Weinbauinfo Nr. 14-2026 vom 09.07.2026
Agenda - Trockenstress am südlichen Kaiserstuhl
- Sonnenbrand in Verbindung mit PS
Vegetationsstand und Witterung
Die Traubenentwicklung in den Gemarkungen, die am 30.06. ausgiebige Niederschläge bekommen haben, ist sehr positiv. Die Beeren sind gut gefüllt. Teilweise findet man schon sehr kompakte Burgundertrauben. Anders sieht es in den Gemarkungen am südlichen Kaiserstuhl aus, in denen am 30.06. nur geringe Niederschläge um die 4-6 mm gefallen sind. Hier sind starke Anzeichen von Trockenstress bei Rebanlagen, die auf Böden mit geringer Mächtigkeit wachsen, zu beobachten. Viele Anlagen haben ihr Wachstum eingestellt. Einige Winzer sind am Wasser fahren um Trockenschäden abzuwenden. Dies gelingt überwiegend in diesen Parzellen, in denen Tropfbewässerungsrohre installiert sind und Equipment fürs Wässern, große Wassertanks, evtl. Pumpen vorhanden sind. Ein aufwändiges unterfangen?! Aber in der Spitze der Trockenstandorte für mansche Reben-Standorte überlebensnotwendig.
Das Entwicklungsstadium „Ende des Traubenschlusses“ BBCH 79 ist überall erreicht. Bei zeitlich weiterhin relativ gleich getakteter Phänologie wie 2022 ist mit dem Beginn der Reife, BBCH 81, in 8-10 Tagen zu rechnen. Bei den Standardsorten zeigt dann oft Müller-Thurgau als Erster, gelbfärbende Beeren.
Erste Meldungen von Oidium, Echter Mehltau, aus unzureichend gepflegten Chardonnay Anlagen sind bei mir eingegangen. Dies war aufgrund, der für Oidiuminfektionen optimalen, anhaltenden Witterungsbedingungen, nicht anders zu erwarten. Bitte kontrollieren sie ihre Trauben auf Oidiumbefall, grauer Pilzbelag an den Beeren, am Beerenansatz oder an Blättern. Melden sie Oidiumbefall bitte direkt der Weinbauberatung um frühzeitig notwendige Sonderbehandlungen zu besprechen.
Foto: Oidium an Chardonnay aus unzureichend gepflegten Rebanlagen Kaiserstuhl
Die Wettervorhersage meldet weiterhin hoch sommerliche Temperaturen, sehr sonnig und trocken. Leider sind momentan keine Niederschläge für das Beratungsgebiet vorhergesagt.
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Weiterhin wird in den Nicht-Pheromongebieten, Flug des Traubenwicklers beobachtet.
Als Kontrolle bitte ich die Verfahrensleiter der gemeinschaftlichen Pheromonverfahren, zwischen dem 16.-20. Juli, eine Traubenbonitur durchzuführen. Bitte prüfen sie fortlaufend 25 Trauben auf Befall (Einbohrstellen des Sauerwurms mit Kot-Vorhof) und dokumentieren sie die Bonitur. Die Kontrolle dient zur Absicherung der Funktion der gemeinschaftlichen Pheromonverwirrung in den verschiedenen Gemarkungen am Kaiserstuhl. Bitte melden Sie Befall direkt der Weinbauberatung.
Pilzkrankheiten
Der Gesundheitszustand der Reben ist tadellos. Entsprechend stehen i.d.R. noch zwei Behandlungen bis zur Abschlussspritzung am 25.07.2026 an. Spritzabstand 12-14 Tage.
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora Kontaktfungizide wie z.B. Folpan WG 1,4 Kg/ha WZ 35 Tage) oder Delan SC 0,6 L/ha (WZ 42 Tage) alternativ Kupferpräparate wie z.B. Funguran Progress 0,5-0,7 Kg/ha (WZ 21 Tage), (Strategie PSM-Einsparung, Spritzabstand 10 Tage). Alternativ 3-4 L/ha Mildicut (WZ 21 Tage), bei deutlich höheren Kosten.
Gegen Oidium ein organisches Fungizid wie z.B. Vivando 0,24 L/ha (WZ 28 T) oder Kusabi 0,3 L/ha (WZ 28 T) oder Talendo Extra 0,4 L/ha (WZ 28 T). In ganz gesunden Normalanlagen (Burgundersorten), mit bisher nicht bekanntem Oidiumbefall, sind auch Sarumo 0,75 L/ha (WZ 28 T) oder Topas 0,32 L/ha (WZ 35 T) eine mögliche Alternative. Netzschwefel als Strategie zur PSM-Einsparung mit Spritzabstand 10 Tage mit den Produkten mit kurzer Wartezeit wie z.B. Kumulus WG 4,0 Kg/ha (WZ 28 T) oder Netzschwefel Stulln 5,0 Kg/ha (WZ 28 T). Bei Netzschwefel in Verbindung mit Bittersalz wurden bei Temperaturen über 30°C teilweise Verbrennungen an Blättern gemeldet. Bitte Wirkstoffwechsel aus Gründen des Resistenzmanagement beachten.
Allgemeine Hinweise:
§ Der Wasseraufwand beträgt 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.
§ Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 3,5 - 4,0.
§ Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!
§ Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)
§ Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden.
§ Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung
§ Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz.
§ Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital
erfolgen!
Wichtiger Hinweis:
Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.
Sonnenbrand
Beim Pflanzenschutz entstehen beim Zusammenlaufen der Spritzflüssigkeit z.B. auf den Beeren große Tropfen, die wie ein Brennglas wirken. Die Effekte sind folgende:
Das kann man evtl. durch feineres Sprühen verhindern (Düsenwahl überdenken)
Foto: Blattverbrennungen evtl. durch Netzschwefel in Kombination mit Bittersalz
Trauben Teilen
Das Trauben Teilen ist aktuell eine gute Möglichkeit dicht bepackte Trauben mit hoher Beerenanzahl zu halbieren um das Fäulnisrisiko zu senken und Erträge einzustellen.
Bodenpflege
Es bleibt bei der Empfehlung zur wassersparenden Bodenpflege; Begrünungen Walzen oder hoch Mulchen. Bereits ausgetrocknete
Begrünungen bedecken den Boden gegen Sonne und Hitze und sollten nicht mehr bearbeitet werden.
Tiefere Bodenbearbeitungen sollten aufgrund von Freisetzung höherer Stickstofffrachten im Boden unterlassen bzw. zum Zeitpunkt nach der Lese als Vorbereitung für Wintereinsaaten verschoben werden.
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl