Weinbauinfo Bodensee Nr. 18

Allgemeiner Entwicklungsstand

„Mich dürstet!“ – so spricht das Land in diesen Tagen und eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Monat Julis sind die Niederschläge flächendeckend fast ausgefallen, in der Wasserbilanz fehlen um die 120 bis 160 mm. Die Störung auf das Wochenende soll vor allem in östlichen Teilen der Republik etwas Wasser bringen, der Südwesten bleibt mit grosser Wahrscheinlichkeit ohne Niederschläge. Die hohen Temperaturen gehen ebenfalls nur kurz zurück, um sich kommende Woche wieder unter Hochdruckeinfluss auf über 30°C einzupendeln. Damit verschärft sich die Trockenheit weiter. Immer brauner wird die Landschaft von der Ebene bis auf die Höhen des Schwarzwaldes, Hitzeschäden an der Vegetation sind unübersehbar. In etlichen Lagen in Südbaden wird die Ernte sichtlich kleiner, teils, weil Trauben entfernt werden müssen, teils, weil die Entwicklung steht und die Ausbildung der Trauben leidet. Der anhaltende Wassermangel verlangsamt auch die Reife. Der Farbumschlag verläuft zögerlicher. Somit wird immer weniger abschätzbar, wo der Jahrgang 2022 landet, nur früh in der Entwicklung, das bleibt. Waren die Aussichten Mitte Juli noch sehr positiv, gelten heute schon Einschränkungen. In den jüngeren Anlagen wird oft mit hohem Aufwand bewässert. Im Rahmen bleiben bisher die Sonnenbrandschäden, die verbreitete frühe Entblätterung sorgte für eine bessere Abhärtung der Beeren. Es liegt aber auch am Wetter, die gefährlichen Wechsel von kühl – feucht auf extrem heiss – trocken fehlen. Ob im letzten Drittel des Monates sich mehr Feuchtigkeit einstellt, bleibt abzuwarten. Bisher halten sich die älteren Anlagen auf vielen Standorten in Südbaden erstaunlich gut. Erste Messungen zeigen keine Unterschiede im Beerengewicht zu 2020 oder 2018, aber es gibt Lagen, in denen auf einmal selbst Entwicklungen in Richtung 2003 im Rahmen des Möglichen sind.

 

Zu den tierischen Schädlingen und sonstigen Schadbildern

Immer Anfang August richtet sich der Blick auf die KEF und was uns erwarten könnte. Im Kirschenanbau war es im Spätbereich sehr kritisch mit teilweise hohen Ausfällen. Dennoch gibt dies keine Auskunft darüber, was im Weinbau sich entwickeln könnte. Dies hängt entscheidend am Wetterverlauf. Die Kulturmassnahmen zur Vorbeugung bei der KEF sind allgemein bekannt, bei der Begrünung englischer Sportrasen nicht notwendig. Denken Sie an die maschinelle Lese, eine fahrsichere Begrünung ist vorteilhafter. Die Bonituren auf Eiablage sind in Vorbereitung. Das Weibauinstitut nimmt ab Monatsmitte die Proben allgemein auf, wie gewohnt, werden die Ergebnisse in VitiMeteo unter http://monitoring.vitimeteo.de eingestellt. Für eventuelle Behandlungen stehen dem Weinbau verschiedene Lösungen zur Auswahl, siehe die Tabelle mit den aktuellen Zulassungen. Der lediglich vorbeugende Einsatz von Surround macht eine vollständig entblätterte Traubenzone und die Befahrung jeder Gasse notwendig, damit ein optimaler Belag erreicht werden kann. Surround wirkt nur als Repellent. Da das Produkt die Reben in der Traubenzone „weiss macht“, ist es Erklärungsbedürftig. Aufklärung ist nötig, damit nichtwissende Mitbürger keine falschen Schlüsse ziehen. Zu den sonstigen Schadbildern wie Zikaden oder Schwarzholz gibt es keine besonderen Auffälligkeiten, auch hier haben wir bisher einen sehr guten Gesundheitszustand. Das altbekannte Problem bei der ESCA zeigt sich verhaltener wie in den Vorjahren. Bei stärkerem Auftreten von Wespen ist Kontakt mit der Beratung aufzunehmen. 

