Weinbauinfo Bodensee Nr. 14

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Allgemeiner Entwicklungsstand

Die Gewitterfront der letzten Tage brachte eine erwünschte Abkühlung und eine Ende der zuletzt mit über 40° C hohen Hitzephase im Juni.  Die Wetterdaten des Juni 2026 sind noch ausgeprägter wie in 2025: eine höhere Abweichung (Bodensee + 4,8° C, im Westen + 6,3° C) und ein hohes Wasserbilanzdefizit um 80 mm im Beratungsgebiet. Das ausgetrocknete Land atmet den Geruch des Südens. Unsere Vegetation ist nicht auf solche Hitzephasen eingestellt. Geschädigtes oder verbranntes Laubwerk, abgestorbene Äste sind an Büschen und Bäumen unübersehbare Zeichen zu hoher Einstrahlung und Temperaturen. In der Landwirtschaft ist die laufende Kirschenernte teilweise durch schrumpelnde Kirschen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Selbst an den Reben sind vereinzelt geschädigte Blätter zu finden, aber sonstige Sonnenbrandschäden an z.B. Trauben sind bisher nicht beobachtet oder gemeldet. Die Niederschläge sind wie bei Gewittern üblich sehr ungleich verteilt. Von rund 10 mm bis zu lokal über 60 mm reicht die Spanne, bei grösserer Menge ab 20 mm ein Erfrischung zur rechten Zeit. Im Beratungsgebiet profitiert von den Regen im Westen nur die nördliche Hälfte des Tuniberges, ansonsten gingen die grossen Regen links und rechts vorbei. Im Bodenseeraum blieb der Klettgau ohne nennenswerte Niederschläge. Zum Glück gab es im Beratungsgebiet keine Hagelschäden. Wo kaum Wasser kam, ist die Trockenheitsfrage hoch aktuell, da für die kommenden 10 Tage kein Niederschlag mehr genmeldet ist und die Temperaturen wieder steigen. Besonders Junganlagen sind gefährdet. Die vielfach lockeren Trauben verdecken das Stadium Traubenschluss, dieser ist aber erreicht, im Bodenseeraum steht dieser bevor. 

 

Zu den tierischen Schädlingen

Die Fallen zur Kontrolle des Traubenwicklerfluges sind im gewohnten Rhythmus zu überwachen. In der Flugzeit der Windglasflügelzikade sollten deren Wirtspflanzen, wie Winde und Brennnessel, weder mechanisch noch durch Herbizide abgetötet werden. Dies würde die Zikaden zu Suchflügen nach neuen Nahrungsquellen zwingen. Dadurch steigt die Gefahr, dass infizierte Zikaden die Reben anstechen und infizieren. Je nach Witterung endet die Flugzeit gegen Ende Juli bis Mitte August. 

 

Zu den Pilzkrankheiten

Durch die Niederschläge wären erneute Primärinfektionen der Peronospora zu erwarten, aber durch die trockenen Böden, die mehrfach behandelten Laubwände und zusätzlich keinerlei aktiven Ölflecken im Laub vor den Regen ist das Risiko sehr gering. Dazu ist die Vorhersage vorerst trocken. Die damit insgesamt sehr stabile und mehr als erfreuliche Gesundheitslage ermöglicht es nun, die Pflanzenschutzabstände zu ziehen. Die immer von mehr Risiko behafteten Entwicklungszeiten der Hauptlaubwand und der Trauben ist weitestgehend abgeschlossen. Bei normalem Verlauf – also ohne wesentliche und auch nicht absehbare Wetterkapriolen - kann der Pflanzenschutz bis zum Abschluss mit max. drei Behandlungen umgesetzt werden. Für den Tuniberg wird die anstehende Behandlung auf das Wochenende empfohlen. Es kommen zum Einsatz: gegen Oidium ein gutes Mittel im Übergang, immer im Wirkstoffwechsel und möglichst nur einmalig: Kusabi mit 0,263 l / ha, Belanty mit 1,5 l / ha, Vivando mit 0,24 l / ha oder Dynali mit 0,7 l / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Gegen Peronospora wird die Mittelmenge nicht erhöht oder reduziert: Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha, bei Reduktion 1,0 kg / ha, bzw. 1,5 l / ha Mittelaufwand. 

Im Bodenseeraum wird ein Abstand von um die 12 Tagen empfohlen. Mit Blick auf Oidium daher folgende Empfehlung: gegen Oidium ein gutes Mittel im Übergang, immer im Wirkstoffwechsel und möglichst nur einmalig: Kusabi mit 0,263 l / ha, Belanty mit 1,5 l / ha, Vivando mit 0,24 l / ha oder Dynali mit 0,7 l / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Gegen Peronospora wird die Mittelmenge nicht erhöht oder reduziert: Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha, bei Reduktion 1,0 kg / ha, bzw. 1,5 l / ha Mittelaufwand.

Generell ist von einer Reduktion abzusehen, sofern eine deutliche Wetteränderung eintreten würde. 

Sollte an heissen Tagen behandelt werden, empfiehlt sich eine Verlegung des Pflanzenschutzes in die kühleren Tageszeiten: früh morgens oder abends. Bei Fahren in der Hitze wird der Zusatz von Bittersalz nicht empfohlen, wobei dies generell nachteiliger ist und nach Möglichkeit vermieden werden sollte.

