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Weinbauinfo-Nr. 16-2020

Datum: 24.06.2020

Datum: 


Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau
Mit hohem Tempo geht die Entwicklung der Trauben voran. In den frühen Lagen ist der Traubenschluss bereits erfolgt. In den mittleren Lagen wird es spätestens Ende dieser Woche so weit sein. In den späten Lagen sind die Burgundersorten im Stadium „Schrotkorngröße“. Die Rebarbeiten sind in vielen Anlagen schon weit fortgeschritten. Die Laubwände stehen, es ist entblättert, gegipfelt und gemulcht. Der aktuelle Gesundheitszustand der Reben am Kaiserstuhl ist tadellos. Noch anstehende Qualitätsarbeiten wie das Entfernen der Geiztriebe in der Traubenzone, entfernen der Kümmertriebe und evtl. noch restliche Doppeltriebe sollten nun konsequent, besonders im Hinblick auf das Ertragsziel und die spätere Weinqualität, verfolgt werden. Auch die Teilentblätterung der Traubenzone sollte vor „Traubenschluss“ zu Ende gebracht werden. Mit zunehmender Entwicklung der Beeren und den vorhergesagten Tageshöchsttemperaturen über 30°C steigt das Sonnenbrandrisiko jetzt deutlich an, da die Spaltöffnungen der Beeren und damit die natürliche Klimaanlage geschlossen werden. Ich wiederhole den Apell nur moderat, die unteren 2 Blätter und von der Schattenseite (Nord, Ost) zu entblättern! Auch mit dem Trauben Teilen sollte nun zügig begonnen werden um eine gute Arbeitsleistung zu erzielen.
Der aktuelle Vegetationsvorsprung von mehr als 2 Wochen gegenüber dem langjährigen Mittel und mögliche, früh zu erwartenden Lese ab Anfang September, erfordert nun Überlegungen zur restlichen Pflanzenschutzsaison. Bei einem anzustrebenden, empfohlenen Abschlusstermin zwischen dem 20-25. Juli 2020 sind in den meisten Betrieben noch ca. 3 -4 Behandlungen zu terminieren.
Die Wettervorhersage meldet sehr sonnig warm bis heiß mit Tageshöchsttemperaturen von 30°C. Ab Freitag und über das Wochenende nimmt die Gewitterneigung deutlich zu. Mögliche Spritzfenster zur protektiven Behandlung ergeben sich Mittwoch, Donnerstag und evtl. noch am Freitag. Bitte beobachten Sie die Wettervorhersage.
 
Rebschutz
Traubenwickler

Der Flug der beiden Traubenwicklerarten hat begonnen. Aktuell sind die Fangzahlen in den Nicht-Pheromongebieten beim Einbindigen Traubenwickler etwas höher. Bitte kontrollieren Sie jetzt wieder regelmäßig ihre Kontrollfallen und tragen Sie die Fangzahlen in die Anschlagstafeln in ihren Gemeinden ein. Ein Überblick zu den Fangzahlen finden sie unter: http://monitoring.vitimeteo.de/
Grüne Rebenzikade
In vergangenen Vegetationsperioden führte der Befall durch die grüne Rebenzikade insbesondere in Waldrandlagen zur Schädigung der Laubwand und reduzierter Assimilation. Die 2. Generation/Population (Sommergeneration) baut sich aktuell auf.  Besonders bewährt hat sich das alternierende Mulchen, abwechselnd jeder zweiten Gasse, um mit der vorhandenen höheren Begrünung Rückzugsmöglichkeiten für die Zikade und damit den Flug und die Saugtätigkeit an den Reben zu verhindern. Daher sollte ab jetzt in den bekannten gefährdeten Lagen auf das alternierende Mulchen gesetzt werden!
 
