Pflanzenschutzhinweis Gemüsebau Südbaden 2022 (KW 36)

Möhrenfliege

Der Flug der Möhrenfliegen bewegt sich noch immer auf sehr niedrigem Niveau. Es ist aber möglich, dass ihre Zahl bald zunimmt in Folge der Niederschläge der vergangenen Woche. Wo noch nicht geschehen, sollten in gefährdeten Lagen Maßnahmen durchgeführt werden. 

Lauchminierfliege

Erste, einzelne Exemplare der Lauchminierfliege sind zu Wochenbeginn in einem Schnittlauchbestand aufgetaucht. Auch bei diesem Schädling werden Regen und Abkühlung wahrscheinlich bald zu einer Zunahme der Aktivität führen. Wo eine Netzauflage geplant ist, sollte diese in den nächsten Tagen durchgeführt werden, zumindest in der Nähe von Befallsquellen. Das können alle Flächen sein, auf denen zwischen März und Juni Zwiebel- und Lauchgewächse gestanden hatten. Von diesen können die Lauchminierfliegen sogar über mehrere hundert Meter Distanz zuwandern. Mit Insektizidbehandlungen kann erfahrungsgemäß noch mindestens eine oder zwei Wochen gewartet werden.

Kohlfliege

Die Kohlfliege war den Sommer über fast in Vergessenheit geraten. Jetzt sollte man sich wieder an sie erinnern. Bei der angekündigten feuchteren Witterung können sich auch Eier, die in den Blattachseln von Kohlgemüse abgelegt werden, entwickeln. Die daraus schlüpfenden Maden fressen sich in die Blattrippen oder den Strunk, in der Folge siedeln sich oft Fäulniserreger an. Von Gängen durchzogene Rosenkohlröschen oder faulende Köpfe von Chinakohl und Wirsing, sind das unverkäufliche Ergebnis. Selten gibt es auch an Spitz-, Weiß- und Rotkohl Schäden.

Wirksame Insektizide sind z. B. Coragen (Kopfkohl, Blumenkohle), Minecto One (Kopfkohle, Blumenkohle), SpinTor (alle Kohlgemüse) oder Pyrethroide wie Karate Zeon (Chinakohl, Blumenkohle, Kopfkohle). Eine Abdeckung mit Netz (1,4 mm) hat den höchsten Wirkungsgrad; die Auflage muss rechtzeitig erfolgen.

Spinnmilben im Freiland

Aus vielen Gemüsebeständen im Freiland, in denen Spinnmilben in den vergangenen Wochen die Blattfläche nach Kräften mehr oder weniger zerstört haben, sind sie verschwunden. Auch in Maisbeständen mit deutlichen Schäden findet man zwar noch die Gespinste und Häutungsreste, aber kaum noch lebende Spinnmilben. Das Regenwetter kann daran nicht allein Schuld sein, denn der Rückgang der Schädlinge zeichnete sich im Mais schon in der vergangenen Woche ab. Nach einer Massenvermehrung der Spinnmilben haben dort offenbar ihre Gegenspieler wie Blumenwanzen, Räuberische Gallmücken und 
Kugelmarienkäfer (Stethorus punctillium) nachgezogen. Zumindest findet man diese 
oder ihre Häutungen, Puppenhüllen und Kokons in großer Zahl in den geräumten Spinnmilbennester. Aus dem Mais haben sie sich – wie zuvor ihre Beutetiere – in die umliegende Vegetation verteilt und dort, dank zahlenmäßiger Überlegenheit, den Spinnmilbenspuk in kurzer Zeit beendet.

Kulturwechsel

Wenn Tomaten, Gurken etc. geräumt werden, bleiben viele der darauf lebenden Schädlinge zurück. Im Boden oder an der Konstruktion versteckt, übersteht ein Teil von ihnen auch eine intensive Bodenbearbeitung. Deshalb sollten man sicherstellen, dass die Sommerkulturen beim Räumen frei von Schädlingen sind - oder die Folgekulturen in den ersten Tagen nach dem Pflanzen engmaschig auf Befall mit Blattläusen, Weiße Fliege oder Raupen kontrollieren. 

Wirkungsvoll ist auch ein Abflammen der Flächen sofort nach dem Räumen der Sommerkulturen, noch bevor sich die Schädlinge verstecken können. 

Wo das ganze Gewächshaus geräumt wird, lassen sich mit einer Pause von etwa einer Woche zwischen Räumen und Neupflanzung viele Schädlinge aushungern. Wird das Gewächshaus beetweise geräumt und neu bestellt, ist das nutzlos. In diesem Fall brauchen die Tiere nur ein paar Meter weiterlaufen oder –fliegen, um einen frisch gedeckten Tisch zu finden.

Wichtig ist beim Räumen auch, Unkräuter restlos zu entfernen. Diese dienen vor allem Blattläusen, aber auch Viren als grüne Brücke in die nächste Saison. 

Zulassungen

Notfallzulassung für Fonganil Gold (465,16 g/l Metalaxyl-M) gegen Falschen Mehltau in der Jungpflanzenanzucht von Frische Kräuter und Salat-Arten im Gewächshaus als Gießbehandlung mit 0,25 ml/m² in 2 Liter Wasser/m². Eine Wartezeit wurde nicht ausgewiesen. 

 

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