Weinbauinfo Nr. 12-2026 vom 25.06.2026
Agenda - Termin Abschlussbehandlung PS
Vegetationsstand und Witterung
Die anhaltende Hitzewelle soll am Wochenende ihren Höhepunkt mit bis zu 41°C Tageshöchsttemperatur erreichen. Für nächste Woche ist eine Abkühlung auf Tageshöchsttemperaturen bis zu 30°C vorhergesagt. Auch Gewitter und Schauer sind möglich und wären sehr willkommen um die Natur und Landwirtschaft mit Wasser zu versorgen.
In den meisten Rebanlagen ist das Entwicklungsstadium BBCH 79 Traubenschluss erreicht. Die Trauben, respektive Beeren haben beachtlich an Volumen zugelegt. Eine tolle und überraschende Entwicklung bei dieser extremen Hitze. Auch der Zuwachs in bereits gegipfelten Anlagen ist auf den überwiegend tiefgründigen Lössböden erstaunlich. Genau das Gegenteil beobachten wir in Anlagen auf weniger tiefgründigen Vulkanverwitterungsböden und bei jüngeren Reben, Junganlagen. Besonders junge Hochstammreben zeigen Wassermangel (hängenden Ranken, untere Blätter gelb bis vertrocknet, Triebspitzen abgestoßen). Gerade Nachpflanzreben sollten unbedingt gegossen werden. Aber auch Ertragsanlagen auf Trockenstandorten sollten, wo technisch und wirtschaftlich sinnvoll, eine Wassergabe (10 L/Rebe) erhalten.
Bei einer gestrigen gemeinsamen Besprechung mit der Abteilung Biologie und Pflanzenschutz am WBI, der Südbadischen Weinbauberatung unter der Federführung des Regierungspräsidiums Freiburg wurde unter Berücksichtigung des aktuellen Gesundheitszustandes der Reben, sowie der vegetativen Gegebenheiten 2026, die Abschlussbehandlung Pflanzenschutz der 25. Juli datiert. Für frühe Lese: „Traubensaft, Neuer Süßer und Sektgrundweine der 18. Juli 2026“. Damit sind noch 2-3 Behandlungen im Abstand von 10-14 Tagen einzuplanen.
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Der Flug der zweiten Generation des Traubenwicklers ist seit Mitte Juni hinsichtlich der notwendigen Temperatursumme möglich. Aktuell waren die Temperaturen für den Mottenflug zu warm/heiß.
Bitte wechseln sie Köder und Leimböden in ihren Kontrollfallen zur Verfolgung des Fluges der nächsten Generation. Fallenkontrolle bitte mindestens 1 x pro Woche.
Pilzkrankheiten
Das Entwicklungsstadium Traubenschluss schränkt die natürliche Anfälligkeit der Trauben gegenüber den Pilzkrankheiten Falscher und Echter Mehltau stark ein. Zusätzlich reduzieren die trocken-heißen Witterungsbedingungen bei Peronospora mögliche Bodeninfektionen. Das Infektionsrisiko geht gegen 0.
Auch Oidium leidet unter der Hitze. Das optimale Wachstum des Pilzes liegt bei 25 °C bis 26 °C. Ab 35 °C stoppt die Ausbreitung fast vollständig. Temperaturen über 40 °C können sogar den direkten Hitzetod für den Pilz bedeuten. Bei 37 °C finden so gut wie keine Neuinfektionen statt.
Damit sind Spritzintervalle von 12-14 Tagen verantwortbar. Bitte planen sie bis zur Abschlussbehandlung 25.07. noch 3 Belagsspritzungen ein.
Eine Einsparung von Pflanzenschutzmittel ist unter den gegebenen Umständen gut möglich.
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG 1,4 Kg/ha oder Delan SC 0,6 L/ha.
Gegen Oidium letztmalig ein organisches Oidiummittel aus der Gruppe 3 wie z.B. Dynali 0,7 L/ha oder Vivando 0,28 L/ha oder Kusabi 0,3 L/ha.
Einsparung von Pflanzenschutzmittel
Witterungsbedingt kann eine Reduktionsstrategie mit Pflanzenschutzmittel überlegt werden. Zum Einsatz kommen gegen Peronospora Kupferpräparate (150-200 g/ha Reinkupfer) wie z.B. Funguran 0,6 Kg/ha und Netzschwefel 3,6 - 4,0 Kg/ha.
Spritzabstand 7 Tage.
Allgemeine Hinweise:
§ Der Wasseraufwand beträgt 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.
§ Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 4,0.
§ Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!
§ Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)
§ Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden.
§ Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung
§ Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz.
§ Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital
erfolgen!
Wichtiger Hinweis:
Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.
