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Weinbauinfio Markgräflerland Nr. 18

Datum: 02.07.2020

Allgemeine Situation:

Nach anfänglicher Trockenheit und hohen Verdunstungsraten brachte der Juni mit seinen zumeist recht ergiebigen Niederschlägen bei gleichzeitig geringeren Verdunstungsraten hier eine deutliche Entlastung. Die Markgräfler Stationen zeigen für den Juni folgende Regenmengen: Fischingen 77mm, Blansingen 88mm, Liel 85mm, Zunzingen 109mm, Kirchhofen 112mm und Freiburg 107mm. Die Durchschnittstemperatur lag im Juni zwar leicht unter dem langjährigen Durchschnitt. Dennoch die Wachstumsbedingungen waren so günstig, dass wir quer durch das Markgräflerland derzeit zumeist wunderschöne Rebbestände sehen. Einzelne Gewitterzellen brachten am vergangenen Freitag nicht nur Starkregen, sondern leider auch leichte Hagelschäden am südlichen Batzenberg und rund um Wettelbrunn mit sich. Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass aufgeplatzte Beeren vor Reifebeginn rasch eintrocknen, bzw. verkorken und damit bezüglich Botrytis unproblematisch sind. Eine Behandlung mit einem Botrytismittel ist in der Regel nicht notwendig. Ich verweise hierzu noch einmal auf meinen Fachartikel im Maiheft von „Der Badische Winzer“ und auf das Infoblatt „Maßnahmen nach Hagel“ auf meiner Webseite.

Die Wettervorhersage scheint in diesem Frühjahr nicht einfach zu sein, siehe vorhergesagte und tatsächlich eingetretene Regenmengen am vergangenen Wochenende. Falls die Wettervorhersage stimmt, ist für die kommenden 10 Tage weitgehend trockenes und nicht zu heißes Sommerwetter angesagt.

Rebschutz:

Peronospora: Die Bestände sind derzeit weiterhin absolut gesund. Ob die Starkniederschläge, zusammen mit dem Hagel, vom vergangenen Wochenende am ungeschütztem Zuwachs zu Infektionen geführt haben wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Wenn gestutzte Laubwände einen Schutz aufweisen dürfte an der Hauptlaubwand nicht mehr viel passieren. Grundsätzlich ist der Infektionsdruck weiterhin relativ gering.

Oidium: Grundsätzlich lässt der Infektionsdruck von Oidium langsam nach. Aber durch den hohen Anteil an Nachzüglerbeeren und das schwülwarme Wetter können wir uns, vor allem bei empfindlichen Sorten (Chardonnay, Müller-Thurgau), in letztjährigen Befallsanlagen und in gefährdeten Lagen, noch nicht ganz zurücklehnen. Zurückliegende Behandlungslücken werden jetzt dann so langsam an einzelnen Beeren oder Blättern sichtbar. Kontrollieren Sie in nächster Zeit intensiv Ihre gefährdeten Anlagen. Je früher man Anfangsbefall feststellt, desto besser kann heilend eingegriffen werden. Wenn bereits ein Viertel der Trauben weiß ist, ist es zu spät.

Botrytis: Kompakte Trauben, in Kombination mit abgestorbenen Blüteresten, sind Garanten für Frühbotrytis. Durch die nun oft zu beobachtende leichte Verrieselung/Mischbeerigkeit und das oft durchgeführte „Ausblasen“ sind diese beiden wichtigen fäulnisfördernden Faktoren deutlich reduziert.

Traubenwickler: Außerhalb der Pheromongebiete bewegt sich der Mottenflug weiterhin auf niederem Niveau, wobei die Aktualität der Fangzahlen etwas zu wünschen übriglässt. Orientieren Sie sich über http://monitoring.vitimeteo.de/ oder an den örtlichen Infoquellen über Fangzahlen und Behandlungsnotwendigkeit.

Abschlussspritzung: Aus einer gemeinsamen Besprechung von Weinbauinstitut und Weinbauberatung ergeht die Empfehlung, dass auf Grund der rasanten Beerenentwicklung, der damit zu erwartenden frühen Lese, der großflächig absolut gesunden Bestände und der günstigen mittelfristigen Wettervorhersage die Abschlussspritzung im Zeitraum 20. bis 25. Juli eingeplant werden kann. Für Sonderlesen, wie Sektgrundwein, für „Neuen Süßen“, aber auch für Selektionsanlagen oder für alkoholärmere Sonderprogramme ist die letzte Spritzung entsprechend früher einzuplanen. Beachten Sie unbedingt die Wartezeiten.

