Weinbauinfo Nr. 11-2026 vom 19.06.2026
Agenda - Sonnenbrandgefahr stark ansteigend
Vegetationsstand und Witterung
Die trocken-warme, aktuell schwül-warm bis heiße Witterung hat zu weiterem, ordentlichen Zuwachs der Laubwand (ca. 450 cm², ca. 2-3 Blätter) in unseren Reben geführt. Auch das Traubenwachstum hat kräftig zugelegt. In den meisten Anlagen finden wir erbsengroße Beeren und je nach Kompaktheit von Rebsorte und Klon auch Traubenschluss BBCH 75-79. Nach wie vor befinden sich die Trauben im hohen Risiko gegenüber Pilzkrankheiten. Insbesondere Oidiuminfektionen sind bei hohen Oidiumindex (Vitimeteo 100%) und den aktuellen heißen Tagen, mit Abkühlung und Taubildung über Nacht, eine hohe Gefahr. Dies gilt es mittels, noch kurzen Spritzintervallen von 10 Tagen bei Einsatz potentieller organischer Oidiumfungizide, Wirkstoffgruppe 3, zu berücksichtigen. Bei ausschließlichem Einsatz von Netzschwefel, z.B. im Ökoanbau, oder bei Pflanzenschutzmitteleinsparung, sollte der Spritzabstand bei 7 Tagen liegen.
Bei zeitgerechter Laubarbeit stehen die Laubwände, die Teilentblätterung der Traubenzone mittels Drucklufttechnik ist erfolgt und erstes Gipfeln wurde durchgeführt. Bei den aktuell vorhergesagten Tageshöchsttemperaturen von 35-38°C sollten die Arbeiten in den Reben aufgrund möglicher Sonnenbrandschäden bei vorherrschendem, empfindlichem Stadium „Erbsengröße der Beeren“, auf nur unbedingt notwendige Arbeiten wie z.B. Pflanzenschutz, hohes abdeckendes Mulchen oder Walzen der Begrünung begrenzt werden. Von Fortführung der Teilentblätterung der Traubenzone und dem Gipfeln sollte man an diesen heißen Tagen Abstand nehmen und den Trauben lieber den Schatten lassen, als Sonnenbrandschäden durch plötzliches Freistellen zu tolerieren. Denn Sonnenbrandschäden können sowohl an den Beeren als auch an den Stielgerüsten erfolgen. Dies führt zu Stoffwechselstörungen innerhalb der Trauben und zu Unterversorgungen von Beeren und Traubenteilen und schadet der Traubenqualität. Letztendlich können empfindliche Ertragsschäden entstehen.
Die Blüte hat je nach Sorte und Lage teilweise zu Verrieselungen geführt. Von massiven Ertragsschäden wurde bisher nicht berichtet. Sehr schön präsentieren sich Müller-Thurgau und Grauburgunder. Verrieselungen zeigen L-Klone, Spätburgunder Fr-1801 und teilweise andere mischbeerigen Sorten, deren Zuchtziel in den 1990 er Jahren, dahingehend verfolgt wurde.
Die Wettervorhersage meldet sehr heiß über das Wochenende. Für Dienstag nächste Woche sind 40°C in der Vorhersage. Mögliche schnell
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler
Der Flug der ersten Generation des Traubenwicklers ist abgeschlossen. Möglicher Befall müsste bei den Laubarbeiten in Form von Gespinsten (Heuwurmbefall) in den Gescheinen zu finden sein. Bisher sind keine Meldungen eingegangen. Da bisher keine Auffälligkeiten in aus den verschiedenen Gemarkungen bekannt sind, ist davon auszugehen, dass auch keine Heuwürmer gefunden werden. Melden sie Heuwurmgespinste bei ihrem zuständigen Rebschutzwart in der jeweiligen Gemarkung.
Bitte wechseln sie Köder und Leimböden in ihren Kontrollfallen zur Verfolgung des Fluges der nächsten Generation
Winden-Glasflügelzikade
als Überträger von Phytoplasmen die die Schwarzholzkrankheit auslösen können Haben ihre Flugtätigkeit bereits aufgenommen. Bitte lassen sie das Habitat (Brennnesselhorste und Winden) für diese Zikade ab jetzt stehen. Damit verhindern sie, dass die Zikade auf die Reben fliegt und die Schwarzholzkrankheit durch die Übertragung von Phytoplasmen auslösen kann.
Pilzkrankheiten
Witterungsbedingt haben wir das geringste Peronosporainfektionsrisiko wie schon viele Jahre nicht mehr. Demgegenüber steht aber nach wie vor das anhaltende Infektionsrisiko durch den Sonnenpilz Oidium (Echter Mehltau). Weiterhin ist Oidium die Leitkrankheit und gibt den Behandlungsintervall vor. Spritzabstand 10 Tage. Zum Einsatz gegen Oidium kommen Mittel der Wirkungseistufung 3 = Hoch, wie z.B. Belanty 1,75 L/ha (6 geöffnete Düsenpaare) oder Talendo 0,4 L/ha oder Dynali 0,8 L/ha.
Gegen Peronospora Kontaktfungizide wie z.B. Folpan 80 WDG 1,6 Kg/ha, Folpan 500 SC 2,4 L/ha, Delan SC 0,64 L/ha.
Einsparung von Pflanzenschutzmittel
Witterungsbedingt kann eine Reduktionsstrategie mit Pflanzenschutzmittel überlegt werden. Zum Einsatz kommen gegen Peronospora Kupferpräparate (150-200 g/ha Reinkupfer) wie z.B. Funguran 0,6 Kg/ha und Netzschwefel 3,6 - 4,0 Kg/ha.
