Weinbauinfo Nr. 18 - Herbst

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Allgemeiner Entwicklungsstand

Zum Stand 25.08. bietet das Jahr 2026 reichlich Kontrast zum Vorjahr. Trockenheit anstatt hohe Feuchte und eine sehr frühe Reife bei bestem Gesundheitszustand. Dieser Herbst war schon länger im Jahresverlauf abzusehen. Die Blüte im Oberrheingraben war in allen Bereichen früh, kompakt und schnell, meist schon Ende Mai im Stadium Abgehende Blüte. Dies zeigt sich nun in der sehr einheitlichen Abreife der Bestände. Noch vor Mitte Juni war alles abgeschlossen. Sehr warme Temperaturen im Mai hatten die Vegetation vorangetrieben. Nur der Bodenseeraum fiel mit vielen Lagen in eine kühle Phase Anfang Juni und verzeichnete einen verzettelten und verlängerten Blüteverlauf und nun einen gestreckten Reifeverlauf. Was danach folgte war ein heisser, ausgeprägt trockener Sommerverlauf. Juni, Juli und der bisherige August haben eine Abweichung über 5° C im Schnitt zur Klimaperiode 19961 – 1990. Es waren nicht nur die Hitzewellen mit wochenlangen Temperaturen um die Mitte dreissig Grad Celsius, sondern auch der Einfluss des ständigen Windes, was zu einer aggressiven Austrocknung führte. Die wenigen Niederschlagsfronten brachten keinen Ausgleich zu der extremen Verdunstung. Überall fehlen an die 400 mm Wasser. Die Entwicklung der Reben war trotz der Trockenheit überwiegend dennoch erstaunlich und führte direkt zu einem Reifebeginn um den 25. Juli. Die weitere Reifeentwicklung verlief rasch. Zum ersten Mal wird die 100 – Tageregel von Blüte bis Lese im Burgunderbereich glatt unterschritten. Nach dieser alten Regel würde die Hauptlese um den 10. September beginnen, erste Betriebe lesen aber schon und ab 31. August ist Hauptlese im westlichen Beratungsgebiet angesagt. Frühlesen wie die Sektlese sind oft abgeschlossen. Die nun moderateren Temperaturen haben die Entwicklung etwas verlangsamt – zum Glück, sonst hätte sich alles überschlagen. Dennoch: es sind keine kalten Temperaturen, sondern die gewohnt spätsommerlichen Temperaturen, die Bestände sind grün und aktiv, Stillstand wird nicht eintreten. Die Trockenheit ist das bisher den Jahrgang beherrschende Merkmal und ergibt ein sehr gespaltenes, in der Umsetzung der Lese herausforderndes Bild. Wie angedeutet, stehen die Mehrheit der Anlagen sehr schön: auf den tiefgründigeren Böden, in den Lagen, welche lokal immer an den Regen beteiligt waren. Dagegen stehen sandige, kiesige Böden, flachgründige mit rasch anstehendem Gestein, Gebiete mit noch weniger Niederschlag über die Sommermonate wie z.B. der Klettgau und jüngere Anlagen. Hier sind bis zum Totalausfall alle Stufen von Trockenschäden zu finden. Die Folgen der Trockenheit werden die endgültige Erntemenge definieren. Dazu zählt auch die Mostausbeute, welche bei geringem Wasserangebot geringer als normal ausfallen kann. Seit Mitte August stellte sich eine Abkühlung auf gewohntere sommerliche Verhältnisse ein. Nach langen, durstigen Wochen gab es wieder die ersten moderaten Niederschläge. Das trockene Jahr brachte einen sehr entspannten Pflanzenschutz mit sich. Peronospora trat so gut wie nicht auf, die Infektionszyklen lagen zu weit auseinander und auf des Ende der Pflanzenschutzsaison konnte der Mittelaufwand gezielt reduziert werden. Bei Oidium machte sich eine den Entwicklungsbedingungen angepasste Strategie bezahlt. Erfolgreich waren die Massnahmen zur Lockerung der Trauben in kompakten Sorten und Klonen. Die meisten Rückmeldungen berichteten von einem guten bis sehr guten Erfolg. Ebenso erfolgreich ist die inzwischen sehr umfangreich umgesetzte frühe Entblätterung, angepasst an die Witterung. Trotz der Hitze sind Sonnenbrandschäden selten. Die weiteren Aussichten enthalten moderate Niederschläge für diese Woche und Temperaturen im Normalbereich. Sollten keine unerwarteten Ereignisse auftreten, steht ein sehr schöner Qualitätsjahrgang zur Lese an. Ein Grundstein liegt vor: top gesunde Trauben über alle Sorten. 

 

Zu den tierischen Schädlingen

Die Aussagen zur KEF und HEF beruhen auf den Ergebnissen in VitiMeteo  und auf den Befunden des Labors der Tuniberger Winzer in Opfingen. In den Anlagen ist so gut wie kein Insekteneinfluss wie z.B. Ameisenfrass zu finden. Solche Schadstellen werden in der Regel früh von Fruchtfliegen besiedelt, aber es ist völlig ruhig. Auch die bisherigen Bonituren und Beobachtungen brachten keinerlei Hinweis auf Befall oder Fruchtfliegen im Bestand. Sonstige Wirtspflanzen wie Brombeeren sind völlig gesund oder teilweise absolut vertrocknet. Dasselbe gilt für Holunder. Die Sträucher bieten ein trauriges Bild. Die frühe Reife und der zu erwartende zügige Herbstverlauf bei bisher fehlender Population lassen erwarten, dass dieses Jahr kaum Bedarf an Behandlungen entsteht. Ansonsten wird es mit den Betrieben direkt abgesprochen. 

 

Hinweise zum Bienenschutz: 

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben. Bei erforderlicher Behandlung steht das bewährte Kombinationsverfahren im Vordergrund, da hier keine Rückstände entstehen und das Verfahren als nicht Bienen gefährlich bewertet ist. 

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.  

 

Erntehinweise

Die Trockenheit und die Verfrühung ergeben besondere Anforderungen an die Umsetzung der Lese. Seitens der Trockenheit ist es vor allem die Erfassung von Trockenheitsgeschädigtem Lesegut, damit dies im Keller gezielt und angepasst verarbeitet werden kann. Einer Gefährdung durch UTA – Fehlaromatik, einer veränderten phenolischen Struktur, möglicher Nährstoffarmut im Most kann so gezielt entgegengewirkt werden. Eine weitere Alternative ist die Verwendung in anderen Produktbereichen, z.B. Saft.

Warmes Lesegut ist teures Lesegut. In den Nachmittagsstunden können bei hoher Sonneneinstrahlung Mosttemperaturen von 30° C ohne Mühe erreicht werden. Die Nutzung natürlicher Kühle spart viel Geld in den Betrieben. Die Kühlung ist erforderlich für eine gesteuerte und die Aromatik fördernde Vergärung der Moste. Mit der Lesemaschine lassen sich vorgezogene, schon noch in den Nachtstunden beginnende Erntezeiten sehr gut umsetzen. Schwieriger ist die Handlese. Eine Begrenzung der Lesestunden von z.B. sechs Uhr morgens bis spätestens 12 Uhr mittags und / oder der Annahmezeiten in Verbindung mit der Verpflichtung zu Zwischenablieferungen sind sich anbietende Lösungen. Das verstärkte mikrobielle Risiko bei warmen Lesetemperaturen macht eine ständige, tägliche umfassende Reinigung aller benutzten Maschinen und Geräte notwendig.

Zum Reifeverlauf

Die angegebenen Mostgewichte und weitere Werte basieren auf Messungen vom 24.08.2026 aus überwiegend mittleren und guten Lagen des Tuniberges und Glottertales sowie ersten Angaben aus der Lese von Einzelbetrieben. Die analytischen Werte ermittelte das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg durch Grape Scan. Angaben vom Bodenseeraum stammen von ersten Messungen oder Lesen der Betriebe. Auf eine gesonderte Nennung wird daher verzichtet. Analog den Werten des Staatlichen Weinbauinstitutes Freiburg zeigen die eigenen Erhebungen einen reifen und sehr frühen Jahrgang. Noch nie in den eigenen Erhebungen seit 1995 wurden so früh solche Werte gemessen, nicht einmal in dem heissen und legendären Jahrgang 2003. Nur einmal bisher, in 2020, wurden zum selben Termin Proben ausgewertet, lagen aber tiefer in den Ergebnissen. Die Proben liessen sich ausnahmslos sehr gut pressen, nur Müller – Thurgau ist noch fester. Dies ist der guten Menge geschuldet. Spätburgunder und Grauburgunder laufen aktuell voraus. Die Säurewerte sind besonders in den reifen Proben deutlich zurückgegangen. Dennoch liegen die pH – Werte noch in einem sehr guten Bereich um pH 3,0 bis 3,3, erste Proben verlassen aber diesen kellerwirtschaftlich günstigen Bereich. Die Mostfarben zeigen sehr reife Farben, wobei aber der Einfluss der hohen Sonneneinstrahlung bei der Farbbbildung mitberücksichtigt werden muss. Sehr einheitlich zeigen sich die Mostfarben des Spätburgunders auf. Die Mostfarben zeigen in dem Bild einen über alle Sorten und Lagen frühen und reifen Jahrgang. 

Die Mostfarben, frisch gepresst, des Jahrganges 2026. Nr. 1 bis 3: Müller - Thurgau, Nr. 11 bis 17: Grauburgunder, Weissburgunder, Chardonnay, Muskateller. 

 

Müller – Thurgau und Regent:

Müller – Thurgau gehört zu den Gewinnersorten des Jahres. Die Bestände waren das ganze Jahr schön. Die gemessenen Mostgewichte liegen zwischen Mitte 70° bis Anfang 80° Oe, die Säurewerte noch über Mitte 6 ºº. Im Bodenseeraum liegen die Werte um 70° Öchsle, mit grösserer Streuung. Regent liegt um die 90° Öchsle und wird meist noch diese Woche gelesen.

Burgundergruppe:

Ein sehr schönes Bild zeigen die Burgunder. Kompakte Trauben ohne Massnahmen sind sehr dicht, Beeren kaum zu zupfen, so satt. Generell haben die Anlagen Mitte 80° bis Anfang 90° Oe erreicht. Die Säurewerte liegen bei um 8ºº Säure, reifere Anlagen um Mitte 7ºº bei pH – Werten um die 3,2. Spätburgunder und Grauburgunder zeigen das fortgeschrittenste Reifeniveau. Grauburgunder ist dieses Jahr intensiv gefärbt, oft erscheinen die Trauben wie eine Rotsorte. Sehr hoch im Mostgewicht liegen ertragsreduzierte Selektionsanlagen, hier sind sehr oft um die 100° erreicht bei Säurewerten unter 7 ºº und pH – Werten um 3,4. Generell ist bei Spätburgunder eine optisch sehr schöne Ausfärbung zu sehen. Die Sorte Weissburgunder dürfte der Mengengewinner in der Burgundergruppe werden. 

Sonstige Sorten:

Die weiteren Sorten wie Muskateller oder Gewürztraminer sind im sehr guten gesundheitlichen Zustand. Fortgeschritten sind die Mostgewichte, welche bei Muskateller Mitte 80º Oe erreicht haben. Schön ist die Aromenausprägung. Sauvignon blanc in guten Lagen ist reif bei Ende 80º, Anfang 90º Oe. Riesling ist in früher wie späterer Lage erstaunlich reif. Die Mostgewichte liegen schon bis über 80º Oe. Die Säurewerte liegen bei um 10ºº Säure und pH – Werten bei 3,0.

 

Weinbauliche Hinweise

Bei guten Wetterbedingungen kann nach der Lese im Oktober eine Roggen – Wickeneinsaat durchgeführt werden. Auch andere Mischungen oder Einsaaten auf Kleebasis sind möglich. Damit kann eine Bodenbedeckung bis Mitte November sichergestellt werden, um nicht in Konflikt mit den GLÖZ 6 – Vorgaben zu kommen. Ebenso kann nach der Lese bei mechanischer Unterstockpflege mit Scheibe / Rollhacke der Unterstockbereich bearbeitet werden, damit ein angepasst sauberer Streifen über den Winter vorliegt und im Frühjahr gute Startbedingungen herrschen. 

 

Sonstige Hinweise

Seit dem Jahr 2021 müssen in Stichproben beantragte Anlagen bei der Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen kontrolliert werden. Sehr gerne werden Anlagen mit den noch vorhandenen Saisonarbeitskräften gerodet. Für die Kontrolle sollten die Stöcke und Ruten mit Laub noch vorhanden sein, alles andere kann abgeräumt werden. 

 

Dies war das letzte Weinbauinfo, ausser es gibt wirklich besondere Umstände. Nach der Lese erfolgt ein Info zu Fragen der Winterarbeit. Allen eine gut verlaufende Lese und eine glückliche Hand für die notwendigen Entscheidungen in diesem frühen Herbst.