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Weinbauinfo-Nr.10-2019

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Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau
Der Witterungsumschwung seit Himmelfahrt mit sommerlichen Tageshöchsttemperaturen über 30°C hat für ein rasantes Rebenwachstum gesorgt. Seit Anfang dieser Woche erreichen mich täglich neue Meldungen von vereinzelt blühenden Gescheinen. Also kommt die Blüte doch schneller als gedacht! Und damit die Planung des Einsatzes von Bioregulatoren zum Termin „Vollblüte“ zur Auflockerung des Traubengerüstes bei kompakten Sorten (siehe hierzu weinbauliche Hinweise)!
Im Allgemeinen hat der Entwicklungsstand der Reben das BBCH Stadium 57, „Gescheine voll entwickelt“ erreicht. Es sind in den mittleren Lagen ca. 10, in den frühen Lagen 12 Blätter entfaltet und damit kann bei entsprechend warmer Witterung nächste Woche die Blüte laufen!
Der Zustand der Reben ist jetzt als sehr „vital“ zu bezeichnen. Vereinzelt wurden heute die ersten Ölflecke gemeldet. Diese stammen von der Niederschlagsphase zwischen dem 19.-22.05. und ermahnen uns unsere Aufmerksamkeit hinsichtlich des Pflanzenschutzes zu schärfen.
Die Wettervorhersage meldet erhöhte Gewitter- und Niederschlagswahrscheinlichkeit von Mittwoch auf Donnerstag. Damit bietet sich heute ein optimales Spritzfenster um den Neuzuwachs mit neuem Spritzbelag zu schützen. Auch über das Pfingstwochenende ist unbeständiges Wetter teilweise mit erhöhter Niederschlagswahrscheinlichkeit vorhergesagt.
 
Rebschutz
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Mit dem Beginn der Blüte, dem starken Neuzuwachs der Reben, bei gleichzeitig unbeständiger Witterung, erhöhte Niederschlagswahrscheinlichkeit und Gewittern, ergibt sich ein höheres Peronosporainfektionsrisiko. Die aktuelle Witterung bringt zusätzlich optimale Bedingungen für Oidium. Somit ist mit kurzen Behandlungsintervallen, 8-10 Tagen, unmittelbar vor größeren Niederschlägen, der Rebschutz gezielt zum Termin „letzte Vorblüte“ durchzuführen.
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora ein Kontaktfungizid wie z.B.  Folpan 80 WDG 0,8 oder Follow 80 WG (Neu, enthält gleiche Folpet-Wirkstoffmengen wie Folpan 80 WG) 0,8 Kg/ha oder Delan WG 0,4 Kg/ha oder Polyram WG 1,6 Kg/ha.
Der Einsatz eines Kombinationsmittels von Kontakfungizid in Verbindung mit Phosphonat wie z.B. Delan Pro 2,4 L/ha oder Profiler 1,5 Kg/ha kann zum Termin „letzte Vorblüte“ sehr sinnvoll sein (Erhöhter Schutz des Neuzuwachses)! Aber auch der Zusatz von einem Phosphonat wie z.B. Veriphos 3,0 L/ha oder Frutogard 3,0 l/ha zusätzlich zum Kontaktfungizid erhöht die natürliche Abwehrkraft der Rebe gegen Peronospora und bringt antisporulierende Wirkungseigenschaften.
Gegen Oidium setzen wir der Spritzbrühe ein organisches Mehltaufungizid wie z.B. Vivando 0,16 L/ha oder Kusabi 0,15 L/ha oder Talendo 0,2 L/ha zu.
Wer nach größeren Niederschlagsereignissen oder Gewittern, also nach erfolgter Peroinfektion seinen geplanten Pflanzenschutz durchführt, sollte aus Gründen der Wirkungssicherheit auf ein tiefenwirksames Peronosporafungizid wie z.B. Forum Gold 0,96 Kg/ha oder Orvego 0,8 L/ha oder Aktuan 1,0 Kg/ha oder Fantic F 1,2 Kg/ha oder Zorvec Zelavin Bria (Neu) zurückgreifen!
Der Wasseraufwand beträgt 800 L/ha im Spritzverfahren bzw. 300-400 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe pro ha und entspricht Basis x 2,0.
Bitte beachten sie die im Beipackzettel der PSM gemachten Angaben zum Mitteleinsatz und dem Anwenderschutz der eingesetzten PSM. Verwenden Sie ausschließlich zugelassene PSM. Vergessen sie nicht die Dokumentation der Pflanzenschutztermine (Mitteleinsatz, Konzentration, Anwender…)!
 
