Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2026 (KW 29)

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Maiswurzelbohrer

Die Larven des Maiswurzelbohrers leben bei uns praktisch ausschließlich an den Wurzeln von Mais. Die erwachsenen Käfer, die im Sommer unterwegs sind, fressen am Maisbart und können damit die Befruchtung der Kolben beeinträchtigen. Außerdem machen sie einen Schabefraß an den Blättern von Mais. Jetzt kann man viele Maiswurzelbohrer auch an anderen Pflanzen beobachten. An Bohnen ist der Fraß an den Blättern vernachlässigbar, in Chinakohl wird er wohl durch den der Kohlerflöhe maskiert. In Mangold ist der Schaden dagegen deutlich zu erkennen. Massiv schädigen die Käfer, wenn sie in Gurkenbestände gelangen. Sie fressen oft zu mehreren an den jungen Früchten, die in der weiteren Entwicklung vernarben und krumm wachsen. Der Schaden ähnelt sehr dem durch Ohrwürmer, ist aber stärker und betrifft mehr Früchte. 

Eine Wirkung gegen die Käfer ist zu erwarten beim Einsatz von SpinTor, Spruzit Neu, Verimark, Minecto One oder Pyrethroiden wie Scatto oder Karate Zeon. Alle schädigen Nützlinge, die letzteren wochenlang. Da die Käfer sich an der Gurkenpflanze überwiegend in den oberen 40 oder 50 cm aufhalten, sollte nur dieser Bereich behandelt werden. So lässt sich diese unerwünschte Nebenwirkung zumindest räumlich begrenzen.

Maiswurzelbohrer an Mangold und Gurke
Bilder: Maiswurzelbohrer fressen gerne an Mangold (rechts), ihr Schabefraß an Gurken führt zu Vernarbungen und Krümmung der Früchte (links oben und unten). 

Tomatenrostmilbe

Erste Fälle von Rostmilbenbefall an Tomate sind im Gebiet aufgetreten. Die Bekämpfung ist möglich mit Schwefel (Kumulus WG) oder Movento OD 100 (siehe unten unter „Zulassungen“).

Symptome von Tomatenrostmilbenbefall
Bilder: Befall durch Tomatenrostmilbe äußert sich in fahlgelben, später vertrocknenden Blättern (links). Im direkten Vergleich zu gesunden Pflanzen ist die namensgebende, bräunliche Verfärbung des Stängels gut zu erkennen. Die Milben selbst sind nur 1/10 mm lang. Unter 10-facher Vergrößerung erkennt man nur weißliche, sich langsam bewegende "Würmchen" (rechts)

Spinnmilben

In Betrieben mit Einsatz von Nützlingen hat die Raubmilbe Phytoseiulus die Hitzephase bisher erstaunlich gut überstanden, wenn mehrmals täglich von oben Wasser gegeben wurde. Diese Unterstützung braucht die Raubmilbe weiterhin, und den Pflanzen, insbesondere der Gurke, tut das auch gut. 

Pilzliches

Mit Blick auf den Falschen Mehltau ist bei Gurken eine Blattnässedauer von über 2 Stunden aber zu vermeiden, deshalb müssen die Blätter vor der Nacht abtrocknen, die Über-Kopf-Sprühintervalle um etwa 16 Uhr beendet werden. Wassergaben über den Boden sind schon am frühen Nachmittag einzustellen. Das minimiert die Guttation in den nun wieder kühleren Nächten und damit die nächtliche Blattnässedauer. Sofern die Temperatur nicht unter 12 °C fällt, sollte die Lüftung nachts nicht ganz geschlossen werden. Das verringert die Luftfeuchte und damit Kondensationswasser. Sollte die aktuell wechselhafte Witterung länger anhalten, ist eine Fungizidbehandlung gegen Falschen Mehltau an Gurke sinnvoll. Eine vorbeugende Wirkung haben z. B. Ranman Top oder Revus. Zu den kurativ wirkenden Mitteln zählt Orondis Evo (2 x 1 l/ha, WG=3 Tage) welches noch bis 24.09. per Notfallzulassung eingesetzt werden darf.  

Bei den meist üppig entwickelten Tomatenbeständen ist die Gefahr durch Botrytis wohl genauso wichtig wie die durch Phytophthora. Vorbeugend gegen beide hilft eine Verbesserung der Durchlüftung des Bestandes durch Entblatten auf 12 bis 16 ausgewachsene Blätter. Bei stabilem Sommerwetter können 3 oder 4 Blätter auf einmal entfernt werden, ohne Fruchtplatzer zu provozieren, bei trüber, wechselhafter Witterung sollten nicht mehr als 2 entnommen werden, außerdem sind die Wassergaben rechtzeitig zu reduzieren.



Zulassungen

Folgende Zulassungen/Zulassungserweiterungen wurden ausgesprochen:

Beloukha (680 g/l Pelargonsäure) gegen einjährige Unkräuter in Bleichsellerie, Gemüsefenchel, Weißer Meerkohl, Bocksbart, Haferwurz, Knolliger Kälberkropf, Kohlrübe, Meerrettich, Pastinak, Schwarzwurzel, Speiserüben (Stoppel-, Mairübe etc.), Topinambur, Wurzelpetersilie im Freiland nach dem Auflaufen bzw. Pflanzen mit 2 x 16 l/ha als Einzelpflanzenbehandlung mit optischer Unkrauterkennung. Wartezeit ist nicht erforderlich. 

Alginure Bio Schutz im Gewächshaus gegen Falschen Mehltau in Spinat und verwandte Arten, ausgenommen Spinat mit 4 x 4 l/ha und Wartezeit=7 Tage

Belanty im Freiland gegen Alternaria-Arten, Echten Mehltau, Ringflecken in Kopfkohl mit 2 x 1,5 l/ha und Wartezeit=14 Tage.

Mavrik Vita im Freiland gegen Blattläuse und beißende Insekten mit 1 x 200 ml/ha in Buschbohne, Stangenbohne, Erbse (Nutzung mit und ohne Hülse) mit Wartezeit=7 Tage und in Hülsengemüse (als Trockengemüse), Melone mit Wartezeit = 14 Tage. 

 

Notfallzulassungen wurden erteilt für folgende Anwendungen:

Fonganil Gold (465,2 g/l Metalaxyl-M) für den Zeitraum vom 28.07. bis 24.11.2026 im Freiland in Schnittlauch gegen Falschen Mehltau mit 1 x 0,2 l/ha und Wartezeit=21 Tage.

Orondis Evo (12 g/l Oxathiapiprolin + 250 g/l Azoxystrobin) für den Zeitraum 13.07. bis 09.11.2026 im Gewächshaus in Tomate gegen Braunfäule mit 2 x 1 l/ha und Wartezeit=3 Tage.

Orondis VIP (30 g/l Oxathiapiprolin + 174,4 g/l Metalaxyl-M) für den Zeitraum vom 01.07.2026 bis 28.10.2026 im Freiland gegen Falschen Mehltau in Speisezwiebel zur Nutzung als Bundzwiebel mit 2 x 0,5 l/ha und Wartezeit=14 Tage; Auflagen beachten, z. B. maximal zulässige jährliche Wirkstoffmenge je ha.

Closer (120 g/l Sulfoxaflor) für den Zeitraum vom 06.07.2026 bis 02.11.2026 im Gewächshaus gegen Blattläuse, Gießanwendung mit 1 x 2 ml/1000 Pflanzen in 1 l/m² Wasser bei maximaler Pflanzdichte von 100000 Pfl/ha. NZ113: Anwendung nur auf vollständig versiegelten Flächen. Wartezeit=7 Tage.

Movento SC 100 (100 g/l Spirotetramat) für den Zeitraum vom 03.07. bis 30.10.2026 im Gewächshaus:

-   in Salatarten, Frische Kräuter, Spinat und verwandte Arten gegen Blattläuse mit 2 x 0,72 l/ha und Wartezeit=7Tage.

-   in Aubergine, Gemüsepaprika gegen Blattläuse und Weiße Fliege, in Tomate außerdem gegen Rostmilbe mit 4 x 1 l/ha und Wartezeit=3 Tage.