 

Zu den Pilzkrankheiten

Im westlichen Beratungsgebiet ist der Pflanzenschutz abgeschlossen. Im Bodenseeraum kann bis Ende dieser Woche die abschliessende Behandlung durchgeführt werden.  Achten Sie bei der Abschlussbehandlung auf gute Spritzqualität, das Befahren jeder Gasse wird empfohlen. Für den Abschluss ein Kupfermittel wie z.B. Funguran Progress oder Cuprozin Progress mit 2,0 kg, bzw. 1,6 l / ha Mittelaufwand, Airone SC mit 2,6 l / ha oder Coprantol Duo mit 2,5 l / ha Mittelaufwand. Gegen Oidium ein Oidiummittel zum Schluss wie z.B.  Topas mit 0,32 l / ha, Sarumo mit 0,75 l / ha oder Systhane 20 EW mit 0,24 l / ha Mittelaufwand, letzteres noch erwähnt, um bestehende Mengen noch aufzubrauchen. Alternativ wäre der Einsatz von Bikarbonaten wie Kumar mit 5 kg / ha oder Vitisan mit 8 kg / ha und einem Netzmittel wie Wetcit Neo oder Zentero SP denkbar. Die Bikarbonate sollten mit nicht zu geringem Brühaufwand (mindestens 100 l für 1 kg Produkt), nicht bei zu hoher Strahlung, Temperatur (über 30°C), oder bei gestressten Anlagen eingesetzt werden, um Blattbelastungen zu vermeiden.

Durch die anhaltend trockene Wetterlage besteht kein zwingender Grund für einen zweiten Einsatz von Botrytismitteln.

In Vermehrungsanlagen der PIWI – Sorten – und nur in solchen Anlagen – ist eine Behandlung zum Abschluss für die Sicherung der Holzgesundheit zu empfehlen.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel und die Zulassungen für Tafeltrauben. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

 

Weinbauliche Hinweise 

Mit beginnender Reife startet die KEF – Zeit, die Anlagen müssen abschliessend geordnet werden. Besonders hoher Unterstockbewuchs ist zurückzunehmen. Noch ausstehende Herbizidbehandlungen sind ebenfalls in Rahmen der Wartezeiten abzuschliessen. Sofern noch Entblätterungsarbeiten umgesetzt werden, sollten die kühleren Tage genutzt werden, um das Sonnenbrandrisiko zu vermeiden. Schonen Sie die Laubwand und damit auch das Verkochen der Aromen in den Trauben. Besonders händische Nacharbeiten zu den Maschinenarbeiten fallen oft zu intensiv aus. Gegen die ESCA gelten die altbekannten Regeln: die Stöcke markieren und später entfernen oder den Stamm im Frühjahr im unteren Drittel absägen.

 

 

Sonstige Hinweise

Die neuen Anträge zur Umstellung und Umstrukturierung sind endlich eingetroffen und dem Info beigelegt. Für eine zügige Abwicklung von der Verwaltungsgruppe des Amtes Breisach folgende Info:

Es besteht weiterhin die Möglichkeit den Antrag vorab telefonisch durchzusprechen und diesen im Anschluss per Post oder Briefkasteneinwurf, Europaplatz 3 in 79206 Breisach einzureichen. Eine persönliche Antragsentgegennahme für den Vorantrag Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen 2023, ist nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich. Diese sind ausschließlich im Zeitraum 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr möglich. Montag bis Donnerstagnachmittags bieten wir zusätzlich eine telefonische Beratung an. Aufgrund der Ausschlussfrist 31.08.2022, die in der Urlaubszeit aller am Verfahren beteiligten Personen liegt, bitten wir um frühzeitige Vorlage des Vorantrages.

Beigelegt ist ebenfalls eine pdF zum Japankäferfund in Freiburg und die daraus entstehenden Überwachungsmassnahmen. Besonders am Hochrhein und Bodensee mit seinem vielen Grenzverkehr wird um Aufmerksamkeit im ganzen natürlichen Umfeld gebeten.

 

Weinbauberater Zuberer ist ab dem 15.08.2022 zwei Wochen im Urlaub. 

Vertretung machen: Weinbauberater Hans – Jörg Stücklin, Mobil erreichbar unter 01622550679, 

                                 oder Weinbauberater Steffen Renz, Mobil erreichbar unter 01757243465.

Weinbauinfos erfolgen nur bei Bedarf. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

 

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