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Weinbauinfo-Nr. 12-2019

Datum: 18.06.2019

Datum: 


Agenda      Abgehende Blüte         
 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau
Bestes Blütewetter führt heute und Morgen zum Termin „abgehende Blüte“ (BBCH 68) in den mittleren Lagen am Kaiserstuhl.
Dies wiederum ist einer der wichtigsten Pflanzenschutztermine der jährlichen Rebenvegetation.
Nach den Niederschlägen vom Wochenende mit Regenmengen von 25-55 mm am Kaiserstuhl und dem darauffolgend warmen, sonnigen Wetter sind die Rebanlagen sehr wüchsig und vital. Die Kontrolle des Blüteverlaufs in den frühen Lagen zeigt beim „Strippen der Trauben“ nur geringen Verlust der Beeren. Ein gutes bis sehr gutes Blüteergebnis kann beobachtet werden!
Die Wettervorhersage meldet für Donnerstag (Fronleichnam) zunehmende Gewitter- und Niederschlagswahrscheinlichkeit mit weiterer Unbeständigkeit auch Freitag und Samstag.
Optimales Spritzfenster für Termin „abgehende Blüte“ Mittwoch! Und damit vorbeugende Spritzfolge!
 
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Nach wie vor ist der Gesundheitszustand der Reben hervorragend. Nur vereinzelt werden Peronospora-Ölflecken oder einzelne befallene Gescheine gemeldet. Diese sind hauptsächlich Spritzschatten zuzuordnen. Ein hervorragendes Ergebnis, bedenkt man doch die Häufigkeit der Niederschlagsereignisse der letzten Wochen! Nun stehen wir am entscheidenden Termin „abgehende Blüte“ bei gleichzeitig vager Wettervorhersage mit deutlicher Gewitter- und Niederschlagswahrscheinlichkeit. Die sicherste Variante ist den Pflanzenschutz vor diesem Ereignis zu terminieren. Denn alt gelerntes sagt uns: „Die abgehende Blütespritzung ist unabhängig von den vorausgegangenen Pflanzenschutzspritzungen zum Termin „80% Käppchen sind abgeworfen“ zu terminieren. Nach meiner Bonitur und Einschätzung vieler Praktiker passt dieser Termin Morgen, Mittwoch für die überwiegenden Flächen am Kaiserstuhl. Zurück in der Entwicklung sind die späten Lagen, die voraussichtlich erst am Wochenende bzw. Anfang nächste Woche den Termin „abgehende Blüte“ erreichen werden.
Schauen Sie auf ihre bevorzugte Wettervorhersage und bonitieren sie den Blüterverlauf in ihren Rebanlagen und terminieren sie entsprechend!
Dieser Pflanzenschutztermin ist neben Peronospora auch für die Bekämpfung von Oidium mitentscheidend, da nach dem Abfallen der Blütekäppchen die frisch verblühten Beeren schutzlos sind und unbemerkt von Oidiumsporen besiedelt werden können.
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora bei vorbeugender Spritzfolge ein Kontaktmittel wie Delan Pro 3,0 L/ha (Phosphonat bereits enthalten) oder Folpan 80 WDG 1,0 Kg/ha oder Delan 0,5 Kg/ha.
Natürlich können bei höherem Sicherheitsbedürfnis bzw. mit höherer Wirkungssicherheit auch tiefenwirksame Peronosporafungizide wie z.B. Orvego 1,0 L/ha, oder Aktuan 1,25 Kg/ha oder Forum Gold 1,2 Kg/ha oder Folpan Gold 1,5 Kg/ha eingesetzt werden. Diese sind insbesondere direkt bei Spritzungen unmittelbar nach Niederschlagsereignissen einzusetzen.
Jedoch ist eine protektive Spritzfolge zum Termin „abgehende Blüte“ einer kurativen Behandlung vorzuziehen!
Der Zusatz von Phosphonaten wie z.B. Veriphos 3 L/ha oder Frutogard 3,0 l/ha steigert die natürliche Abwehrkraft der Rebe gegen Peronospora und bringt zudem antisporulierende Wirkung.
Gegen Oidium setzen wir der Spritzbrühe ein potentes, organisches Mehltaufungizid wie z.B. Sercadis 0,15 L/ha (L) oder Luna Max 0,825 L/ha (L/H) oder Luna Experience 0,3125 L/ha (L/G) oder Collis 0,4 L/ha (A/L) zu. Bitte achten Sie auf die Wirkstoffkategorie die mit Buchstaben in den Klammern angegeben sind und setzen sie unter Beachtung des Resistenzmanagements den gleichen Wirkstoff niemals zweimal hintereinander ein und die gleiche Wirkstoffgruppe maximal 2 x pro Saison!!!
Der Wasseraufwand beträgt 1200 L/ha im Spritzverfahren bzw. 350-450 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe pro ha und entspricht Basis x 2,5.
Bitte beachten sie die im Beipackzettel der PSM gemachten Angaben zum Mitteleinsatz und dem Anwenderschutz der eingesetzten PSM. Verwenden Sie ausschließlich zugelassene PSM. Vergessen sie nicht die Dokumentation der Pflanzenschutztermine (Mitteleinsatz, Konzentration, Anwender…)!
Teilentblätterung der Traubenzone
Nach Blüteende stehen die Teilentblätterung der Traubenzone auf dem Arbeitskalender. Insbesondere mit dem „pneumatischen Entblättern, Ausblasen“ kann begonnen werden, da hier oft nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung steht. Bitte achten sie auf ein moderates Ausblasen der Traubenzone (mittlerer Druck ca. 0,5-0,6 bar). Bei der Handentblätterung sollte bei den roten Sorten jetzt zuerst die Sonnenseite entblättert werden damit sich die Trauben früh an die Sonne gewöhnen. Es sollten aber maximal die untersten 2 Blätter und die Geiztriebe in der Traubenzone entfernt werden. Bei den Weißweinsorten sollte generell nur von der Schattenseite und ebenfalls nur die unteren zwei Blätter und die Geiztriebe entfernt werden. Für den Einsatz der Saug-Zupftechnik ist es noch zu früh. Diese kann erst bei beginnendem Hängen der Trauben eingesetzt werden!
Junganlagen und Rebschulen
Aufgrund der bodennahen Triebe und Blätter sind die Junganlagen besonders hohem Peronospora und Oidiumrisiko ausgesetzt. Ein konsequenter wöchentlicher Pflanzenschutz mit Kontaktmittel und einem organischen Oidiummittel sind hier durchzuführen.
Pilzwiderstandsfähige Reben (PIWI)
Das aktuelle, witterungsbedingte Infektionspotential der Pilzkrankheiten erfordert vor während und nach der Blüte auch Pflanzenschutzbehandlungen in diesen Rebanlagen um diese insbesondere von Oidiumbefall zu schützen.
Tafeltrauben
Tafeltrauben haben beim Pflanzenschutz eine separate Zulassung der möglichen einzusetzenden Pflanzenschutzmittel. Besonders, wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden ist zu beachten, dass nur PSM mit entsprechender Tafeltraubenzulassung angewendet werden.
 
Der nächste Aufruf erfolgt, wenn nicht anders erforderlich, Vegetationsbezogen, innerhalb 1 Woche.
 
Tobias Burtsche
 
Weinbauberatung Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

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