Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2022 (KW 34)

Erdraupen

Die Fangzahlen der Wintersaateule in den Pheromonfallen gehen deutlich zurück. Örtlich gibt es bereits größere Erdraupen im Boden. Auf die wird man meist erst aufmerksam, wenn in frisch gepflanzten Beständen von Salat, Endivie, Chinakohl u. a. die ersten Pflanzen schlappen, weil der Stängel angefressen wurde. Wo die Krähen gelernt haben, dass unter welkendem Salat Raupen sitzen, kann man Erdraupenbefall schon im Vorbeifahren an den herumliegenden Presstöpfen erkennen. Besser ist, man kommt den Vögeln zuvor und kontrolliert bei Salat, Endivie, Chinakohl etc. in den ersten Tagen nach dem Setzen täglich auf welke Pflanzen mit angebissenem Stängel. Werden solche gefunden, kann eine Behandlung am späten Abend mit einem Kontaktmittel (z. B. Lamdex Forte, Mavrik Vita, SpinTor, Steward, Spruzit Neu) weiteren Raupenfraß und Folgeschäden durch Krähen verhindern. Viel Wasser bringt den Wirkstoff an den Wurzelhals und verbessern so die Wirkung. In Lagen, in denen es bereits Schäden gab, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Nachzügler der Wintersaateule in den nächsten Tagen noch Eier legen. Deshalb sollte dort in etwa 10 Tagen eine weitere Behandlung erfolgen. Die aus den neu abgelegten Eiern geschlüpften Raupen sind dann noch klein und fressen an den Blättern. Neben den genannten Mitteln kann deshalb auch die Fraßwirkung von XenTari, Dipel DF oder Lepinox Plus genutzt werden. Raupen der Gammaeule, deren Aktivität zugenommen hat, werden dabei miterfasst. 

Blattläuse

In den Gewächshäusern zeigt sich die Gurkenlaus wieder. Wo Nützlinge eingesetzt wurden, sind in den Befallsherden aber auch schon Räuberische Gallmücken und Schlupfwespen zur Stelle.

In vielen Kohlbeständen sind neue, kleine Ansiedlungen der Mehligen Kohlblattlaus zu finden. Die Entwicklung muss beobachtet werden. Nicht überall gibt es genug Schlupfwespen und Schwebfliegenlarven, um dauerhaft die Besiedlung der Herzblätter zu verhindern. Behandlungen gegen die Kohlmottenschildlaus erfassen auch die Mehlige Kohlblattlaus.

Für Salat ist das Riskio für Blattlausbefall gering.

Spinnmilben im Freiland

Spinnmilben hatte im Mais mit Wärme und Trockenheit beste Vermehrungsbedingungen. Seit einiger Zeit trocknen ihnen aber die Blätter unter den Füßen weg und sie wandern auf gut Glück in die Umgebung ab. In der Nachbarschaft von vertrocknendem Mais findet man sie deshalb auf allen möglichen Gemüsearten. An Lauch oder Kohlarten dürfte es kaum zu wirtschaftlichen Schäden kommen. Bei Spinat und Salat stellen ihre Saugstellen Qualitätsmängel dar, ähnlich Thripsschäden. In Bohnen, Kürbis, frischen Kräutern und Sellerie ist ihr Schadpotenzial groß.

Überall spielte ihnen die trocken-heiße Witterung in die Karten. Leider sind im Freiland kaum Akarizide zugelassen. Behelfen kann man sich mit Kantaro (B2!), Micula oder Neudosan Neu. Diese dürfen in sehr vielen Kulturen eingesetzt werden (Kantaro in allen) und haben bei guter Benetzung auch der Blattunterseite eine brauchbare Wirkung gegen Spinnmilben. Mehreren Anwendungen im Abstand von wenigen Tagen sind zu empfehlen. Auch Kiron (zugelassen in Kürbis, Zucchini, Patisson, Gurke) und Floramite 240 SC (Tomate, Paprika, Aubergine, Zucchini, Gurke; Aufbrauchfrist 31.12.2023) haben eine reine Kontaktwirkung. Eine Wirkung gegen Spinnmilben ist auch beim Einsatz von Schwefel (Kumulus WG, Thiovit Jet) zu erwarten.

Zikaden

Nicht alle ungewöhnlichen gelblichen Sprenkel auf Blättern stammen von Spinnmilben. Derzeit sind auch viele Zwergzikaden zu finden und zwar nicht nur an den üblichen Pflanzenarten wie Sellerie, Möhren oder Frischen Kräutern, sondern auch an Salat. Eine Wirkung gegen Zikaden haben u. a. Steward (Aufbrauchfrist 19.09.2022), Minecto One, Verimark oder NeemAzal-T/S.

Pilzkrankheiten

Auch ohne Regen gibt es in den nächsten Tagen gute Infektionsbedingungen für verschiedene Pilzkrankheiten, dank kühler Nächte und intensiver Taubildung. Salat, Spinat, Kohlrabi und Blumenkohl sollten gegen Falschen Mehltau geschützt werden. In Petersilie und Sellerie sind Behandlungen gegen Septoria zu empfehlen. Wenn bereits Befall vorhanden ist, sollten dazu Score (nur Petersilie) oder Askon eingesetzt werden.

Auch in Spargel sollte der Fungizidschutz erneuert werden, auch wenn es bisher noch kaum Befall mit Stemphylium und Rost gibt. Im Bioanbau wird die Mischung von 2 l/ha Cuprozin progress und 3,2 kg/ha Kumulus WG empfohlen. Der Einsatz von Kupfer macht auch im konventionellen Bereich bei den letzten Spritzungen der Saison Sinn, als Maßnahme gegen Resistenzbildung.

Um Tau und Guttation an Tomaten zu verringern, sollten diese nur noch bis zum frühen Nachmittag bewässert werden, auch bei Tropfbewässerung.

Köpfen

Im Spätsommer dauert bei Tomaten die Entwicklung von der Blüte bis zur erntereifen Frucht ca. 8-10 Wochen. Bei hoher Einstrahlung, wie sie bei uns zu erwarten ist, geht’s eher schneller. Daran orientiert sich der Termin für das Köpfen: Entweder wird acht Wochen vor dem Kulturende auf den obersten Blütenstand mit offenen Blüten gestutzt oder sechs Wochen vor Kulturende auf den obersten Blütenstand mit Fruchtansätzen. Bei Räumtermin Mitte Oktober sollte also jetzt auf den Tross mit gerade aufblühenden Blüten gestutzt werden. Dabei werden ein oder zwei Blätter über dem Blütenstand stehen gelassen. So können sich Geiztriebe ausbilden, welche die Versorgung der letzten Früchte sicherstellen und den Wasserhaushalt regulieren helfen. Trotzdem müssen die Wassergaben - am besten schon einen Tag vor dem Köpfen - um ca. 10 bis 20 % reduziert werden, um Platzer zu verhindern. Geiztriebe, welche aus den Achseln der belassenen Blätter wachsen, können nach ca. 4 Wochen entfernt werden.

Zwei- oder dreitriebig aufgeleitete blockige Paprika können 10-12 Wochen vor Kulturende geköpft werden. Auch hier müssen die Wassergaben um 10 bis 20 % reduziert werden. Bei Spitzpaprika und kleinfrüchtigen Sorten ist Köpfen nicht nötig. Bei buschig wachsenden Kulturen kann das Stutzen sogar nachteilig sein, weil dadurch einen Neuaustrieb angeregt wird, der auf Kosten des Fruchtreife geht.

Auch bei ein- oder mehrtriebig erzogenen Auberginen bewirkt das Köpfen der Haupttriebe ein gleichmäßiges Reifen der letzten Früchte. Der empfohlene Zeitpunkt dafür ist etwa 4 -5 Wochen vor dem Räumen.

Zulassungen

Die EU-Genehmigung für den Wirkstoff Isopyrazam wurde widerrufen. In der Folge werden in Deutschland die Zulassungen entsprechender Mittel zum 08.09.2022 widerrufen. Nach diesem Termin sind eventuelle Reste beseitigungspflichtig. Betroffen ist im Gemüsebau das Mittel Reflect mit den Indikationen im Freiland in Möhre gegen Echte Mehltau und Möhrenschwärze und im Gewächshaus in Aubergine, Gurke, Tomate, Melone, Wassermelone Zucchini gegen Echte Mehltaupilze.

Gebinde des Fungizides Nimrod EC mit der Chargennummer 411112657 dürfen nicht mehr angewendet werden. Diese Charge ist mit den insektiziden Wirkstoffen Methomyl und Novaluron verunreinigt, die u. U. zu Rückstandsüberschreitungen führen können. Adama ruft die Charge zurück und erstattet den Kaufpreis (Email: nimrod.de@adama.com, Telefon: 0151 14 51 82 33; https://www.adama.com/deutschland/de/produktrueckruf-nimrod) 

Frutogard wurde zugelassen in Frische Kräuter und Spinat im Gewächshaus und in Grünkohl, Chinakohl und Blumenkohle im Freiland (Wartezeit 7 Tage) sowie in Knoblauch und Schalotten im Freiland (Wartezeit 14 Tage) gegen Falsche Mehltaupilze mit 4 x 40 ml/Ar und Wartezeit von 14 Tagen für Knoblauch und Schalotten bzw. 7 Tagen. 

Velifer (80 g/l Beauveria bassiana) wurde zugelassen im Gewächshaus gegen Thrips und Weiße Fliege in Garten-Kürbis, Patisson, Melone, Wassermelone (alle mit ungenießbarer Schale) sowie in Gurke, Zucchini, Tomate, Aubergine, Physalis, Gemüsepaprika und Cayennepfeffer mit 73 x 12,5 ml/Ar ohne Wartezeit.

Verimark (200 g/l Cyantraniliprole) hat eine Notfallzulassung erhalten vom 12.08. bis 08.09.2022 gegen Thripse in Auberginen, Gurken, Paprika, Tomaten mit 2 x 5 ml zur Anwendung im Tropfverfahren. Es gilt NZ113: Anwendung nur in Gewächshäusern auf vollständig versiegelten Flächen, die einen Eintrag des Mittels in den Boden ausschließen.

 

 

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