Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2022 (KW 37)

Möhrenfliege

Die Aktivität der Möhrenfliege ist an den Monitoring-Standorten auf niedrigem Niveau leicht angestiegen.

Lauchminierfliege

Bei der Lauchminierfliege gibt es keine Änderung. Beobachtungen beschränken sich noch immer auf Einzelfunde. Es ist noch Zeit, Insektenschutznetze aufzulegen, wo dies vorgesehen ist.

Raupen

Die Baumwollkapseleule scheint sich in diesem Jahr besonders wohl zu fühlen. Örtlich sind starke Schäden durch Raupen an Zuckermais zu beobachten. Die Tiere dringen an der Spitze der Kolben ein, indem sie sich von oben durch die Fäden oder seitlich durch die Lieschblätter bohren, und fressen an den Körnern. So ein Befall ist nicht mehr zu bekämpfen. Mit Behandlungen kann aber weiterer Schaden verhindert werden, denn der Flug der Falter hält an. Steward kann noch bis zum 19.09.2022 aufgebraucht werden. Auch Bohnen und Tomaten müssen auf Löcher in den Früchten kontrolliert und ggf. behandelt werde; in Salat ist die Baumwollkapseleule ebenfalls zu finden, örtlich mit über 10 % befallenen Pflanzen.

Erdflöhe

Seit Ende August ist das Gros der Kohlerdflöhe im Winterquartier. Kohl und Rucola konnten seitdem ungestört wachsen und sogar Aussaaten von Radies haben ohne besondere Maßnahmen überlebt. Jetzt droht allerdings Ungemach durch den Rapserdfloh. Dieser nahe Verwandte der Kohlerdflöhe ist im Winterhalbjahr aktiv und stärkt sich jetzt nach seiner Sommerruhe an den Blättern von Kreuzblütlern. Bei mildem Wetter kann der Lochfraß von September bis April anhalten, auch im Gewächshaus. Weiterer Schaden entsteht, weil die Rapserdflöhe in dieser Periode auch Eier in Blätter von Kreuzblütlern legen. Dort minieren die Larven und dringen dabei bis in den Stängel vor, bei Kohl- und Speiserüben auch in die Knolle. Fäulniserreger können in die Verletzungen eindringen. Bei Winterblumenkohl vermindert das die Frosthärte, bei Rucola erhöhen die Minen in den Blättern den Putzaufwand, ebenso bei Chinakohl, wo der Schaden dem durch Kohlfliege ähnelt. In diesen Kulturen sollte der Rapserdfloh bei stärkerem Auftreten bekämpft werden. Es wirken die gleichen Mittel, die gegen Kohlerdflöhe verwendet werden, z. B. SpinTor, Coragen, Minecto One. Pyrethroide sollten wegen möglicher Resistenzen nicht verwendet werden. Auch Erdflohnetze (0,8 mm) schützen.

Blattläuse

Viele Blattlausarten machen sich den Sommer über rar, weil Gegenspieler und Hitzestress eine Massenvermehrung verhindern. Das ist auch bei der Großen Johannisbeerblattlaus (Nasonovia ribisnigri) zu beobachten. Deren Sommerpause scheint jetzt aber zuende zu gehen. Die Zahl der Salatpflanzen mit Lausbefall ist immer noch gering, nimmt aber zu, bei trockener Witterung ist bald mit Ausbreitungsflügen zu rechnen. Die Bestände sollten, wo die Wartezeit es noch zulässt, mit Movento OD 150 oder Mospilan SG behandelt werden.
Es sind auch wieder vermehrt Gierschläuse an verschiedenen Doldenblütlern zu finden. Vor allem Petersilienbestände, die für die Überwinterung vorgesehen sind, sollten gegen Blattläuse behandelt werden. Das minimiert das Risiko, dass die Blattläuse Viren in den Beständen verbreiten, z. B. das CTRLV (Carrot Red Leaf Virus). Infektionen machen sich durch Rot- oder Gelbfärbung der Blätter, Verdrehungen und Verformungen der Blattspreite oder allgemeinen Minderwuchs bemerkbar. Oft zeigen sich diese Symptome erst im Frühjahr. Da das CtRLV erst nach längerem Saugen von der Blattlaus auf die Pflanze übertragen wird, eignen sich für diesen Zweck auch systemisch wirkende Insektizide wie z. B. Teppeki oder NeemAzal-T/S.

Spinat und Mangold sollten auf Befall mit der Schwarzen Bohnenlaus kontrolliert werden.

Wintergetreidemilbe

Viele Bio-Betriebe haben mit der Wintergetreidemilbe zu kämpfen. Schäden treten meist erst Ende Dezember auf. Die Tiere schlüpfen aber je nach Temperatur schon im September aus den Dauereiern. Nach dem Räumen der Sommerkulturen sollte deshalb dort, wo bekannte Befallsnester liegen, der Boden und die Unkräuter abgeflammt werden. Wenn man das in den Abend- oder frühen Morgenstunden macht, erwischt man einen Teil der darauf herumlaufenden Milben. Auch das 2- oder 3-malige flache Fräsen im Abstand von etwa 7 Tagen kann den Ausgangsbefall für die Winterkulturen reduzieren. In ganz hartnäckigen Fällen sollte die betroffene Fläche über Winter pflanzenfrei bleiben – entweder als Schwarzbrache mit wiederholtem Fräsen oder mit einer Mulchschicht.

Pilzkrankheiten

In einzelnen Paprikabeständen tritt derzeit eine Blattkrankheit auf, die als „falscher Falscher Mehltau“ bezeichnet werden könnte. Der Erreger Leveillula taurica (= Oidiopsis sicula) gehört zu den Echten Mehltaupilzen, ruft aber Symptome hervor, die für Falschen Mehltau typisch sind. An Paprika sind blattoberseits gelbliche Flecken zu sehen, in einem späten Stadium wird das Gewebe dort von der Mitte her braun-nekrotisch. Auf der Blattunterseite ist an diesen Stellen ein weißer Rasen erkennbar. Dieser Pilz wächst, obwohl er zu den Echten Mehltauen gehört, nicht auf der Blattoberfläche, sondern – wie ein Falscher Mehltau –  im Blattgewebe. Wie bei letzterem wachsen die Sporenträger durch die Spaltöffnungen an der Blattunterseite nach außen. Nur manchmal wird auch auf der Blattoberseite ein schwaches Pilzmyzel entwickelt. Trotz dieser Verwechslungsgefahr ist an Paprika die Diagnose einfach: An dieser Kultur tritt bei uns kein Falscher Mehltau auf. Die beschriebenen Symptome können also nur von Leveillula taurica stammen. 
Infektionen sind in einem weiten Klimabereich möglich, das Optimum liegt bei 15 – 25 °C und über 85 % Luftfeuchtigkeit. 
Die Bekämpfung erfolgt mit Fungiziden, die gegen Echten Mehltau wirken, am besten solche mit systemischer oder translaminarer Wirkung, z. B. Dagonis, Ortiva oder Topas. Auch Kumulus WG kann eingesetzt werden. Dieses wirkt als Kontaktmittel aber nur vorbeugend gegen keimende Sporen, da sich der Pilz überwiegend im Blatt entwickelt. Die Inkubationszeit kann drei Wochen betragen, deshalb können auch nach einer erfolgreichen Fungizidmaßnahme weitere Infektionen sichtbar werden. Die Paprikasorten sind offenbar unterschiedlich anfällig.
Leveillula taurica überdauert an Pflanzenresten und an Wirtspflanzen, zu denen Kulturpflanzen und Unkräuter aus verschiedenen Pflanzenfamilien gehören.

Regen, viel Tau und dabei noch relativ hohe Temperaturen sind ideal für viele weitere pilzliche Krankheiten. Der Fungizidschutz sollte in allen anfälligen Kulturen erhalten werden. Bei Maßnahmen in Gurke und Tomate im Gewächshau gegen Falschen Mehltau bzw. Braunfäule ist zu beachten, dass die Aufbrauchfrist für das Mittel Tanos (ehemals Equation Pro), am 16.09.2022 endet.

Zulassungen

Die Zulassung von Frutogard (342 g/l Kaliumphosphonat) wurde erweitert auf Moschus-, Riesen-, Garten-, Flaschenkürbis (alle zur Verwendung mit Schale, auch bei Arten und Sorten mit normalerweise ungenießbarer Schale bei vorzeitiger Ernte),Gurke, Zucchini, Patisson im Gewächshaus gegen Falsche Mehltaupilze, Echte Mehltaupilze, Fusarium-Arten mit 4 Anwendungen. Wartezeit = 3 Tage. 

Wakil XL (100 g/kg Cymoxani + 50 g/kg Fludioxonil + 170 g/kg Metalaxyl-M) hat eine Notfallzulassung nach Art. 53 erhalten zur Saatgutbehandlung von Erbse und Buschbohne gegen Pythium-Arten, Botrytis, Falscher Mehltau, Brennflecken (Ascochyta), Fusarium-Arten. Die Zulassung gilt vom 05.09.2022 bis 02.01.2023 zur Saatgutbehandlung bzw. vom 01.04.2023 bis 29.06.2023 zur Aussaat. Es gelten u. a. die Anwendungsbestimmungen NH6831 (Die Aussaat von behandeltem Saatgut darf nur dann mit einem pneumatischen Gerät, das mit Unterdruck arbeitet, erfolgen, wenn dieses in der Liste der abdriftmindernden Sägeräte des Julius Kühn-Instituts aufgeführt ist. http://www.jki.bund.de/geraete.htm)), NH677 (Verschüttetes Saatgut ist sofort zusammenzukehren und zu entfernen.) und NH679:  Das Mittel ist giftig für Vögel; deshalb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Dosiereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden.

 

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