstoffhaltige Blattdünger werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr empfohlen.
 
Umstrukturierung
Ab nächster Woche beginnen wir mit der Kontrolle der Junganlagen.
Der nächste Aufruf erfolgt vegetationsbezogen innerhalb einer Woche.
 
Gez. Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

 

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