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Weinbauinfo-Nr. 18-2019

Datum: 08.08.2019

Datum: 


Agenda      Kirschessigfliege
 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau

Die teilweise ergiebigen Niederschläge (lokale Gewitter) der vergangenen Tage haben die Reben deutlich erfrischt. Folgende Niederschlagsmengen sind bisher im August gefallen:
 
Blankenhornsberg
28,1 mm
Eichstetten/Bötzingen
34,9 mm
Oberbergen
46,4 mm
 
Die, bedingt durch die Trockenheit, stockende Vegetation nimmt nun wieder an Fahrt auf. Färbende Trauben bei Grauburgunder und Spätburgunder, das Weichwerden bei Müller-Thurgau und Silvaner deuten den Reifefortschritt!
Mit Ausnahme einzelner Mehltaubefallsanlagen sind die Reben am Kaiserstuhl sehr gesund. Nun steht in vielen Anlagen die Feinregulierung des Traubenertrags auf dem Arbeitskalender.
Die Wettervorhersage meldet für Morgen sonnig und trocken mit bis zu 34°C Tageshöchsttemperatur. Für den Samstag hohe Gewitter- und Niederschlagswahrscheinlichkeit.
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Kirschessigfliege
2019 war eine starke Population der Kirschessigfliege in Kirschen und Beerenobst zu verzeichnen. Wie sich die Situation 2019 in den Reben darstellen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhergesagt werden. Die Witterung während der Reife der Trauben ist dabei ein entscheidender Faktor. Aber auch die Pflege der Reben kann ausschlaggebend sein. Siehe hierzu die als Anlage gesendete Beilage Drosophila suzukii im Weinbau, Empfehlungen 2019!!!

Bei der gestrigen Besprechung zum Thema Kirschessigfliege 2019 am Staatlichen Weinbauinstitut wurden folgende Punkte angesprochen:
Monitoring
Das Staatliche Weinbauinstitut hat ein Team das in festgelegten Parzellen (über gesamt Baden verteilt) beginnend ab nächster Woche Beerenproben entnimmt und diese hinsichtlich Eiablage durch die Kirschessigflieg untersucht. Falls Eier gefunden werden, wird der Bewirtschafter und zuständige Weinbauberater umgehend informiert.
Mittels Apfelessigfallen werden Populationserhebungen zur KEF in ausgesuchten Rebanlagen durchgeführt. Dies gibt Auskunft über die Aktivität der KEF bzw. die temporäre Besiedelung in den Reben.
Vorbereitenden Arbeiten im Weinbau sind das termingerechte Gipfeln, moderate Teilentblätterung der Traubenzone von der sonnenabgewendeten Seite (untere 2-3 Blätter und die Geiztriebe entfernen, Vorsicht Sonnenbrandgefahr) und das Kurzhalten der Begrünung, sowie unkrautfrei im Unterstockbereich.
 
 
Bitte kontrollieren sie ihre Rebanlagen genau auf einen Besatz mit Kirschessigfliegen. Besonders gefährdet sind hierbei die anfälligen, rotfärbenden Sorten (Acolon, Dunkelfelder, Cabernet Dorsa, Regent, Roter Muskateller etc.) aber auch Bestände in Wald- und Böschungsnähe. Kontrollieren sie an mehreren Stellen der Anlage, da der Befall lokal sehr unterschiedlich sein kann. Auch bekannte, feuchtere Lagen bieten bessere Entwicklungsbedingungen für die KEF und sind dadurch stärker gefährdet. Kontrollieren sie ihre Anlagen in den frühen Morgenstunden, da dort eine erhöhte Aktivität der Fliegen zu beobachten ist.
Erkennen können sie das KEF-Männchen an dem jeweils schwarzen Punkt auf den beiden Flügeln. Wo Männchen sind, sind i.d.R. auch Weibchen.
Die Bonitur der Eier ist relativ schwer. Hierzu benötigen sie mindestens ein Vergrößerungsglas mit 10-facher Vergrößerung. Die Eier kann man an den weißen Atemschläuchen erkennen.
Eine Bekämpfung kann erst Sinn machen, wenn aktiv KEF im Bestand gefunden wird und Eiablage nachgewiesen ist. Hierzu wird mittels Weinbauinfo zeitnah berichtet.
Falls eine Bekämpfung erfolgt muss der Lesetermin in Bezug zur Einhaltung der Wartezeiten der eingesetzten Insektizide beachtet werden!!! Sprechen sie diesbezüglich auch mit ihrem Vermarktungsbetrieb!

 
Bekämpfungsmaßnahmen/Zulassungssituation
2019 stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
Kombinationsverfahren:
§  Combi-protec als Tankmischung mit SpinTor
1 L Combi-protec/ha mit 5 ml SpinTor/ha in 20 l Brühe bienengefährlich, WZ 14 Tage, es gelten die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten von SpinTor!
§  Combi-protec als Tankmischung mit Mospilan
1 L Combi-protec/ha als Tankmischung mit 25 g/ha Mospilan 20 l Brühe, WZ 14 Tage, es gelten die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten von Mospilan
Sprühverfahren:
§  SpinTor 0,16 L/ha, 2 Anwendungen, WZ 14 Tage, bienengefährlich
§  Mospilan SG 0,375 Kg/ha, 1 Anwendung, WZ 14 Tage
§  Exirel, 1 Anwendung, 0,9 L/ha, WZ 10 Tage, bienengefährlich
§  Beachten Sie bitte die Hinweise im Beipackzettel hinsichtlich der Anwendung und dem Anwenderschutz
 
Bei allen Mittel mit Einstufung B 1 = bienengefährlich müssen die Rebanlagen vor deren Anwendung ohne blühenden Unterbewuchs sein, d.h. die Anlagen müssen vorher gemulcht werden!
 
Hinweise zum Bienenschutz:
Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu Mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben. Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit (Kernarbeitszeit 09:00-19:00 Uhr) eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.
 
Weinbauliche Hinweise
Feinregulierung Ertrag
In vielen Rebanlagen kann man bereits sehr kompakte Trauben mit großen Beeren beobachten. Hier besteht einerseits ein hohes Fäulnisrisiko durch das Abdrücken der Beeren, andererseits sollte die mögliche Ertragshöhe gerade bei jungen Rebanlagen im Auge behalten werden.

Entlasten sie überlastete Rebstöcke durch Reduzierung der Traubenanzahl. Immer noch können kompakte Trauben geteilt werden um das spätere Fäulnisrisiko zu reduzieren. Auch Kurztriebe mit bis zu 3 Trauben sollten unbedingt eine Reduzierung erfahren.
 
Bodenpflege
Begrünungen sollten ab jetzt bis zur Lese kurz gemulcht werden (englischer Rasen).
Dies fördert die schnellere Abtrocknung des Bestandes und ist eine präventive Maßnahme zur Verhinderung der Besiedelung durch die Kirschessigfliege.
 
Diese Rebschutzinformation wird nicht auf den Anrufbeantworter gesprochen.
 
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

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