Weinbauinfo Kaiserstuhl Nr. 13-2026

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Weinbauinfo Nr. 13-2026 vom 01.07.2026

 

Agenda      -    Sonderinfo nach Hagel

 

Vegetationsstand und Witterung

Eine Gewitterzelle am Abend des 30.06. entwickelte sich im inneren Kaiserstuhl zu einem Unwetter mit Starkregen, Sturm und Hagel. Dabei war der Hotspot auf der Gemarkung Schelingen mit besonders starkem Hagelschlag. Hier stehen in einem Teil der Flächen nur noch die Triebe an der Fruchtrute, ohne Blätter und Trauben (100% Ertragsschäden). Weitere Schäden wurde gemeldet aus Oberbergen, Alt-Vogtsburg, Bickensohl, Ihringen und am östlichen Kaiserstuhl auf den Gemarkungen Bötzingen Richtung Vogelsang, Eichstetten in einem begrenzten Bereich Richtung Bahlingen. Die Niederschlagsmeldungen bewegen sich zwischen 40 mm in 30 Minuten bis 5,8 mm Wetterstation Blankenhornsberg. 

Es ist damit zu rechnen, dass die Reben durch den Hagel einen vegetativen Schock haben. D.h. sie werden die nächsten 8-10 Tage kaum Wachstum zeigen. Dann wird voraussichtlich ein starkes Geiztriebwachstum einsetzten. Das neue Blattwerk ist für die Photosynthese und auch für die Reservestoffeinlagerun der Reben sehr wichtig und sollte nach Möglichkeit gesund gehalten werden. Weitere Empfehlungen in kommenden Weinbauinfos.

Eine wichtige Maßnahme nach Hagel oder Starkregen ist eine Pflanzenschutzmaßnahme. Aber auch der Arbeitsschutz hinsichtlich Befahrbarkeit der Rebanlagen und Wendeflächen sollte aktiv kontrolliert werden. Denn Abschwemmungen an Böschungen können bei nachfolgenden Schlepperarbeiten gefährlich sein.

Die Wettervorhersage meldet nach morgiger Bewölkung ab Freitag mehr Sonne, trocken und ansteigende Tageshöchsttemperaturen über 30°C.

 

Foto: 30.06.2026 Hagelschlag in V-Schelingen

 

Rebschutz

Tierische Schädlinge

Traubenwickler

Der Flug der zweiten Generation des Traubenwicklers ist seit Mitte Juni hinsichtlich der notwendigen Temperatursumme möglich. 

Bitte wechseln sie Köder und Leimböden in ihren Kontrollfallen zur Verfolgung des Fluges der nächsten Generation. Fallenkontrolle bitte mindestens 1 x pro Woche.

 

Pilzkrankheiten

Erfahrungsgemäß bluten die Reben an den Wunden nach Hagelschlag lange nach. Dies eröffnet vorhanden Sporen der Peronospora ein langes Zeitfenster der Infektion. Deshalb empfehlen wir nach Hagel innerhalb von 24 Stunden eine tiefenwirksame-kurative Peronosporabehandlung. Zum Einsatz kommen z.B. Pergado 2,4 kg/ha oder Melody Combi 2,2 Kg/ha oder Fantic F 2,5 Kg/ha.

Bei geplanter Belagserneuerung nach stärkeren Niederschlägen, ohne Hagel, können Kontaktfungizide wie z.B. Folpan oder Delan SC (Basis x 4) vor den nächsten Niederschlägen zum Einsatz kommen. Spritzung sollte vor dem Wochenende (Ablauf der Inkubation) erfolgen.

Gegen Oidium ein organisches Fungizid wie z.B. Belanty 1,5 L/ha oder Talendo 0,375 L/ha oder Collis 0,64 L/ha. Bitte Wirkstoffwechsel aus Gründen des Resistenzmanagement beachten.

 

 

Allgemeine Hinweise:

§  Der Wasseraufwand beträgt 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.

§  Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 4,0. 

§  Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!

§  Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)

§  Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden. 

§  Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung 

§  Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz. 

§  Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.

Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital erfolgen!
 

Wichtiger Hinweis: 

Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.

 

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten

Auch bei PIWI sollte nach Starkregen bzw. Hagel eine Behandlung erfolgen.

 

Trauben Teilen 

Das Trauben Teilen ist aktuell eine gute Möglichkeit dicht bepackte Trauben mit hoher Beerenanzahl zu halbieren um das Fäulnisrisiko zu senken und Erträge einzustellen.

Ausdünnen

Die Weinbauberaterkollegen aus der Pfalz empfehlen Vollernterausdünnung bei Minimalschnittanlagen und Spalieranlagen mit zu hohem Ertrag. Dies könnte meiner Einschätzung nach auch eine praktische Möglichkeit für den Langzapfenkordon darstellen. Hier kann man teilweise sehr hohe Erträge und Stockbelastungen in der Praxis beobachten. Die kann im Folgejahr Überlastungschlorose und Alternanz fördern! Außerdem ist die Ertragseinstellung ein Muss hinsichtlich der Weinqualität.

Optimal hierfür ist der Zeitpunkt „Erbsengröße der Beeren“. Als Faustwert kann angenommen werden, dass ungefähr die gleiche Menge Beeren die durch die Vollernterausdünnung angeschlagen werden nochmal herausfallen. D.h. Bei 20% angeschlagenen Beeren = 40 % mögliche Ertragsreduzierung. Um Erfahrungen zu sammeln ist es sinnvoll in den Anlagen einen Versuch mit der Maschine durchzuführen um die passende Einstellung zu finden. Zwei Tage später bonitieren, Einstellung korrigieren und dann ausdünnen.

Bodenpflege
Es bleibt bei der Empfehlung zur wassersparenden Bodenpflege; Begrünungen Walzen oder hoch Mulchen. Bereits ausgetrocknete Begrünungen bedecken den Boden gegen Sonne und Hitze und sollten nicht mehr bearbeitet werden.

Tiefere Bodenbearbeitungen sollten aufgrund von Freisetzung höherer Stickstofffrachten im Boden unterlassen bzw. zum Zeitpunkt nach der Lese als Vorbereitung für Wintereinsaaten verschoben werden. Wer in Trockenstandorten die Bodenkapillaren schließen möchte sollte nach Abtrocknung des Oberbodens eine flache Bearbeitung in den bereits offen gehaltenen Gassen mit der Kreiselegge durchführen.

 

Tobias Burtsche

Weinbauberatung Kaiserstuhl