 
 
 
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Bis zum Entwicklungsstand Erbsengröße bzw. Traubenschluss besteht eine sehr hohe Anfälligkeit der Trauben gegenüber dem „Echten Mehltau“. Witterungsbedingt, trocken warme bis heiße Tage und starke nächtliche Abkühlung mit morgendlicher Kondensation fördern das Oidiuminfektionsrisiko. Dies sollte bei jetzt anstehenden Behandlungen berücksichtigt werden. Der Einsatz eines potenten, organischen Oidiumfungizid unter Berücksichtigung der bereits angewandten Wirkstoffgruppen (Antiresistenzmanagement) wird nochmal empfohlen. Der Spritzabstand sollte 12 Tage nicht überschreiten!
Bisher sind nur wenige Ölflecke der Rebenperonospora gemeldet worden. Bei weiterhin protektiver Spritzfolge mit Pero-Kontaktfungiziden kann das momentane Infektionsrisiko gut abgefangen werden.
Zum Einsatz kommen gegen Oidium z.B. Sercadis (L, max. 2 Anwendungen aus dieser Resistenzgruppe pro Jahr!!!) 0,24 L/ha oder Dynali 0,8 L/ha oder Talendo 0,375 L/ha oder Kusabi 0,3 L/ha oder Collis 0,64 L/ha.
Gegen Peronospora empfehlen wir z.B. Folpan 80 WDG 1,6 Kg/ha oder Polyram WG (letztmalig für Vegetation 2020, weil Wartezeit 56 Tage) 3,2 Kg/ha oder Dithane Vino WG 2,13 Kg/ha.
Ein Zusatz von Netzschwefel (WZ 56 Tage) mit Nebenwirkung Milben 3,2-4 Kg, bzw. maximal 1% ig kann überlegt werden.
Wer zur vorbeugenden Behandlung gegen Botrytis noch eine Behandlung mit einem Botrytismittel durchführen möchte muss jetzt umgehend handeln um noch vor Traubenschluss mit z.B. Switch (M/N), Cantus (L), Teldor (O), Prolectus (O) oder Kenja(L) das Stielgerüst und den Beerenansatz treffen zu können.
 
Der Zusatz von Phosphonat wird nicht mehr empfohlen.
Bitte beachten Sie die Tabelle Antiresistenzstrategie im Rebschutz 2020, S. 11!!! Es sind auch Wechselwirkungen von Oidiumfungizide mit Botrytismittel möglich, z.B., wenn Sie Collis, Sercadis und Cantus über die Vegetation einsetzen! Achten Sie auf Wirkstoffwechsel!
Bei letztjährigen Befallsanlagen, besonders gefährdeten Rebsorten und Lagen, sowie bei ungenügender Applikationstechnik empfehlen wir die Behandlung jeder Zeile (jede Gasse fahren) um eine gute Applikationsqualität zu erreichen.

Bitte beachten Sie die Angaben und Vorschriften auf dem Beipackzettel der angewendeten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und zur Persönlichen Schutzausrüstung des Anwenders und betreffend die weinbaulichen Nacharbeiten!!! Der Wasseraufwand beträgt 1000-1200 L/ha im Spritz- bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe je ha (= Basisaufwand x 4) und orientiert sich am aktuellen Entwicklungsstand der Reben.
 
Alternative Empfehlungen zur Einsparung von Pflanzenschutzmittel (Eckpunktepapier)

Um den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel zu reduzieren kann unter Einbeziehung des Krankheitsrisikos zum jetzigen Entwicklungsstand der Reben eine veränderte Spritzstrategie zur Anwendung kommen. Dabei muss verstärkt der Zuwachs der Reben und die Witterung berücksichtigt werden, da nur eine protektive Bekämpfung möglich ist. Eventuell sind kürzere Behandlungsintervalle 7-10 Tage notwendig, da erforderliche Belagsspritzung unbedingt vor möglichen Infektionen erfolgen müssen und keine witterungs- bzw. wachstumsbedingt die Beläge sich schneller verdünnen. Kurative Spritzungen (nach Infektion) sind nicht möglich. Dadurch können sich evtl. die Anzahl der Spritzungen erhöhen. Zum Einsatz kommen gegen Peronospora zugelassene Kupferpräparate wie z.B. Funguran progress oder Cuprozin progress, Coprantol Duo oder Cuproxat. Gegen Oidium Kaliumhydrogencarbonat und Netzschwefel. Gegen Botrytis sind in erster Linie angepasste Bodenpflege und Stickstoffdüngung, exakte Kulturarbeiten (luftige Traubenzone, Teilentblätterung, Ausblasen) essentiell und können durch die Abhärtung der Beerenhaut z.B. mit Wasserglas ergänzt werden. Zu beachten sind auch die Kupferhöchstmengen von maximal 3 Kg/ha und Jahr Reinkupfer, die zur Anwendung kommen dürfen.
 
