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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 10

Datum: 06.06.2019

Allgemeine Situation:

Der Wetterwechsel ab Himmelfahrt mit Temperaturen um 30°C brachte das dahindümpelnde Rebenwachstum deutlich in Schwung. Die Bandbreite der Rebenentwicklung im Markgräflerland ist aber sehr, sehr unterschiedlich. Neben den Lagenunterschieden haben vor Allem die Graupelniederschläge vom 27. April einen bedeutenden Einfluss auf den Wachstumsstand. Während man in besonders geschützten Lagen ohne Graupel bereits „Blühbeginn“ beobachten kann, sind die „späteren“ Lagen mit Graupelschäden noch fast zwei Wochen zurück. Das bedeutet, dass uns in diesem Jahr eine extrem auseinandergezogene Rebblüte bevorsteht. Der Entwicklungsstand entspricht grob einem durchschnittlichen Jahr. Die Reben sind größtenteils vital, der Gescheinsansatz ist bei den Burgundersorten und beim Müller-Thurgau recht gut, beim Gutedel unterschiedlich, aber zumeist zufriedenstellend bis gut. Vereinzelt sieht man jetzt beginnende „Schönwetterchlorose“.

Die warme und weitestgehend trockene Witterung bis Pfingstsonntag scheint sicher. Ab Pfingstmontag soll die Niederschlagswahrscheinlichkeit bei mittleren Temperaturen dann aber deutlich ansteigen. In frühen und mittleren Lagen ist ab dem Wochenende mit Blühbeginn zu rechnen.

Rebschutz:

Peronospora: Seit Dienstag findet man quer, durch das Markgräflerland, erste Peroflecken mit Pilzrasen. Das bedeutet, dass ab sofort Sekundärinfektionen möglich sind. Dies und die ab Wochenbeginn vorhergesagten Niederschläge, die beginnende Blüte und der beträchtliche Zuwachs lassen die Infektionsgefahr durch Peronospora stark ansteigen. Deshalb sollte der Spritzabstand bei 8 – 10 Tagen liegen.

Oidium: Durch die angestiegenen Temperaturen und die nun voll ausgebildeten Gescheine ist der Infektionsdruck durch Oidium, insbesondere in letztjährigen Befallsanlagen, angestiegen.

Tierische Schaderreger: Die meisten Junganlagen zeigen ein gutes Wachstum. Vereinzelt findet man jedoch Junganlagen mit total degeneriertem, verkümmertem Wuchs. In solchen Anlagen findet man zumeist Thripse auf der Blattunterseite. Melden Sie sich bei vermutetem Befall beim Weinbauberater.

Spritzempfehlung: Auf Grund des deutlich angestiegenen Peronospora-Infektionsdruckes und insbesondere der vorhergesagten Niederschläge sollte dort, wo die letzte Behandlung vor dem 2. Juni liegt, noch vor dem Pfingstwochenende eine Behandlung erfolgen. Falls die Niederschlagsvorhersagen für die kommende Woche sich bis zum Samstag bestätigen, ist auch dort, wo Montag/Dienstag (3./4. Juni) Rebschutz durchgeführt wurde, mit einer Behandlung am Samstag (8. Juni) der Neuzuwachs nochmals zu schützen.

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora, ein Kontaktmittel, wie z.B. Enervin (2,0 kg/ha), Folpan 80 WDG (0,8 kg/ha), oder Folpan 500 SC (1,2l/ha), Vyderio (1,25l/ha), Polyram WG (1,6kg/ha), in Kombination mit Veriphos (2,0l/ha), oder Frutogard (3l/ha). Alternativ kann auch eines der Kombinationsmittel, z.B. Delan Pro (2,4l/ha), oder Profiler (1,5kg/ha) eingesetzt werden. Beim Einsatz von Delan Pro, oder Profiler ist der Zusatz von Veriphos oder Frutogard nicht notwendig. Beim Einsatz von Profiler ist aber die Mischreihenfolge zu beachten. Falls unmittelbar vor der Spritzung ergiebige Niederschläge fallen sollten, bringt - insbesondere in Anlagen mit bereits festgestelltem Perobefall - ein kuratives Peromittel, wie z. B. Vino Star (1,0kg/ha), Forum Gold (0,96kg/ha), Melody Combi (1,2kg/ha), Orvego (0,8l/ha), (Vincare 1,0kg/ha), oder Sanvino (0,75kg/ha) mehr Wirkungssicherheit.

Mittelempfehlung gegen Oidium: Hier ist der Zusatz eines Schwefelproduktes (3,6kg/ha) in der Regel ausreichend. Bei den etwas empfindlicheren Sorten Chardonnay und Müller-Thurgau, in den bekannten Befallslagen und dort, wo es im vergangenen Jahr deutlichen Spätbefall gab, bringt ein organisches Mehltaumittel, z.B. Talendo (0,2l/ha), Vegas (0,24 l/ha), oder Dynali (0,4 l/ha)mehr Wirkungssicherheit.

Der oben aufgeführte Mittelaufwand beträgt Basisaufwand x 2. In den späteren Lagen und bei schwächerem Wuchs reicht Basisaufwand x 1,5 noch aus.

Ab einer Blattgröße von 3cm (= 10cm Trieblänge) bilden sich an den Blättchen Spaltöffnungen. Ab diesem Zeitpunkt können diese dann durch den Peronosporapilz infiziert werden und deshalb sollte dann mit dem Rebschutz der Junganlagen begonnen werden. Der Zusatz eines phosphonathaltigen Mittels wird, wegen der Gefahr einer Überschussreaktion, erst ab einer Trieblänge von 20cm empfohlen.

Die Gebrauchsanleitungen, Auflagen und Anwendungsvorschriften der Mittel sind einzuhalten.

Blattdünger sind in der Regel nicht notwendig. Nur in den bekannten Cloroselagen sind bei Anlagen mit sichtbaren Mangelerscheinungen eisenhaltige Chlorosemittel sinnvoll.

Weinbauliche Arbeiten:

Traubenlockernde Maßnahmen: Gute Blütebedingungen fördern bei Rebsorten/-klonen mit dichter Beerenstruktur die Kompaktheit der Trauben. Hier kann eine Behandlung mit Bioregulatoren sehr sinnvoll sein, um das spätere Fäulnisrisiko zu reduzieren. Insbesondere in Anlagen mit gutem/sehr gutem Gescheinsansatz wird bei günstigem Blühwetter der Einsatz von Bioregulatoren empfohlen. Bei Nachttemperaturen unter 10°C ist aber Vorsicht geboten. Der Einsatz von Gibb 3 (zugelassen für Burgundersorten, Chardonnay u. Sauvignon blanc) zum Termin „Vollblüte“ mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten/ha hat sich bei den kompakten Burgundersorten in der Praxis bestens bewährt. Bitte beachten sie die Anwendungsempfehlungen (Tabletten gut auflösen, Zusatz von Haftmittel, z.B. Adhäsit, jede Gasse fahren, Spritzung solo, nicht mit PSM mischen, ca. 600 l/ha Wasseraufwand, langsame Antrocknung, nur früh morgens oder in den Abendstunden spritzen). Das Produkt Berelex 40 SG, Wirkstoff Gibberelinsäure, hat eine Zulassung für Spät-, Grau- und Weißburgunder, sowie für Schwarzriesling und Portugieser. Aufwandmenge 5g/hl Brühe. Gleiche Einsatzbedingungen wie Gibb 3.

Alternativ hat Regalis Plus aktuell eine Zulassung für alle Rebsorten. Erfahrungsgemäß kann es bei der Anwendung von Regalis Plus zu stärkeren Ertragsreduzierungen kommen. Deshalb empfehlen wir die Variante mit der reduzierten Aufwandmenge von 1,0-1,2kg/ha für Burgundersorten und 1,2-1,5kg/ha für Sauvignon blanc, Riesling, Gewürztraminer, Muskateller, ebenfalls zum Termin „Vollblüte“. Bitte beachten sie, dass bei Benetzung der Triebspitzen phytotoxische Reaktionen (Berostungen, Triebspitzen können abbrechen) entstehen können. Dies kann insbesondere die Nachpflanzreben (Hochstamm) treffen. Es empfiehlt sich daher nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ansonsten gleiche Verfahrensweise wie bei Gibb 3. Bitte beachten sie genau die Bestimmungen auf dem Beipackzettel, (Regalis Plus Pack = Regalis plus Zitronensäure).

Bodenpflege:

Insbesondere im mittleren Markgräflerland sieht man vorbildliche Begrünungssysteme (blühende Begrünungspflanzen, alternierendes Mulchen). Die Insektenwelt profitiert davon und darüber hinaus sieht es auch gut aus. Kompliment vom Weinbauberater.

Umstrukturierung:

Für eine rasche weitere Bearbeitung des Förderverfahrens ist es wichtig, dass die Pfropfrebenrechnung sowie die Rechnung für Tropfschläuche zeitnah an das Landratsamt geschickt werden, sobald die beantragten und zu fördernden Maßnahmen (Pflanzung, Tröpfchenbewässerung, evtl. Erstellung des Drahtrahmens) abgeschlossen sind. Letzte Frist für das Vorliegen dieser Rechnungen im Landratsamt ist der 15.07.2019. Ein Drahtrahmen ist nur in den Flächen zu erstellen, die im Flächenverzeichnis zum Infoschreiben mit der Hinweis-Nr. 3370 geführt werden. Ein Drahtrahmen gilt als erstellt, wenn entweder Pflanzstäbe, Endpfähle und der erste Draht, oder Pflanzstäbe, und Mittelpfähle erstellt sind.

Der nächste Aufruf erfolgt am Donnerstag, den 13. Juni.

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