Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 19

Allgemeine Situation:

Die Juliniederschläge waren extrem niedrig (8 – 15 mm Freiburg bis Bellingen; 25 – 35 mm südliches Mgl. und die potentielle Verdunstung durch den trockenen Wind sehr hoch (170 mm = 30% über dem Ø).  Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen, Wiesen, Sträuchern und Bäumen sehen die Laubwände unserer Rebanlagen aber trotzdem noch hervorragend aus. Kritisch ist es aber bereits für die jungen, zwei bis fünfjährigen Rebanlagen, wobei die Hochstammreben mehr Probleme haben als die Normalreben. Diese jüngeren Anlagen zeigen nun doch deutliche Wasserstresssymptome (hängende Ranken, Wachstumsstillstand, einschrumpelnde Beeren), besonders auf den flachgründigenen Böden. Die derzeitige extreme Hitze wird ab morgen durch eine Kaltfront, welche lokale Schauer und Gewitter bringen soll, für ein paar Tage unterbrochen. Aber bereits zum Wochenanfang lässt ein massives und stabiles Azorenhoch die Temperaturen wieder ansteigen und den sehnlichst erwarteten Regen in „weite“ Ferne rücken. Dementsprechend wird sich der Trockenstress noch mal sicherlich verschlimmern. Das große Problem ist, dass unsere eigentlich tiefwurzelnden Reben im Unterboden auch kaum noch Wasser finden. 

Während die Reifeentwicklung beim Gutedel erfreulich, beim Müller-Thurgau einigermaßen normal weiterläuft, ist diese bei den Burgundersorten derzeit deutlich gebremst. Hier fehlt scheinbar doch das nötige Wasser für den Assimilattransport. Bei Gutedel und Müller-Thurgau habe ich heute bei ersten Mostgewichtsmessungen Werte ähnlich 2020 und 2018 gemessen. Da für die kommenden zwei Wochen kein/kaum Regen zu erwarten ist wird sich die Reifeentwicklung bei den Burgundersorten und auch bei den anderen Sorten weiterhin eher gebremst vorankommen. Die nächsten zwei/drei Wochen wird für die Natur nicht einfach werden. Ich darf erinnern, 2020, 2018 und auch 2003 hatten wir im August immerhin mehr oder weniger Regen.

 

Rebschutz:

Die Rebanlagen im Markgräflerland zeigen zumeist einen hervorragenden Gesundheitsstand. Auch Oidiumbefall, konnte weitgehend verhindert werden. Der für die recht trockene Witterung doch aufwändige Rebschutz hat sich gelohnt.  

Anlagen, wo mehrfach Backpulverpäparate eingesetzt wurden zeigen an den Blättern und an den Trauben einen dumpfen Glanz. Wer jetzt noch in einer Anlage Oidium feststellt, sollte sich mit dem Weinbauberater in Verbindung setzen.

Traubenwickler: Der Mottenflug des Bekreuzten Traubenwicklers war in diesem Jahr, außerhalb der Pheromongebiete, außergewöhnlich hoch. Auf Gemarkungen ohne Pheromonabhängung, habe ich heute, dort wo keine chemische Bekämpfung stattgefunden hat, sehr starken Sauerwurmbefall festgestellt. Die Pheromongebiete sind sauber. 

Kirschessigfliege:  Die derzeit trocken-heiße Witterung fördert die Abhärtung der Beerenhaut und erschwert damit die Eiablage deutlich. Ich darf in Erinnerung rufen, der Juli im schlimmen KEF-Jahr 2014 war mit 150 bis über 200mm extrem nass und sonnenarm, die Beerenhaut dementsprechend dünn und weich. Viele Brombeeren und Holunderbeeren sind durch die Hitze stark eingetrocknet, Eiablage findet man nur vereinzelt. Auch die Trauben der frühreifen Tafeltraubensorte Osella sind derzeit absolut befallsfrei. Auf Grund der trockenen Hitze sieht man KEF derzeit nur wenig. Das Gefährdungspotential sehe ich dieses Jahr als gering an. Wenn es jedoch durch heftige Niederschläge Ende August zum Aufplatzen der Beeren kommt, könnte es noch mal kritisch werden. 

Die entscheidenden Hinweise über die Gefährdung der Trauben geben die eigenen Beobachtungen hinsichtlich Auftreten von KEF in der Traubenzone und die Eibonituren. Im Markgräflerland wollen wir mit der flächendeckenden Probenahme am 15. August bei den frühen Sorten und am 23. August bei den späteren Sorten starten. Herzlichen Dank an dieser Stelle den fleißigen Probenehmern quer durch das Markgräflerland, dem Kurierdienst (Markgräfler Winzer eG) und natürlich den Boniturhelfern im Weinbauinstitut. Die Zahlen der Fallenfänge und die Ergebnisse der Eibonituren können Sie dann im Internet unter http://monitoring.vitimeteo.de/ abrufen. 

Die vorbeugenden weinbaulichen Maßnahmen gegen die KEF sind inzwischen gut bekannt. Wer sie nicht beachtet ist selbst schuld. Luft und Licht in der Traubenzone sind zwar wichtig, ein vollständiges und radikales Entblättern der Traubenzone ist, in so einem heißen und frühen Jahr, fachlich falsch, da durch die starke Einstrahlung und hohen Traubentemperaturen Frucht reduziert, Säure abgebaut und Phenole erhöht werden. Alle drei Faktoren sind, besonders bei Weißweinsorten, Qualitätskiller.   

 

 

 

Weinbauliche Hinweise:    

Für die Traubenproduktion benötigt die Rebe sehr viel Wasser, viel mehr als für das Blatt-, bzw. Triebwachstum. Deshalb ist das sofortige Reduzieren, oder gar vollständige Entfernen von Trauben bei erkennbar trockengestressten zwei bis fünfjährigen Anlagen eine sehr gute und effektive wasserschonende Maßnahme. Effektiver als Wasser fahren. Wo es bei jüngeren Anlagen noch geht, ist das Brechen der Kapillare, durch eine flache Bodenbearbeitung ebenfalls sehr wirkungsvoll.

  

Umstrukturierung/Anpflanzung 2023:

Die Anträge für die Beantragung zur Förderung der Umstrukturierung sind eingetroffen.:. Ich habe sie an die Mail angehängt (Antrag = 7 Seiten; Hinweise und Erläuterungen = 16 Seiten). Auf Grund von EU-Vorgaben müssen Rebflächen, die über die Umstrukturierung im Frühjahr 2023 angelegt und gefördert werden sollen bis spätestens 31.08.2022 beantragt werden.  

Für eine zügige Abwicklung von der Verwaltungsgruppe des Amtes Breisach folgende Info:

Es besteht im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald auch weiterhin die Möglichkeit den Antrag vorab telefonisch durchzusprechen und diesen im Anschluss per Post oder Briefkasteneinwurf, Europaplatz 3 in 79206 Breisach einzureichen. 

Eine persönliche Antragsentgegennahme für den Vorantrag Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen 2023, ist nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich. Diese sind ausschließlich im Zeitraum 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr möglich. Montag bis Donnerstagnachmittags bieten wir zusätzlich eine telefonische Beratung an. 

Aufgrund der Ausschlussfrist 31.08.2022, die in der Urlaubszeit aller am Verfahren beteiligten Personen liegt, bitten wir um frühzeitige Vorlage des Vorantrages.

 

Terminhinweis: Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause findet in diesem Jahr (vom 5. bis 8. August) endlich wieder das Markgräfler Weinfest in Staufen statt. Auf geht’s. 

 

 Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 18. August. 

 

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