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Weinbauinfo-Nr. 14-2019

Datum: 04.07.2019

Datum: 


Agenda:     Termin Abschlussspritzung
                  Ansteigende Sonnenbrandgefahr
                 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau

Die sonnig heiße Witterung der vergangenen Woche hat die Rebenvegetation mit höchstem Tempo vorangebracht.  Zwischen dem Entwicklungsstadium „abgehende Blüte“ und „Vor Traubenschluss“ waren nur zwischen 10- 14 Tagen zu verzeichnen. Somit bewegen wir uns im Entwicklungsstadium „Vor Traubenschluss bzw. „Traubenschluss“ (BBCH 77-79).
Die Laubwände stehen, das erste Gipfeln ist überwiegend erfolgt, die Reben sind sehr gesund und vital. Überwiegend sind lockere Trauben mit teilweise leichten Verieselungen zu beobachten.
Aufgrund der Rebenentwicklung, dem jetzigen Gesundheitszustand und den hinsichtlich der Wartezeiten der Pflanzenschutzmittel einzuhaltenden Karenzzeiten sollte die Abschlussspritzung bis zum 03. August 2019 eingeplant werden. Entsprechende Empfehlungen folgen in den nächsten Weinbauinfos.
Die Wettervorhersage meldet weiterhin sonnig, trocken mit nochmals ansteigenden Tageshöchsttemperaturen am Samstag. Am Sonntag steigt die Schauer- bzw. Niederschlagswahrscheinlichkeit deutlich an. Niederschläge könnten wir jetzt gut gebrauchen.
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Die 2. Generation Traubenwickler hat mit dem Flug letzte Woche begonnen. Bitte kontrollieren Sie jetzt 3 x wöchentlich ihre Pheromonfallen auf Zuflug und melden Sie die Fangzahlen an den Anschlagstafeln in den Gemarkungen!
Grüne Rebenzikade

Aktuell beginnt die Sommergeneration der Grünen Rebenzikade zu fliegen. Bei ihrer Saugtätigkeit am Blatt der Reben entsteht ein Schadbild mit mosaikartigen Verfärbungen der Blattsegmente, die durch die Blattadern begrenzt werden. Dabei verfärben sich die Blätter bei den weißen Rebsorten „gelb“ und bei den roten Rebsorten „rot“.
Die Befallslagen am Kaiserstuhl befinden sich, mit wenigen Ausnahmen, erfahrungsgemäß in der Nähe der Waldränder. Alternierendes Mulchen, jeder zweiten Zeile, erhält den natürlichen Lebensraum der Grünen Rebenzikade und verhindert bzw. reduziert das Befallsrisiko! Außerdem wird die Biodiversität und damit die Grundlage für die Insekten in den Weinbergen gefördert!
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Die trocken heiße Witterung hat vorhandene Ölflecke nekrotisiert. Mit dem Entwicklungsstadium „Traubenschluss“ schließen sich die Spaltöffnungen an den Trauben und die Empfindlichkeit gegenüber Peronospora nimmt nun zunehmend ab.
Nach wie vor sind die Witterungsbedingungen für Oidiuminfektion förderlich. Einige Mehltaumeldungen an empfindlichen Sorten wie Scheurebe und Müller-Thurgau sind bei uns gemeldet worden. Wer in den letzten 3 Spritzungen potente, organische Oidiumfungizide eingesetzt hat, braucht sich normalerweise betreffend Mehltauinfektionen keine Sorgen zu machen. Der aktuelle Spritzabstand beträgt 12-14 Tage.
 
Gegen Peronospora
setzten wir der Spritzbrühe ein Kontaktfungizid wie z.B. Folpan 80 WDG 1,6 Kg/ha (WZ 35 Tage) oder Polyram WG 3,2 Kg/ha (WZ 56 Tage) oder Dithane Neotec 3,2 Kg/ha (WZ 56 Tage, Aufbrauchfrist bis 30.09.2019!!!) zu. Bei eingeplanter früher Lese z.B. für Sektgrundweine und Neuer Süßer empfehlen wir ab jetzt Pflanzenschutzmitteln mit 56 Tagen Wartezeit nicht mehr einzusetzen!
Gegen Oidium empfehlen wir bei der nächsten Behandlung abschließend nochmals ein organisches Oidiumfungizid wie z.B. Vivando 0,32 L/ha (K) oder Kusabi 0,3 L/ha (K) oder Sercadis 0,24 L/ha (L) oder Collis 0,64 L/ha (A/L) oder Dynali 0,8 L/ha (R/G).
Zusätzlich empfehlen wir zur Unterdrückung der Sommergeneration der Milben 2,4 -5 Kg/ha Netzschwefel (WZ 56 Tage, je nach Zulassung BBCH 71).
Der Zusatz von Phosphonat wird ab dem jetzigen Entwicklungsstadium und aufgrund des witterungsbedingten geringen Peronosporainfektionsrisiko nicht mehr empfohlen.
Stiellähme
Zur Verbesserung der Magnesiumversorgung empfehlen wir 2-3 Behandlungen mit einem magnesiumhaltigen Blattdünger. Mit der nächsten Behandlung kann der Blattdüngerzusatz zur Spritzbrühe z.B. Zugabe von Bittersalz 12-15 Kg/ha erfolgen. Dies empfiehlt sich besonders bei stiellähmeempfindlichen Sorten wie z.B. Riesling, Cabernet und deren Kreuzungen, Gewürztraminer, Muskateller und auch Burgundersorten.
Der Wasseraufwand beträgt 1400 L/ha im Spritzverfahren bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe pro ha und entspricht Basis x 4.
Bitte beachten sie die im Beipackzettel der PSM gemachten Angaben zum Mitteleinsatz und dem Anwenderschutz der eingesetzten PSM. Verwenden Sie ausschließlich zugelassene PSM. Vergessen sie nicht die Dokumentation der Pflanzenschutztermine (Mitteleinsatz, Konzentration, Anwender…)!
Sonnenbrandgefahr-Teilentblätterung der Traubenzone
Mit dem Schließen der Spaltöffnungen der Trauben zum Entwicklungsstadium „Traubenschluss“ können hohe Temperaturen nicht mehr durch Transpiration der Beeren ausgeglichen werden. Damit steigt ab jetzt das Sonnenbrandrisiko stark an!
Bitte achten sie generell auf eine moderate Entblätterung, die sich auf die sonnenabgewendete Seite der Traubenzone konzentriert. Achten Sie auf ein schützendes Blätterdach über den Trauben!!! Entfernen Sie die Geiztriebe in der Traubenzone.
 
Bodenpflege

Wasserschonende Bodenpflege, Mulchen oder Walzen jeder 2. Gasse sollte ab jetzt die Bodenpflege der Wahl sein. Flache Bearbeitung (z.B. mit der Kreiselegge) in den offen gehaltenen Gassen führt zum Schließen der Kapillaren und damit zur Reduzierung der Wasserverdunstung.
U 46 M-fluid (Wuchsstoff) hat im Weinbau keine Zulassung mehr und hat damit Anwendungsverbot!
 
Der nächste Aufruf erfolgt, wenn nicht anders erforderlich, Vegetationsbezogen, innerhalb 1 Woche.
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

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