Weinbauinfo Bodensee Nr. 13

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Allgemeiner Entwicklungsstand

Vor längeren Jahren klagte ein Holländer über fehlende Sommer. Der diesjährige kommt derzeit mit einer für uns ungewohnten Wucht, bekannt in der neuen Form als Omega - Hoch. Er fördert das bilaterale Verständnis mit den Spaniern. Siesta ist nicht unbedingt nur ein Hang zum weniger tun, sondern sich als Mensch vor übermässiger Hitze zu schützen. Inzwischen sieht man die ersten Spuren in der Vegetation: Blattwerk zeigt Schäden von Temperatur und Einstrahlung. Die Reben sind bisher wenig bis nicht betroffen, aber von den zur Trockenheit neigenden Standorten gibt es Anzeichen, dass ein Schuss Wasser immer dringender wird. Skelettreiche Standorte mit hoher Einstrahlung beginnen auszuglühen und stellen das Wachstum ein. Im Beratungsgebiet ist der Anteil solcher Lagen zum Glück gering. Ebenso zeigt sich auf leichteren Standorten und im Wachstum schwächeren Anlagen eine Verlangsamung in der Traubenentwicklung. Standorte, auf denen alles stimmt, sind nach wie vor dynamisch und lassen den Traubenschluss in kurzer Zeit hinter sich. Mit sehr gesunden Reben schreiten wir in der Entwicklung voran. Ab dem Wochenende zum Wochenanfang sind wieder lokale Hitzegewitter angesagt, vergangenes Wochenende verlief ruhig. Hoffen wir, dass es bei Wasser bleiben könnte. Die kommende Woche soll in den Temperaturen nicht mehr diese Spitzen erreichen, es bleibt aber sommerlich warm. 

 

Zu den tierischen Schädlingen

Die Fallen zur Kontrolle des Traubenwicklerfluges sind im gewohnten Rhythmus zu überwachen. In der Flugzeit der Windglasflügelzikade sollten deren Wirtspflanzen, wie Winde und Brennnessel, weder mechanisch noch durch Herbizide abgetötet werden. Dies würde die Zikaden zu Suchflügen nach neuen Nahrungsquellen zwingen. Dadurch steigt die Gefahr, dass infizierte Zikaden die Reben anstechen und infizieren. Je nach Witterung endet die Flugzeit gegen Ende Juli bis Mitte August. 

 

Zu den Pilzkrankheiten

So ein gesundes Jahr könnte man anbinden. Die Strategie für Peronospora bleibt kostengünstig, klassische Kontaktmittel reichen völlig aus. Selbst wenn jetzt Gewitterregen fallen würden, so treffen diese auf sehr trockene Böden, wo selbst Bodeninfektionen unwahrscheinlich sind. Bei rascher Abtrocknung wird es selbst für die Sporenlebensdauer zu eng. Es ist eines der wenigen Jahre, in denen über eine Reduktion des Mittelaufwandes sinnvoll nachgedacht werden kann. Damit liegt weiterhin der Schwerpunkt des Pflanzenschutzes bei Oidium. Hier empfiehlt sich weiterhin ein guter Belag, wobei die Abstände nun gezogen werden können. Ab Traubenschluss geht die Empfindlichkeit rasch zurück und auch bei Oidium ist der bisherige Gesundheitszustand sehr gut, Tau am Morgen nicht zu finden. 12 bis 14 Tage sind gut umsetzbar, was Mitte kommender Woche bedeuten würde, bei stabiler Witterung kann auf das erste Juliwochenende gezogen werden. Es kommen zum Einsatz: gegen Oidium ein gutes Mittel im Übergang, immer im Wirkstoffwechsel und möglichst nur einmalig: Kusabi mit 0,35 l / ha, Belanty mit 1,5 l / ha, Vivando mit 0,24 l / ha oder Dynali mit 0,7 l / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Gegen Peronospora wird die Mittelmenge nicht erhöht oder reduziert: Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha, bei Reduktion 1,0 kg / ha, bzw. 1,5 l / ha Mittelaufwand. 

Im Bodenseeraum wird ein Abstand von 10 bis 12 Tagen empfohlen, was eine Folgebehandlung auf Mitte kommender Woche bedeutet. Hier gilt es noch den Beerenzuwachs aus der verzettelten Blüte gut gegen Oidium abzudecken. Mit Blick auf Oidium daher folgende Empfehlung: gegen Oidium z.B. Belanty mit 1,5 l / ha oder Vivando mit 0,24 l / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha Mittelaufwand.

Niemand weiss, was in Hitzegewittern enthalten sein kann. Daher zur Erinnerung: Sollte Hagel mit deutlicher Schädigung der Laubwand auftreten, wird empfohlen, umgehend mit einem tiefenwirksamen Mittel nachzufahren, um die Wunden im Blattwerk zu schützen. Hier gilt dann aktuell ein Mittelaufwand Basis x 3,5. Diese Strategie hat sich in vielen Vorjahren bewährt.

Sollte in den heissen Tagen behandelt werden, empfiehlt sich eine Verlegung des Pflanzenschutzes in die kühleren Tageszeiten: früh morgens oder abends. Bei Fahren in der Hitze wird der Zusatz von Bittersalz nicht empfohlen, wobei dies generell nachteiliger ist und nach Möglichkeit vermieden werden sollte.

Drei Behandlungen bei PIWI sind ausreichend, ausser bei Oidium empfindlicheren Cabernet – Kreuzungen aus Freiburg. Hier ist eine zusätzliche sicherer. Bei Tafeltrauben ist auf den Einsatz entsprechend zugelassener Mittel zu achten.

Im gesamten Beratungsgebiet ist der Einsatzzeitpunkt eines Botrytismittels zur Vortraubenschlussbehandlung zu überlegen. Es ist abzuwägen: die oft lockere Traubenstruktur, die Art und Weise der Entblätterung, eine eventuelle Notwendigkeit in Premiumlinien und natürlich die Kostenfrage. Der Einsatz kann bei lockerer Struktur noch gezogen werden, bis sich das einstellende Traubenbild klarer abzeichnet und die Lockerheit zusätzlich für eine Verschiebung der Wirkungsdauer genutzt wird. Bei Anlagen mit sich abzeichnenden dichteren Trauben und ohne Säuberung von Blütenresten durch moderates Ausblasen (welches oft die Wirkung einer Botytisbehandlung hat) kann der Einsatz sinnvoll sein. Zum Einsatz kommen: zur Traubenzonenbehandlung ein Botrytismittel wie z.B. Switch mit 0,48 kg / ha, Teldor mit 0,75 kg / ha, Kenja mit 0,75 l / ha oder Cantus mit 0,6 kg / ha Mittelaufwand. Cantus oder Kenja kann nur eingesetzt werden, sofern bei der Oidumbehandlung ein SDHI – Mittel nur einmal eingesetzt wurde und die Behandlung nicht im Block erfolgt. Kenja und Cantus sind ebenfalls in der SDHI - Wirkstoffklasse. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Gutes Handwerk bei dieser Massnahme bedeutet das Fahren jeder Gasse. Eine vorausgehende Entblätterung erhöht die Wirksamkeit der Mittel enorm.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

 

Weinbauliche Hinweise 

Für eine bessere Versorgung der Stielgerüste wird der Einsatz von 12 bis 15 kg / ha Bittersalz zum Schutz gegen Stiellähme, Produkt EpsoTop, empfohlen. Achten Sie bei Magnesiummangel anfälligen PIWI – Sorten auf auftretende Mangelsymptome. Hier ist eine Blattdüngung mit Magnesium sinnvoll. Cabernet Cortis und Muscaris haben eine Neigung zu Stiellähme. Auch hier ist Magnesium hilfreich.

Gipfeln bestimmt noch die Weinbauarbeiten, damit die Laubwände stabil bleiben und teure Nacharbeiten vermieden werden können. Achten Sie bei allen Entblätterungsarbeiten auf eine moderate Umsetzung, auch um bei Weissweinsorten die Aromatik zu erhalten. Bei hohen Temperaturen über 30° C sollten die Arbeiten eingestellt werden, um dem Sonnenbrandrisiko vorzubeugen.  Der Zusatz von 0,5 kg Harnstoff auf 100 l fertige Spritzbrühe oder der Einsatz von 2 l / ha Siapton oder Aminosol ist ins besonders in den trockneren Lagen vorteilhaft und in Anlagen mit stark reduziertem Düngereinsatz. 

Die Trockenheitsfrage nimmt zu. Hochstehende Begrünungen und Einsaaten sollten möglichst gewalzt oder deckend gemulcht werden, um zusätzlich der Verdunstung entgegen zu wirken und die Böden kühl zu halten. Zugleich wird bei Starkregen der Oberflächenabfluss von Wasser verringert. Ein Kurzrasenmulchen sollte vermieden werden, damit die Böden in den Hitzephasen nicht ausglühen. In der Jungfeldpflege ist auf ein sauber halten des Pflanzstreifens zu achten, damit es nicht vergrast und keine Konkurrenzsituation zu den Jungreben entsteht. Achten Sie auf ausgeprägten Trockenstandorten auf beginnende Trockenheitssymptome wie hängende Ranken. Besonders in Junganlagen von Hochstammreben muss rechtzeitig bewässert werden. Aufwändig, aber notwendig ist auch das Wässern der Nachpflanzreben. Um dem Risiko der Erosion bei Starkregen entgegen zu wirken, sollten in hängigen Lagen in den Junganlagen als Mindestmassnahme Strohtreifen gelegt werden. 

 

Sonstige Hinweise

Der Blick richtet sich rasch auf das Ende des Pflanzenschutzes. In Absprache mit dem Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg wurde der Abschlusstermin des allgemeinen Pflanzenschutzes 2026 auf den 25.07. festgelegt. Für Saft – und Sektgrundweinlesen gilt der 18.07. als Ende des Pflanzenschutzes. Bitte halten Sie Rücksprache mit ihren Vermarktungsbetrieben. Damit wären bei gutem Verlauf noch drei Behandlungen im Pflanzenschutz umzusetzen. Bitte beachten Sie die Beilage mit den Wartezeiten der Pflanzenschutzmittel.

 

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 02. Juli 2026.