Service-Navigation

Suchfunktion

Weinbauinfo-Nr. 20-2019

Datum: 31.10.2019

Datum: 


Agenda      Herbstbericht
                   Ausbringung von Traubentrester
                   Nitratgebiete nach §13 DÜV am Kaiserstuhl
 
 
Herbstbericht 2019

Das Jahr 2019 startete ohne nennenswerte Winterfeuchte und mit deutlichen Niederschlagsdefiziten aus 2018. Viele Böden waren ab ca. 30 cm Tiefe, staubtrocken. Insbesondere der Februar war überdurchschnittlich sonnig, Warm und trocken. Hierdurch kam es zu einer frühen Erwärmung des Bodens und zum frühen Vegetationsanschub. Erst die Niederschläge im März und April mit teilweise Frostnächten bremsten diese frühe Entwicklung etwas. Ab dem 20.04.2019 wurde am Kaiserstuhl der Austrieb der Reben bonitiert. Nach einem erneuten Vegetationsschub durch die sommerliche Witterung über Ostern, kam es in Folge höherer Niederschlagsmengen im Mai (Gesamtniederschlag 80-100 mm) zum Abkühlen der Böden und abbremsen bzw. Stocken der Rebenvegetation.  Knospenschädlinge verursachten in dieser Zeit Schäden durch Augenfraß. Thripse führte besonders an Weißburgunder zum Verkümmern einzelner Triebe.
Erst ab der letzten Mai Dekade nahm das Wachstum der Reben an Fahrt auf. Wir bewegten uns mit der zeitlichen Vegetation im langjährigen Mittel. Die insgesamt sehr unterschiedliche Entwicklung der Reben insbesondere die Lagegüte wurde 2019 während der Blüte besonders augenscheinlich. Insgesamt blühten die Reben 4 Wochen am Kaiserstuhl. Teilweise wurde von Verrieselungen berichtet.
Hinsichtlich des Pflanzenschutzes war witterungsbedingt im Mai und im Juni die termingerechte Peronosporabekämpfung eine Herausforderung für die Winzer. Die trockene, sehr heiße Phase nach der Blüte bis zum Traubenschluss erbrachte beste Infektionsbedingungen für Oidium. Erster Mehltaubefall wurde ab Mitte Juli sichtbar. Weitere Meldungen folgten bis Mitte August und deuteten, dass das Mehltauinfektionsrisiko von einigen Berufskollegen unterschätzt wurde. Längere Spritzintervalle oder der Einsatz weniger potenter Oidiummittel führte zu Mehltaubefall insbesondere an den Trauben. Hier waren das Ausschneiden von Befallstrauben, Nachentblättern und Sonderbehandlungen im Pflanzenschutz notwendig um in den Beständen den Befall zu stoppen.
Sehr heiße Sommertage mit an die 40°C führten im Juni und Juli, je nach Zeilenrichtung, Entblätterung und Sortenempfindlichkeit zu erschreckenden Sonnenbrandschäden. Oft waren die Trauben bis zur Hälfte, teilweise ganz verbrannt. Vielerorts reduzierten sich die Ertragsaussichten.
Mit den ergiebigen Niederschlägen im August kam es zu einem deutlichen Füllen der Beeren und damit zu sichtlich größeren Trauben. Hieraus ergaben sich sortenbedingt sehr kompakte Traubenstrukturen, erste sich abdrückende Beeren und vereinzelt beginnende Botrytis. Die Witterung im September (gemäßigtes Sommerwetter) war für die Traubenreife ideal. Weitere Niederschläge führten aber z.B. beim Müller-Thurgau zu Reifebeschleunigung und einer schnellen Ernte ab dem 17./18. September. Erstaunlich waren gerade beim Müller-Thurgau die hohen Mostgewichte meist über 80°C bei Normalertrag. Hingegen hatten Rebanlagen mit hohen bzw. zu hohen Erträgen deutliche Reifedefizite und niedere Öchsle. Die natürliche Menge-Güte-Regel war 2019 über alle Sorten hinweg festzustellen. Auch die Trockenstandorte enttäuschten mit geringen Öchslegraden und zeigten wiederum, dass hier zukünftig Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Reduzierung von Trockenstress (Installation von Tropfbewässerung, Bodenabdeckung) in diesen Lagen essentiell sind um keine Nachteile hinsichtlich der späteren Weinqualität zu haben.
Während der Lese wurden sortenbedingt Stiellähme und Traubenwelke ein Thema. Aber auch die Folgen der Schwarzholzkrankheit und dadurch bedingt welke Trauben waren 2019 je nach Sorte und Parzelle besonders ausgeprägt Neben der Fäulnis wurde dadurch Leseaufwand deutlich höher als z.B. 2018.
Insgesamt sind die Winzer mit Menge und Güte des Jahrgangs 2019 sehr zufrieden.
Die Jungweine präsentieren sich sehr fruchtig mit feiner anregender Säurestruktur.
Positive Kulturmaßnahmen 2019:
Gezieltes Ausbrechen von Doppel-und Kümmertreiben
Einsatz von Bioregulatoren (z.B. Gibb 3 oder Regalis)
Frühe, moderate Entblätterung direkt nach der Blüte (Druckluftentblätterung)
Trockenheitsmanagement (angepasste Bodenpflege, Abdeckung, Bewässerung, Tropfbewässerung)
Negative Auswirkungen 2019:
Defizite im Pflanzenschutz, Bsp. Oidium
Kompakte Trauben, Essigfäulnis
Keine witterungsangepasste Entblätterung, Bsp. Sonnenbrand
Weitere Auffälligkeiten 2019:
      ESCA
      Schwarzholzkrankheit
      Lagen und Sortenbedingt Kirschessigfliege
 
