Pflanzenschutz-Hinweis Südbaden 2022 (KW 28)

Möhrenfliege

Der Flug der Möhrenfliege hält auf niedrigem Niveau an. Das zeigen Fänge auf den Gelbtafeln in intensiv bewässerten Flächen und auch das Prognosemodell. Zumindest bis Mitte kommender Woche kann man sich Behandlungen aber sparen. Bei den angekündigten Temperaturen nahe 40 °C wird sich die oberste Bodenschicht weit über 27 °C erwärmen. Passiert das über mehrere Tage, sterben abgelegte Eier ab. 

Lauchmotte

Die Aktivität der Lauchmotte hält auf örtlich unterschiedlichem Niveau an. In Lauch sind weiterhin wöchentliche Kontrollen zu empfehlen. 

Raupen in Kohl

Auch bei den Kohlarten muss regelmäßig auf Raupen kontrolliert werden. Wenn bei Kopfkohl bereits die Kopfbildung eingesetzt hat, können auch einzelne Raupen große Schäden anrichten. Die wirtschaftliche Schadschwelle bei Kopfkohl für den Frischmarkt liegt bei 5 % befallenen Pflanzen. Diese Zahl ist nur ein Anhaltspunkt, weil sich Kosten und Erlöse von Betrieb zu Betrieb stark unterscheiden. Das muss bei einer Entscheidung über Pflanzenschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Auch bei den Blumenkohlen hängt es vom Entwicklungsstadium ab, ob Raupen Schäden machen. Grundsätzlich ist die Schadschwelle hier aber geringer als bei Kopfkohl. 

Wanzen

Die Schäden durch verschiedene Wanzenarten an Gemüsekulturen sind in diesem Jahr noch vergleichsweise gering. Es ist aber abzusehen, dass in nächster Zeit aus der vertrocknenden Feldflur weitere Weichwanzen (Gattung Liocoris und Lygus) sich in bewässerte Kulturen im Freiland und in Gewächshäusern flüchten. 

In den kommenden Tagen sollte deshalb auf Schäden durch Wanzen geachtet werden. Diese sind bei dicht beblätterten Pflanzen eher zu sehen als die Verursacher selbst. Die Symptome reichen von vertrockneten Blütenknospen an Auberginen, deformierten Früchten bei Bohnen und Gurken zu aufgeplatzten oder verfärbten Blattrippen bei Mangold oder Salat, zerlöcherten Blättern bei Spinat bis hin zu verdrehten oder verwelkten Trieben und Blattspitzen bei Kräutern, Fenchel oder Sellerie. 
Bei Sellerie können Herzblätter auch infolge von Kalziummangel durch Trockenheit absterben. Deshalb sollten Insbesondere in Sellerie sollten mögliche andere Schadursachen abgeklärt werden, bevor gegen Wanzen behandelt wird. Denn das einzige dort zugelassene, gegen Wanzen wirksame Mittel Karate Zeon schalten für mehrere Wochen die Gegenspieler von Spinnmilben aus. 

Häufiger als Wanzen der Gattung Lygus ist heuer Liocoris tripustulatus in Gurken zu sehen. Der deutsche Name „Gepunktete Nesselwanze“ bezieht sich auf ihren wichtigsten Wirt. Die Brennessel  ist aber nicht ihre einzige Nahrungspflanze. Sie weicht gerne auf Gurken aus. Das Vertrocknen oder Abmähen von Brennesselbeständen in der Umgebung motiviert sie zu diesem Ortswechsel, ist aber keine Voraussetzung dafür. 

Physiologisches

Am Blütenfall bei Auberginen sind nicht immer Wanzen beteiligt. Auch starker Fruchtbehang oder dauerhaft hohe Nachttemperaturen über 20 °C können eine Ursache dafür sein. 

Paprika verliert vermehrt Blüten, wenn die Tagestemperaturen häufig über 30°C steigen. Auch hier kann aber auch ein starker Fruchtbehang das Ansetzen neuer Früchte verhindern. Sechs bis zehn Früchte kann eine Pflanze einer großfrüchtigen Sorte gleichzeitig ernähren. Dann ist ihre Kapazität erschöpft, und sie stößt Blüten ab oder bildet erst gar keine neuen Knospen.

Bei Tomaten können sehr hohe Temperaturen der Grund sein für eine ungleichmäßige Ausfärbung der Früchte. Bei über 30 °C ist der Abbau des grünen Farbstoffes Chlorophyll gestört, ebenso die Produktion der roten Farbstoffe Lycopin und Carotin. In der Folge bleiben für eine lange Zeit grün-gelbe Flecken auf den Früchten. Wenn die Temperaturen dann wieder günstiger werden, reifen in kurzer Zeit mehrere Rispen auf einmal ab. 
Die Sorten sind unterschiedlich empfindlich für diese Störung. 
Um die täglichen Phasen mit günstigen Temperaturen möglichst lange zu halten, kann es helfen, die Lüftungen nachts offen zu lassen. 
Schlechte Fruchtausfärbung, insbesondere der Grünkragen um die Kelchblätter, kann aber auch vermehrt auftreten bei einem Mangel an Kalium bzw. einem vergleichsweise zu hohen Angebot an Stickstoff. Das Verhältnis von N:K sollte für Tomate etwa bei 1:1,5 liegen. 



 

 

 

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