Weinbauinfo Kaiserstuhl-Nr. 15-2026

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Weinbauinfo Nr. 15-2026 vom 15.07.2026

 

Agenda      -    Abschlussspritzung

-         Pflanzenschutz nach Hagel

-         Pflegemaßnahmen nach Hagel

 

Vegetationsstand und Witterung

Die Vegetationsentwicklung der Reben am Kaiserstuhl differenziert sich je nach Gemarkung, Wasserverfügbarkeit und Schädigung durch Hagel. Am Ostkaiserstuhl in den Gemarkungen Eichstetten, Bötzingen, Wasenweiler und Ihringen kann bedingt durch die Niederschläge vom 30.06. und dem Wasserspeichervermögen der Lössböden, überwiegend ein üppiges Wachstum der Trauben und der Laubwand beobachtet werden. Hier war der 2. Laubschnitt notwendig. Auch erste färbende Grauburgunder, Spätburgunder und glasig werdende Müller-Thurgau können in frühen Lagen entdeckt werden. Damit bewegen wir uns in Richtung Entwicklungsstadium BBCH 81 (Beginn der Reife).

Dem gegenüber haben wir ab der Lage Ihringer Winklerberg, in den Gemarkungen Achkarren, Oberrotweil, Bischoffingen und Burkheim bei sehr vielen Standorten extremen Trockenstress. Hier scheint das Wachstum nahezu auf Stillstand. Die Rebe hat das Notprogramm aktiviert. Wir hoffen auf vorhergesagte ergiebige Niederschläge ab Morgen und für Freitag! Hier sieht man vielfältige Möglichkeiten der Bewässerung aktiviert.

Wiederum ein anderes Gesicht hat die Rebenentwicklung in Oberbergen, Schelingen und Altvogtsburg. Die durch Hagel unterschiedlich geschädigten Reben beginnen wieder zu wachsen. Man sieht frisches, austreibendes Geizlaub, welches für die weitere Entwicklung, je nach Schädigung der Trauben, für die wichtige Photosynthese (Energiekraftwerk der Pflanzen, Zuckerbildung, Einlagerung von Reservestoffen) sehr wichtig ist. Dies gilt es solange wie möglich, unter Berücksichtigung der Wartezeiten der eingesetzten Pflanzenschutzmittel gesund zu halten. Vor allem sollte man dieses neue Laub unbedingt wachsen lassen. Ein nächster Gipfeltermin sollte solange wie möglich hinausgezögert werden bis das Laub überhängt und die Abtrocknungszeit dieser Rebanlagen z.B. nach Tau oder Niederschlägen verlängert, sprich die Fäulnisgefahr erhöht bzw. durch Schattenwurf die Populationsbedingungen der Kirschessigfliege fördert (Pflegemaßnahmen nach Hagel).

Der Termin Abschlussspritzung zwischen dem 18.-25.07. 2026 steht auf dem Arbeitskalender. Für Rebanlagen, die zur frühen Lese zur Bereitung von Traubensaft, Neuer Süßer und Sektgrundwein vorgesehen sind, sollte die Abschlussspritzung noch diese Woche bis zum 18.07.2026 erfolgen. Bei Einsatz von Mittel wie z.B. Topas oder Folpan mit Wartezeiten von 35 Tagen wäre in diesen Anlagen der früheste Lesetermin am 24.August.

Für die zur Normallese vorgesehenen Anlagen endet der Pflanzenschutz am 25.07.2026. Hier wäre, unter Berücksichtigung von 35 Tagen Wartezeit, der frühestmögliche Erntetermin der 31. August. Alternativ können Mittel mit nur 21 Tage Wartezeit wie z.B. Kupferpräparate gegen Peronospora in den durch Hagel geschädigten Rebanlagen bis ca. 08. August eingesetzt werden. Dies wäre zu empfehlen um das Laub und die Vegetation diese Reben so lange wie möglich gesund und aktiv zu halten!

Die Wettervorhersage skizziert weiterhin ein Mega-Hoch mit Andeutung höherer Niederschlagswahrscheinlichkeit, Gewitter am Freitag. Damit ergeben sich wetterbedingt günstige Spritzfenster für heute und Morgen.

 

Foto Mittlere Hagelschädigung an Müller-Thurgau 15.07.2026 in Schelingen


  


Foto Starke Hagelschädigung 15.07.2026 in Schelingen


  

 

Die am 30.06. verletzten Beeren sind eingetrocknet und fallen teilweise ab. An stark geschädigten Triebe sind die Wunden eingetrocknet, verholzt.

 

 

Rebschutz

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

In Gebieten ohne Pheromon z.B. Gemarkung zeichnete sich in den Pheromonkontrollfallen ein hoher Zuflug Einbindiger Traubenwickler ab. Der Flughöhepunkt war im Verlauf der letzten Woche. Aus Gebieten mit gemeisnchaftlicher Pheromonverwirrung sind keine Fangzahlen aus Kontrollfallen gemeldet worden.