Aufbringung und Lagerung von Traubentrester 2019/2020
Als Anlage erhalten Sie „Was ist im Herbst/Winter 2019/2020 bei der Aufbringung und Lagerung von Traubentrester zu beachten“. Wie schon mehrfach bekannt gegeben unterliegt auch die organische Düngung der Düngeverordnung und ist entsprechend beim Düngebedarf zu berücksichtigen. Bitte lesen Sie hierzu die Anlage. Für Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.
 
Nitratgebiete nach § 13 Düngeverordnung (Rote Gebiete)
Als Anlage erhalten Sie eine „Karte der Nitratgebiete „Rote Gebiete“ des Kaiserstuhl“.

Wie man auf den ersten Blick feststellt liegt nahezu die gesamte Rebfläche (Ausnahme Breisach) im Nitratgebiet.
Als Nitratgebiete nach § 13 DüV (erlassen am 4. Juni 2019) werden in Baden-Württemberg aktuell alle Grundwasserkörper in schlechtem chemischen Zustand für Nitrat, gemäß Wasserrahmenrichtlinie und die Nitratsanierungsgebiete nach der SchALVO ausgewiesen. Die Länderermächtigungen gemäß § 13 Absatz 2 DÜV ist am 30. Juni 2019 in Kraft getreten.
Als weitere Anlage erhalten sie den Entscheidungsbaum hinsichtlich notwendiger Pflichten zur Erstellung des Nährstoffvergleichs und der Ermittlung des Düngebedarfs für Nitratgebiete (rote Gebiete). Hier können Sie eine Zuordnung ihres Betriebes bezüglich bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen und Düngung ablesen.
Wie allgemein betreffend der Düngeverordnung (DÜV vom 26. Mai 2017) gilt auch für Flächen in den Nitratgebieten die entscheidende Grundaussage des Gesetztes:
„Wer auf keinem Schlag mehr als 50 Kg N/ha und Jahr, und nicht mehr als 30 Kg P2O5/ha und Jahr (Phosphat) ausbringt, benötigt keinen Nährstoffvergleich. Wenn keine Pflicht zur Erstellung des Nährstoffvergleiches besteht, entfallen auch die Aufzeichnungspflichten für:
Düngebedarfsermittlung
Bodenuntersuchungsergebnisse
N-Mengen im Boden (Nmin-Richtwerte)
Nährstoffgehalte der eingesetzten Düngemittel
Sobald auf einem Schlag mehr als 50 KgN/ha u. Jahr oder mehr als 30 Kg P2O5/ha u. Jahr gedüngt wird sind der Nährstoffvergleich und die gesamten Aufzeichnungen pflichtig. Nochmals sei darauf verwiesen, dass auch die gesamten organischen Dünger (Trester, Mist, Gärrückstände aus Brennerei oder Biogasanlagen) zu den zugeführten Nährstoffen zählen.
Als Anlage erhalten Sie das „Merkblatt zur VODüV Gebiete (Oktober 2019)
 
Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung
 
 
 
 
Termine:        12.11.2019      17:00 Uhr      Bereichsversammlung Kaiserstuhl
                                                                        Bötzingen Turnhalle/Festhalle

 
 
 
 
Diese Information wird nicht auf den Anrufbeantworter gesprochen.
 
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
 

 

Fußleiste