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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 15

Datum: 10.07.2019

Allgemeine Situation:

Quer durch das gesamte Markgräflerland können wir zumeist mit der Vitalität und dem Gesundheitszustand der Rebanlagen zufrieden sein. Nach zuletzt stressigen Wochen sind die Anlagen jetzt zumeist geheftet, gegipfelt und auch oft schon entblättert. Die Gewitter vom vergangenen Wochenende brachten nur im Raum Müllheim bis Bellingen mit bis zu 25mm, nennenswerte Niederschläge. Leider gab es dabei im Bereich Müllheim bis Feldberg auch mittlere Hagelschäden und in den Junganlagen Abschwemmungen. Das Beerenwachstum ist weiterhin zügig und bei den kompakten Sorten/Klonen ist das Stadium „Traubenschluss“ bereits erreicht. Auch die Gutedeltrauben füllen sich. Für die kommenden 7 Tage ist freundliches, mäßig warmes Sommerwetter vorausgesagt. Die für Freitag und Samstag gemeldeten Schauer/Gewitter sollen aber eher gering ausfallen. Ein nachhaltiges Auffüllen der Bodenwasservorräte ist damit nicht zu erwarten.

Rebschutz:

Peronospora: Nachdem die Anlagen gegipfelt sind und die Grundlaubwand/Trauben einen Belag aufweisen, dürfte auch hinsichtlich der vorhergesagten Witterung, bezüglich Peronosporadruck eine gewisse Entspannung eintreten. Nur in den Tau- und Befallsanlagen „köchelt“ die Peronospora, insbesondere an den Geiztriebblättern, weiter vor sich hin. Auch in Junganlagen findet man immer wieder Perobefall an den Blättern. Hier gilt es besonders wachsam zu sein, damit der Pilz nicht auf den Trieb (=späterer Stamm) überwächst. Insgesamt sind die Anlagen im Markgräflerland aber erfreulich gesund. Einzelne wenige Flecken können durchaus toleriert werden.

Oidium: Der Oidiumdruck war zurückliegend sehr hoch. Erste Befallsmeldungen aus Schwarzwaldrandlagen sind eingetroffen. Kontrollieren Sie unbedingt Ihre Anlagen, vor allem die empfindlichen Sorten Chardonnay und Müller-Thurgau, aber auch alle anderen Sorten auf Befall. Melden Sie festgestellten Befall dem Weinbauberater, auch hinsichtlich notwendiger Stopp-Behandlungen. Oft geht es an den Stellen mit unzureichendem Spritzbelag los. In den Hanglagen sind dies oft die oberen zwei/drei Stöcke oder die Trauben im Spritzschatten von Pfählen. Denken Sie daran, dass bei bereits fortgeschrittenem Befall ein Abstoppen der Infektion sehr schwierig ist. In den späteren Lagen, „Graupellagen“, oder dort wo noch viele „Nachzüglerbeeren“ vorhanden sind, ist die Infektionsgefahr weiterhin hoch.

Tierische Schaderreger: Außerhalb der Pheromongebiete hält der Flug der zweiten Traubenwicklergeneration zumeist auf niederem Niveau an. Ein Flughöhepunkt ist derzeit noch nicht zu erkennen. Orientieren Sie sich im Internet bei VitiMonitoring oder an den örtlichen Informationsquellen über die genaue Situation und eine eventuelle Behandlungsnotwendigkeit.

Spritzempfehlung: Grundsätzlich kann der Spritzabstand in befallsfreien Anlagen bei 12 Tagen, in Befallsanlagen bei maximal 10 Tagen liegen. Aus einer gemeinsamen Abstimmung von Weinbauinstitut und Weinbauberatung ergeht die Empfehlung, dass die Abschlussspritzung für frühe und mittlere Lagen bis zum 3. August und in späteren Lagen, in Graupellagen und in den Lagen mit aktuell stärkeren Hagelschäden bis zum 10. August erfolgen sollte. In Anlagen zur Erzeugung von „Neuer Süßer“ und Sektgrundwein ist der Rebschutz entsprechend früher zu beenden.

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora, ein Kontaktmittel, wie Folpan 80 WDG (1,6 kg/ha), oder Folpan 500 SC (2,4l/ha), oder Delan WG (0,8kg/ha). In Befallsanlagen bringt, bei Behandlung nach ergiebigen Niederschlägen, der Einsatz eines Kurativmittels, z.B. (Melody Combi (2,4kg/ha), Forum Star (1,92kg/ha) oder Aktuan (2,0kg/ha) mehr Wirkungssicherheit. Der Zusatz/Einsatz eines phosphonathaltigen Mittels wird nicht mehr empfohlen.

Gegen Oidium empfehlen wir auf Grund der inhomogenen Blüte und den vielen Nachzüglerbeeren, noch einmal ein potentes organisches Mittel, wie z.B. Vegas (Rkl. R; 0,48l/ha), Kusabi (Rkl. K; 0,3l/ha), oder Vento Power (Rkl. J/G; 1,6l/ha). Bitte beachten Sie, dass für Vento Power die Zulassung zum 30.04.2019 ausgelaufen ist. Damit endet die Aufbrauchfrist am 27.03.2020! Topas und Systane sollten derzeit nicht eingesetzt werden.

Bitte achten Sie auch auf die maximal zugelassene Zahl der Anwendungen und auch die entsprechenden Wartezeiten der jeweiligen Mittel.

Der oben aufgeführte Mittelaufwand beträgt Basisaufwand x 4.

In jüngeren Anlagen beobachtet man seit einigen Tagen beginnenden Magnesiummangel. In solch jüngeren Anlagen und in Anlagen, mit Stiellähmeproblematik, sollte der Spritzbrühe jetzt ein magnesiumhaltiger Dünger, z.B. Epso Top Bittersalz (3kg/hl), zugesetzt werden.

Die Junganlagen sollten im Abstand von 7 Tagen behandelt werden. Mittelempfehlung: Perokontaktmittel + Veriphos + Schwefel (0,5%). Da Jungreben empfindlich auf zu hohe Phosphonatkonzentrationen reagieren, sollte Veriphos mit max. 0,2% (20ml/10l Wasser) angewendet werden.

Nach einem Hagelschlag sind viele Winzer unsicher bezüglich Rebschutz. Von meiner Webseite im Internet kann das Infoblatt „Maßnahmen nach Hagelschlag“ heruntergeladen werden.

Weinbauliche Arbeiten:

Die Standartlaubarbeiten sollten bis Ende der Woche abgeschlossen sein. Das Entfernen der Kümmertriebe, das Entfernen der zahlreichen Geiztriebe in der Traubenzone und das fachlich richtige Entblättern als wichtige indirekte Fäulnis- und KEF-Vorbeuge, sind jetzt dann noch wichtige qualitätsfördernde weinbauliche Maßnahmen. Weißweinsorten sollten nur soweit entblättert werden, dass ein schützendes Sonnendach verbleibt. Die Firma Wagner in Kirchhofen hat ihr Traubenausdünnwerkzeug nochmals optimiert. Wir haben noch keine größere Erfahrung damit. Probieren Sie es aus. Für das Traubenteilen ist derzeit der richtige Zeitpunkt.

Bodenpflege:

Da für die kommenden 14 Tage keine nennenswerten Niederschläge vorhergesagt werden und man bei jüngeren Ertragsanlagen auf einigen Standorten bereits beginnende Wassermangelsymptome beobachten kann, sollten in Junganlagen und jüngeren Ertragsanlagen umgehend Bodenwasserschonende Maßnahmen durchgeführt werden. Denken Sie daran, dass Hochstamm-, aber auch Halbstammreben einen deutlich höheren Wasserbedarf haben als normale Pfropfreben. Bei Junganlagen in Hanglagen besteht bei Starkregen Erosionsgefahr. Hier haben sich quer zum Hang liegende Strohballen oder Strohriegel zur Verminderung der Bodenerosion recht gut bewährt. Auch für die Einsaat von Junganlagen oder von bearbeiteten Gassen ist es jetzt ideal. Für Junganlagen ist Phacelia (6kg/ha ganzflächig) zusammen mit Buchweizen (10kg/ha) sinnvoll. Kleehaltige Mischungen, z.B. die Wolff-Mischung, sind wegen des hohen Wasserverbrauches durch den Klee, in den ersten drei Jahren nicht geeignet.

Terminhinweis des Regierungspräsidium Freiburg:

Rebflächen, die zwischen dem 01.08.2016 und dem 31.07.2017 gerodet und bisher nicht wiederbepflanzt wurden, verlieren demnächst ihr Pflanzrecht! Dieses Pflanzrecht kann aber für drei Jahre verlängert werden, wenn der Bewirtschafter noch bis 31.07.2019 (Ausschlussfrist, es gilt der Eingang beim Regierungspräsidium!) einen Antrag auf „Genehmigung einer Wiederbepflanzung“ stellt.

Mit diesem Antrag kann das Pflanzrecht gleichzeitig auch auf eine andere Fläche des eigenen Betriebes verlegt werden. Falls der Antrag nicht fristgerecht gestellt wird, verfallen die Pflanzrechte genau 3 Jahre nach dem Tag der Rodung. Den Antrag und entsprechende Erläuterungen finden Sie im Internet auf meiner Webseite.

Für Rückfragen stehen Simon Zipf (0761/208-1292) und Volker Steinmetz (0761/208-1304) telefonisch zur Verfügung.

Der nächste Aufruf erfolgt am Donnerstag, den 18. Juli.

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