Bei Tafeltrauben ist auf den Einsatz entsprechend zugelassener Mittel zu achten.

Im gesamten Beratungsgebiet ist der Einsatzzeitpunkt eines Botrytismittels zur Vortraubenschlussbehandlung zu überlegen. Es ist abzuwägen: die oft lockere Traubenstruktur, die Art und Weise der Entblätterung, eine eventuelle Notwendigkeit in Premiumlinien und natürlich die Kostenfrage. Der Einsatz kann bei lockerer Struktur noch gezogen werden, bis sich das einstellende Traubenbild klarer abzeichnet und die Lockerheit zusätzlich für eine Verschiebung der Wirkungsdauer genutzt wird. Bei Anlagen mit sich abzeichnenden dichteren Trauben und ohne Säuberung von Blütenresten durch moderates Ausblasen (welches oft die Wirkung einer Botytisbehandlung hat) kann der Einsatz sinnvoll sein. Zum Einsatz kommen: zur Traubenzonenbehandlung ein Botrytismittel wie z.B. Switch mit 0,48 kg / ha, Teldor mit 0,75 kg / ha, Kenja mit 0,75 l / ha oder Cantus mit 0,6 kg / ha Mittelaufwand. Cantus oder Kenja kann nur eingesetzt werden, sofern bei der Oidumbehandlung ein SDHI – Mittel nur einmal eingesetzt wurde und die Behandlung nicht im Block erfolgt. Kenja und Cantus sind ebenfalls in der SDHI - Wirkstoffklasse. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Gutes Handwerk bei dieser Massnahme bedeutet das Fahren jeder Gasse. Eine vorausgehende Entblätterung erhöht die Wirksamkeit der Mittel enorm.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

 

Weinbauliche Hinweise 

Für eine bessere Versorgung der Stielgerüste wird der Einsatz von 12 bis 15 kg / ha Bittersalz zum Schutz gegen Stiellähme, Produkt EpsoTop, empfohlen. Alternativen sind Präparate auf Basis von Magnesiumoxid (z.B. Lebosol Magnesium 400 SC, Folicin Magnesium). Achten Sie bei Magnesiummangel anfälligen PIWI – Sorten auf auftretende Mangelsymptome. Hier ist eine Blattdüngung mit Magnesium sinnvoll. Cabernet Cortis und Muscaris haben eine Neigung zu Stiellähme. Auch hier ist Magnesium hilfreich.

Der Zusatz von 0,5 kg Harnstoff auf 100 l fertige Spritzbrühe oder der Einsatz von 2 l / ha Siapton oder Aminosol ist ins besonders in den trockneren Lagen vorteilhaft und in Anlagen mit stark reduziertem Düngereinsatz. 

Die Trockenheitsfrage nimmt zu. Leider gab es nicht überall eine Entspannung. Hochstehende Begrünungen und Einsaaten sollten möglichst gewalzt oder deckend gemulcht werden, um zusätzlich der Verdunstung entgegen zu wirken und die Böden kühl zu halten. Zugleich wird bei Starkregen der Oberflächenabfluss von Wasser verringert. Ein Kurzrasenmulchen sollte vermieden werden, damit die Böden in den Hitzephasen nicht ausglühen. In der Jungfeldpflege ist auf ein sauber halten des Pflanzstreifens zu achten, damit es nicht vergrast und keine Konkurrenzsituation zu den Jungreben entsteht. Achten Sie auf ausgeprägten Trockenstandorten auf beginnende Trockenheitssymptome wie hängende Ranken. Besonders in Junganlagen von Hochstammreben muss rechtzeitig bewässert werden. Als Richtwert gelten 10–20 Liter je Stock als Einmalgabe im Abstand von etwa 10 bis 14 Tagen. Ältere Anlagen sind zwar durstig, stehen bis auf wenige stark flachgründige und skeletthaltige oder sandig – kiesige Standorte aber noch stabil. Hier kann mit 8 – 10 l / Stock je Gabe bewässert werden, sofern die Möglichkeit besteht. Eine weitere Möglichkeit ist die Entlastung von Reben, also entfernen von Trauben, eine Methode, welche besonders für Junganlagen vorteilhaft ist. Um dem Risiko der Erosion bei Starkregen - welche aktuell wieder zu sehen waren - entgegen zu wirken, sollten in hängigen Lagen in den Junganlagen als Mindestmassnahme Strohtreifen gelegt werden. 

 

Sonstige Hinweise

Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg lädt ein zur Weinprobe am Stock. In der Rebenzüchtung des Institutes werden neue Zuchtstämme vorgestellt. Termin: 04.08.2026, um 09:30 und bei hoher Beteiligung als weiterer Termin um 13:30. Bitte beachten Sie den beigelegten Flyer.

Die Wildforschungsstelle des Landes (WFS) möchte darauf hinweisen, dass alle interessierten Landwirte, Jäger, Jagdgenossen sowie Vertreter der Städte und Gemeinden sowie Vertreter der entsprechenden Behörden an einem Grundlehrgang zur Wildschadensschätzung im Feld teilnehmen können. Weitergehende Informationen und die onlinebasierte Anmeldemöglichkeit finden Sie unter: Wildschätzung

Besuchen Sie das Freiburger Weinfest, welches heute am Donnerstag eröffnet wird und bis zum 07. Juli dauert.

 

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 09. Juli 2026.