Weinbauinfo Kaiserstuhl-Nr. 17-2026

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Weinbauinfo Nr. 17 -2026 vom 12.08.2026

 

Agenda       -    Schnelle Reifeentwicklung

-        Hitze und Trockenheit

 

Vegetationsstand und Witterung

Die folgende Übersicht zeigt im Vergleich die Witterungsdaten des Vegetationsjahres 2026 zum langjährigen Mittel. Mit einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung (Monate Januar bis Juli 2026) um 2,6 ° erbrachte eine Verfrühung der Vegetation. Dies verdeutlich auch die Zunahme der Sonnenstunden um 21% gegenüber früheren Jahren. Mit einem Gesamtniederschlag von aktuelle 235,8 mm (Wetterstation Blankenhornsberg) sind wir mit (-) 254,9 mm im Rückstand. Dies sind nahezu 50% weniger als das langjährige Mittel.

Austrocknende Winde (mediterran wie am Meer im Süden Frankreichs) führen zu ersten einschrumpfenden Beeren. Die Pflanzen haben großen Durst. Der Stoffwechsel läuft zu Gunsten der Erhaltung des Rebstocks. 

Die trocken heiße Witterung begünstigt eine schnelle Öchslezunahme bei gleichzeitiger Reduzierung der Beerenvolumen (Gewichtsverlust). 

Die Wettervorhersage meldet bis zum Wochenende wieder zunehmende heiße Tageshöchsttemperaturen. Am Sonntag sind Gewitter und Niederschläge in der Vorhersage von Meteo Blue (Vitimeteo). Einhergehend etwas zurückgehende Tageshöchsttemperaturen um die 25°C.

 

Reifeentwicklung und Ernteplanung

Als Anlage zu diesem Weinbauinfo erhalten Sie die Datentabelle des WBI mit der Reifemessung Nr. 2 vom 12.08.2026. Innerhalb der vergangenen Woche sind die Zuckergehalte um bis zu 10° Öchsle angestiegen. Wie gehen wir damit um?

Beim Bonitieren der Rebanlagen und verkosten der Trauben kann man die Süße/ Säure vorrangig wahrnehmen. Gleichzeitig vermittelt das Kauen der Beeren sehr adstringierenden, bitteren Geschmack. Ein eindeutiges Zeichen, dass die geschmackliche Phenolreife noch fehlt. Auch die NOPA-Werte, aktuell zwischen 40-60 mg/l, liegen weit unter dem erwünschten Sollwert. Des Weiteren ist die Saftausbeute mit ca. 60 % noch weit von der physiologischen Reife, Pektinabbau, (Saftausbeute 75-80%) entfernt. Natürlich drängt die Terminfindung zur Ernte von Sektgrundweinen, begründet durch den schnellen Anstieg der Zuckerwerte und den daraus zu erwartenden natürlichen Alkoholgehalt. Aber eine gewisse Grundreife sollte schon vorhanden sein. Vielleicht ist es eine Option in so einem frühen Jahr die Öchslewerte von Anfang 80° für die Bereitung von Sektgrundwein zuzulassen. 

Schon jetzt ist klar, dass der Jahrgang 2026, genauso wie 2022, betreffend der Ernteterminierung ein Wettlauf um physiologische Reife kontra hohen Öchslewerten und hohen Alkoholwerten in den Weißweinen wird. 

Bei vorzeitiger Lese unreifer Trauben aus gestressten Rebanlagen ist ein hohes Risiko betreffend UTA= untypische Alterungsnote und daraus resultierender mangelhafter Weinqualität zu bedenken. Im Moment ist überwiegend ein hervorragender Gesundheitszustand, keine Botrytis, wenig Insektenfraß etc., keine Kirschessigfliege zu beobachten (Ausnahme Anlagen mit Mehltaubefall). Dies ermöglicht uns die angekündigte Abkühlung und die vorhergesagten, erhofften Niederschläge und gegebenenfalls die „physiologische Reife“ abzuwarten.

Wünsche allen Winzerinnen und Winzer eine gute und gesunde Lese 2026!

 

Tobias Burtsche

Weinbauberatung Kaiserstuhl