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Weinbauinfo-Nr. 15-2020

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Agenda      Eckpunktepapier: Einsparung von Pflanzenschutzmittel
 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau

Vitale, gesunde, gepflegte Reben prägen das Bild am Kaiserstuhl. Überwiegend sind die Laubwände oben. Neben dem letzten Heftgang sieht man auch schon die ersten gegipfelten Reben. Die insgesamt sehr unterschiedliche Entwicklung bewegt sich zwischen BBCH 73: „Beeren sind schrotkorngroß“ bis hin zum Entwicklungsstadium BBCH 77: „Beginn des Traubenschlusses/Traubenschluss“ und differenziert sich zeitlich um bis zu 3 Wochen, wenn man die unterschiedlichen Lagen und Sorten bzw. Klone beurteilt. Hier dürfen wir gespannt sein wie sich diese ungleiche Entwicklung bei der Reife annähert. Bei der Planung anstehender Arbeiten sollten wir uns an den früher entwickelten Trauben orientieren. Dies wird sicherlich auch bei der Terminierung der Abschlussspritzung das Scherpunktthema sein. Die aktuelle Entwicklung lässt sich sehr gut mit 2011 vergleiche. In 2011 war der offiziell empfohlene Termin der Abschlussspritzung am 25.07. Näheres folgt im nächsten Weinbauinfo.
Der jetzige Gesundheitszustand beim Entwicklungsstand „kurz vor Traubenschluss bzw. Traubenschluss“ gibt uns die Möglichkeit über die weitere Pflanzenschutzstrategie und die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln im Sinne des „Eckpunktepapiers“ nachzudenken. Diesbezüglich wird unter Punkt Rebschutz eine separate Empfehlung erfolgen.
Die Wettervorhersage meldet bis Samstag weiterhin wechselhaft mit vereinzelten Schauern oder Gewitter. Ab nächster Woche zunehmend trockener, sonniger und wärmer.
 
Rebschutz
Traubenwickler

Der Flug des Traubenwicklers hat vereinzelt wieder begonnen. Bitte kontrollieren Sie jetzt wieder regelmäßig ihre Kontrollfallen und tragen Sie die Fangzahlen in die Anschlagstafeln in ihren Gemeinden ein. Ein Überblick zu den Fangzahlen finden sie unter: http://monitoring.vitimeteo.de/
 