Wer mit der jetzt anstehenden Behandlung in die PSM-Reduktion einsteigen möchte sollte die vorhergesagte Witterung besonders beachten. Bei den aktuell hohen Tagestemperaturen über 30°C kann es bei Anwendung von Kaliumhydrogenkarbonaten (Vitisan oder Kumar) zu Blattverätzungen kommen. Bei einer Behandlung früh morgens oder am Abend kann die nachfolgende Kombination empfohlen werden:
Gegen Oidium ein Netzschwefelpräparat 1%ig + Vitisan 3-4 Kg/ha + Wetcit 0,2 %ig (nur bei guter Wasserversorgung und Temperaturen von maximal 25°C).
Oder Netzschwefel 1%ig + Kumar 4,375 Kg/ha. Keine Behandlung mit Kumar bei trockengestressten Anlagen, nassen Beständen, Starker Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 30°C! Kumar hat außer der Zulassung zur Mehltaubekämpfung eine Zulassung zur Botrytisbekämpfung.
Alternativ kann die Mehltaubekämpfung nur mit Netzschwefel erfolgen. Dieser hat bei dem aktuellen Oidiuminfektionsrisiko nur ca. 6-7 Tage Wirkungsdauer aber durch die hohen Temperaturen kann sich die Wirkungsdauer evtl. verkürzen. D.h. man muss dann mindestens wöchentlich behandeln!!!
Gegen Peronospora ein Kupferpräparat mit 300-350 g/ha Reinkupfer. Das entspricht z.B. 1,0 Kg/ha Funguran progress oder 1,8 Kg/ha Cuproxat oder 1,25 Kg/ha Coprantol Duo.
Der Brüheaufwand sollte 500-600 L/ha nicht unterschreiten. Um eine gute Benetzung/Applikationsqualität zu erreichen wird das Fahren jeder Gasse empfohlen. Das Sprühen sollte so eingestellt werden, dass kein Zusammenlaufen der Spritzbrühe auf den Blättern stattfindet. Vorsicht Verbrennung!
Bitte lesen Sie vorher z.B. im Internet die besonderen Anwendungshinweise zur Ausbringung und Mischbarkeit der angegebenen Pflanzenschutzmittel. Eine Mischung mit Blattdünger wie z.B. Bittersalz wird nicht empfohlen.
 
Blattdüngung

Zur vorbeugenden Behandlung gegen Stiellähme empfehlen wir ab der jetzt anstehenden Behandlung den Zusatz von Bittersalz 10-12 Kg/ha. Alternativ einen flüssig formulierten Magnesiumdünger wie z.B. Provita Magnesium 3 L/ha oder Lebosol Magnesium 400 SC 3 L/ha. Stickstoffhaltige Blattdünger werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr empfohlen.
 
Weinbauliche Arbeiten
Junganlagen und Rebschulen

Aufgrund der bodennahen Triebe und Blätter sind die Junganlagen und Rebschulen besonders hohem Peronospora und Oidiumrisiko ausgesetzt. Ein konsequenter wöchentlicher Pflanzenschutz mit Kontaktmittel und einem organischen Oidiummittel sind hier durchzuführen.
Termingerechtes Aufheften der Triebe bei Neuanlagen ist die beste Voraussetzung für einen geraden Stamm.
Tafeltrauben
Tafeltrauben haben beim Pflanzenschutz eine separate Zulassung der möglichen einzusetzenden Pflanzenschutzmittel. Besonders, wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden ist zu beachten, dass nur PSM mit entsprechender Tafeltraubenzulassung angewendet werden.
 
Umstrukturierung
Ab spätestens Anfang Juli wollen wir mit den Kontrollen beginnen. Falls Sie noch Flächenabweichungen des jetzigen gepflanzten Istzustandes gegenüber ihrer Beantragung machen wollen, dann sollte dies umgehend beim Landwirtschaftsamt erfolgen. Ich verweise nochmals auf die Förderung der reinen angepflanzten Fläche. Bei Überbeantragung von mehr als 20% erfolgt eine Sanktion, die den Förderbetrag der abweichenden Flächen um das doppelte reduziert!
Denken sie an die zeitnahe Abgabe der Rebenrechnung nach Pflanzung.
Der nächste Aufruf erfolgt vegetationsbezogen innerhalb einer Woche.
 
Gez. Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

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