Spritzabstand 7 Tage.
Allgemeine Hinweise:
§ Der Wasseraufwand beträgt 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Bzw. 800-1400 L/ha im Spritzverfahren.
§ Die angegebenen Mittelmengen bezogen auf den aktuellen Entwicklungszustand der Reben ist Basis x 4,0.
§ Für alle Pflanzenschutzmittelangaben gilt: ohne Gewähr!
§ Bitte benutzen Sie abdriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. In Schutzgebieten zwingend vorgeschrieben (IPS +)
§ Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden.
§ Nutzen Sie Tage mit geringem Windaufkommen. Siehe hierzu Vitimeteo-Wetter-Meteogramme zur Planung
§ Bitte beachten Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz.
§ Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
Pflanzenschutzmaßnahmen müssen mittels Spritzdokumentation aufgezeichnet werden. Dies kann handschriftlich aber auch digital
erfolgen!
Wichtiger Hinweis:
Die Grundlage für eine erfolgreiche Mehltaubekämpfung ergeben sich aus der richtigen Terminierung, beste Applikationsqualität und die Berücksichtigung des Antiresistenzmanagements, d.h. konsequenter Wirkstoffwechsel. Zudem sollte bei anfälligen Sorten wie z.B. Müller-Thurgau, Silvaner, Chardonnay und insbesondere Cabernet Dorsa, sowie in den Befallsanlagen jede Gasse befahren werden. Die Kombination eines Multisitewirkstoffes (Netzschwefel 3,6 Kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich bei organischen Wirkstoffen, Resistenzen gegen Mehltau entwickeln. Aktuell fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Weinbauberatung keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz ausgesprochen werden.
Pilzwiderstandsfähige Rebsorten
Je nach Infektions- und Krankheitsdruck werden 2-4 Pflanzenschutzbehandlungen vor, während und bis nach der Blüte auch bei den Piwis empfohlen. Dies ist besonders in Bezug auf Mehltau eine wichtige Maßnahme.
Pilzwiderstandsfähige Reben jetzt unbedingt mitbehandeln!
Vorbeugung von Stiellähme (sehr wichtig)
Die bisherigen Wetterkapriolen, starke Temperaturänderungen, teils Trockenheit können zu Stoffwechselstörungen führen. Deshalb wird empfohlen, spätestens ab Blüteende Bittersalz 1,5 - 3 % zur Spritzbrühe hinzuzugeben. Alternativ magnesiumhaltige Blattdünger wie z.B. Lebosol Magnesium 400 SC 2-5 L/ha oder Wuxal Magnesium 5 L/ha.
Es ist nicht zu empfehlen Bittersalz mit Phosphonaten zu mischen.
Weinbauliche Arbeiten
Junganlagen
Für eine Peronospora-Bekämpfung werden im vorbeugenden wöchentlichen Spritzintervall Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG 0,4 Kg/ha oder Delan 0,2 Kg/ha oder Mildicut 1,0 L/ha empfohlen. Konzentrierung Basisaufwand/ha bezogen auf 400L/ha Wasseraufwand. Wer nach ergiebigen Niederschlägen, starkem Zuwachs seine Junganlagen behandelt sollte aus Gründen der Wirkungssicherheit ein tiefenwirksame Peronospora-Fungizide einsetzen, wie z. B. Melody Combi 0,55 kg/ha oder Fantic F 0,6 Kg/ha oder Forum Gold 0,48 Kg/ha (Basisaufwand auf 400 L/ha).
Zur Oidiumbekämpfung wird der Zusatz eines organischen Präparates empfohlen. Die Spritzintervalle sollten dem Zuwachs entsprechend angepasst werden und bei der derzeitigen Wetterlage 8 Tage nicht überschreiten. Als Nährstoffzugabe und Repellent gegen Haarwild Aminosol oder Beckmann Aminofert-N 1L/ha. Ein altes Hausmittel ist Buttermilch 0,5 l/10L
Zur direkten Bekämpfung gegen Fraßschäden durch Hasen/Haarwild ist Trico (auf Schaf-Fett-Basis, 15 l/ha bis ES 61 zugelassen.
Kulturarbeiten
Viele Male beschrieben. Moderate Entblätterung! Sonnenseite bitte Blätterdach belassen! Bitte an Tagen über 30°C Entblätterungsmaßnahmen aussetzen.
Die Teilentblätterung der Traubenzone dient zur besseren Durchlüftung der Traubenzone und ist damit eine vorbeugende phytosanitäre Maßnahme gegen Pilzkrankheiten (Botrytis und Essigfäulnis). Bitte achten Sie auf das moderate Entblättern und Belassen sie ein schützendes Blätterdach auf der Sonnenseite zur Verhinderung von Sonnenbrand und bezüglich Aromaverlusten bzw. Verhinderung der Einlagerung von Bitterstoffen in den Trauben, die direkt der Sonne ausgesetzt sind.
Bodenpflege
Es bleibt bei der Empfehlung weiterhin alternierend jede zweite Gasse zu mulchen. Dies sorgt für einen guten Gasaustausch, vermindert
Chlorose und fördert die Beschattung und kühlt damit den Boden an sehr heißen Tagen.
Tiefere Bodenbearbeitungen sollten aufgrund von Freisetzung höherer Stickstofffrachten im Boden unterlassen bzw. zum Zeitpunkt nach der Lese als Vorbereitung für Wintereinsaaten verschoben werden. Wer in Trockenstandorten die Bodenkapillaren schließen möchte sollte nach Abtrocknung des Oberbodens eine flache Bearbeitung in den bereits offen gehaltenen Gassen mit der Kreiselegge durchführen.
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl