Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 20

Allgemeine Situation und Reifestand:

Anhaltend hochsommerliche Temperaturen und insbesondere der heftige trockene Wind, bis weit in die Nacht hinein, haben die Trockenstresssituation extrem verschlimmert. Während die Natur allgemein immer brauner und verdorrter aussieht, setzen die Reben als tiefwurzelnde Pflanzen zumeist noch grüne Akzente. Es ist weiterhin erstaunlich wo die Ertragsanlagen (> 8-10 Jahre) das Wasser herholen. Die trockene Hitze hat aber in den vergangenen Tagen noch einmal zu Sonnenbrand geführt, insbesondere bei Weißburgunder und Müller-Thurgau, und bei den jüngeren Anlagen die Trockenschäden noch mal verschlimmert. Wo nicht Bewässert werden kann hilft hier nur das komplette Abschneiden der Trauben.   

Erstaunlich ist, dass der Gutedel, eigentlich als wasserhungrige Sorte bekannt, mit der Situation fast noch am besten zurechtkommt. Hier zeigen die Trauben zumeist eine sehr erfreuliche und auch einheitliche Reifeentwicklung. Bei den anderen Sorten ist die Reifeentwicklung, je nach Standort und Alter, eher gebremst. Gerade bei den Burgundersorten findet man noch viele grüne/harte Beeren. Der Reifestand ist innerhalb einer Anlage von Stock zu Stock und auch am Stock selbst sehr, sehr ungleich.

Nach ersten vereinzelten Mostgewichtsmessungen in der vergangenen Woche konnte ich am 9./10. August bei den wichtigen Sorten Messungen durchführen. Säurewerte kann ich leider keine liefern.          

Müller – Thurgau    
54 - 61°Oe
Gutedel
recht einheitliche Reife; 57° bis 60°Oe,
Spätburgunder

große Bandbreitespäte 

Lage bei hohem Ertrag, Anfang 50 °Oe
das Gros liegt bei 56 bis 61°Oe

Selektionsanlage 63°Oe

Weißburgunder

52  bis 59°Oe

 Selektionsanlagen 72°Oe

Ruländer

große Bandbreite; zumeist 52 bis 61°Oe 

Selektionsanlagen 69°Oe

Regent
72°Oe
Sauvignon blanc
72°Oe

Damit liegen wir ähnlich wie 2020, bei deutlichen Zunahmen gegenüber der Vorwoche. Die Beerengewichte liegen höher, teilweise sogar deutlich höher als 2020, wobei die Gewichtszunahme gegenüber der Vorwoche bei ca. 10% liegt.  

Wie unterschiedlich die Reife selbst innerhalb der Traube sein kann zeigt meine Messung bei einer sehr uneinheitlich gefärbten Spätburgundertraube. Während ich bei den durchgefärbten Beeren 54°Oe gemessen habe, wiesen die noch grünen und weitgehend harten Beeren nur 36°Oe auf. Ich bin erstaunt über die gute Reife des Gutedels. Die Beeren schmecken schon richtig gut. Vielleicht sollte man in diesem Jahr ausnahmsweise Teilmengen vom Gutedel vor den anderen Sorten lesen, so als „Frischepolster“. 

Die Meteorologen melden, dass sich das stabile Hoch nach Osten verabschiedet und dass ein Tiefdruckgebiet in der kommenden Woche feuchte und schwüle Luft nach Deutschland bringt. Insbesondere für Donnerstag (18.08.) stehen die Chancen auf Regen gut. Wenn das so eintritt brächte dies einen merklichen Reifeschub. Trotzdem wird sich der Allgemeine Lesebeginn auf Anfang September (ab 5. September) schieben. Die Lese für „Neuen Süßen“ und die Sektgrundweinlese kann für Ende August eingeplant werden. Bei Anlagen, welche für die Sektgrundweinlese vorgesehen sind, sollte der Reifeverlauf genau kontrolliert werden.    

Aufgrund der derzeit hohen Temperaturen ist in diesem Jahr erneut ein niedriger Säuregehalt vorprogrammiert, möglicherweise noch niedriger als 2020. Jedenfalls wird Säuerung ein großes Thema sein und es ist erfreulich, dass sie nun auch in den Weinbauzonen A und B ohne Ausnahmegenehmigung zugelassen ist. Infos dazu finden Sie in einem Artikel von Ramón Heidinger im Augustheft des Badischen Winzers.

 

Umstrukturierung:

In der Rebsortenliste für die Umstrukturierungsanträge hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Es betrifft die letzte Spalte der Rotweinsorten ab der Sorte Rotberger. Bitte verwenden Sie für das korrekte Ausfüllen des Flurstücksverzeichnisses ab sofort zwingend die neue Rebsortenliste mit Stand 10.08.2022. 

  

 Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 18. August. 



 

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