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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 17

Datum: 25.06.2020

Allgemeine Situation:

Die anhaltend optimalen Witterungsbedingungen begünstigen das Rebenwachstum. Die Bestände im gesamten Markgräflerland stehen zumeist hervorragend; vital und absolut gesund. Die hochsommerlichen Temperaturen werden das Beerenwachstum beschleunigen. Auf fast allen Gemarkungen kann man mit der Blühqualität und der Traubenstruktur sehr zufrieden sein. In den meisten Anlagen sieht man eine positive leichte Verrieselung und Mischbeerigkeit. Die recht kühlen Nachttemperaturen (deutlich unter 10°C) während der Blüte haben jedoch in den späteren Lagen und am Schwarzwaldrand, zwischen Ballrechten und Zunzingen, die Blühqualität soweit beeinträchtigt, dass es teilweise doch zu einer stärkeren Verrieselung und Mischbeerigkeit geführt hat, besonders bei den mischbeerigen Burgunderklonen und auch beim Gutedel. Ich denke, dass diese kleinen Beeren (Jungfernbeeren) klein bleiben, oder abfallen werden. Selbst jetzt, über drei Wochen nach der Blüte, fallen hier beim „Darüberstreifen“ die kleinen Beeren teilweise noch heraus. Das ist ungewöhnlich.

Die Wettervorhersage meldet bis auf Weiteres schwülwarmes Sommerwetter. Ab Freitag und über das Wochenende nimmt die Gewitterneigung zu. Größere Regenmengen werden aber nicht erwartet. Kommende Woche dann wieder weitestgehend trocken.

Rebschutz:

Peronospora: Die Bestände sind derzeit weiterhin absolut gesund, Sekundärinfektionen, also auch Tauinfektionen, sind deshalb weiterhin nicht möglich. Bodeninfektionen können aber immer noch stattfinden. Darüber hinaus haben die Laubwand und auch die Trauben jetzt einen guten Schutz. Dementsprechend ist der Infektionsdruck momentan relativ gering.

Oidium: Die diesjährige Befallssituation kann noch nicht abgeschätzt werden. Frühestens in den kommenden 1-2 Wochen werden sich Strategiefehler oder Behandlungslücken zeigen. Bis zum Erbsenstadium sind die jungen Beerchen in ihrer empfindlichen Phase. Durch die vielen Nachzüglerbeeren/-trauben verlängert sich dieser empfindliche Zeitraum in diesem Jahr besonders. Darüber hinaus ist das derzeitige schwülwarme Wetter grundsätzlich sehr förderlich für die Ausbreitung des Oidiumpilzes. Das Infektionsrisiko für Oidium ist momentan immer noch hoch.

Botrytis: Kompakte Trauben, in Kombination mit abgestorbenen Blüteresten, sind Garanten für Frühbotrytis. Durch die nun oft zu beobachtende leichte Verrieselung/Mischbeerigkeit und das oft durchgeführte „Ausblasen“ sind diese beiden wichtigen fäulnisfördernden Faktoren deutlich reduziert.

Traubenwickler: Außerhalb der Pheromongebiete hat der Mottenflug langsam begonnen. Durch die zum Wochenende hin deutlich ansteigenden Nachttemperaturen werden auch die Flugzahlen sicherlich ansteigen. Orientieren Sie sich über http://monitoring.vitimeteo.de/ oder an den örtlichen Infoquellen.

BDA/Esca/Eutypa: „Eutypastöcke“ in Gutedelanlagen sieht man bereits seit einige Wochen. Bei den derzeit schlagartig absterbenden Stöcken mit schmutzig, graugrünen Blättern handelt es sich um die BDA (Black Dead Arm = Toter Arm Krankheit). Als Erreger werden Pilze aus der Botryosphaeria-Gruppe angegeben. Erste Esca-Stöcke mit dem typischen Tigerstreifen findet man ebenfalls schon. All diese Pilzkrrankheiten, welche den Rebstamm befallen hat man international als GTD zusammengefasst. Auf meiner Webseite habe ich eine Info hierzu hinterlegt.

Behandlungs-/Mittelempfehlung: Grundsätzlich kann, auf Grund der gesunden Bestände und der günstigen Wettervorhersage, der Behandlungsabstand bei 12 - 14 Tagen liegen.

