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Weinbauinfo Bodensee Nr. 18

Datum: 28.08.2019

Allgemeiner Entwicklungsstand

Die derzeitige trockene Witterung begünstigt die Traubenreife. Die Reifemessungen des Weinbauinstitutes vom Montag brachten am Standort Freiburg Mostgewichtssteigerungen im Vergleich zur Vorwoche von 6 bis 16°Oe.

Laut Wettervorhersage hält das schwülwarme Sommerwetter bis zu Samstag an. Ein markanter Wetterwechsel soll ab Sonntag wechselhaftes und deutlich kühleres Wetter bringen.

Rebschutzsituation:

Esca/BDA: Es zeigen sich in diesem Jahr, insbesondere in den vergangenen zwei Wochen, wieder extrem viele Esca und auch durch BDA befallene Stöcke. Vergessen Sie nicht diese zu markieren, wenn Sie einen Stammrückschnitt planen. Bei starker Befallsausprägung hat der Rückschnitt aber meist nur geringe Erfolgsaussichten. Hier sollte der Stock aus der Anlage entfernen werden. Falls ein Rückschnitt erfolgen soll und die Triebe noch Trauben tragen, entfernen Sie zumindest diese.

Peronospora: Junganlagen stehen derzeit weiterhin unter Peronosporadruck und sollten deshalb wöchentlich bis Anfang September behandelt werden.

Fäulnis: Kompakte Trauben und insbesondere das schwülwarme Wetter mit zurückliegend wiederholten, durchdringenden Niederschlägen haben den Botrytisdruck deutlich ansteigen lassen. In Anlagen mit kompakten Sorten, bzw. Klonen findet man immer wieder klassische Botrytisnester.

Kirschessigfliege: Die Witterungsbedingungen für die Essigfliegen waren zurückliegend recht günstig. Durch den täglichen morgendlichen Tau herrschen auch derzeit, trotz der hohen Temperaturen, weiterhin günstige Bedingungen für die KEF. Seit dem Wochenende kann man bei empfindlichen Sorten und dort wo Essigfliegen durch offene Wunden oder Botrytisnester angelockt werden, vereinzelten Flug beobachten.

Das WBI Ei-Monitoring von Anfang dieser Woche ist noch nicht vollständig ausgewertet. Die Ergebnisse der Eibonituren und die Zahlen der Fallenfänge können Sie im Internet unter www.monitoring.vitimeteo.de/$/ abrufen. Die von den Tuniberger Winzern privat organisierte Eibonitur zeigte bei Rotem Muskateller deutliche, und bei Regent leichte Eiablage.

Da die Eiboniturstandorte nur eine „Stichprobe“ darstellen, ist es wichtig, dass ihr Winzer Eure Anlagen selbst intensiv beobachtet. Die Eibonitur ist ohne Binokular und ohne Übung nicht ganz einfach. Einfach und schnell können Sie aber die Flugaktivität in der Traubenzone (die Männchen haben schwarze Punkte auf den Flügeln) und ab sofort auch auf die typischen milchig trüb schäumenden Tropfen an den Eiablagelöchern kontrollieren. Beobachtungen auf Flugaktivität führt man bevorzugt morgens oder abends (ca. 19:00 Uhr) durch. Eiablage, bzw. Eiablagelöcher mit schäumendem Saftaustritt findet man am ehesten am Nachmittag oder gegen Abend an den reifsten Beeren auf der Süd- oder Westseite (höhere Reife).

Grundsätzlich muss jeder Winzer selbst die Notwendigkeit einer Bekämpfung sowie den Beginn der Maßnahmen anhand des Befalls bzw. des Befallsrisikos abwägen und festlegen.

Falls Sie also in den kommenden Tagen auf besonders gefährdeten Standorten (neben Brombeer-/Holunderhecken) bei besonders empfindlichen Sorten (Regent, Roter Muskateller, mischbeerige Spätburgunderklone), oder auch in Spätburgunderselektionsanlagen in der Traubenzone deutliche Flugaktivität (durchschnittlich mehr als 5-10 KEF pro Stock) und/oder Eibefall, bzw. schäumende Eiablagelöcher finden, aber nur dann, empfehlen wir mit der Bekämpfung zu beginnen. Bei allen anderen gefährdeten Sorten ist für die kommenden 7 Tage keine Behandlung notwendig.

Behandlungsempfehlung: Ich verweise auf die Zulassungs- und Genehmigungsübersicht vom Weinbauinfo Nr. 20. Wir empfehlen bevorzugt eine Behandlung mit der bewährten Kombinationsmethode:

5ml Spintor + 1l Zusatzstoff combiprotec, auf 20 l Wasser pro ha. Beachten Sie die Wartezeit von 14 Tagen. Die Kombinationsmethode ist als B1 „bienengefährlich“ eingestuft.25 g Mospilan SG + 1l Zusatzstoff combiprotec auf 20 l Wasser pro ha. Wartezeit 14 Tage; Mospilan ist als B 4, also „nicht bienengefählich“ eingestuft.

Anmischhinweise:

das Mischen sollte in einem separaten Eimer (nicht im Brühbehälter) erfolgen. erst Wasser (sollte über 20°C haben) und combiprotec aufrühren.kein Netzmittel zusetzenApplikation auf das trockene BlattSpritze umgehend gründlich waschen.

Ökobetriebe sollten sich mit ihrer Kontrollstelle in Verbindung setzen, ob die Kombinationsmethode erlaubt ist.

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben.

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.

Weinbauliche Hinweise:

KEF fühlen sich in schattiger, feuchtwarmer Umgebung am allerwohlsten. Deshalb muss unbedingt Licht und Luft in die Anlagen. Mulchen und Gipfeln sind dort ganz wichtige und dringende Maßnahmen, wo die Begrünung kniehoch und noch üppiger Zuwachs vorhanden ist. Englischer Rasen ist nicht notwendig und wegen drei Geiztrieben pro Stock muss man nicht durch die Anlagen hetzen.

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 5. September.

Weinbauberater Zuberer ist noch bis zum 30. August in Urlaub und ab 2. September wieder erreichbar.

Die gemachten Angaben gelten für die Situation des Oberrheintales. Für den Bodensee sind die gemachten Angaben an den örtlichen Vegetationsstand, bzw. an die örtliche Situation anzupassen.

gez.: Stücklin

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