Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2026 (KW 25)

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Blattläuse

Örtlich gab es in der zurückligenden Woche starken Zuflug von Blattläusen, vermutlich Mehliger Kohlblattlaus und Pfirsichlaus (Myzus persicae) in junge Kohlsätze. Die Bestände sollten kontrolliert werden. 

Geflügelte Blattläuse an Kohl
Bild: Zahlreiche neu zugeflogene Blattläuse auf jungen Rosenkohl. Geflügelte sind schwer zu bestimmen. 
Die frisch abgesetzten Jungen lassen vermuten, dass es sich um Mehlige Kohlblattlaus und Pfirsichlaus handelt. 

Raupen

Im Kohl sind regelmäßige Kontrollen auch auf Raupenbefall nötig. Der Kleine Kohlweißling ist zwar sehr intensiv mit Eiablage beschäftigt, bei trockener Hitze ist die Sterblichkeit der Raupen aber hoch. Örtlich gibt es noch Kohlmottenraupen in größerer Zahl. 

Der Flug der Lauchmotte hält an und an mehreren Standorten hat die Zahl der mit Raupen befallenen Pflanzen bereits die Bekämpfungsschwelle von 8 % überschritten.

In den meisten Salat-Beständen findet man an etwa 5 bis 10 % der Pflanzen Fraßspuren und Kot von Raupen. Es handelt sich vermutlich um die der Gammaeule. Ausgewachsen sind sie etwa 4 cm lang. Jetzt messen sie meist kaum 1 cm und sind zwischen den Blättern schwer zu finden.

Mit Bacillus thuringiensis können Raupen auch bei Temperaturen über 30 °C gut bekämpft werden. Die Spritzung sollte allerdings am späten Abend erfolgen, weil die Mittel empfindlich gegen UV-Strahlung sind. Die B.-t.-Mittel enthalten unterschiedliche Unterarten des Bakteriums, welche unterschiedlich wirken. Sollen Eulenraupen bekämpft werden, muss XenTari oder Lepinox Plus verwendet werden. 
Die Raupen der Lauchmotte minieren im Blatt nach unten. Im Schaft angekommen, fressen sie häufiger außerhalb der Blattminnen und nehmen das Bacillus eher auf. Mit einen Tensid oder Spreiter bekommt man die Spritzbrühe dorthin. Das systemisch wirkenden NeemAzal-T/S hat trotzdem die besseren Wirkungsgrade – aber nicht bei trockener Hitze. Die Kontaktwirkung von Pyrethroiden erfasst gut die adulten Kohlmotten, ist bei hohenTemperaturen aber auch nicht vorhanden, und durch Schädigung der Nützlinge kann ein Thripsproblem entstehen. 

Falscher Mehltau an Gurke

Der Falsche Mehltau der Gurke ist bei uns angekommen. In einem Gewächshaus in der Ortenau wurden einige kleine Infektionen gefunden. Eine schnelle Ausbreitung dieser Krankheit ist derzeit nicht zu erwarten. Die Sporen brauchen zum Infizieren eine Blattnässedauer von etwa zwei Stunden. Die wird jetzt kaum erreicht. Bei nachts geöffneter Lüftung gibt es morgens kein Kondens- oder Guttationswasser an den Pflanzen. Sprühimpulse, die tagsüber über Kopf gegeben werden, um die Gurken am Wachsen und die Phytoseiulus-Raubmilben am Leben zu halten, benetzten die Blätter nur für wenige Minuten und bieten damit keine Infektionsbedingungen. Sie sollten allerdings spätestens um 16 Uhr beendet sein, damit die Pflanzen vor der Nacht sicher abtrocknen. 

Spätestens wenn feuchtere Witterung sich ankündigt, sollten die Gurken vorbeugend mit einem Fungizid behandelt werden. Geeignet sind z. B. Ranman Top oder Ortiva. Aliette WG, Frutogard oder Orondis Evo (Art. 53, bis 24.09.2026) können auch noch bei bereits vorhandenen Infektionen eingesetzt werden. Wichtig ist ein Wirkstoffwechsel bei mehrmaligen Behandlungen.

 

Zulassungen

Lentagran WP (450 g/kg Pyridat) in der neuen Zulassung (Zul.-Nr. 043231-00) hat zahlreiche Zulassungserweiterungen erhalten gegen einjährige zweikeimblätterige Unkräuter im Freiland:

o   Mit 1 x 2 l/ha oder 2 x 1 kg/ha in Blumenkohle, Grünkohl, Rosenkohl, Rotkohl, Weißkohl, Wirsing nach dem Auflaufen oder 3-4 Wochen nach dem Pflanzen und Wartezeit=F 

o   Mit 1 x 2 l/ha in Kohlrabi nach dem Auflaufen oder 2-3 Wochen nach dem Pflanzen und Wartezeit= F

o   Mit 1 x 2 kg/ha oder 2 x 1 kg/ha in Zuckermais vom 2- bis 8-Blatt-Stadium und Wartezeit=42 Tage.

o   Mit 1 x 2 k/ha in Zwiebelgemüse zur Nutzung als Bundzwiebel nach dem Auflaufen und Wartezeit= 35 Tage

o   Mit 2 x 0,5 Kg/ha in Schwarzwurzel nach dem Auflaufen und Wartezeit=F

o   Mit 2 x 1 kg/ha in Spargel-Junganalagen als Unterblattbehandlung; Wartezeit=F

Lentagran WP mit der neuen Zulassungsnummer wird voraussichtlich nicht in der Saison 2026 verfügbar sein. Deshalb empfiehlt sich eine Bevorratung mit „altem“ Lentagran WP (Zulassungs-Nr. 033231-00). Dieses darf bis 28.08.2026 noch verkauft und bis 28.08.2027 aufgebraucht werden. 



Die Zulassung von AGIL-S (100 g/l Propaquizafop) wurde erweitert auf Salat-Arten und Spinat im Freiland gegen einjährige einkeimblättrige Unkräuter und Quecke mit 1 x 1,5 l/ha oder 2 x 0,6 l/ha; Wartezeit = 30 Tage (Salat-Arten) bzw. 40 Tage (Spinat)

 

Folgende Notfallzulassungen wurden ausgesprochen.

o   Pirimor G in Salate im Gewächshaus gegen Blattläuse mit 2 x 300 g/ha; Wartezeit=14 Tage. Dauer der Notfallzulassung: 08.06. bis 05.10.2026

o   Proman in Spargel im Freiland gegen Franzosenkraut-Arten, Vogel-Sternmiere, Einjähriges Rispengras mit 1 x 1,5 l/ha, in Ausnahmefällen bis 3 l/ha; Anwendung nach der Ernte von Juli bis August; Wartezeit=F; Zeitraum der Notfallzulassung: 01.07. bis 28.10.2026