Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2022 (KW 45)

Lauchminierfliege

Bei hohen Temperaturen läuft die Lebenszeit von Insekten schneller ab als unter kühlen Bedingungen. Vermutlich wegen dem sehr warmen Oktober ist der Flug der Lauchminierfliege bereits jetzt beendet. Maßnahmen sind für dieses Jahr keine mehr erforderlich.

Raupen

Raupen in Salat gibt es nur noch ganz vereinzelt. Behandlungen sind in aller Regel nicht mehr nötig. Kohl sollte dagegen nochmal auf Raupen des Kleinen Kohlweißlings kontrolliert werden. In der letzten Oktoberwoche gab es örtlich noch Eiablage. Bei einigermaßen ruhiger Witterung können noch Schäden an Kopfkohl oder Blumenkohl entstehen.

Blattläuse

Im Freiland gibt es jetzt keinen neuen Zuflug von Blattläusen mehr. In unbehandeltem Salat sind noch Ansiedlungen zu finden, aber hier handelt es sich um alten Befall, und die Tiere werden eher weniger als mehr. Viele von ihnen verpilzen infolge langer Taunässe und wiederholter Niederschläge.

Pilzkrankheiten

Leider blühen jetzt auch pilzliche Pflanzenkrankheiten auf. In unbehandeltem Salat im Freiland sind jetzt viele Infektionen mit Falschem Mehltau zu finden. Nicht alltäglich ist eine andere Pilzerkrankung des Salates, die Ringfleckenkrankheit Marssonina panattoniana (syn. Microdochium panattonianum). Sie verursacht bräunliche, meist runde Flecken auf den Blättern, die schließlich herausfallen. Blattunterseits entstehen an den Blattrippen längliche, bräunliche Vertiefungen. Diese Läsionen und die Löcher in den Blättern erinnern an Schneckenfraß, auch weil der Befall in der Regel an den untersten Blättern beginnt. Die Ringfleckenkrankheit tritt bei feuchter, nicht zu kühler Witterung auf. Bei Temperaturen unter 9 °C finden kaum Infektionen statt.

Eine Wirkung gegen die Ringfleckenkrankheit haben u. a. Dagonis, Ortiva oder Signum.

Der Erreger überdauert im Boden. Bei starkem Befall wird eine mindestens zweijährige Anbaupause empfohlen.

Bakteriosen

In einem Möhrenbestand am östlichen Kaiserstuhl wurde bei der Ernte eine Weichfäule an der Spitze der Rüben festgestellt: Das Gewebe zerfließt im fortgeschrittenen Stadium ohne Farbveränderung zu einem Brei und riecht säuerlich. Es handelt sich wahrscheinlich um das Werk des Bakteriums Erwinia (Pectobacterium) carotovora. Dieses kommt praktisch in allen Böden vor und kann durch Verletzungen in Pflanzengewebe eindringen, wo es zu Fäulen führen. An gesunden Pflanzen vergreift es sich bei Nässe und Sauerstoffmangel. Dafür hatte der ergiebige Regen Ende Oktober in Verbindung mit einer schlechten Bodenstruktur gesorgt. Profitiert haben die Fäulnisbakterien außerdem von den noch hohen Bodentemperaturen. Möhren mit sichtbarer Weichfäule sollten am besten gleich auf dem Feld aussortiert werden. Meist tritt der Befall nesterweise auf, so dass man befallene Teilflächen bei der Ernte am besten gleich auslässt. Zerlaufende Möhren können im Lager die benachbarten infizieren. Von gesund aussehenden Möhren sollte im Kühllager aber keine Gefahr ausgehen. Erwinia hat ein Temperaturoptimum von weit über 20 °C und verbreitet sich vorwiegend in Wasserfilmen und –tropfen. 

Direkte Maßnahmen gegen die bakterielle Fäule sind nicht möglich. Auf den betroffenen Flächen sollten im nächsten Jahr keine anfälligen Pflanzenarten wie Möhren, Sellerie, Chicorée oder Kartoffeln angebaut werden. Langfristig verringert eine Verbesserung der Bodenstruktur die Wahrscheinlichkeit von Schäden.

Zulassungen

Für das mikrobielle Pflanzenschutzmittel Serenade ASO (13,96 g/l Bacillus amyloliquefaciens) wurden zahlreiche Zulassungserweiterungen ausgesprochen. Die neuen Indikationen umfassen die Anwendung in Gieß- bzw. Spritzanwendung gegen verschiedene pilzliche und bakterielle Krankheitserreger im Gewächshaus in Fruchtgemüse, Kohlrabi, Radies, Salat-Arten, Spinat und verwandte Arten, Speise- und Winterheckenzwiebel und Sprossgemüse sowie im Freiland in Chicoreé, Fruchtgemüse, Blattkohle, Blumenkohle, Kohlrabi, Weißkohl, Salat-Arten, Spinat und verwandte Arten, Wurzel- und Knollengemüse

Alle Indikationen sind mit dem Hinweis versehen, dass das Mitteln „nur zur Befallsminderung und bei schwachem Befallsdruck“ angewendet werden kann. 

 

 

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