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Die je nach Gemarkung sehr unterschiedlichen Niederschlagsereignisse (z.B. am 13.06 in Ihringen teilweise über 40 mm, Wetterstation Eichstetten/Bötzingen < 1 mm) führte zu unterschiedlichen Infektionsbedingungen hinsichtlich der Peronospora aber sehr langen Blattnässezeiten. Mit den bisher terminierten Pflanzenschutzbehandlungen wurden die Infektionen gut abgefangen, so dass nur selten Ölfleckenmeldungen bei uns eingehen. Die Spritzterminierung läuft überwiegend in zwei Blöcken. Ein großer Teil der Winzer hat um den 08./09. Juni, die Anderen um den 12./13. Juni das letzte Mal Pflanzenschutz durchgeführt. Aktuell sollte der Spritzabstand bei 10-12 Tagen liegen.
Betreffend Oidium ist das Infektionsrisiko im Moment noch hoch wird mit zunehmender Entwicklung Richtung Traubenschluss geringer, da dann die Spaltöffnungen schließen und damit das Infektionsrisiko der Trauben hinsichtlich Oidium und Peronospora deutlich abnimmt. Die Problematik ergibt sich dieses Jahr aber über die ungleiche Entwicklung, wodurch sich das Infektionsrisiko verlängert.
Hieraus ergibt sich folgende Empfehlung:
Wer am 08./09.06.
seine letzte PS-Behandlung durchgeführt hat sollte nach Abtrocknung seiner Reben (Morgen oder spätestens Übermorgen) aus Gründen der Wirkungssicherheit ein tiefenwirksames Peronosporafungizid wie z.B. Fantic F 2,1 Kg/ha oder Folpan Gold 2,1 Kg/ha oder Orvego 1,4 L/ha oder Aktuan 1,75 Kg/ha oder Melody Combi 2,1 Kg/ha oder Vino Star 1,75 Kg/ha oder Sanvino 1,3 Kg/ha. Auf Wirkstoffwechsel ist zu achten.
Wer am 12./13.06. PS durchgeführte, hat das aktuelle Infektionsereignis gut abgedeckt und kann unter Vorausschau der Wettervorhersage seinen PS nächste Woche mit Kontaktfungizid wie z.B. Folpan 80 WDG 1,4 Kg/ha oder Dithane Vino WG 1,9 Kg/ha oder Polyram WG 2,8 Kg/ha vor größeren Niederschlagsereignissen/Gewittern einplanen. Der Zusatz von Phosphonat wird nicht mehr empfohlen.
Gegen Oidium empfehlen wir den Zusatz eines organischen Mehltaumittels wie z.B.
Sercadis 0,21 L/ha (L) oder Talendo 0,35 L/ha (J) oder Dynali 0,7 L/ha (R/G) oder Collis 0,56 L/ha (A/L) oder Kusabi 0,2625 L/ha (K). Der Einsatz von Netzschwefel, je nach Produkt 3-5 Kg/ha zur Reduzierung der Milben kann überlegt werden.
Bitte beachten Sie hierzu die Tabelle Antiresistenzstrategie im Rebschutz 2020, S. 11!!! Führen sie bei jeder anstehenden Behandlung eine Wirkstoffwechsel durch. 
Bei letztjährigen Befallsanlagen, besonders gefährdeten Rebsorten und Lagen, sowie bei ungenügender Applikationstechnik empfehlen wir die Behandlung jeder Zeile (jede Gasse fahren) um eine gute Applikationsqualität zu erreichen.

Bitte beachten Sie die Angaben und Vorschriften auf dem Beipackzettel der angewendeten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und zur Persönlichen Schutzausrüstung des Anwenders und betreffend die weinbaulichen Nacharbeiten!!! Der Wasseraufwand beträgt 1000-1200 L/ha im Spritz- bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe je ha (= Basisaufwand x 3,5) und orientiert sich am aktuellen Entwicklungsstand der Reben.
 
Alternative Empfehlungen zur Einsparung von Pflanzenschutzmittel (Eckpunktepapier)

Um den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel zu reduzieren kann unter Einbeziehung des Krankheitsrisikos zum jetzigen Entwicklungsstand der Reben eine veränderte Spritzstrategie zur Anwendung kommen. Dabei muss verstärkt der Zuwachs der Reben und die Witterung berücksichtigt werden, da nur eine protektive Bekämpfung möglich ist. Eventuell sind kürzere Behandlungsintervalle 7-10 Tage notwendig, da erforderliche Belagsspritzung unbedingt vor möglichen Infektionen erfolgen müssen. Kurative Spritzungen (nach Infektion) sind nicht möglich. Dadurch können sich evtl. die Anzahl der Spritzungen erhöhen. Zum Einsatz kommen gegen Peronospora zugelassene Kupferpräparate wie z.B. Funguran progress oder Cuprozin progress oder Cuproxat. Gegen Oidium Kaliumhydrogencarbonat und Netzschwefel. Gegen Botrytis sind in erster Linie angepasste Bodenpflege und Stickstoffdüngung, exakte Kulturarbeiten (luftige Traubenzone, Teilentblätterung, Ausblasen) essentiell und können durch die Abhärtung der Beerenhaut z.B. mit Wasserglas ergänzt werden. Zu beachten sind auch die Kupferhöchstmengen von maximal 3 Kg/ha und Jahr Reinkupfer, die zur Anwendung kommen dürfen.
Hieraus ergeben sich für die Winzer, die letztmals am 12./13.06. Pflanzenschutz durchgeführt haben die Möglichkeit vor den nächsten größeren Niederschlägen nach maximal 8-10 Tagen ihre Reben wie folgt zu behandeln:
Gegen Oidium ein Netzschwefelpräparat 1%ig + Vitisan 3-5 Kg/ha + Wetcit 0,2 %ig (nur bei guter Wasserversorgung und Temperaturen von maximal 25°C
Oder Netzschwefel 1%ig + Kumar 4,375 Kg/ha. Keine Behandlung mit Kumar bei trockengestressten Anlagen, nassen Beständen, Starker Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 30°C! Kumar hat außer der Zulassung zur Mehltaubekämpfung eine Zulassung zur Botrytisbekämpfung.
Gegen Peronospora ein Kupferpräparat mit 300-350 g/ha Reinkupfer. Das entspricht z.B. 1,0 Kg/ha Funguran progress oder 1,8 Kg/ha Cuproxat.
Der Brüheaufwand sollte 500-600 L/ha nicht unterschreiten. Um eine gute Benetzung/Applikationsqualität zu erreichen wird das Fahren jeder Gasse empfohlen.
Bitte lesen Sie vorher z.B. im Internet die besonderen Anwendungshinweise zur Ausbringung und Mischbarkeit der angegebenen Pflanzenschutzmittel. Eine Mischung mit Blattdünger wie z.B. Bittersalz wird nicht empfohlen.
 
Blattdüngung

Zur vorbeugenden Behandlung gegen Stiellähme empfehlen wir ab der jetzt anstehenden Behandlung den Zusatz von Bittersalz 10-12 Kg/ha. Alternativ einen flüssig formulierten Magnesiumdünger wie z.B. Provita Magnesium 3 L/ha oder Lebosol Magnesium 400 SC 3 L/ha. Stickstoffhaltige Blattdünger werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr empfohlen.
 
Weinbauliche Arbeiten
Teilentblätterung der Traubenzone
Mit dem beginnen Hängen der Trauben ist nun auch die Saug/Zupftechnik einsetzbar.
Auch hier sollte auf ein moderates Entblättern wert gelegt werden und die Traubenzone nicht vollständig Blattfrei gestellt werden. Gerade bei den für nächste Woche vorhergesagten, ansteigenden Tageshöchsttemperaturen kann es schnell zu Sonnenbrandschäden kommen.
Bei der Handentblätterung sollte bei den roten Sorten jetzt zuerst die Sonnenseite entblättert werden damit sich die Trauben früh an die Sonne gewöhnen. Es sollten aber maximal die untersten 2 Blätter und die Geiztriebe in der Traubenzone entfernt werden. Bei den Weißweinsorten sollte generell nur von der Schattenseite und ebenfalls nur die unteren zwei Blätter und die Geiztriebe entfernt werden. Junganlagen und Rebschulen
Aufgrund der bodennahen Triebe und Blätter sind die Junganlagen besonders hohem Peronospora und Oidiumrisiko ausgesetzt. Ein konsequenter wöchentlicher Pflanzenschutz mit Kontaktmittel und einem organischen Oidiummittel sind hier durchzuführen.
Termingerechtes Aufheften der Triebe ist die beste Voraussetzung für einen geraden Stamm.
Pilzwiderstandsfähige Reben (PIWI)
Das aktuelle, witterungsbedingte Infektionspotential der Pilzkrankheiten erfordert vor während und nach der Blüte auch Pflanzenschutzbehandlungen in diesen Rebanlagen um diese insbesondere von Oidiumbefall zu schützen.
Tafeltrauben
Tafeltrauben haben beim Pflanzenschutz eine separate Zulassung der möglichen einzusetzenden Pflanzenschutzmittel. Besonders, wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden ist zu beachten, dass nur PSM mit entsprechender Tafeltraubenzulassung angewendet werden.
 
Der nächste Aufruf erfolgt vegetationsbezogen innerhalb einer Woche.
 
Gez. Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

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