Allgemeiner Entwicklungsstand
Die 5 G prägen überwiegend den Weinbau: geheftet, gestutzt, gespritzt, geblättert und gemulcht, bzw. gewalzt. Man kann es aber noch erweitern, den die Wetterlage sorgt für: getrocknet. Sommerliche Temperaturen und häufige, warme Winde haben selbst den Morgentau völlig verschwinden lassen. Die tiefgründigeren Standorte und die glücklicheren Regionen mit Wasser in den vergangenen Tagen stehen noch gut und die Trauben entwickeln sich. Die schon länger sichtbaren langen und grossen Müller – Thurgau -Gescheine haben sich erfreulich gefüllt. Aber auch hier zeichnet sich in jüngeren Anlagen wieder langsam einstellende Trockenheit ab. Ansonsten kommt immer schneller ein Bild von klassischer Sommertrockenheit zum Vorschein. An ausgeprägt Trockenheitsgefährdeten Stellen steht das Wachstum, die Traubenentwicklung, erste Stöcke zeigen die typischen, klein bleibenden Beeren, Blätter werden gelb, Ranken fallen ab. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, im Gegenteil, über das Wochenende soll es heiss werden, wenn auch nicht mehr um die 40° C wie zuvor. In Verbindung mit den ständigen, sehr warmen Winden eine stressige, Wasser zehrende Lage. Niederschläge sind nicht sonderlich in der Vorhersage, vielleicht gegen Ende kommender Woche etwas. Einige Winzer befürchten, dass das Wasser wieder im August vor der Lese kommt, es könnte aber mit der gleichen Wahrscheinlichkeit ein 2003er – Herbst geben. Fazit: wir wissen es nicht. Dafür ist der Gesundheitszustand absolut top und macht Freude. Man sollte immer die noch positiven Aspekte nicht vergessen.
Zu den tierischen Schädlingen
Die Fallen zur Kontrolle des Traubenwicklerfluges sind im gewohnten Rhythmus zu überwachen. Bisher liegen keine Meldungen vor, alles gewohnt ruhig. In der Flugzeit der Windglasflügelzikade sollten deren Wirtspflanzen, wie Winde und Brennnessel, weder mechanisch noch durch Herbizide abgetötet werden. Dies würde die Zikaden zu Suchflügen nach neuen Nahrungsquellen zwingen. Dadurch steigt die Gefahr, dass infizierte Zikaden die Reben anstechen und infizieren. Je nach Witterung endet die Flugzeit gegen Ende Juli bis Mitte August.
Zu den Pilzkrankheiten
Eine Änderung an der top gesunden Lage ist nicht in Sicht und daher wird der entspannte Pflanzenschutz der Situation entsprechend weitergeführt. Es stünden bis zum allgemeinen Abschluss noch zwei Behandlungen an, bei Anlagen zur Lese von Saft, Neuem Süssen oder Sektgrundwein noch eine zum 18.07. in Absprache mit dem Vermarktungsbetrieb. Für den Tuniberg wäre dies um Anfang / Mitte kommender Woche und auf den 25.07. Es kommen zum Einsatz: gegen Peronospora wird die Mittelmenge nicht erhöht oder reduziert: Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha, bei Reduktion 1,0 kg / ha, bzw. 1,5 l / ha Mittelaufwand. Zum Abschluss ein Kupfermittel wie z.B. Funguran Progress mit 2,0 kg / ha, Cuprozin Progress mit 1,6 l / ha oder Cuproxat mit 8,0 l / ha, bei guten Bedingungen reduziert auf die halbe Aufwandmenge. Eine weitere Möglichkeit ist eine gesplitterte Strategie mit hälftiger Aufwandmenge der Kupfermittel in den beiden letzten Behandlungen.
Gegen Oidium nun ein bewährtes Mittel der Azolgruppe wie z.B. Topas mit 0,32 l / ha, Sarumo oder Galileo mit 0,75 l / ha. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Die organische Spritzfolge kann auch mit einer Kombination von Schwefel und Hydrogenkarbonaten abgeschlossen werden. Bei dieser Strategie mit Hydrogencarbonaten 3- 4 kg / ha Netzschwefel (Produkt Stulln oder Kumulus WG) in Kombination mit 3- 4 kg / ha Vitisan und dem Netzmittel Wetcit 0,2% oder 3 kg / ha Kumar ohne Netzmittel. Beim Einsatz von Hydrogencarbonaten ist auf die Intensität der Sonneneinstrahlung zu achten. Die Laubwand wird bei intensiver Einstrahlung strapaziert. Die maximale empfohlene Aufwandmenge in der Spritzbrühe beträgt 1 kg pro 100 l Wasser bei Backpulvermitteln. In stark trocken gestressten Anlagen ist diese Strategie nicht umsetzbar.
Für die Abschlussbehandlung ist noch folgendes anzumerken: durch den stabilen, sehr guten Gesundheitszustand kann das vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg geprüfte Verfahren der Behandlung der oberen Laubwand umgesetzt werden. Hierfür werden die unteren zwei Düsen ausgeschaltet. Die Behandlung der Traubenzone kann belassen werden, da die Trauben nicht mehr befallen werden. Untersuchungen zur Anfälligkeit der Trauben zeigen in Richtung und ab Reifebeginn kein Befall mehr. Die davor liegenden empfindlichen bis hochempfindlichen Phasen sind durch Pflanzenschutz abgedeckt. Für die obere Laubwand ist eine Behandlung zum Schutz gegen die mögliche Entwicklung von späterem Blattoidium vorteilhaft.
Für den Bodenseeraum wird durch die vergleichbare Gesamtsituation eine gleich gelagerte Strategie empfohlen.
Planen Sie Ihre Behandlungen bis zum Abschluss, so wie es für Sie gut passt. Auf 2 Tage hin oder her kommt es aktuell nicht an und 14 Tage Behandlungsabstand sind kein Problem. Die Mittelempfehlungen des Tuniberges gelten analog.
Generell ist von einer Reduktion abzusehen, sofern eine deutliche Wetteränderung eintreten würde.
Sollte an heissen Tagen behandelt werden, empfiehlt sich eine Verlegung des Pflanzenschutzes in die kühleren Tageszeiten: früh morgens oder abends. Bei Fahren in der Hitze wird der Zusatz von Bittersalz nicht empfohlen, wobei dies generell nachteiliger ist und nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Verbrennungen durch Pflanzenschutz sind vereinzelt aufgetreten.
Bei Tafeltrauben ist auf den Einsatz entsprechend zugelassener Mittel zu achten.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.
Weinbauliche Hinweise
Für eine bessere Versorgung der Stielgerüste wird der Einsatz von 12 bis 15 kg / ha Bittersalz zum Schutz gegen Stiellähme, Produkt EpsoTop, empfohlen. Alternativen sind Präparate auf Basis von Magnesiumoxid (z.B. Lebosol Magnesium 400 SC, Folicin Magnesium). Achten Sie bei Magnesiummangel anfälligen PIWI – Sorten auf auftretende Mangelsymptome. Hier ist eine Blattdüngung mit Magnesium sinnvoll. Cabernet Cortis und Muscaris haben eine Neigung zu Stiellähme. Auch hier ist Magnesium hilfreich.
Der Zusatz von 0,5 kg Harnstoff auf 100 l fertige Spritzbrühe oder der Einsatz von 2 l / ha Siapton oder Aminosol ist ins besonders in den trockneren Lagen vorteilhaft und in Anlagen mit stark reduziertem Düngereinsatz.
Auf Grund der zunehmenden Trockenheitsfrage nochmals die schon genannten Hinweise. Hochstehende Begrünungen und Einsaaten sollten möglichst gewalzt oder deckend gemulcht werden, um zusätzlich der Verdunstung entgegen zu wirken und die Böden kühl zu halten. Zugleich wird bei Starkregen der Oberflächenabfluss von Wasser verringert. Ein Kurzrasenmulchen sollte vermieden werden, damit die Böden in den Hitzephasen nicht ausglühen. In der Jungfeldpflege ist auf ein sauber halten des Pflanzstreifens zu achten, damit es nicht vergrast und keine Konkurrenzsituation zu den Jungreben entsteht. Achten Sie auf ausgeprägten Trockenstandorten auf beginnende Trockenheitssymptome wie hängende Ranken. Besonders in Junganlagen von Hochstammreben muss rechtzeitig bewässert werden. Als Richtwert gelten 10–20 Liter je Stock als Einmalgabe im Abstand von etwa 10 bis 14 Tagen. Ältere Anlagen sind zwar durstig, stehen bis auf wenige stark flachgründige und skeletthaltige oder sandig – kiesige Standorte aber noch stabil. Hier kann mit 8 – 10 l / Stock je Gabe bewässert werden, sofern die Möglichkeit besteht. Eine weitere Möglichkeit ist die Entlastung von Reben, also entfernen von Trauben, eine Methode, welche besonders für Junganlagen vorteilhaft ist. Um dem Risiko der Erosion bei Starkregen - welche aktuell wieder zu sehen waren - entgegen zu wirken, sollten in hängigen Lagen in den Junganlagen als Mindestmassnahme Strohtreifen gelegt werden.
Sonstige Hinweise
Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg lädt ein zur Weinprobe am Stock. In der Rebenzüchtung des Institutes werden neue Zuchtstämme vorgestellt. Termin: 04.08.2026, um 09:30 und bei hoher Beteiligung als weiterer Termin um 13:30. Bitte beachten Sie den beigelegten Flyer. Hier gibt es nun einen Link zur Anmeldung, welchen der eine oder andere schon vermisst haben dürfte: Weinprobe am Stock
Folgende Mitteilung des Staatlichen Weinbauinstitutes im Rahmen der Extensivierungsreihe:
Sehr geehrte Teilnehmer der Veranstaltungsreihe „Extensivierung“,
hiermit laden wir Sie herzlich zu zwei Praxisveranstaltungen zum Thema „Minimalschnitt“ ein.
Am Montag, den 20.Juli um 13.30 Uhr werden die MMS-Anlagen zweier Markgräfler Betriebe besichtigt.
Treffpunkt ist bei Willi Berner in Mauchen (Bernerhof 1, 79418 Schliengen-Mauchen).
Im Anschluss stellt uns Stefan Fünfschilling sein System in Fischingen (Binzener Str. 1, 79592 Fischingen) vor.
Zur Abschlussbesprechung wird es die Möglichkeit geben, in der Fünfschilling Strauße noch etwas zu essen, und sich in gemütlicher Runde auszutauschen.
Am Dienstag, den 21.Juli um 17.00 Uhr wird Peter Vogel (Herrenstr.4, 79346 Kiechlinsbergen) am Kaiserstuhl die Bewirtschaftung seiner MMS-Anlagen vorstellen.
Auch hier besteht die Möglichkeit, bei einer kleinen Stärkung miteinander ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.
Um Anmeldung wird unter Extensivierung gebeten.
Wir freuen uns auf den fachlichen und persönlichen Austausch mit Ihnen.
Im August wird ein weiterer Termin zum Thema Hochkordon folgen.
Herzliche Grüße
Miriam Kaltenbach (WBI Freiburg)
Yannick Hauenstein (RP Freiburg)
Ihre Weinbauberater
Am 15.07. findet die zweite gemeinsame Rebbegehung des Badischen Winzerkellers statt. Treffpunkt: Ehrentrudiskapelle Munzingen um 18:00 Uhr. Nichtmitglieder sind ebenfalls herzlich willkommen.
Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 16. Juli 2026.