Weinbauinfo Bodensee Nr. 17

Allgemeiner Entwicklungsstand

In einem in vielerlei Hinsicht zweigeteilten Beratungsgebiet geht die Pflanzenschutzsaison gegen die Pilzkrankheiten zu Ende. Am Tuniberg stehen die Reben ungemein gesund und die Saison hat viel Ähnlichkeit mit 2020, die Zahl der Anwendungen liegt noch im einstelligen Bereich. Nicht wenige Winzer sagen: “Das hatten wir noch nie, kein Flecken, wohin man geht“. Reichlich Peronospora - Kontrast zu 2021. Ebenso Top gesund ist die Lage im Oidiumbereich. Der Bodenseeraum hat eine wesentlich intensivere Saison zu verzeichnen, die häufigeren Niederschläge forderten ihren Preis. Standardbild ist leichter Gipfellaubbefall der Peronospora, es gibt aber auch Einzelfälle mit deutlichem Befall, selbst noch in Trauben. Das erinnert auch an 2021, das heutige Angebot an Wärme bei Feuchte engen den Spielraum enorm ein. Überall ist ein schöner Behang zu finden, hoffen wir auf einen guten Verlauf in der Zeit, in der die Arbeit des Winzers getan ist. Kompakte Sorten im Burgunderbereich ohne Lockerungen werden enorm satt, abdrücken von Beeren oder ganzen Gerüstteilen ist dort verbreitet zu finden. Durch die Hitze sind erste leichtere Sonnenbrandschäden aufgetreten. Der Monat Juli zeichnet sich grossflächig durch anhaltend hohe Verdunstung mit geringem Niederschlagsangebot aus, nur sehr lokal fielen in den letzten Tagen in Südbaden erfrischende Mengen. An dieser Lage wird sich nach der Vorhersage vorerst wenig ändern, was bedeuted, dass in den Gebieten mit wenig Regen und den klassischen Trockenstandorten sich die Wasserversorgung immer weiter verschlechtert und die Entwicklung abbremst. Besonders jüngere Anlagen leiden dort stark. Inzwischen beginnt am Tuniberg Müller – Thurgau deutlich zu weichen, allererste färbende Beeren beim Spätburgunder sind zu finden. Das ist derselbe Stand wie 2018 oder 2020. Innerhalb kurzer Zeit ist ein rasch zunehmender ESCA – Befall zu verzeichnen. 

 

Zu den tierischen Schädlingen

Der Traubenwicklerflug der zweiten Generation ausserhalb der Pheromongebiete läuft langsam aus. In den Pheromongebieten kann die generelle Kontrolle eingestellt werden. In frühen Jahren gibt es immer eine dritte Generation, eine längere Kontrolle von einzelnen Fallen zur Sicherheit ist dafür von Vorteil.

 

Zu den Pilzkrankheiten

Im westlichen Beratungsgebiet wird auf das Wochenende der Pflanzenschutz in kerngesunden Beständen abgeschlossen, sofern noch nicht geschehen. Durch die Wettervorhersage sind weiter stabile Verhältnisse zu erwarten.  Zum Einsatz kommen im Oberrheingebiet: gegen Peronospora durch den mehr als guten Gesundheitszustand ein Kupfermittel wie z.B. Funguran Progress oder Cuprozin Progress in der halben Aufwandmenge mit 1,0 kg, bzw. 0,8 l / ha Mittelaufwand, aber auch Airone SC oder Coprantol Duo mit jeweils 1,3 l / ha. Die Steilvorlage der Natur kann beruhigt in dieser Form genutzt werden. Gegen Oidium ein Oidiummittel zum Schluss wie z.B.  Topas mit 0,32 l / ha, Sarumo mit 0,75 l / ha oder Systhane 20 EW mit 0,24 l / ha Mittelaufwand, letzteres noch erwähnt, um bestehende Mengen noch aufzubrauchen. Alternativ wäre der Einsatz von Bikarbonaten wie Kumar mit 5 kg / ha oder Vitisan mit 8 kg / ha und einem Netzmittel wie Wetcit Neo oder Zentero SP denkbar. Die Bikarbonate sollten mit nicht zu geringem Brühaufwand (mindestens 100 l für 1 kg Produkt), nicht bei zu hoher Strahlung, Temperatur (über 30°C), oder bei gestressten Anlagen eingesetzt werden, um Blattbelastungen zu vermeiden In den Top gesunden Anlagen ist die Behandlung der halben Laubwand (die unteren zwei Düsen sind geschlossen) eine Möglichkeit zur Pflanzenschutzmittelreduktion, die langjährig geprüft ist und daher empfohlen werden kann. 

Abgesehen von Einzelfällen stärkerer Peronospora im integrierten wie ökologischen Weinbau ist die Lage im Bodenseeraum sehr stabil, allerdings gehört leichter Gipfellaubbefall öfters zum Bild. Der Gesundheitszustand insgesamt ist aber als sehr gut zu bezeichnen. Je nach gefahrener Strategie stehen noch ein bis zwei Behandlungen an. Zum Einsatz kommen: gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG oder Folpan 500 SC mit 1,6 kg, bzw. 2,4 l / ha Mittelaufwand. Für den Abschluss ein Kupfermittel wie z.B. Funguran Progress oder Cuprozin Progress mit 2,0 kg, bzw. 1,6 l / ha Mittelaufwand, Airone SC mit 2,6 l / ha oder Coprantol Duo mit 2,5 l / ha Mittelaufwand. Nur in sehr gesunden Betrieben ist eine Vorgehensweise vergleichbar am Tuniberg denkbar. Gegen Oidium ein Oidiummittel zum Schluss wie z.B.  Topas mit 0,32 l / ha, Sarumo mit 0,75 l / ha oder Systhane 20 EW mit 0,24 l / ha Mittelaufwand, letzteres noch erwähnt, um bestehende Mengen noch aufzubrauchen. Alternativ wäre der Einsatz von Bikarbonaten wie Kumar mit 5 kg / ha oder Vitisan mit 8 kg / ha und einem Netzmittel wie Wetcit Neo oder Zentero SP denkbar. Die zweimalige Behandlung hat auch eine Nebenwirkung auf Botrytis. Die Bikarbonate sollten mit nicht zu geringem Brühaufwand (mindestens 100 l für 1 kg Produkt), nicht bei zu hoher Strahlung, Temperatur (über 30°C), oder bei gestressten Anlagen eingesetzt werden, um Blattbelastungen zu vermeiden.

Durch die anhaltend trockene Wetterlage besteht kein zwingender Grund für einen zweiten Einsatz von Botrytismitteln.

In Vermehrungsanlagen der PIWI – Sorten – und nur in solchen Anlagen – ist eine Behandlung zum Abschluss für die Sicherung der Holzgesundheit zu empfehlen.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel und die Zulassungen für Tafeltrauben. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

 

Weinbauliche Hinweise 

In den Trockenstandorten sind gestresste Anlagen weiterhin von Trauben zu entlasten. Die Bewässerungsarbeiten sind fortzuführen, bei Lanzen in Junganlagen mit ca. 10 l je Stock. Die Junganlagen brauchen weiterhin eine pflegende Hand, besonders ein sauberes Aufbinden, um später gerade Stämme zu erhalten. Bei den sehr kompakten Trauben sind Massnahmen wie das Trauben teilen für die Gesunderhaltung vorteilhaft. Prüfen Sie daher, wo es für Sie sinnvoll und in welchem Umfang umsetzbar ist. Ausser in Junganlagen bis zum zweiten Standjahr sind Bodenbearbeitungen, Gasse oder Unterstock, nicht mehr vorteilhaft, da das Botrytisrisiko gefördert wird, falls im August grössere Regen kommen. Dazu kommt die Erosionsgefahr bei Starkregen, in Junganlagen hilft hier Abdecken. Ansonsten gelten die Hinweise der letzten Infos, abgesehen von der Blattdüngung, da sich an der Gesamtlage wenig geändert hat.  

 

Sonstige Hinweise 

Die neuen Anträge zur Umstellung und Umstrukturierung werden weitergereicht, sobald diese eingetroffen sind. 

 

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo um den 02.08.2022. 

 

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