Möhrenfliege
Die zweite Generation der Möhrenfliege sollte eigentlich seit Anfang Juli aktiv sein. Aber nur in Lagen mit den Risikofaktoren häufige Beregnung, Windschutz und Befall im Vorjahr geht überhaupt ab und zu ein Exemplar auf den Leim der Gelbtafeln. Auf solchen Flächen sollten jetzt behandelt werden. Bei allen anderen Standorten gibt es seit Wochen keine Fänge mehr. Und selbst wenn dort Eiern abgelegt werden sollten, haben diese wegen der hohen Bodentemperaturen nur geringe Überlebenschancen.
Raupen
Die zweite Generation der Wintersaateule (Agrotis segetum) hat mit dem Flug begonnen. Ihre Raupen, die als Erdraupen bekannt sind, profitieren von trockener Witterung und können an vielen verschiedenen Gemüsearten und Unkräutern leben. Starke Schäden verursachen sie regelmäßig in Salaten. Dort vernichten sie ganze Pflanzen, indem sie den Strunk durchbeißen. Mit den Bio-Mitteln XenTari oder Lepinox Plus können die Raupen am besten in den ersten zwei Lebenswochen gezielt bekämpft werden. Danach halten sie sich hauptsächlich im Boden auf. Im Bio-Anbau sollte deshalb in dieser oder in der kommenden Woche eine erste Behandlung in solchen Salaten stattfinden, die noch länger als zwei Wochen stehen. Je nach Flugverlauf sind zwei oder drei weitere im Abstand von ca. 10 Tagen nötig. Schäden an frisch gepflanztem Salat im August und September gibt es, wenn sich auf der Fläche an dem zuvor vorhandenen Bewuchs – egal ob Gemüse oder Unkraut - Raupen entwickeln konnten. Das lässt sich verhindern, wenn bereits die Vorkultur mit Behandlungen oder Netzabdeckung gegen Raupen geschützt wird. Die Fläche vor dem Pflanzen ein oder zwei Wochen lang bewuchsfrei zu halten, verringert zumindest die Zahl der Raupen. Im konventionellen Anbau stehen mit Pyrethroiden, SpinTor, Coragen (Zulassung in den verschiedenen Kulturen beachten!) u. a. Mittel zur Verfügung, die schnell und zuverlässig auch gegen größere Raupen wirken. Deshalb kann hier gewartet werden, ob in etwa zwei bis drei Wochen tatsächlich die ersten Schäden an jungen Pflanzungen beobachtet werden. Das ist in den ersten drei Tagen nach dem Pflanzen täglich zu kontrollieren.
Auch die Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) kommt gut mit Trockenheit und Hitze zurecht. Die Raupen leben geschützt in Tomaten, Maiskolben, Okraschoten oder Bohnenhülsen. Befall gab es heuer bis auf einzelne Raupenfunde noch keinen. Weil die Pheromonfallen einen ersten Flughöhepunkt zeigen, sollte in gefährdeten Kulturen in den kommenden Wochen auf Raupenfraß an den Früchten geachtet und bald behandelt werden. Nützlingsschonend ist u. a. XenTari. Es darf in Tomate und Aubergine ohne die früheren Einschränkungen (Behandlung nur des oberen Pflanzendrittels, UV-Bestrahlung nach der Anwendung) eingesetzt werden. Wirksam sind außerdem u. a. Coragen, Benevia, Mimic, Mospilan SG, SpinTor und Pyrethroide. Raupen, die sich schon eingebohrt haben, werden kaum noch von Insektiziden erfasst, aber dafür diejenigen, die aus später abgelegten Eiern nachkommen. Verschiedene Nützlingsfirmen bieten Trichogramma-Schlupfwespen gegen Eulenfalter an. Diese vernichten die Eier, so dass erst gar keine Raupen schlüpfen.
Blattläuse
Blattläuse sollten um diese Jahreszeit eigentlich kein Problem mehr sein, und im Freiland werden sie auch wie gewohnt durch Hitze, Krankheiten und natürlich vorkommende Gegenspieler gut unter Kontrolle gehalten. Das betrifft auch die Mehlige Kohlblattlaus. Die ist zwar wieder präsenter, wird aber auch schon wieder von Schlupfwespen parasitiert.
Eine Ausnahme ist die Gurkenblattlaus Aphis gossypii. Im konventionellen Anbau kann sie mit den wenig temperaturabhängingen Insektiziden Sivanto Prime (Gurke, Zucchini, Wassermelone im Gwh), Closer (Aubergine, Paprika, Tomate, Gurke, Zucchini, Wassermelone, Melone, Kürbis im Gwh), Mospilan SG (Gurke, Kürbis, Zucchini im FL; Aubergine im Gwh), Teppeki (Gurke, Kürbis, Zucchini, Patisson im FL; Aubergine, Paprika, Tomate, Gurke, Melone im Gwh) u. a. gut bekämpft werden.
In Bio-Gewächshäusern zeigt sich diese wärmeliebende Lausart heuer aber außergewöhnlich ausdauernd. Grund scheint eine dürftige Parastierung durch die ausgebrachten Schlupfwespen zu sein, die seit etwa Ende Juni zu beobachten ist. Die häufig eingesetzte Lysiphlebus testaceipes wird manchmal selbst stark von anderen Schlupfwespenarten parasitiert, eine solche Überparasitierung ist heuer tatsächlich regelmäßig zu beobachten, wenn auch nur bei etwa 10 – 20 Prozent der Blattlausmumien. Außerdem gibt es Hinweise, dass die Parasitierung durch Lysiphlebus, aber auch Aphidius, bei sehr hohen Temperaturen stark nachlässt.
Deshalb müssen viele Bio-Gurken durch Ausspritze der Köpfen mit Neudosan, Spruzit oder Eradicoat am Wachsen gehalten werden, bis sich durch niedrigere Temperaturen das Blatt hoffentlich wieder wendet oder Säuberungsräuber die Gurkenlaus unter Kontrolle bringen. Zu denen zählen neben der Gallmücke Aphidoletes vor allem Marienkäfer, die von draußen einwandern – was praktisch aber nur in Häusern passiert, die eine Seitenlüftung haben und die nicht durch Netze vor Wanzen geschützt werden.

Bild: Durch eine Kreisrunde Öffnung (oben rechts) ist eine Blattlausschlupfwespe aus der Mumie geschlüpft, Löcher mit
ausgefranstem Rand (links) verraten, dass sie selbst einem Überparasiten zum Opfer fiel
Wanzen
In nicht durch Netze geschützte Bestände sind im Juli viele Wiesen- und Brennnesselwanzen eingeflogen. Wo Grüne Reiswanze vorkommt, fallen immer wieder Ansammlungen junger Larven auf. Im Bio-Anbau hilft nur Absammeln bzw. mechanisches Vernichten. Der Eiparasit Trissolcus basalis scheint die Grüne Reinwanze zumindest einzudämmen. Im konventionellen Anbau können verschiedene Insektizide genutzt werden, bevor die Schäden v. a. an Aubergine, Bohne oder Gurke zu groß werden. Closer und Sivanto Prime haben eine brauchbare Wirkung gegen Wiesenwanzen, Mospilan SG und Teppeki außerdem auch gegen kleine Stadien von Grüner Reiswanze. Pyrethroide wirken auch, aber nicht bei hohen Temperaturen, und sind wegen ihrer nachhaltigen Wirkung auf Nützlinge nicht in jedem Fall zu empfehlen.
Pilzliches
Der Echte Mehltau infiziert in Phasen mit hoher Luftfeuchtigeit. Seine Chancen steigen also, wenn in den nächsten Tagen die Nachttemperaturen wieder zurückgehen. Weil nächtliche Taubildung zusammen mit kürzer werdenden Tagen die Blattnässedauer verlängert, steigt gleichzeitig die Gefahr von Infektionen mit Falschen Mehltau. Gegen diesen sollten vorbeugende Behandlungen gefährdeter Kulturen wie Basilikum, Kohl oder Gurken eingeplant werden. Solange die Tagestemperaturen hoch bleiben, dürfte Phytophthora kein Thema werden.