Weinbauinfo Bodensee Nr. 16

Lesezeit:
  • Teilen

Allgemeiner Entwicklungsstand

Der Höhepunkt des Jahrganges in den Ernteaussichten ist im Beratungsgebiet schon überschritten. Es betrifft zwar nur einen kleinen Teil, aber Unwetterartige Gewitter haben im östlichsten Teil des Beratungsgebietes starke Schäden hinterlassen, welche sich abgeschwächt in die bayrische Nachbarschaft weiterziehen. Der westlich davon gelegene Bodenseeraum hat kräftige Regen zwischen Mitte 20 bis über 40 mm erhalten – die gewünschte Erfrischung. Am Tuniberg sind dagegen nur geringe Niederschläge zu verzeichnen. Die aktuelle Lage ist damit sehr getrennt. Die wechselhafte Lage mit möglichen gewittrigen Niederschlägen soll bis zum Wochenende anhalten, Regen ohne Steine nach wie vor erhofft. Mit der Gewitterfront verbunden ist eine angenehme Abkühlung auf normal sommerliche Temperaturen. Die mittelfristigen Aussichten zeigen bisher wieder zunehmende Erwärmung im Verlauf der kommenden Woche und trockene Verhältnisse. Das Monatsende könnte heiss werden. An der schon beschriebenen Grundsituation der Bestände hat sich nichts verändert. Wo zu Monatsbeginn die höheren Niederschläge zu verzeichnen waren, wirken die Trauben wesentlich frischer. Erfreulich ist die weit verbreitete Lockerheit in den Trauben, sei es durch leichte Verriesselungen aus der Blüte oder durch Massnahmen in der Blüte. Gibb – Behandlungen zeigen sich dieses Jahr nun sehr schön. Vergleicht man die Werte von Traubengewichtsmessungen mit den Vorjahren, so ist in 2026 die Traubenzahl pro Stock höher und je nach Sorte die Gewichte. Insgesamt – vorausgesetzt, die Wasserversorgung wird kein immer grösseres Problem – könnte es ein guter Durchschnittsjahrgang werden. Die Top – Favoriten zum aktuellen Zeitpunkt sind der Müller - Thurgau und Weissburgunder. Vereinzelt werden tatsächlich Beeren gemeldet, welche glasig werden oder sich beginnen, zu verfärben. Die Anlagen stehen auf tiefgründigen Böden, aber es zeigt, wie früh wir sind und die Entwicklung kann schnell sein, wenn Wasser vorhanden ist.

 

Zu den tierischen Schädlingen

Die Fallen zur Kontrolle des Traubenwicklerfluges sind im gewohnten Rhythmus zu überwachen. Bisher liegen keine Meldungen vor, alles gewohnt ruhig. In der Flugzeit der Windglasflügelzikade sollten deren Wirtspflanzen, wie Winde und Brennnessel, weder mechanisch noch durch Herbizide abgetötet werden. Dies würde die Zikaden zu Suchflügen nach neuen Nahrungsquellen zwingen. Dadurch steigt die Gefahr, dass infizierte Zikaden die Reben anstechen und infizieren. Je nach Witterung endet die Flugzeit gegen Ende Juli bis Mitte August. 

 

Zu den Pilzkrankheiten

Zum Schluss der Saison tauchen nun doch noch vereinzelt Flecken der Peronospora auf, jedoch nicht flächendeckend, sondern in Einzelparzellen oder tieferen Lagen. Das meiste wird dem zweiten Laubschnitt zum Opfer fallen. Am Tuniberg wird empfohlen, die eh anstehende und laufende Behandlung vor den möglichen Regen noch abzuschliessen und kommende Woche den Pflanzenschutz generell. Es kommen zum Einsatz: gegen Peronospora wird die Mittelmenge nicht erhöht oder reduziert: Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha, bei Reduktion 1,0 kg / ha, bzw. 1,5 l / ha Mittelaufwand. Zum Abschluss ein Kupfermittel wie z.B. Funguran Progress mit 2,0 kg / ha, Cuprozin Progress mit 1,6 l / ha oder Cuproxat mit 8,0 l / ha, bei guten Bedingungen reduziert auf die halbe Aufwandmenge. Eine weitere Möglichkeit ist eine gesplitterte Strategie mit hälftiger Aufwandmenge der Kupfermittel in den beiden letzten Behandlungen.

Gegen Oidium nun ein bewährtes Mittel der Azolgruppe wie z.B. Topas mit 0,32 l / ha, Sarumo oder Galileo mit 0,75 l / ha. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Die organische Spritzfolge kann auch mit einer Kombination von Schwefel und Hydrogenkarbonaten abgeschlossen werden. Bei dieser Strategie mit Hydrogencarbonaten 3- 4 kg / ha Netzschwefel (Produkt Stulln oder Kumulus WG) in Kombination mit 3- 4 kg / ha Vitisan und dem Netzmittel Wetcit 0,2% oder 3 kg / ha Kumar ohne Netzmittel. Beim Einsatz von Hydrogencarbonaten ist auf die Intensität der Sonneneinstrahlung zu achten. Die Laubwand wird bei intensiver Einstrahlung strapaziert. Die maximale empfohlene Aufwandmenge in der Spritzbrühe beträgt 1 kg pro 100 l Wasser bei Backpulvermitteln. In stark trocken gestressten Anlagen ist diese Strategie nicht umsetzbar.

