Service-Navigation

Suchfunktion

Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 12

Datum: 20.05.2020

Allgemeine Situation:

Die zurückliegend kühlen Nachttemperaturen haben die Rebenentwicklung abgebremst. Dennoch wird uns das Weinjahr 2020 nicht nur als „Coronajahrgang“, sondern auch als eines der frühesten und mit hoher Wahrscheinlichkeit als eines der trockensten, wenn nicht gar als das trockenste Weinbaujahr der vergangenen Jahrzehnte in Erinnerung bleiben. Die derzeitige Witterung mit warmen Tages-, aber insbesondere auch hohen Nachttemperaturen wird die Rebblüte rasant in Gang. Bis morgen (21. Mai), rechne ich in den frühen Lagen und bis Samstag auch in den meisten anderen Lagen mit „Blühbeginn“ (Rebstadium BBCH 61 = 10% der Blüten offen). Das wäre identisch mit den bisher frühesten Jahren 2007 und 2011. Die Wettervorhersage meldet für Samstagnachmittag den Durchzug einer „Kaltfront“ mit dazugehörigen Schauern und Gewittern (5-10mm) und einem kurzfristigen Temperaturrückgang. Zum Wochenanfang aber dann wieder Hochdruckeinfluss mit deutlich ansteigenden Temperaturen und trocken. Dementsprechend dürfte die Rebblüte, bis auf die „Nachzüglertriebe“ in den meisten Lagen zügig vorankommen. Übrigens 2007 war die Blüte (Blühbeginn – Abgehende Blüte) in vier, 2011 sogar in drei Tagen durch.

Seit Montag kommen, vor Allem aus dem mittleren Markgräflerland, Meldungen über deformierte Triebspitzen. Betroffen sind zumeist die Burgunderanlagen, Gutedel, Müller-Thurgau und auch andere Sorten praktisch nicht. Die obersten Blättchen (2. – 4.) sind stark löffelartig nach unten gekrümmt, die Triebspitze ist leicht gebogen. Betroffen sind nicht nur die tiefen, sondern auch die höheren Lagen. Jüngere, gut wüchsige Anlagen und gutgewachsene Triebe sind stärker betroffen. Es gibt aber auch Klonenunterschiede. Es handelt sich dabei nicht um Schädlingsbefall oder gar Herbizidabdrift. Ursache sind meiner Meinung nach die kühlen Nachttemperaturen von Montag auf Dienstag (11./12. Mai), also ein leichter „Windfroststreifschuss“. Kühler Wind bei feuchten Blättchen bedeutet Verdunstungskälte, bedeutet Schäden am Meristemgewebe (Blattrand). Da die Triebspitzen zumeist noch grün sind, rechne ich damit, dass nach einer gewissen Schockzeit die Triebe weiterwachsen. Wir werden aber an den betroffenen Blättchen starke Blattzerreißungen bekommen! Ob dieser Schaden Auswirkungen auf die Rebblüte hat ist schwer zu sagen. Zerrissene Blättchen bedeutet reduzierte Assimilationsfläche, damit auch reduzierte Assimilatlieferung in die Gescheine. Dies hat möglicherweise durchaus Einfluss auf die Blühqualität. Irgendwelche Maßnahmen sind jedenfalls nicht möglich/notwendig.

Rebschutz:

Peronospora: Die Niederschläge vom 11. bis 14. Mai brachten, auf Grund der recht kühlen Temperaturen, nur geringe Primärinfektionsbedingungen. Die meisten Winzer hatten am 8./9. Mai Rebschutz durchgeführt und damit mögliche Infektionen abgefangen. Ölflecken wurden bisher noch keine gemeldet, sodass wir uns derzeit weiterhin im „Primärinfektionsmodus“ befinden. Insgesamt ist der Infektionsdruck durch Peronospora zurückliegend und auch für die kommenden Tage (falls es wie angekündigt trocken bleibt) gering.

Oidium: Mit den ansteigenden Temperaturen und der einsetzenden Rebblüte steigt der Infektionsdruck von Oidium jetzt deutlich an.

Behandlungsempfehlung: Im Hinblick auf den moderaten Infektionsdruck und der Wettervorhersage kann der Spritzabstand derzeit bei 12- 14 Tagen liegen. Viele haben gestern oder werden heute Rebschutz durchgeführt/durchführen. Manche ziehen auch bis nach Himmelfahrt.

Wo jetzt noch Rebschutz ansteht gilt folgende

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora, ein Kontaktmittel, wie z.B. Polyram WG (1,2kg/ha), Delan WG (0,3 kg/ha), oder Folpan 80 WDG (0,6 kg/ha). In Anbetracht des derzeit eher geringen Peronospora-Befallsdruckes ist der Zusatz eines Phosphonathaltigen Mittels nicht notwendig. Auf Grund der vorhergesagten heißen Witterung und der beginnenden Blüte bringt der Zusatz eines organischen Mehltaumittels, z.B. Talendo (0,15l/ha), Vivando (0,12 l/ha), Prosper Tec (0,5l/ha), oder Dynali (0,3 l/ha) mehr Wirkungssicherheit. Beim Einsatz von Schwefel solo ist die kürzere Wirkungsdauer von 7-8 Tagen zu beachten.

Der oben aufgeführte Mittelaufwand beträgt Basisaufwand x 1,5. In Anlagen mit stärkerem Wuchs ist der empfohlene Aufwand: Basisaufwand x 2,0.

Aus gegebenem Anlass möchte ich noch einmal an den fachgerechten Rebschutzeinsatz, insbesondere die richtige Einstellung der Düsen und Luftleitbleche erinnern. Rebschutz sollte bei zu starkem Wind nicht durchgeführt werden.

Blattdünger: Grundsätzlich ist der Einsatz eines Blattdüngers z.B. Aminosol (2-3 l/ha), oder Harnstoff (0,5kg/100l fertige Spritzbrühe) in Anlagen mit unzureichendem Wachstum und hellem Laub sinnvoll.

Traubenlockernde Maßnahmen: Gute Blütebedingungen fördern bei Rebsorten/-klonen mit dichter Beerenstruktur die Kompaktheit der Trauben. Hier kann eine Behandlung mit Bioregulatoren sehr sinnvoll sein, um das spätere Fäulnisrisiko zu reduzieren. Die Burgundersorten weisen zumeist einen guten/sehr gute Gescheinsansatz auf. Für die kommenden 7 Tage ist weitgehend günstiges Blühwetter vorhergesagt. Einige Betriebe haben coronabedingt bezüglich der Hilfskräfte Probleme. Dementsprechend fehlt Arbeitskapazität zum Traubenteilen. Denken Sie auch an die Zielvorgaben Ihrer Vermarktungsbetriebe. Aus diesen Gründen wird der Einsatz von Bioregulatoren empfohlen.

Bei Nachttemperaturen unter 10°C (für Sonntag und Montag vorhergesagt) ist aber Vorsicht geboten.

Der Einsatz von Gibb 3 (zugelassen für Burgundersorten, Chardonnay u. Sauvignon blanc) zum Termin „Vollblüte“ mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten/ha hat sich bei den kompakten Burgundersorten in der Praxis bestens bewährt. In den Lagen mit den oben beschriebenen „Frostschäden“ sollte man etwas vorsichtiger sein, das heißt den Aufwand etwas reduzieren, oder nur jede zweite Gasse fahren.

Bitte beachten sie die Anwendungsempfehlungen (Tabletten gut auflösen, Zusatz von Haftmittel, z.B. Adhäsit, jede Gasse fahren, Spritzung solo, nicht mit PSM mischen, ca. 600 l/ha Wasseraufwand, langsame Antrocknung, deshalb bei hohen Temperaturen und niederer Luftfeuchtigkeit nur früh morgens oder in den Abendstunden spritzen). Das Produkt Berelex 40 SG, Wirkstoff Gibberelinsäure, hat eine Zulassung für Spät-, Grau- und Weißburgunder, sowie für Schwarzriesling und Portugieser. Aufwandmenge 5g/hl Brühe. Gleiche Einsatzbedingungen wie Gibb 3.

Alternativ hat Regalis Plus aktuell eine Zulassung für alle Rebsorten. Erfahrungsgemäß kann es bei der Anwendung von Regalis Plus zu stärkeren Ertragsreduzierungen, insbesondere bei der Sorte Weißburgunder, kommen. Deshalb empfehlen wir die Variante mit der reduzierten Aufwandmenge von 1,0-1,2kg/ha für Burgundersorten und 1,2-1,5kg/ha für Sauvignon blanc, Riesling, Gewürztraminer, Muskateller, ebenfalls zum Termin „Vollblüte“. Bitte beachten sie, dass bei Benetzung der Triebspitzen phytotoxische Reaktionen (Berostungen, Triebspitzen können abbrechen) entstehen können. Dies kann insbesondere die Nachpflanzreben (Hochstamm) treffen. Es empfiehlt sich daher nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ansonsten gleiche Verfahrensweise wie bei Gibb 3. Bitte beachten sie genau die Bestimmungen auf dem Beipackzettel, (Regalis Plus Pack = Regalis plus Zitronensäure).

Weinbauliche Hinweise:

Das Wasserdefizit im Boden wird sich in den kommenden zwei Wochen verstärken. In Junganlagen und jüngeren Anlagen bringt eine flache Bodenbearbeitung oder eine Unterstockbearbeitung eine Reduzierung der Wasserverdunstung mit sich. In Junganlagen vermindert eine Einsaat, z.B. Phacelia, die Erosion. Das Abdecken mit Stroh vermindert ebenfalls deutlich die Erosion, verbessert die Infiltration von Niedersachlägen und vermindert die Wasserverdunstung aus dem Boden.

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 28. Mai.

Fußleiste