Pilzwiderstandsfähige Rebsorten
Haben aktuell eine Behandlungspause und sollten aus Gründen der Holzgesundheit bei der Abschlussbehandlung mitgefahren werden.
Vorbeugung von Stiellähme (sehr wichtig)
Die bisherigen Wetterkapriolen, starke Temperaturänderungen, teils Trockenheit können zu Stoffwechselstörungen führen. Deshalb wird empfohlen, spätestens ab Blüteende Bittersalz 1,5 - 3 % zur Spritzbrühe hinzuzugeben. Alternativ magnesiumhaltige Blattdünger wie z.B. Lebosol Magnesium 400 SC 2-5 L/ha oder Wuxal Magnesium 5 L/ha.
Es ist nicht zu empfehlen Bittersalz mit Phosphonaten zu mischen.
Weinbauliche Arbeiten
Junganlagen
Das Ausbrechen und Heften der Jungreben wie auch das freihalten von Beikräutern im Unterstockbereich sind entscheidende Arbeiten um den geraden Stammaufwuchs im ersten Standjahr zu fördern. Auch flache Bodenbearbeitung mit Grubber oder Kreiselegge sind wichtig um das Wurzelwachstum zu intensivieren.
Kulturarbeiten
Entblätterung
Viele Male beschrieben. Moderate Entblätterung! Sonnenseite bitte Blätterdach belassen! Bitte an Tagen über 30°C Entblätterungsmaßnahmen aussetzen.
Die Teilentblätterung der Traubenzone dient zur besseren Durchlüftung der Traubenzone und ist damit eine vorbeugende phytosanitäre Maßnahme gegen Pilzkrankheiten (Botrytis und Essigfäulnis). Bitte achten Sie auf das moderate Entblättern und Belassen sie ein schützendes Blätterdach auf der Sonnenseite zur Verhinderung von Sonnenbrand und bezüglich Aromaverlusten bzw. Verhinderung der Einlagerung von Bitterstoffen in den Trauben, die direkt der Sonne ausgesetzt sind.
Gipfeln
Ist mit dem Laubschneider technisch solange möglich wie die Triebe noch stehen oder sich zur Seite neigen. Teils hängende oder liegende Triebe werden vom Laubschneider nicht mehr erfasst. Je nach Zeilung der Rebanlage kann es Sinn machen, aus Gründen des Schattenwurfes auf die Traubenzone, die Triebe etwas länger zu belassen.
Trauben Teilen
Das Trauben Teilen ist aktuell eine gute Möglichkeit dicht bepackte Trauben mit hoher Beerenanzahl zu halbieren um das Fäulnisrisiko zu senken und Erträge einzustellen.
Ausdünnen
Die Weinbauberaterkollegen aus der Pfalz empfehlen Vollernterausdünnung bei Minimalschnittanlagen und Spalieranlagen mit zu hohem Ertrag. Dies könnte meiner Einschätzung nach auch eine praktische Möglichkeit für den Langzapfenkordon darstellen. Hier kann man teilweise sehr hohe Erträge und Stockbelastungen in der Praxis beobachten. Die kann im Folgejahr Überlastungschlorose und Alternanz fördern! Außerdem ist die Ertragseinstellung ein Muss hinsichtlich der Weinqualität.
Optimal hierfür ist der Zeitpunkt „Erbsengröße der Beeren“. Als Faustwert kann angenommen werden, dass ungefähr die gleiche Menge Beeren die durch die Vollernterausdünnung angeschlagen werden nochmal herausfallen. D.h. Bei 20% angeschlagenen Beeren = 40 % mögliche Ertragsreduzierung. Um Erfahrungen zu sammeln ist es sinnvoll in den Anlagen einen Versuch mit der Maschine durchzuführen um die passende Einstellung zu finden. Zwei Tage später bonitieren, Einstellung korrigieren und dann ausdünnen.
Bodenpflege
Es bleibt bei der Empfehlung zur wassersparenden Bodenpflege; Begrünungen Walzen oder hoch Mulchen. Bereits ausgetrocknete
Begrünungen bedecken den Boden gegen Sonne und Hitze und sollten nicht mehr bearbeitet werden.
Tiefere Bodenbearbeitungen sollten aufgrund von Freisetzung höherer Stickstofffrachten im Boden unterlassen bzw. zum Zeitpunkt nach der Lese als Vorbereitung für Wintereinsaaten verschoben werden. Wer in Trockenstandorten die Bodenkapillaren schließen möchte sollte nach Abtrocknung des Oberbodens eine flache Bearbeitung in den bereits offen gehaltenen Gassen mit der Kreiselegge durchführen.
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl