Allgemeiner Entwicklungsstand
Sollte es Beschwerden auf Grund der kühlen Phase gegeben haben, dann bleibt abzuwarten, welche noch kommen. Nach der Wettervorhersage wird nun bis zum Monatsende kräftig eingeheizt. Im westlichen Beratungsgebiet sind bis zu 38° C im Angebot, dazu tropische Nächte und Schwüle. Nicht jeder empfindet dies als angenehm. Gelegentliche lokale Hitzegewitter können ebenfalls entstehen, damit ist auch etwas Risiko mit im Boot. Am Bodensee soll dies nicht so ausgeprägt verlaufen, sehr schön ebenfalls, aber nicht ganz so hohe Temperaturen. Damit ist aber auch nicht zu erkennen, dass es einen Aufschub in der Rebenentwicklung geben könnte. Wir sind in der Energie intensivsten Zeit des Jahres, der längste Tag steht noch bevor. Inzwischen nähern wir uns mit raschen Schritten dem Stadium Traubenschluss. Im Bodenseeraum werden nun auch die allerletzten Reste von Gescheinen in kürzester Zeit abgeblüht sein, sofern diese es nicht schon sind. Die Turboblüte im westlichen Beratungsgebiet hinterlässt doch Spuren von Verriesselungen, das Bild ist aber uneinheitlich. L – Klon wird oft berichtet, dagegen die „alten Klone“ als top. Die grössere Frage ist eher, wie sich die teilweise grossen, langen Trauben füllen. Die Sorte Müller - Thurgau ist hier auffallend. Dies wird sicher mit eine zukünftige Wasserfrage sein. Durch die zurückliegend geringen Niederschläge steigt die Tendenz in Richtung Trockenheit zunehmend. Die Bestände stehen noch schön und gesund, erste leichte Anzeichen von Trockenheit werden aber aus dem Bodenseegebiet gemeldet. Das Gipfeln und maschinelle Entblättern laufen. Geht es in diesem Tempo weiter, sind viele wichtige Arbeiten bis zur Monatswende Juni / Juli abgeschlossen.
Zu den tierischen Schädlingen
Die Fallen zur Kontrolle des Traubenwicklerfluges sind neu zu bestücken und die Kontrolle ist wiederaufzunehmen. In der Flugzeit der Windglasflügelzikade sollten deren Wirtspflanzen, wie Winde und Brennnessel, weder mechanisch noch durch Herbizide abgetötet werden. Dies würde die Zikaden zu Suchflügen nach neuen Nahrungsquellen zwingen. Dadurch steigt die Gefahr, dass infizierte Zikaden die Reben anstechen und infizieren. Je nach Witterung endet die Flugzeit gegen Ende Juli bis Mitte August.
Zu den Pilzkrankheiten
Wir nehmen den Buchtitel eines Klassikers: im Westen nichts Neues, und als Zusatz: im Osten ist es ruhig. Die Lage bei Peronospora ist völlig entspannt und die kommenden 10 Tage nach Vorhersage bieten Ruhe pur. Die Strategie bleibt kostengünstig, klassische Kontaktmittel reichen völlig aus. Damit liegt weiterhin der Schwerpunkt des Pflanzenschutzes bei Oidium. Wir befinden uns nach wie vor in der Nachblüte. Das rasche Beerenwachstum bringt in Folge eine Belagsverdünnung. Im Abstand von 10 bis 12 Tagen sollte daher für den weiteren Schutz eine Behandlung erfolgen, wobei aktuell im westlichen Beratungsgebiet die anstehende Behandlung umgesetzt wird. Bei aktuell laufenden Behandlungen kommen zum Einsatz: gegen Oidium ein gutes Mittel im Übergang wie z.B. Belanty mit 1,5 l / ha oder Vivando mit 0,24 l / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha Mittelaufwand. Der Einsatzzeitraum der Phosphonate ist abgeschlossen. Mit dieser Behandlung ist im westlichen Beratungsgebiet die kritische Blütephase vorbei. Je nach Wetterlage zeichnet sich eine weitere Behandlung zum Monatsende ab, dazu aber nächste Woche mehr.
Im Bodenseeraum gestaltet sich die Lage etwas anderst. Hier ist im Wochenverlauf die Blüte endgültig zu Ende gegangen. Daher sollte im Abstand von 8 bis max. 10 Tagen eine Behandlung erfolgen, um auch diesen Spätblühern einen guten Schutz gegen Oidium mit auf den Weg zu geben. Erst danach sind längere Abstände in Betracht zu ziehen. Mit Blick auf Oidium daher folgende Empfehlung: gegen Oidium ein potentes Mittel wie Sercadis mit 0,18 l / ha, einmalig das Mittel Luna Max mit 0,99 l / ha oder Talendo mit 0,3 l / ha Mittelaufwand. Es gelten folgende möglichen Reihenfolgen: Talendo – SDHI (Sercadis, Luna Max) – Talendo oder SDHI – Talendo – SDHI. Achten Sie bei nachfolgenden Behandlungen unbedingt auf einen Wirkstoffwechsel, um diese sehr guten Produkte in ihrer Wirkung zu erhalten. Alternativ kann auch Belanty mit 1,5 l / ha eingesetzt werden. Der Zusatz von 2 bis 3 kg / ha Netzschwefel auch gegen Sommergenerationen der Pockenmilben wird empfohlen. Gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie Folpan WDG mit 1,2 kg / ha oder Folpan SC mit 1,8 l / ha. Für Phosphonate gilt oben genannte Aussage.
