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Weinbauinfo-Nr. 10-2020

Datum: 19.05.2020

Datum: 


Agenda      3. Termin Pflanzenschutz, letzte Vorblüte
                   Frostschäden
                  

 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau
Kühle Nachttemperaturen haben die Rebenentwicklung in der vergangenen Woche stark abgebremst. In wüchsigen Anlagen, in frühe Lagen sind 12 Blätter entfaltet und die Blüte beginnt. In mittleren Lagen sind 10-11 Blätter entfaltet.
Seit dem vergangenen Wochenende sind verstärkt Meldungen betreffend schwarzer Triebspitzen und schwarzer, absterbender Ranken gemeldet worden. Bei Vor-Ort-Besuchen in diesen Rebanlagen ist der Zusammenhang zum Frostereignis 11.05.-13.05. als Ursache ausgemacht. Die in der Nacht vom 11.05. auf 12.05. abgesunkenen Temperaturen nahe 0°C haben überwiegend in höheren Lagen am Kaiserstuhl zu den oben angeführten Frostschäden geführt. Beim analysieren des Sachverhalts kommt man in der Literatur auf das Thema Windfrost (Advektionsfrost, Strömungsfrost). Ein Windfrost bezeichnet den horizontalen Transport kalter Luftmassen mit einer Lufttemperatur unter 0°C. Windfröste können in allen Lagen Schäden verursachen, die den Kaltluftströmungen ausgesetzt sind. Wir sind mit einem hellblauen Auge davongekommen.
Ein Teil der betroffenen Rebanlagen zeigt weniger nekrotisierte Triebspitzen. Dafür sind die Triebspitzen sehr filzig behaart und die Blätter deformiert. Viele Winzer meinen, dass hier tierische Schädlinge (Kräuselmilben, Thripse etc.) am Werk sind. Aber die Untersuchung mit der Lupe zeigten nur das Vorhandensein der sehr nützlichen Raubmilben.
Im Moment sind die Reben durch dieses Witterungsereignis geschockt und im Wachstum gebremst. Bei den abgestorbenen Triebspitzen wird das Geiztriebwachstum angeregt. Bei weniger betroffenen Anlagen hoffen wir auf baldige Erholung.
Die Wettervorhersage meldet sonnig, warmes Sommerwetter mit Tageshöchsttemperaturen an die 30°C. Am kommenden Samstag verstärkt sich zunehmend die Niederschlagswahrscheinlichkeit. Gute Spritzfenster Mittwoch und Freitag.
 
Rebschutz
Pilzkrankheiten
Peronospora

Die Vegetation 2020 erbrachte bisher witterungsbedingt einen sehr geringen Infektionsdruck durch die Rebenperonospora. Außerdem haben wir durch die terminierten Belagsspritzungen vor sich ankündigenden Niederschlägen, bei den gesetzten Pflanzenschutzmaßnahmen, mögliche Infektionen vorbeugend abgefangen. Mit der jetzt anstehenden Behandlung und den angekündigten Niederschlägen am Samstag sollte wieder eine passende Terminierung gelingen.
Witterungsbedingt sehr gute Infektionsbedingungen hat Oidium. Insbesondere, da durch die beginnende Blüte das Oidiuminfektionsfenster sich jetzt weit öffnet und wir in der Blüte die empfindlichste Phase für Oidiuminfektionen haben. Entsprechend sollte man hier sowohl von der Terminierung als auch von der Mittelwahl vorbeugend agieren und die Spritzabstände der Vegetationsentwicklung anpassen. Auf die differenzierte Behandlung von letztjährigen Befallsanlagen möchte ich nochmal besonders hinweisen. Der Spritzabstand beträgt aktuell 10-12 Tage.
Zum Einsatz kommt gegen Peronospora ein Kontaktfungizid wie z.B. Folpan 80 WDG 0,8 Kg/ha oder Polyram WG 1,6 Kg/ha.
Wer die Phosphonatstrategie über die Blüte anvisiert, sollte mit der anstehenden Spritzung mit z.B. 3,0 L/ha Veriphos oder Frutogard, als Zusatz zum Kontaktfungizid, aufwenden. Alternativ kann auch ein Kombinationsprodukt (Kontaktfungizid und Phosphonat) wie z.B. Delan Pro 2,4 L/ha oder Profiler 1,5 L/ha verwendet werden.
Sicheren Schutz gegen Oidium bringt zum jetzigen Entwicklungsstand der Einsatz eines organischen Mehltaupräparates, wie z.B. Prosper Tec 0,66 L/ha oder Dynali 0,4 L/ha oder Talendo 0,2 L/ha etc. Der zusätzliche Einsatz von Netzschwefel, Nebenwirkung auf Schadmilben, kann überlegt werden.
Mögliche Infektionen der Schwarzfleckenkrankheit werden durch diese Behandlung ebenfalls abgedeckt.
 