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora reicht weiterhin, ein Kontaktmittel, wie z.B. Folpan 80 WDG (1,4kg/ha; Wartezeit 35 Tage), oder Polyram WG (2,8kg/ha; WZ 56 T) aus. Nicht alle scheinen mitbekommen zu haben, dass Folpan 80 WDG seit Dezember 2019 eine Zulassungserweiterung für Tafeltrauben erhalten hat. Gegen Oidium sollte noch einmal ein potentes organisches Mittel wie z.B. Sercadis (0,21 l/ha), Talendo (0,35l/ha), Kusabi (0,26 l/ha) oder Vegas (0,42 l/ha) zum Einsatz kommen. Für Topas oder Systane ist es noch zu früh. Beachten sie unbedingt die Vorgaben zur Resistenzvermeidung. Ganz wichtig ist der Wirkstoffgruppenwechsel!

Der oben aufgeführte Mittelaufwand beträgt Basisaufwand x 3,5.

In vielen, vor allem in den späteren Lagen weisen die kompakten Sorten/Klone oft eine „fäulnismindernde“ Lockerheit/Mischbeerigkeit auf, so dass hier der Einsatz eines Botrytismittels fachlich nicht notwendig ist.

Blattdünger: Die meisten Laubwände stehen hervorragend. Hier ist der Zusatz eines Blattdüngers jetzt nicht mehr sinnvoll. Nur in den schwächer wüchsigen Anlagen mit hellerem Laub wird der Zusatz von Harnstoff (0,5kg/100l fertige Spritzbrühe) empfohlen.

Stiellähmevorbeugung: Verrieselung und Mischbeerigkeit sind stiellähmefördernde Faktoren. Deshalb ist in solchen Anlagen, vor allem bei empfindlichen Sorten der Einsatz von magnesiumhaltigen Mitteln, wie z.B. Epso Top-Bittersalz (3kg/100l fertige Spritzbrühe, bzw. 12 kg/ha), oder Lebosol-Magnesium 400 SC (3 l/ha) jetzt sinnvoll.

Weinbauliche Hinweise:

Laubarbeit: Bis jetzt sieht man noch keinen Sonnenbrand. Aber ab ca. drei Wochen vor Reifebeginn nimmt die Sonnenbrandgefahr stark zu. Deshalb wird es jetzt, im Hinblick auf die derzeitigen hohen Temperaturen, in den frühen Lagen bei den frühreifen Sorten, wie Müller-Thurgau und Regent für das Entblättern auf der Südseite kritisch. Bei den Weißweinsorten sollte man grundsätzlich, wegen Aromaerhalt und Phenolvermeidung, auf der Süd- oder Westseite nicht, oder nur so entblättern, dass noch ein schützendes Blätterdach über den Trauben verbleibt.

Bodenpflege: Auch wenn die zurückliegenden Niederschläge (Juni bisher: Fischingen 56mm; Liel 60mm; Zunzingen; 82mm; Kirchhofen 60mm) den Oberboden gut angefeuchtet haben und das Rebenwachstum zumeist hervorragen ist, sollten wir uns bewusst sein, dass der Unterboden nach wie vor ein enormes Wasserdefizit aufweist. Wir wissen heute noch nicht, was der Juli bringt. Besonders in jüngeren – zwei bis fünfjährigen - Anlagen sollten wir in den nächsten Tagen bodenwasserschonende Maßnahmen ergreifen. Grundsätzlich bieten die kommenden Tage noch einmal eine gute Gelegenheit den Unterstockbereich mit gutem Wirkungseffekt zu bearbeiten.

Falls noch nicht geschehen ist jetzt in Junganlagen zur Erosionsminderung und zur Verbesserung der Infiltration die Einsaat mit Phacelia (6kg/ha ganzflächig) zusammen mit Buchweizen (10kg/ha) oder in steileren Lagen die Abdeckung mit Stroh sehr sinnvoll. Kleehaltige Mischungen sind wegen des hohen Wasserverbrauches durch den Klee, in den ersten drei Jahren nicht geeignet.

Umstrukturierung: Es fehlen noch einige Rechnungen. Da wir in der ersten Woche mit den Kontrollen beginnen wollen bitte diese jetzt umgehend an das Amt schicken und gegebenenfalls die Fläche korrigieren.

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 2. Juli.

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