Sollte in den heissen Tagen behandelt werden, empfiehlt sich eine Verlegung des Pflanzenschutzes in die kühleren Tageszeiten: früh morgens oder abends. Bei Fahren in der Hitze wird der Zusatz von Bittersalz nicht empfohlen, wobei dies generell nachteiliger ist und nach Möglichkeit vermieden werden sollte.
Zum jetzigen Entwicklungsstand sollten alle PIWI – Sorten auch zur Stabilisierung der Resistenzeigenschaften nochmals mitbehandelt werden. Drei Behandlungen sind jedoch ausreichend, ausser bei Oidium empfindlicheren Cabernet – Kreuzungen aus Freiburg. Hier ist eine zusätzliche sicherer. Bei Tafeltrauben ist auf den Einsatz entsprechend zugelassener Mittel zu achten.
Durch die schnelle Entwicklung kommt im westlichen Beratungsgebiet der Einsatzzeitpunkt eines Botrytismittels zur Vortraubenschlussbehandlung zur Überlegung. Es ist abzuwägen: die oft lockere Traubenstruktur, die Art und Weise der Entblätterung, eine eventuelle Notwendigkeit in Premiumlinien und natürlich die Kostenfrage. Der Einsatz kann bei lockerer Struktur noch gezogen werden, bis sich das einstellende Traubenbild klarer abzeichnet und die Lockerheit zusätzlich für eine Verschiebung der Wirkungsdauer genutzt wird. Bei Anlagen mit sich abzeichnenden dichteren Trauben und ohne Säuberung von Blütenresten durch moderates Ausblasen (welches oft die Wirkung einer Botytisbehandlung hat) kann der Einsatz sinnvoll sein. Zum Einsatz kommen: zur Traubenzonenbehandlung ein Botrytismittel wie z.B. Switch mit 0,48 kg / ha, Teldor mit 0,75 kg / ha, Kenja mit 0,75 l / ha oder Cantus mit 0,6 kg / ha Mittelaufwand. Cantus oder Kenja kann nur eingesetzt werden, sofern bei der Oidumbehandlung ein SDHI – Mittel nur einmal eingesetzt wurde und die Behandlung nicht im Block erfolgt. Kenja und Cantus sind ebenfalls in der SDHI - Wirkstoffklasse. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Gutes Handwerk bei dieser Massnahme bedeutet das Fahren jeder Gasse. Eine vorausgehende Entblätterung erhöht die Wirksamkeit der Mittel enorm.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.
Weinbauliche Hinweise
Durch die zurückliegend schwankenden Energiewerte wird der Einsatz von 12 bis 15 kg / ha Bittersalz zum Schutz gegen Stiellähme, Produkt EpsoTop, empfohlen. Dies gilt auch für die grossen Stielgerüste, um die Magnesiumversorgung abzusichern. Achten Sie bei Magnesiummangel anfälligen PIWI – Sorten auf auftretende Mangelsymptome. Hier ist eine Blattdüngung mit Magnesium sinnvoll. Cabernet Cortis und Muscaris haben eine Neigung zu Stiellähme. Auch hier ist Magnesium hilfreich.
Gipfeln bestimmt die Weinbauarbeiten, damit die Laubwände stabil bleiben und teure Nacharbeiten vermieden werden können. Achten Sie bei allen Entblätterungsarbeiten auf eine moderate Umsetzung, auch um bei Weissweinsorten die Aromatik zu erhalten. Bei hohen Temperaturen über 30° C sollten die Arbeiten eingestellt werden, um dem Sonnenbrandrisiko vorzubeugen. Der Zusatz von 0,5 kg Harnstoff auf 100 l fertige Spritzbrühe oder der Einsatz von 2 l / ha Siapton oder Aminosol ist ins besonders in den trockneren Lagen vorteilhaft und in Anlagen mit stark reduziertem Düngereinsatz.
Die Trockenheitsfrage nimmt zu. Hochstehende Begrünungen und Einsaaten sollten möglichst gewalzt oder deckend gemulcht werden, um zusätzlich der Verdunstung entgegen zu wirken und die Böden kühl zu halten. Zugleich wird bei Starkregen der Oberflächenabfluss von Wasser verringert. Ein Kurzrasenmulchen sollte vermieden werden, damit die Böden in den Hitzephasen nicht ausglühen. In der Jungfeldpflege ist auf ein sauber halten des Pflanzstreifens zu achten, damit es nicht vergrast und keine Konkurrenzsituation zu den Jungreben entsteht. Achten Sie auf ausgeprägten Trockenstandorten auf beginnende Trockenheitssymptome wie hängende Ranken. Besonders in Junganlagen von Hochstammreben muss rechtzeitig bewässert werden. Um dem Risiko der Erosion bei Starkregen entgegen zu wirken, sollten in hängigen Lagen in den Junganlagen als Mindestmassnahme Strohtreifen gelegt werden.
Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 25. Juni 2026.