Weinbauinfo Nr. 16 -2026 vom 15.07.2026
Agenda - Abschlussspritzung
- Traubenwicklerbonitur
- Kirschessigfliege
- Wildrebenbekämpfung Prophylaxe Amerikanische Rebzikade als Vektor der Flavescence Doree´(FD)
Vegetationsstand und Witterung
Leider haben die trockenen Gemarkungen am Kaiserstuhl immer noch keinen Regen bekommen. Damit ist die Situation hinsichtlich Trockenstress sehr angespannt. Die Wettervorhersage meldet ab Samstagabend mögliche Gewitter und Niederschläge. Damit bleibt weiterhin nur die Möglichkeit in den Parzellen und Standorten zu wässern, die am stärksten Not leiden.
Insgesamt hat die Rebenvegetation etwas abgebremst. Das Weichwerden der Beeren kann in den mittleren Lagen bei Müller-Thurgau nur vereinzelt festgestellt werden. Auch die Umfärbung der Burgundersorten ist noch sehr verhalten bis gar nicht zu beobachten. Obwohl die aktuelle Wetterlage, Azorenhoch mit deutlicher nächtlicher Abkühlung einen gewissen Kältereiz ausübt, der die Färbung der Trauben fördern sollte. Damit verzögert sich die Reife insgesamt. Liegt damit etwas hinter dem Jahr 2020, Reifebeginn Müller-Thurgau 20.07. und Lesebeginn 02.09. Dies kann sich aber bei entsprechenden Niederschlägen auch schnell wieder ändern.
In Gemarkungen mit guter Wasserversorgung, tiefgründigen Böden und sehr vitalen Reben kann man teilweise sehr üppiges Wachstum der Trauben beobachten. Hier ergeben aktuelle Einschätzungen bei Müller-Thurgau und den ertragreichen Burgunderklonen eventuell notwendige Ertragskorrekturen besonders in jüngeren Ertragsanlagen. Bei solchen Rebanlagen kann die Gewichtszunahme bei Einlagerung von Zucker in die Trauben um Faktor 1,5-2,0 zunehmen. Somit können sie über das Trauben wiegen, die durchschnittliche Traubenanzahle pro Rebe und den Standraum (Stockabstand x Gassenbreite) das Ertragspotential schätzen und entscheiden.
Aktuell führen viele Betriebe die Abschlussspritzung durch. Bei Behandlungen bis zum 25.07., diesen Samstag, endet die Wartezeit beim Einsatz der PSM von z.B. Topas oder Folpan, Wartezeit 35 Tage, am 31. August.
Alternativ können Mittel mit nur 21 Tage Wartezeit wie z.B. Kupferpräparate gegen Peronospora in den durch Hagel geschädigten Rebanlagen bis ca. 08. August eingesetzt werden. Dies wäre zu empfehlen um das Laub und die Vegetation diese Reben so lange wie möglich gesund und aktiv zu halten!
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Zur Absicherung der Funktion der gemeinschaftlichen Pheromonverwirrung wurde unter Mitwirkung der verantwortlichen Winzer bzw. Rebschutzwarte in den Gemarkungen Bickensohl und Eichstetten zahlreiche Traubenproben aus unterschiedlichen Gewannen bonitiert und genau, teils mit Lupe, untersucht. Bei allen Proben wurden keinerlei Wurmbefall (Sauerwurm) festgestellt. Damit ist die Wirkung der Pheromonverwirrverfahren bestätigt.
Herzlich bedanken möchte ich mich bei den Rebschutzwarten und Betrieben für die Organisation, die benötigte Zeit, das Holen und Bereitstellen der Trauben und die Hilfe beim Bonitieren.
Pilzkrankheiten
Der Gesundheitszustand der Reben ist weiterhin tadellos. Damit ist die letzte Behandlung, die Abschlussspritzung, umgehend durch zu führen.
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora Kupferpräparate wie z.B. Funguran Progress 1,0 Kg/ha oder Cuprozin Progress 1,2 L/ha. Alternativ Kontaktfungizide wie z.B. Folpan WG 1,4 Kg/ha WZ 35 Tage) oder Folpan 500 SC 2,1 L/ha, oder 3-4 L/ha Mildicut (WZ 21 Tage), bei deutlich höheren Kosten.
Gegen Oidium ein organisches Fungizid wie z.B. Topas 0,32 L/ha oder Belanty 1,5 L/ha (WZ 21T), maximal 2 Anwendungen pro Vegetation. Alternativ Netzschwefel mit Produkten mit kurzer Wartezeit wie z.B. Kumulus WG 4,0 Kg/ha (WZ 28 T) oder Netzschwefel Stulln 5,0 Kg/ha (WZ 28 T).
Weitere Alternativen zur Oidiumbekämpfung sind Hydrogenkarbonate wie z.B. Vitisan oder NatriSan oder Kumar. Diese werden aufgrund des hohen Risikos von Blattverbrennungen, bedingt durch die Tageshöchsttemperaturen und vorhandenem Trockenstress, nur unter Berücksichtigung der Angaben im Beipackzettel und auf eigenes Risiko empfohlen. Konzentrationen über 0,8% (0,8 Kg/100L Brühe) werden nicht empfohlen.
Oidium an Einzelstock Müller-Thurgau
Schelingen 15.07.2026
Empfehlungen zur Stoppspritzung mit einem „Hydrogenkarbonaten“ wie z.B. Kumar oder Vitisan oder Natrisan:
1. Empfehlung Traubenwäsche:
Z.B. NatriSan, Vitisan oder Kumar max. 0,8%ig. D.h. 0,8 Kg je 100 L Brühe.
Brüheaufwand 600-800 L Wasser/ha
Höchstmenge Kumar 5,0 Kg/ha
Z.B. NatriSan, Vitisan oder Kumar max. 0,8%ig. D.h. 0,8 Kg je 100 L Brühe.
Höchstmenge Kumar 5,0 Kg/ha
Mit großen Düsen die Traubenzone tropfnass spritzen. Jede Gasse fahren.
2. Empfehlung volle Laubwand:
Z.B. NatriSan, Vitisan oder Kumar max. 0,8%ig. D.h. 0,8 Kg je 100 L Brühe.
Brüheaufwand 800 L Wasser/ha
Höchstmenge Kumar 5,0 Kg/ha
Z.B. NatriSan, Vitisan oder Kumar max. 0,8%ig. D.h. 0,8 Kg je 100 L Brühe.
Jede Gasse fahren und tropfnass spritzen!!!
Die Stopp-Behandlung sollte innerhalb 5-7 Tagen wiederholt werden!!!
Bitte beachten Sie bei der Anwendung, dass bei Temperaturen über 25°C und starker Sonneneinstrahlung Blattverätzungen entstehen können!
Allgemeine Hinweise:
§ Der Wasseraufwand beträgt 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.
§ Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 3,5 - 4,0.
§ Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!
§ Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)
§ Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden.
§ Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung
§ Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz.
§ Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital
erfolgen!
Wichtiger Hinweis:
Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.
Trauben Teilen
Das Trauben Teilen ist aktuell eine gute Möglichkeit dicht bepackte Trauben mit hoher Beerenanzahl zu halbieren um das Fäulnisrisiko zu senken und Erträge einzustellen.
Kirschessigfliege
Mit zunehmend kühleren Witterungsbedingungen evtl. auch Wetterumschwüngen mit mehr Feuchtigkeit könnte sich die Kirschessigfliege (KEF) mehr im Weinbau ansiedeln. Diesbezüglich verweise ich auf die Vorbeugenden Maßnahmen, die je nach Witterungsbedingungen im Laufe des Augustes, in den gefährdeten Standorten und bei den gefährdeten Roten Rebsorten, zu empfehlen sind:
Böschungspflege als Vorbeugende Maßnahme zur Wildrebenbekämpfung und Prophylaxe gegen die Besiedelung durch die Amerikansiche Rebzikade
Wie schon in den Weinbauinfos im Frühjahr beschrieben ist die Amerikanische Zikade als Überträger von Phytoplasmen, die die Goldgelbe Vergilbung (Flavescence Doree´) auslösen können, im Markgräflerland von der Schweizer Grenze bis auf die Höhe von Buggingen im Weinbau vorgedrungen. Entsprechend ist die Verbreitung auch Richtung Kaiserstuhl möglich. Um die Ausbreitung zu reduzieren und der Amerikanischen Zikade keine Habitate (beliebte Lebensräume) zu bieten, ist die Beseitigung von Wildreben an den Böschungen ein essentieller, wichtiger Baustein.
Zeitlich ergeben sich nach der frühen Lese 2026 ab Anfang Oktober gute Möglichkeiten Garlon an Böschungen einzusetzen. Hierfür ist die Ausnahme über die Allgemeinverfügung zur Bekämpfung der Reblaus im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald erteilt. Siehe Anhang zu dieser Weinbauinfo.
Gemeinschaftsaktionen der Winzerkreise wären willkommen und wünschenswert um diese Maßnahmen am Kaiserstuhl zu organisieren und auf breiter Fläche umzusetzen.
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl