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Weinbauinfo-Nr. 11-2019

Datum: 12.06.2019

Datum: 


Agenda      Höchste Peroinfektionsgefahr
                  Blüte zögerlich

 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau
Nach wie vor kann eine sehr uneinheitliche Entwicklung der Reben beobachtet werden. Gerade bei der jetzt verlaufenden Rebblüte wird das sehr augenscheinlich. Von überwiegende geschlossenen Gescheinen mit vereinzelt aufgehendenden Blüten in den späteren Lagen bis zum Stadium „Vollblüte“ in den sehr frühen Lagen sind alle Vegetationsstadien (BBCH 57-65) zu beobachten.
Die Niederschläge seit Pfingstmontag haben bis heute Morgen ca. 30 -35 mm Niederschlag ergeben bei jedoch sehr langen Blattnässezeiten. In Verbindung mit der verzettelten Blüte ergibt sich dadurch ein sehr hohes Infektionspotential für Peronospora. Gleichzeitig bedarf es mehrere unterschiedliche Behandlungstermine um lagenabhängig den wichtigen Pflanzenschutztermin „abgehende Blüte“ einzuhalten. Aktueller Spritzabstand 7-8 Tage!
Der 1. Heftgang ist in den meisten Betrieben erfolgt. Beim zweiten Heften sollte nochmals konsequent Doppel- und Kümmertriebe entfernt werden. Auf eine luftige, gut durchlüftete Traubenzone ist besonders zu achten.
Die Wettervorhersage meldet für Morgen bis Samstag zunehmend trocken, sonnig und wärmer. Ab Samstagnachmittag steigt das Gewitter- und die Niederschlagswahrscheinlichkeit an. Ob und wieviel Niederschlag kommen wird ist in der Wettervorhersage noch zu unsicher. Behalten sie die Wettervorhersage im Auge und entscheiden entsprechend. Aktuell ergibt sich basierend auf der Wettervorhersage ein Spritzfenster von Donnerstag bis Samstag.
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge

Um den Flugverlauf der zweiten Generation des Traubenwicklers kontrollieren zu können sollten jetzt die Köder und Leimböden in den Kontrollfallen gewechselt werden. Bitte kontrollieren Sie ab jetzt mindestens 1 x pro Woche ihre Fallen und dokumentieren sie den Flugverlauf an den Anschlagtafeln in Ihrer Gemarkung!
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Aktuell kann von einem hervorragenden Gesundheitszustand der Reben am Kaiserstuhl berichtet werden. Die bisherige Spritzstrategie (vorbeugende Behandlungen, Behandlungstermine vor Infektion) waren erfolgreich. Die Niederschlagsereignisse über Pfingsten bis heute in Verbindung mit langen Blattnässezeiten bei gleichzeitigem, sehr unterschiedlichem Blüteverlauf (Abfallen von Blütekäppchen) führen insbesondere an den Gescheinen und bei den jungen Beeren zu großer Angriffsfläche für Peronospora und Oidium. Um diese Situation sauber abzudecken empfiehlt es sich mittels kurzen Spritzintervallen und potenten Fungiziden zu agieren.
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora ein Mittel aus der Wirkstoffgruppe der tiefenwirksamen bzw. teilsystemischen Fungizide wie z.B. Zorvec Zelavin Bria (Produktpack aus flüssigem Wirkstoff mit Aufwand 0,2 L/ha und Flovine 1,0 Kg/ha (Kontaktwirkstoff Folpet) oder Orvego 1,0 L/ha oder Forum Gold 1,2 Kg/ha oder Melody Combi 1,5 Kg/ha oder Aktuan 1,25 Kg/ha oder Ampexio 0,4 Kg/ha. Diese Mittel bringen im Moment auch aufgrund ihrer translaminaren Wirkung mehr Wirkungssicherheit.
Der Einsatz von Kontaktfungizide wie z.B. Folpan 80 WDG 1,0 Kg/ha oder Delan 0,5 Kg/ha oder Polyram WG 2,0 Kg/ha macht nur Sinn bei 100% gesunden Rebanlagen und bei kurzen Spritzintervallen max. 7-8 Tage und direkter Anwendung vor evtl. Infektionsereignissen.
Der Zusatz von Phosphonaten wie z.B. Veriphos 3 L/ha oder Frutogard 3,0 l/ha steigert die natürliche Abwehrkraft der Rebe gegen Peronospora und bringt zudem antisporulierende Wirkung. Beim Einsatz von Delan Pro 3 L/ha oder Profiler 1,875 Kg/ha ist ein Zusatz von Phosphonat nicht notwendig, da diese Mittel bereits Phosphonat enthalten. Bitte beachten Sie, dass Profiler nur 1 x pro Saison und nicht in Verbindung mit Luna (Oidiumfungizid) angewendet werden sollte (Empfehlung des Produktherstellers, Fa. Bayer).
Gegen Oidium setzen wir der Spritzbrühe ein organisches Mehltaufungizid wie z.B. Vivando 0,2 L/ha (K) oder Kusabi 0,1875 L/ha (K) oder Talendo 0,25 L/ha (J) oder Dynali 0,5 L/ha (R,G) zu. Bitte achten Sie auf die Wirkstoffkategorie die mit Buchstaben in den Klammern angegeben sind und setzen sie unter Beachtung des Resistenzmanagements den gleichen Wirkstoff niemals zweimal hintereinander ein und die gleiche Wirkstoffgruppe maximal 2 x pro Saison!!!
Der Wasseraufwand beträgt 1000 L/ha im Spritzverfahren bzw. 300-400 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe pro ha und entspricht Basis x 2,5.
Bitte beachten sie die im Beipackzettel der PSM gemachten Angaben zum Mitteleinsatz und dem Anwenderschutz der eingesetzten PSM. Verwenden Sie ausschließlich zugelassene PSM. Vergessen sie nicht die Dokumentation der Pflanzenschutztermine (Mitteleinsatz, Konzentration, Anwender…)!
Junganlagen und Rebschulen
Aufgrund der bodennahen Triebe und Blätter sind die Junganlagen besonders hohem Peronospora und Oidiumrisiko ausgesetzt. Ein konsequenter wöchentlicher Pflanzenschutz mit Kontaktmittel und einem organischen Oidiummittel sind hier durchzuführen.
Pilzwiderstandsfähige Reben (PIWI)
Das aktuelle, witterungsbedingte Infektionspotential der Pilzkrankheiten erfordert vor während und nach der Blüte auch Pflanzenschutzbehandlungen in diesen Rebanlagen um diese insbesondere von Oidiumbefall zu schützen.
 
Weinbauliche Hinweise
Aufgrund mehrfacher Nachfragen möchte ich nochmal auf die Wichtigkeit der Maßnahmen zur vorbeugenden Auflockerung der Traubenstruktur mittels Bioregulatoren hinweisen. Viele Winzer haben bedenken, dass die vergangene Witterung (Niederschlag und Abkühlung) die Verrieselung gefördert haben. Meiner Einschätzung nach haben wir ein kontinuierliches Wachstum der Reben und die Hauptblüte (mittlere Lagen am Kaiserstuhl) wird in den nächsten 10 Tagen bei sommerlicher Witterung ablaufen. Dementsprechend rechne ich mit einem guten Blüteverlauf. Die langjährigen Erfahrungen beim fachgerechten Einsatz von Gibb 3 bei kompakten Sorten zeigt nur geringe Auswirkungen auf den Ertrag. Aber durchaus sehr positive Auswirkungen auf die Traubengesundheit und damit auf den reduzierten Leseaufwand!!! Deshalb nochmals die folgenden Hinweise:
Traubenlockernde Maßnahmen; Einsatz von Bioregulatoren

Gute Blütebedingungen fördern bei Rebsorten mit dichter Beerenstruktur (Burgundersorten) die Kompaktheit der Trauben (Bepackungsgrad der Beeren).
Hier kann insbesondere beim Spätburgunder (Klon Fr-5286) und beim Grauburgunder (H1 oder Fr-49207) eine Behandlung mit Bioregulatoren sehr sinnvoll sein, um das spätere Fäulnisrisiko zu reduzieren. Aufgrund der natürlichen Gegebenheiten (Vegetationsverlauf 2019, guter bis sehr guter Gescheinsansatz) wird der Einsatz von Bioregulatoren besonders empfohlen!!!
Der Einsatz von Gibb 3 (zugelassen für Burgundersorten, Chardonnay u. Sauvignon blanc)
zum Termin „Vollblüte“ mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten/ha hat sich bei den kompakten Burgundersorten in der Praxis bestens bewährt. Bitte beachten sie die Anwendungsempfehlungen (Tabletten gut auflösen, Zusatz von Haftmittel z.B. Adhäsit, jede Gasse fahren, Spritzung solo nicht mit PSM mischen, ca. 600 l/ha Wasseraufwand, langsame Antrocknung nur früh morgens oder in den Abendstunden spritzen).
Das Produkt Berelex 40 SG, Wirkstoff Gibberelinsäure, hat eine Zulassung für Spät-, Grau- und Weißburgunder, sowie für Schwarzriesling und Portugieser. Aufwandmenge 5g/hl Brühe. Gleiche Einsatzbedingungen wie Gibb 3.
Alternativ hat Regalis Plus aktuell eine Zulassung für alle Rebsorten. Erfahrungsgemäß kann es bei der Anwendung von Regalis Plus zu stärkeren Ertragsreduzierungen kommen. Deshalb empfehlen wir die Variante mit der reduzierten Aufwandmenge von 1,0-1,2 Kg/ha für Burgundersorten 1,2-1,5 Kg/ha für Sauvignon blanc, Riesling, Gewürztraminer, Scheurebe, Muskateller ebenfalls zum Termin „Vollblüte“. Bitte beachten sie, dass bei Benetzung der Triebspitzen phytotoxische Reaktionen (Berostungen, Triebspitzen können abbrechen) entstehen können. Dies kann insbesondere die Nachpflanzreben (Hochstamm treffen). Es empfiehlt sich daher nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ansonsten gleiche Verfahrensweise wie bei Gibb 3. Bitte beachten sie genau die Bestimmungen auf dem Beipackzettel, (Regalis Plus Pack = Regalis plus Zitronensäure).
Weitere Möglichkeiten um die Kompaktheit der Trauben zu reduzieren ist das „Ausblasen mittel Druckluftentblätterung“ oder das „Trauben teilen“ zu einem späteren Zeitpunkt!
 
Agrarbüro

Je früher sie die Pfropfrebenrechnung betreffend ihrem Umstrukturierungsantrag 2018/2019 einreichen, desto früher können wir mit der Feldkontrolle beginnen. Dies wiederum ermöglicht uns eine frühe Auszahlung der Umstrukturierungsförderung im September!
Bitte reichen sie ihre Pfropfrebenrechnung umgehend nach Pflanzung der Reben und gegebenenfalls Erstellung der Drahtrahmenanlage (Code 3370) ein.
 
Der nächste Aufruf erfolgt, wenn nicht anders erforderlich, Vegetationsbezogen, innerhalb 1 Woche.
 
Tobias Burtsche
 
Weinbauberatung Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
 

 

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