Für die Abschlussbehandlung ist noch folgendes anzumerken: durch den stabilen, sehr guten Gesundheitszustand kann das vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg geprüfte Verfahren der Behandlung der oberen Laubwand umgesetzt werden. Hierfür werden die unteren zwei Düsen ausgeschaltet. Die Behandlung der Traubenzone kann belassen werden, da die Trauben nicht mehr befallen werden. Untersuchungen zur Anfälligkeit der Trauben zeigen in Richtung und ab Reifebeginn kein Befall mehr. Die davor liegenden empfindlichen bis hochempfindlichen Phasen sind durch Pflanzenschutz abgedeckt. Für die obere Laubwand ist eine Behandlung zum Schutz gegen die mögliche Entwicklung von späterem Blattoidium vorteilhaft.

Für den Bodenseeraum hat sich durch die hohen und intensiven Niederschläge eine geänderte Lage ergeben. Es ist eine goldene Regel der Peronosporabekämpfung, nach solchen Niederschlägen tiefenwirksam nachzufahren. Im Hagelgebiet und sofern nicht in dieser Woche schon behandelt wurde möglichst umgehend: ein tiefenwirksames Mittel wie z.B. Melody Combi mit 2,0 kg / ha, Pergado mit 2,5 kg / ha. Die Mittelempfehlungen für Oidium des Tuniberges gelten analog. Die weitere Strategie im Hagelgebiet wird gesondert abgesprochen. Für den übrigen, westlichen Bodenseeraum ist der Abschluss des Pflanzenschutzes um die Monatswende einzuplanen. Es gelten die Mittelempfehlungen des früher abschliessenden Tuniberges. 

Sollte an heissen Tagen behandelt werden, empfiehlt sich eine Verlegung des Pflanzenschutzes in die kühleren Tageszeiten: früh morgens oder abends. Bei Fahren in der Hitze wird der Zusatz von Bittersalz nicht empfohlen, wobei dies generell nachteiliger ist und nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Verbrennungen durch Pflanzenschutz sind vereinzelt aufgetreten.

Bei Tafeltrauben ist auf den Einsatz entsprechend zugelassener Mittel zu achten.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

 

Weinbauliche Hinweise 

In den Reben laufen zunehmend die abschliessenden Arbeiten: leichte Nachentblätterungen, bevorzugt auf der Sonnen abgewandten Seite, um Sonnenbrand zu vermeiden, Entfernung von erneuten Stockaustrieben, abschliessendes Gipfeln. In Anlagen mit sehr kompakten Trauben können noch Trauben geteilt werden, sofern ein hoher Schutz gegen Botrytis und Essig gewünscht ist.  Die Empfehlungen zur Trockenheit aus den Vorinfos gelten weiterhin. Noch notwendige Herbizidmassnahmen sollten vor der Abschlussbehandlung erfolgen; Wartezeiten sind zu beachten. Die Ertragsregulierungen richten sich nach den Vorgaben der Vermarktungsbetriebe. In angesprochenen Sorten wie Müller – Thurgau oder Anlagen kompakter Burgunderklone mit hohen Traubenzahlen empfiehlt sich eine Überprüfung. Oft würde über die Entfernung der Kümmertriebe schon viel erreicht sein. Ansonsten ist eine Einschätzung schwierig, da diese dieses Jahr stark an die weitere Wasserfrage gekoppelt ist. Und ehrlicherweise ist es eine Personal – und Kostenfrage, ein zunehmender Engpass im westlichen Beratungsgebiet.

Seit ca. zwei Wochen sind zunehmend BDA und ESCA – Stöcke zu sehen. Bei den Möglichkeiten gibt es wenig Neues und sie sind begrenzt. Die „Reset“-Methode hat sich bei wüchsigen Sorten als gute Vorgehensweise erwiesen. Dabei wird ein bodennaher Trieb belassen, um im nächsten Jahr daraus einen neuen Stamm zu bilden. Der infizierte, alte Stamm kann dann entfernt werden. In jedem Fall sollten betroffene Stöcke markiert und für eine nötige Nachpflanzung vorgemerkt werden.

 

Sonstige Hinweise

Seit Mittwoch, 15. Juli 2026, kann der Förderantrag für die Maßnahme "Förderung der Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen (UuU)" für das Durchführungsjahr 2027 ausschliesslich digital über FIONA gestellt werden. Die papiergebundene Antragstellung entfällt. In FIONA ist der Antrag im Navigationsbaum unter "Förderanträge -> UuU" zu finden. Die Anleitung mit den Merkblättern, Erläuterungen, etc. finden Sie unter

UuU - Merkblätter, Formulare - Infodienst - Förderung  

desweiteren auf der Webseite der Weinbauberatung und der Antrag ist zusätzlich als pdF dem Info beigelegt. Im Landkreis Breisgau – Hochschwarzwald besteht weiterhin die Möglichkeit, bei Unklarheiten den Antrag vorab telefonisch - vormittags, unter der DW -5895 (Hotline) - durchzusprechen und diesen im Anschluss elektronisch über FIONA einzureichen.

Die Antragsfrist bleibt unverändert und endet für das Durchführungsjahr 2027 am 31. August 2026. Es handelt sich hierbei um eine Ausschlussfrist - eine verspätete Antragstellung ist nicht möglich.

 

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 24. Juli 2026.