Bitte beachten Sie die Angaben und Vorschriften auf dem Beipackzettel der angewendeten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und zur Persönlichen Schutzausrüstung des Anwenders und betreffend die weinbaulichen Nacharbeiten!!! Der Wasseraufwand beträgt 600 L/ha im Spritz- bzw. 250-350 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe je ha (= Basisaufwand x 2) und orientiert sich am aktuellen Entwicklungsstand der Reben.
 
Überlegungen und Empfehlungen zur Rebblüte
Die Vegetation 2020 hat ihre besonderen Vorzeichen. Begonnen und begleitet von geringen Niederschlägen und vielerorts vorhandenem Trockenstress. Hinzu kommen besondere Ereignis wie die starke Temperaturabsenkung (Frost) letzte Woche. Erfahrungsgemäß können besonders solche Extreme den Blüteverlauf ungünstig beeinflussen und eventuell zu Verrieselungen führen. Dies wiederum kann in frühen Vegetationsjahren bezüglich der Traubengesundheit Vorteile haben. Die folgenden Empfehlungen zu „Traubenlockernden Maßnahmen“ bitte ich entsprechend zu beachten.
 
Traubenlockernde Maßnahmen; Einsatz von Bioregulatoren
Gute Blütebedingungen fördern bei Rebsorten mit dichter Beerenstruktur (Burgundersorten) die Kompaktheit der Trauben (Bepackungsgrad der Beeren).
Hier kann z.B. beim Spätburgunder (Klon Fr-5286) und beim Grauburgunder (H1 oder Fr-49207) eine Behandlung mit Bioregulatoren sehr sinnvoll sein, um das spätere Fäulnisrisiko zu reduzieren.
Der Einsatz von Gibb 3 (zugelassen für Burgundersorten, Chardonnay u. Sauvignon blanc)
zum Termin „Vollblüte“ mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten/ha hat sich bei den kompakten Burgundersorten in der Praxis bestens bewährt. Bitte beachten sie die Anwendungsempfehlungen (Tabletten gut auflösen, Zusatz von Haftmittel z.B. Adhäsit, jede Gasse fahren, Spritzung solo nicht mit PSM mischen, ca. 600 l/ha Wasseraufwand, langsame Antrocknung nur früh morgens oder in den Abendstunden spritzen).
Das Produkt Berelex 40 SG, Wirkstoff Gibberelinsäure, hat eine Zulassung für Spät-, Grau- und Weißburgunder, sowie für Schwarzriesling und Portugieser. Aufwandmenge 5g/hl Brühe. Gleiche Einsatzbedingungen wie Gibb 3.
Alternativ hat Regalis Plus eine Zulassung für alle Rebsorten. Erfahrungsgemäß kann es bei der Anwendung von Regalis Plus zu stärkeren Ertragsreduzierungen kommen. Deshalb empfehlen wir die Variante mit der reduzierten Aufwandmenge von 1,0-1,2 Kg/ha für Burgundersorten 1,2-1,5 Kg/ha für Sauvignon blanc, Riesling, Gewürztraminer, Scheurebe, Muskateller ebenfalls zum Termin „Vollblüte“. Bitte beachten sie, dass bei Benetzung der Triebspitzen phytotoxische Reaktionen (Berostungen, Triebspitzen können abbrechen) entstehen können. Dies kann insbesondere die Nachpflanzreben (Hochstamm treffen). Es empfiehlt sich daher nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ansonsten gleiche Verfahrensweise wie bei Gibb 3. Bitte beachten sie genau die Bestimmungen auf dem Beipackzettel, (Regalis Plus Pack = Regalis plus Zitronensäure).
Weitere Möglichkeiten um die Kompaktheit der Trauben zu reduzieren ist das „Ausblasen mittel Druckluftentblätterung“ oder das „Trauben teilen“ zu einem späteren Zeitpunkt!
 
 
Der nächste Aufruf erfolgt vegetationsbezogen innerhalb einer Woche.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien eine stabile Gesundheit!
 
Gez. Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

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