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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 16

Datum: 17.07.2019

Allgemeine Situation:

Die Niederschläge vom vergangenen Wochenende waren mit 7mm (Fischingen) bis 22mm (Freiburg) sehr unterschiedlich, von der Menge her aber eher gering. Auch wenn die Rebbestände derzeit zumeist noch erfreulich vital sind bereitet mir das Niederschlagsdefizit langsam Sorgen. Seit Februar 2018 (= 17 Monate) liegen alle Monatsniederschlagswerte – bis auf die beiden Maimonate – meist deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Das hat zur Folge, dass der Unterboden ein sehr starkes Wasserdefizit aufweist. Viele Quellen in den Rebbergen laufen nicht mehr. Die Wettervorhersage erwartet für die kommenden 10 Tage stabiles Hochdruckwetter und für die kommende Woche eine weitere Hitzewelle. Dementsprechend wird sich die Trockenheit weiter verschärfen. Auch wenn sich das Triebwachstum langsam beruhigt, das Beerenwachstum ist, über alle Sorten hinweg, immer noch erstaunlich. Die durch die Betriebe vorgegebenen Zielmengen werden auf jeden Fall erreicht und in vielen Fällen auch deutlich überschritten.

Rebschutz:

Peronospora: Insgesamt ist der Gesundheitszustand der Rebanlagen im Markgräflerland sehr erfreulich. Die meisten Anlagen sind geheftet und gegipfelt. Die Grundlaubwand und die Trauben weisen einen Belag auf und die Wettervorhersage sagt für die kommenden zwei Wochen weitgehend trockenes Wetter voraus. Dementsprechend dürfte in den gesunden Beständen nichts mehr passieren. In den Befallsanlagen brachten die langen Blattnässezeiten am Wochenende aber an den meisten Peroflecken massiven Sporenausbruch und am ungeschützten Zuwachs Folgeinfektionen mit sich. In den typischen Taulagen sind Folgeinfektionen weiterhin möglich. Deshalb ist in diesen Befallsanlagen und auch in den Junganlagen ein sorgfältiger Rebschutz weiterhin notwendig.

Oidium: Insgesamt sieht es gut aus, aber weitere Befallsmeldungen sind bei mir eingetroffen. Kontrollieren Sie unbedingt Ihre Anlagen, vor allem die empfindlichen Sorten Chardonnay und Müller-Thurgau, aber auch alle anderen Sorten auf Befall. Melden Sie festgestellten Befall dem Weinbauberater, auch hinsichtlich notwendiger Stopp-Behandlungen. Oft geht es an den Stellen mit unzureichendem Spritzbelag los. In den Hanglagen sind dies oft die oberen zwei/drei Stöcke oder die Trauben im Spritzschatten von Pfählen. Denken Sie daran, dass bei bereits fortgeschrittenem Befall ein Abstoppen der Infektion sehr schwierig ist. In den späteren Lagen, „Graupellagen“, oder dort wo noch viele „Nachzüglerbeeren“ vorhanden sind, ist die Infektionsgefahr weiterhin recht hoch.

Tierische Schaderreger: Außerhalb der Pheromongebiete hält der Flug der zweiten Traubenwicklergeneration an. In einzelnen wenigen Gemarkungen/Gewannen zeigte sich am vergangenen Wochenende beim Bekreuzten Traubenwickler ein erster Flughöhepunkt. Bei deutlicher Flugaktivität wäre 6 – 8 Tage nach dem Flughöhepunkt eine Behandlung mit einem zugelassenen Insektizid notwendig. Orientieren Sie sich im Internet bei VitiMonitoring oder an den örtlichen Informationsquellen über die genaue Situation und eine eventuelle Behandlungsnotwendigkeit. In den Pheromongebieten ist es bisher ruhig.

Spritzempfehlung: Grundsätzlich kann der Spritzabstand in befallsfreien Anlagen weiterhin bei 12 Tagen, in Befallsanlagen bei maximal 10 Tagen liegen. Aus einer gemeinsamen Abstimmung von Weinbauinstitut und Weinbauberatung ergeht die Empfehlung, dass die Abschlussspritzung für frühe und mittlere Lagen bis zum 3. August und in späteren Lagen, in Graupellagen und in den Lagen mit zurückliegend stärkeren Hagelschäden bis zum 10. August erfolgen sollte. In Anlagen zur Erzeugung von „Neuer Süßer“, Sektgrundwein, aber auch in Selektionsanlagen mit einer entsprechend früheren Lese ist der Rebschutz entsprechend früher zu beenden.

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora, ein Kontaktmittel, wie Folpan 80 WDG (1,6 kg/ha, Wartezeit 35 T.), Folpan 500 SC (2,4l/ha, WZ 35 T.), oder Dithane Vino WG (2,13 kg/ha, WZ 28 T, Tafeltraubenzulassung). In Befallsanlagen bringt, bei Behandlung nach ergiebigen Niederschlägen, bzw. nach längeren Blattnässezeiten, der Einsatz eines Kurativmittels, z.B. (Ampexio (0,48 kg/ha, WZ 21 T, Tafeltraubenzulassung) Melody Combi (2,4kg/ha, WZ 28 T.), oder Forum Star (1,92kg/ha, WZ 35 T) mehr Wirkungssicherheit.

Gegen Oidium empfehlen wir in befallsfreien Anlagen und bei Rebsorten mit geringer Anfälligkeit bei den letzten beiden Behandlungen ein organisches Oidiumfungizid aus der Gruppe der Azole, z.B. Systhane (0,24 l/ha, WZ 28 T), Misha (0,24l/ha, WZ 14 T) oder Topas (0,32l/ha, WZ35 T). Im Hinblick auf Resistenzmanagement (Schonung der Azole) und Rückstandsreduktion sind die beiden Mittel auf Hydrogencarbonatbasis, Kumar (5,0 kg/ha; WZ 1T) oder Vitisan (8-10kg/ha + Wetcit 200ml pro 100l fertige Spritzbrühe; keine WZ) eine sinnvolle Alternative. Bei zweimaliger Anwendung zeigen diese Mittel auch eine hervorragende Botrytiswirkung. Aber Achtung! Diese Mittel sollten nicht bei zu hoher Strahlung oder Temperatur eingesetzt werden, es gibt sonst Verbrennungen. In gefährdeten, in späteren Lagen und bei empfindlichen Sorten bringt der Einsatz eines potenteren Oidiummittels, z.B. Talendo (Rkl. J; 0,375l/ha, WZ 28T) bei einer Behandlung noch in dieser Woche mehr Wirkungssicherheit.

Bei stiellähmeanfälligen Sorten ist der Zusatz eines magnersiumhaltigen Blattdüngers, z.B. Epso Top Bittersalz (3,0kg/100l fertige Spritzbrühe) sinnvoll.

Der oben aufgeführte Mittelaufwand beträgt Basisaufwand x 4.

Die Junganlagen sollten im Abstand von 7 Tagen behandelt werden. Mittelempfehlung: Perokontaktmittel + Veriphos + Schwefel (0,5%). Da Jungreben empfindlich auf zu hohe Phosphonatkonzentrationen reagieren, sollte Veriphos mit max. 0,2% (20ml/10l Wasser) angewendet werden.

Weinbauliche Hinweise:

Bis jetzt sieht man erfreulicherweise noch keinen Sonnenbrand. Da die Beeren zunehmend ihre Spaltöffnungen, und damit ihre „Klimaanlage“ verlieren, darüber hinaus für die nächste Woche sehr strahlungsintensives und heißes Wetter vorhergesagt ist, nimmt die Sonnenbrandgefahr dann stark zu. Deshalb sollte man ab der kommenden Woche beim Entblättern, aber auch beim Ausdünnen und Traubenteilen aufpassen. Die Trauben sollten auf der Süd- und Westseite nicht vollständig der Sonne ausgesetzt sein. Sauvignon blanc sollte im Hinblick aus Aromaschonung nur soweit entblättert werden, dass über den Trauben noch ein Sonnendach verbleibt.

Die Traubenzahlen am Stock und auch der Verrieselungsgrad ist recht unterschiedlich. Das Einstellen auf einen marktgerechten Traubenertrag ist eine wichtige Maßnahme in den kommenden 2 – 3 Wochen. Da die Traubenversorgung die Rebe viel Wasser benötigt, ist in jüngeren Anlagen die rechtzeitige Ertragsreduktion auch eine wichtige Maßnahme um Trockenstress zu vermeiden.

Bodenpflege: Durch die sich weiter verschärfende Trockenheit sind Junganlagen, junge Ertragsanlagen und Anlagen auf bekannt flachgründigen Böden (Trockenstandorte) bezüglich Wasserstress besonders gefährdet. Durch die leichten Niederschläge der vergangenen Tage ist die Bodenoberfläche wieder bearbeitbar. Deshalb sollte, falls noch nicht geschehen, in solchen Anlagen durch eine flache Bodenbearbeitung die Wasserverdunstung reduziert werden. Insbesondere die Bearbeitung der Stockreihe bringt einen bedeutenden Effekt hinsichtlich Reduzierung der Wasserverdunstung. Bei Junganlagen mit kümmernden Triebspitzen und hängenden Ranken sind Wassergaben (ca. 10l pro Stock) - am effektivsten mit der Wasserlanze – sinnvoll. Dies gilt insbesondere bei Hochstammreben.

Der nächste Aufruf erfolgt am Mittwoch, den 24. Juli.

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