Behandlungsempfehlung:

Klassische Variante: Grundsätzlich kann, auf Grund der gesunden Bestände und der günstigen Wettervorhersage, der Behandlungsabstand weiterhin bei 12 - 14 Tagen liegen. Dementsprechend stünde für viele Winzer Mitte der kommenden Woche 7./8. Juli die zweitletzte und am 21./22. Juli die letzte Behandlung an. Mittelempfehlung: Gegen Peronospora ein Kontaktmittel, wie z.B. Folpan 80 WDG (1,6 kg/ha; WZ 35T, Tafeltraubenzulassung), Mittel mit 56 Tagen Wartezeit, wie Polyram WG, Electis) sollten ab sofort nicht mehr eingesetzt werden. Gegen Oidium ein reines Azolfungizid wie Topas (0,32l/ha; WZ 35T) oder Systane 20 EW (0,24l/ha; WZ 28T).

Der oben aufgeführte Mittelaufwand beträgt Basisaufwand x 4,0. In Anlagen mit schwächerem Wuchs reicht auch noch Basisaufwand x 3,5 aus.

Auf Grund des geringen Infektionsdruckes bietet sich in diesem Jahr für die letzten beiden, oder die letzte Behandlung/en zur Reduktion von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (Eckpunktepapier) folgende alternative Variante an:

Gegen Peronospora ein Kupferpräparat mit 250-350 g/ha Reinkupfer. Das entspricht z.B. 0,8 - 1,0 kg/ha Funguran progress, 1,0 - 1,3l/ha Cuprozin progress, oder 1,3 - 1,8 kg/ha Cuproxat. Gegen Oidium 4kg/ha Kumar. Kumar sollte nicht bei zu hohen Temperaturen (> 30°C) und in gestressten Anlagen eingesetzt werden. Vorsicht Verbrennung! Der Brüheaufwand sollte 500-600 L/ha nicht unterschreiten. Um eine gute Benetzung/Applikationsqualität zu erreichen wird das Fahren jeder Gasse empfohlen. Eine Mischung mit Blattdünger wie z.B. Bittersalz wird nicht empfohlen. Probieren Sie es, vielleicht auch nur mal auf Teilflächen, aus.

Vergessen Sie keinesfalls Ihre Junganlagen. Diese sollten weiterhin in 7 tägigem Abstand behandelt werden. Es gibt beim Zusetzen von Phosphonaten immer wieder Probleme bezüglich Überdosierung. Phosphonate sollten nur jedes zweite Mal mit einem Aufwand von, z.B. Veriphos 0,2l /100l, zugesetzt werden.

Stiellähmevorbeugung: Verrieselung und Mischbeerigkeit sind stiellähmefördernde Faktoren. Deshalb ist in solchen Anlagen, vor allem bei empfindlichen Sorten der Einsatz von magnesiumhaltigen Mitteln, wie z.B. Epso Top-Bittersalz (3kg/100l fertige Spritzbrühe, bzw. 12 kg/ha), oder Lebosol-Magnesium 400 SC (3 l/ha) jetzt sinnvoll. Stickstoff haltige Blattdünger sind in der Regel nicht mehr notwendig.

Weinbauliche Hinweise:

Phosphonatüberschuss an Jungrebe

Überträgerzikaden der Schwarzholzkrankheit halten sich jetzt oberirdisch an ihrer Wirtspflanze, der Brennnessel, auf. Durch die Entfernung der Brennnesseln werden die Zikaden gezwungen, andere Pflanzen, z.B. die Rebe anzufliegen welche sie dann anstechen und damit sie die Krankheitserreger übertragen. Das gilt es zu verhindern. Deshalb sollten die Brennnesseln, insbesondere an den Böschungen entlang, nicht gemulcht werden.

Entsprechend der günstigen Wasserversorgung kann man, über alle Sorten hinweg, in den vergangenen 7 Tagen in sehr vielen Anlagen ein zügiges Beerenwachstum feststellen. Spätfrostbedingt und auf Grund unterschiedlicher Blühqualität sind die Ertragsunterschiede Sorten,-, Klonen- und Lagenbedingt recht groß. Selbst die Stockunterschiede innerhalb einer Anlage können stark schwanken. Da die Anlagen jetzt aufgeheftet, zumeist gegipfelt sind und vielfach die Traubenzone auch entblättert/teilentblättert ist, hat man jetzt einen guten Überblick über den Ertragszustand der Anlagen und der einzelnen Stöcke. Insbesondere in Anlagen, bzw. bei Einzelstöcken mit gut gefüllter Traubenzone steht jetzt das Ausbrechen von sehr kümmerigen traubentragenden Trieben, das Teilen von sehr kompakten Trauben oder gar das Entfernen von ganzen Trauben an. Bitte beachten Sie zu diesem Thema auch das angehängte Rundschreiben des Badischen Weinbauverbandes.

Ab der kommenden Woche beginnen wir mit der Umstrukturierungskontrolle. Weinbauberater Stücklin ist deshalb telefonisch am besten über das Handy (0162 2550679) zu erreichen.

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 9. Juli.

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