Dies bestätigt den bekanntgegebenen Kontrolltermin für die Sauerwurmbonitur zwischen dem 16.-20.07.

Bitte prüfen sie fortlaufend 25 Trauben auf Befall (Einbohrstellen des Sauerwurms mit Kot-Vorhof) und dokumentieren sie die Bonitur. Die Kontrolle dient zur Absicherung der Funktion der gemeinschaftlichen Pheromonverwirrung in den verschiedenen Gemarkungen am Kaiserstuhl. Bitte melden Sie Befall direkt der Weinbauberatung.

 

Pilzkrankheiten

Der Gesundheitszustand der Reben ist weiterhin tadellos. Wie schon im Vorspann terminiert ist die Abschlussspritzung zwischen dem 18.-25.07. einzuplanen. Spritzabstand 12-14 Tage.

Zum Einsatz kommen gegen Peronospora Kupferpräparate wie z.B. Funguran Progress 1,0 Kg/ha oder Cuprozin Progress 1,2 L/ha. Alternativ Kontaktfungizide wie z.B. Folpan WG 1,4 Kg/ha WZ 35 Tage) oder Folpan 500 SC 2,1 L/ha, oder 3-4 L/ha Mildicut (WZ 21 Tage), bei deutlich höheren Kosten.

Gegen Oidium ein organisches Fungizid wie z.B. Topas 0,32 L/ha oder Belanty 1,5 L/ha (WZ 21T), maximal 2 Anwendungen pro Vegetation. Alternativ Netzschwefel mit den Produkten mit kurzer Wartezeit wie z.B. Kumulus WG 4,0 Kg/ha (WZ 28 T) oder Netzschwefel Stulln 5,0 Kg/ha (WZ 28 T).

Weitere Alternativen zur Oidiumbekämpfung sind Hydrogenkarbonate wie z.B. Vitisan oder NatriSan oder Kumar. Diese werden aufgrund des hohen Risikos von Blattverbrennungen, bedingt durch die Tageshöchsttemperaturen und vorhandenem Trockenstress, nur unter Berücksichtigung der Angaben im Beipackzettel und auf eigenes Risiko empfohlen. Konzentrationen über 0,8% (0,8 Kg/100L Brühe) werden nicht empfohlen. 

 


Oidium an Einzelstock Müller-Thurgau

Schelingen 15.07.2026
 
 

 

Pflanzenschutz nach Hagel

Wie schon definiert sollten die hagelgeschädigten Anlagen in den normalen Pflanzenschutzrhythmus integriert werden. Der Pflanzenschutz sollte unter Berücksichtigung der Witterung im Abstand von 10-14 Tagen bis maximal 08.August weitergeführt werden. 

Behandlungen nach dem 25.07., offizieller Abschlusstermin, sollten zur vorbeugenden Peronosporabekämpfung ausschließlich mit Kupferpräparaten, Wartezeit 21 Tage und gegen Oidium mit geringen Mengen Hydrogenkarbonaten wie z.B. Vitisan oder Natrisan oder Kumar mit 0,8 Kg je 100 L Spritzbrühe behandelt werden.

 

 

 

Allgemeine Hinweise:

§  Der Wasseraufwand beträgt 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.

§  Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 3,5 - 4,0. 

§  Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!

§  Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)

§  Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden. 

§  Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung 

§  Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz. 

§  Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.

Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital erfolgen!
 

Wichtiger Hinweis: 

Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.

 

Trauben Teilen 

Das Trauben Teilen ist aktuell eine gute Möglichkeit dicht bepackte Trauben mit hoher Beerenanzahl zu halbieren um das Fäulnisrisiko zu senken und Erträge einzustellen.

 

Junganlagen 

 

Junganlage nach 15.07.2026


  


Auch bei den durch hagelgeschädigten Junganlagen sollte man die nun austreibenden Geiztriebe wachsen lassen um so viel wie möglich neue, aktive Blätter für die Photosynthese zu generieren. Die geschädigten Reben müssen im Winter auf 2 Augen zurückgeschnitten werden. Im Frühjahr sollte ein neuer Trieb aus dem Veredlungskopf hochgezogen werden um einen wundfreien Stamm zu bekommen.

 

Bodenpflege
Es bleibt bei der Empfehlung zur wassersparenden Bodenpflege; Begrünungen Walzen oder hoch Mulchen. Bereits ausgetrocknete Begrünungen bedecken den Boden gegen Sonne und Hitze und sollten nicht mehr bearbeitet werden.

Tiefere Bodenbearbeitungen sollten aufgrund von Freisetzung höherer Stickstofffrachten im Boden unterlassen bzw. zum Zeitpunkt nach der Lese als Vorbereitung für Wintereinsaaten verschoben werden.

Agrarbüro

Als Anlage erhalten Sie die neuen Förderanträge zur Umstellung und Umstrukturierung von Rebanlagen für das Pflanzjahr 2027. Antragsfrist endet am 31.08.2026.

 

 

Tobias Burtsche

Weinbauberatung Kaiserstuhl