 
Weinbauliche Hinweise
Traubenlockernde Maßnahmen; Einsatz von Bioregulatoren

Gute Blütebedingungen fördern bei Rebsorten mit dichter Beerenstruktur (Burgundersorten) die Kompaktheit der Trauben (Bepackungsgrad der Beeren).
Hier kann insbesondere beim Spätburgunder (Klon Fr-5286) und beim Grauburgunder (H1 oder Fr-49207) eine Behandlung mit Bioregulatoren sehr sinnvoll sein, um das spätere Fäulnisrisiko zu reduzieren. Aufgrund der natürlichen Gegebenheiten (Vegetationsverlauf 2019, guter bis sehr guter Gescheinsansatz) wird der Einsatz von Bioregulatoren besonders empfohlen!!!
Der Einsatz von Gibb 3 (zugelassen für Burgundersorten, Chardonnay u. Sauvignon blanc)
zum Termin „Vollblüte“ mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten/ha hat sich bei den kompakten Burgundersorten in der Praxis bestens bewährt. Bitte beachten sie die Anwendungsempfehlungen (Tabletten gut auflösen, Zusatz von Haftmittel z.B. Adhäsit, jede Gasse fahren, Spritzung solo nicht mit PSM mischen, ca. 600 l/ha Wasseraufwand, langsame Antrocknung nur früh morgens oder in den Abendstunden spritzen).
Das Produkt Berelex 40 SG, Wirkstoff Gibberelinsäure, hat eine Zulassung für Spät-, Grau- und Weißburgunder, sowie für Schwarzriesling und Portugieser. Aufwandmenge 5g/hl Brühe. Gleiche Einsatzbedingungen wie Gibb 3.
Alternativ hat Regalis Plus aktuell eine Zulassung für alle Rebsorten. Erfahrungsgemäß kann es bei der Anwendung von Regalis Plus zu stärkeren Ertragsreduzierungen kommen. Deshalb empfehlen wir die Variante mit der reduzierten Aufwandmenge von 1,0-1,2 Kg/ha für Burgundersorten 1,2-1,5 Kg/ha für Sauvignon blanc, Riesling, Gewürztraminer, Scheurebe, Muskateller ebenfalls zum Termin „Vollblüte“. Bitte beachten sie, dass bei Benetzung der Triebspitzen phytotoxische Reaktionen (Berostungen, Triebspitzen können abbrechen) entstehen können. Dies kann insbesondere die Nachpflanzreben (Hochstamm treffen). Es empfiehlt sich daher nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ansonsten gleiche Verfahrensweise wie bei Gibb 3. Bitte beachten sie genau die Bestimmungen auf dem Beipackzettel, (Regalis Plus Pack = Regalis plus Zitronensäure).
Weitere Möglichkeiten um die Kompaktheit der Trauben zu reduzieren ist das „Ausblasen mittel Druckluftentblätterung“ oder das „Trauben teilen“ zu einem späteren Zeitpunkt!
 
Der nächste Aufruf erfolgt, wenn nicht anders erforderlich, Vegetationsbezogen, innerhalb 1 Woche.
 
Tobias Burtsche
 
Weinbauberatung Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
 

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